20 Jahre Mauerfall - Eure Erlebnisse

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Re: 20 Jahre Mauerfall - Eure Erlebnisse

Beitragvon Itacare » Sa 14. Nov 2009, 23:51

Teckpac hat geschrieben:
dimaew hat geschrieben: Frau Merkel ist mit Sicherheit die beste Kanzlerin, die Deutschland bisher hatte, gar keine Frage.

Ist ja auch nicht weiter schwer, da uns Angie ja auch die erste Kanzlerin ist!!! Aber was wäre Angie denn ohne Birne, Sie war doch sein erster Ostzögling und das hat doch erst die Gleise für Angie gestellt!! Ohne dies würde Sie heute Kommunalpolitik im ehemaligen Osten betreiben!


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Re: 20 Jahre Mauerfall - Eure Erlebnisse

Beitragvon dimaew » Sa 14. Nov 2009, 23:51

Richtig, aber es heißt zwar die Birne, trotzdem war Helmut keine Kanzlerin.

Um mal wieder ein wenig ernsthafter mit dem Thema umzugehen: Ich war im Sommer mit meinen Eltern an der Ostsee, mecklenburgische Küste. Da war ich bisher noch nie. Eine schöne Ecke und etliche Straßen sahen auch so aus, als habe die Aufbauhilfe Ost noch nicht gegriffen. Andererseits gab es etliche neu aussehende Pensionen und Ferienhäuser. Und die Menschen, mit denen ich geredet habe, waren alle freundlich und hilfsbereit. Von einer "Grenze im Kopf Ost/West" habe ich nichts gemerkt.
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Re: 20 Jahre Mauerfall - Eure Erlebnisse

Beitragvon morgenrot » So 15. Nov 2009, 05:05

Teckpac hat geschrieben:
dimaew hat geschrieben:Aber was wäre Angie denn ohne Birne, Sie war doch sein erster Ostzögling und das hat doch erst die Gleise für Angie gestellt!! Ohne dies würde Sie heute Kommunalpolitik im ehemaligen Osten betreiben!


...........geb ich dir Recht.....Kohl´s Mädchen..........
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Re: 20 Jahre Mauerfall - Eure Erlebnisse

Beitragvon Kalle » Sa 21. Nov 2009, 19:26

Hi,

ich wohnte in Sao Paulo, als die TV Bandeirantes "Live" die Bilder aus Berlin Übertrug. 1987 war ich auf eine Längere Ausbildungstour in Köln (Frau und Töchter dabei).
Mit meiner Schwester, Oberamtsrätin (med. vet.) sind wir für 4 Tage nach Berlin. Der Grenzübergang war schon Problematisch. Der einfachhalber bin ich mit Family mit Brasilianischen Papiere rüber. Der Stasi Grenzer wollte partout wissen wieso ein Brasilianer nun so gut deutsch könne. Meiner jüngeren Tochter sind die Bewaffneten Beamten in Erinnerung geblieben, die von mir immer wieder verlangten ich solle die Brille absetzten, und musterten mein Brasil. Pass gründlich durch.
In Berlin, nach dem Eintrittsticket für DM 20,00 durften wir das "Paradies" besuchen und waren entsetzt über den Krassen Unterschied. Die Straßenbahn mit Ihren Gelben Waggons, schrecklich. Als der Buss für eine Kaffeepause stopte, wurde aus der Reichhaltige Auswahl gewählt, aber letzlich bekamen alle das selbe!!
Auf der Westseite konnte man von diesen beobachtunsplatformen "rüberschauen".

Später 1994 als ich in Leipzig eine Baustelle leitete, hatte ich 5 Arbeiter aus Chemnitz. Zwei waren zur Wende bei der NVA (Panzer). Einer war bei der FLAK. Der von der Flak erzählte dass falls der Westen Mitte der 1980 angegriffen hätte er mit seiner Flak nicht Zielen könne. Auf Anordnung wurden von sämtlichen FLAKS die Ziehleinrichtungen demontiert und dem "Brudervolk" von ANGOLA zur Verteidigung Übergeben!!

Die beiden Panzer Fahrer erzählten das sehr oft kein Sprit für die Übungsfahrten da war und in einer 4er oder 5er Gruppe Sie zu Fuß übers Trainingsgelänge herlaufen mussten und einer machte mit dem Mund die Motorengeräusche nach. Wir waren und fühlten uns als echte "Feldidioten".
1988 in Berlin erfuhr ich von "Ossis" Kollegen weitere Abstrusen Geschichten.

Ob Ossi oder Wessi, die Klicheehaften Vorstellungen über Brasilien und besonders Rio waren bei beiden "fast" identisch!!
..
"A vida é uma peça de Teatro, que não permite ensaios. Por isso, cante, chore, dance, ria e viva intensamente antes que a cortina se feche e a peça termine sem aplausos."
(Charlie Chaplin)

Gruß,
Kalle
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Re: 20 Jahre Mauerfall - Eure Erlebnisse

Beitragvon tinto » So 22. Nov 2009, 09:19

Itacare hat geschrieben:Vermutlich wollte tinto als Eröffner mehr an die Emotionen anknüpfen die mit dem Mauerfall verbunden waren. Und vielleicht habe ich mit einem Beitrag weiter oben dazu beigetragen das in die falsche Richtung entgleisen zu lassen… aber so war es nun mal.
Gehen wir noch weiter zurück. ...


Nein, ich wollte nur, dass jeder sagen kann, wie das, was damals passierte, empfunden wurde und wie es das persönliche Leben veränderte.

Hier also meine Geschichte.

Meine Eltern hatten mich immer gelehrt, Deutschland sein ein Land und mein Vater gab mir mal so eine Karte, wo noch was von Zonen und Ostgebieten drin war, in den Grenzen von 1937, vor dem Krieg. Meine geschichts- und Politiklehrer, allesamt aus der APO und 68er Zeit, lehrten mich, die Zweistaastlichkeit zu akzeptieren und dauch, dass es nie eine Wiedervereinigung geben werde, das war bis 1988 so.

However Ende 1988 lernte ich meine erste richtige Freundin kennen, die über alles bisher gewesene hinaus ging. Da war ich nach dem Abi Wehrdienstler und musste üben, gegen den Feind aus dem Osten zu kämpfen. Als das vorbei war und ich zur Uni ging, um zu studieren, was Recht ist, da sah ich im fernsehn durchaus verwirrt und emotional bewegt, was da in Prag und in Ungarn passierte, was von einem Sprechzettel aus verlesen wurde...und da pakte es mich und meine Freundin un wir fuhren noch 1989 in den Osten. Waahnsinn, wie wir da begrüßt und bewirtet wurden, abenteuerlich die Straßen und Unterkünfte, haben viele VