10 Jahre Bolsa Familia

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Re: 10 Jahre Bolsa Familia

Beitragvon Berlincopa » So 3. Nov 2013, 21:21

BrasilJaneiro hat geschrieben:
Berlincopa hat geschrieben:
BrasilJaneiro hat geschrieben:Traurig an jeder Wohlfahrt des Staates ist, dass sich (linke) Parteien damit ihre zukünftigen Wähler sichern und nur ein Interesse daran haben können, diesen Personenkreis in staatlicher vergüteter Armut zu belassen. Sonst droht Wählerwanderung. Deshalb ist es zweckhafter die Schuld immer bei den Reichen, Unternehmern und Besserverdienenden zu suchen, das Volk vor angeblichen Rechten und Rassisten zu warnen und einzuschüchtern und den geistigen Horizont des Volkes auf ein Minimum zu halten, dass man jeden Unmut im Volke mit ein paar Parolen aus der Welt schaffen kann.



Es ist eine böswilige Unterstellung, daß die Regierung Lula den Personenkreis, der von der Bolsa Familia profitiert möglichst dauerhaft konservieren wollte. Im Gegenteil ist es das Ziel, durch eine wachsende Wirtschaft langfristig keine Bolsa Familia mehr zahlen zu müssen, da sich die Ärmsten peu à peu hocharbeiten.



hahaha, was für ein Witz. Dann versuchen dies in Deutschland die Politiker schon seit 40 Jahren. Ohne die HartzIV Empfänger würden die neuen Parteien und die Linke nicht existieren. Die SPD würde noch weiter absacken.


Zur Erinnerung:
Die in Deutschland vor ca. 10 Jahren eingeleiteten Reformen bedeuteten ja gerade einen drastischen Einschnitt in den Sozialstaat: Der Arbeitslose erhielt nicht mehr bis zu seiner Rente das einigermaßen auskömmliche Arbeitslosengeld sondern konnte nach einem Jahr auf Sozialhilfeniveau absacken.
Diese Reformen haben mit dazu beigetragen, daß Deutschland jetzt wieder gut dasteht im Vergleich zu allen seinen Nachbarn; viele Leute sind auch in den letzten Jahren aus Hartz IV herausgekommen, dennoch verbleiben einige Millionen hier und werden wohl auch kaum noch für den Arbeitsmarkt zu mobilisieren sein. Für diese Menschen ist diese Hilfe notwendig und auch nicht zu kritisieren, immerhin ist Deutschland eine soziale Marktwirtschaft.
In Brasilien hingegen bedeutete die Einführung der Bolsa Familia eine Erweiterung der staatlichen Fürsorge. Und es wäre ja auch wirklich eine vergonha, wenn ein an sich nicht armes Land sich nicht aufraffen könnte, für seine Ärmsten etwas zu tun. Was es daran zu kritisieren gibt, Menschen aus dem absoluten Elend herauszuhelfen, wissen wohl nur hartherzige Mitbürger.
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Re: 10 Jahre Bolsa Familia

Beitragvon Berlincopa » So 3. Nov 2013, 21:31

Trem Mineiro hat geschrieben:
BrasilJaneiro hat geschrieben:[
hahaha, was für ein Witz. Dann versuchen dies in Deutschland die Politiker schon seit 40 Jahren. Ohne die HartzIV Empfänger würden die neuen Parteien und die Linke nicht existieren. Die SPD würde noch weiter absacken.



Ich frage mich bis heute, wieso ein Land der Industriearbeiter, der kleinen Angestellten. der Geringverdienenden, der Arbeitslosen, der Rentner, der Minijobber sich bis heute von einer Partei regieren lässt, die weder Christlich, noch Sozial und dafür Büttel der Reichen der Großgrundbesitzer und Großindustriellen in diesem Lande ist und die das Volk regelmäßig an der Nase herumführt.
Mag sein, daß es eine solche Partei gab, aber die ist ja bekanntlich aus dem BT geflogen. Auf die von Dir Dir ggf. gemeinte Partei treffen diese Aussagen eher nicht zu, vielmehr hat sie entscheidend dabei mitgeholfen, Deutschland nach dem 2. Weltkrieg wieder an die ökonomische Weltspitze zu führen und gleichzeitig einen Sozialstaat aufzubauen, der seinesgleichen sucht. Daher ist es nur zu verständlich, daß viele Menschen dieser Partei ihr Vertrauen schenken
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Re: 10 Jahre Bolsa Familia

Beitragvon Cheesytom » So 3. Nov 2013, 21:49

Trem Mineiro hat geschrieben:Ich frage mich bis heute, wieso ein Land der Industriearbeiter, der kleinen Angestellten. der Geringverdienenden, der Arbeitslosen, der Rentner, der Minijobber sich bis heute von einer Partei regieren lässt, die weder Christlich, noch Sozial und dafür Büttel der Reichen der Großgrundbesitzer und Großindustriellen in diesem Lande ist und die das Volk regelmäßig an der Nase herumführt.


Jep, das frege ich mich auch, aber die FDP ist ja nach Ende der Koalitionsverhandlungen zum Glück erst mal aussen vor :mrgreen: , für die nächsten 4 Jahre mindestens.

Allerdings verstehe ich auch nicht, wie man auf die SED-Wendehälse reinfallen kann und die für die nächsten 4 Jahre dabei sind.
Gruss aus Maceió, Alagoas
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Re: 10 Jahre Bolsa Familia

Beitragvon Cheesytom » So 3. Nov 2013, 21:55

Berlincopa hat geschrieben:Mag sein, daß es eine solche Partei gab, aber die ist ja bekanntlich aus dem BT geflogen. Auf die von Dir Dir ggf. gemeinte Partei treffen diese Aussagen eher nicht zu, vielmehr hat sie entscheidend dabei mitgeholfen, Deutschland nach dem 2. Weltkrieg wieder an die ökonomische Weltspitze zu führen und gleichzeitig einen Sozialstaat aufzubauen, der seinesgleichen sucht.


Erstens ist das sehr lange her und zweitens haben sie dazu immer nur als kleinerer Koalitionspartner mitarbeiten dürfen und drittens gibt es keine FDP-Politiker mehr, die auch nur im Ansatz z. Bsp. einem Aussenminister wie Genscher das Wasser reichen können, auch keine anderen mit Rückrad, wie z.Bsp. Baum. Statt desen Westerwelle und Co....
Gruss aus Maceió, Alagoas
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Re: 10 Jahre Bolsa Familia

Beitragvon Berlincopa » So 3. Nov 2013, 22:26

Hier ein weiterer Bericht über die Erfolge von Bolsa Familia:
Höhere Impfquoten, geringere Kindersterblichkeit, verbesserter Schulbesuch, Beseitigung von elementarer Armut
für mehrere Millionen Menschen.
Es profitieren momentan ca. 13 Mio. Haushalte (50 Mio Personen) von diesem Programm, die Kosten belaufen sich auf ca. 24 Mrd. Reais (0,46% des BIP)
http://www.brasil.gov.br/cidadania-e-justica/2013/10/bolsa-familia-impacta-na-vida-de-nao-beneficiarios
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Re: 10 Jahre Bolsa Familia

Beitragvon Itacare » So 3. Nov 2013, 23:08

Schaut euch um auf der Welt. Je mehr sich Kapital- und Grundbesitz konzentrieren, desto übler die Zustände. Da helfen auch keine Bolsas und dergleichen.
Nein, ich bin weder Kommunist noch Sozialist. Aber wo der Mittelstand fehlt, da fehlt es weit.
Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.
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Re: 10 Jahre Bolsa Familia

Beitragvon BrasilJaneiro » So 3. Nov 2013, 23:20

Berlincopa hat geschrieben:Hier ein weiterer Bericht über die Erfolge von Bolsa Familia:
Höhere Impfquoten, geringere Kindersterblichkeit, verbesserter Schulbesuch, Beseitigung von elementarer Armut
für mehrere Millionen Menschen.
Es profitieren momentan ca. 13 Mio. Haushalte (50 Mio Personen) von diesem Programm, die Kosten belaufen sich auf ca. 24 Mrd. Reais (0,46% des BIP)
http://www.brasil.gov.br/cidadania-e-justica/2013/10/bolsa-familia-impacta-na-vida-de-nao-beneficiarios


Es wird keiner von der Regierung und den Befürwortern negatives erzählen. Die Frage ist immer, wie viel Wohlstand kommt unten wirklich an. Und wie viel wird daraus gemacht. Am Ende endet ein Teil als Schwakowiack http://www.youtube.com/watch?v=91XFSUasQTU oder Arno Dübel http://www.youtube.com/watch?v=pypwopo3BD0
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Re: 10 Jahre Bolsa Familia

Beitragvon BrasilJaneiro » So 3. Nov 2013, 23:26

Itacare hat geschrieben:Schaut euch um auf der Welt. Je mehr sich Kapital- und Grundbesitz konzentrieren, desto übler die Zustände. Da helfen auch keine Bolsas und dergleichen.
Nein, ich bin weder Kommunist noch Sozialist. Aber wo der Mittelstand fehlt, da fehlt es weit.


Da erkennst du genau das Problem. Nur der Mittelstand kann auf Dauer für Wohlstand sorgen. Multinationale Konzerne kommen und verschwinden. Die kann man nur unterstützen, wenn sie die Probleme auch angehen. Für die Autoindustrie gilt seit Jahren ein weg von den Benzinmotoren und schnelle Entwicklungen zu Elektroautos, Magnetmotoren oder sonstigen Erfindungen. Aber nichts tut sich. Statt dessen verfallen Städte wie Detroit etc.
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Re: 10 Jahre Bolsa Familia

Beitragvon Berlincopa » So 3. Nov 2013, 23:52

BrasilJaneiro hat geschrieben:
Itacare hat geschrieben:Schaut euch um auf der Welt. Je mehr sich Kapital- und Grundbesitz konzentrieren, desto übler die Zustände. Da helfen auch keine Bolsas und dergleichen.
Nein, ich bin weder Kommunist noch Sozialist. Aber wo der Mittelstand fehlt, da fehlt es weit.


Da erkennst du genau das Problem. Nur der Mittelstand kann auf Dauer für Wohlstand sorgen. Multinationale Konzerne kommen und verschwinden. Die kann man nur unterstützen, wenn sie die Probleme auch angehen. Für die Autoindustrie gilt seit Jahren ein weg von den Benzinmotoren und schnelle Entwicklungen zu Elektroautos, Magnetmotoren oder sonstigen Erfindungen. Aber nichts tut sich. Statt dessen verfallen Städte wie Detroit etc.



Prinzipiell kann man dem zustimmen. Wie aus dem Bericht zu entnehmen war, haben sich aber auch mehrere Hunderttausend Leute selbständig machen können aufgrund der Hilfe der Bolsa Familial. Daß es in Brasilien keinen so ausgeprägten Mittelstand wie in Deutschland gibt, hat natürlich historische aber auch strukturelle Gründe (überbordende Bürokratie, schlechte Infrastruktur, unkalkulierbare Arbeitsgerichtsbarkeit, abgeschottete Märkte etc.). Eine Liberalisierung der Wirtschaft könnte auch in Brasilien zu einem Gründerboom von jungen gut ausgebildeten Leuten führen.
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Re: 10 Jahre Bolsa Familia

Beitragvon brasiuuu » Mo 4. Nov 2013, 14:04

Itacare hat geschrieben:Schaut euch um auf der Welt. Je mehr sich Kapital- und Grundbesitz konzentrieren, desto übler die Zustände. Da helfen auch keine Bolsas und dergleichen.
Nein, ich bin weder Kommunist noch Sozialist. Aber wo der Mittelstand fehlt, da fehlt es weit.


Wiso denn? Der Mittelstand hält ja auch Kapital und Grundbesitz!
Im Gegenteil, je mehr Kapital desto besser für die armen.....Die mit Kapital Investieren, die ohne haben Arbeit.
Sonst wäre ja in Nordkorea alles vom feinsten.
Abgesehen davon finanzieren die Arbeitenden durch die Arbeitslosenversicherung die Sozialhilfeempfänger
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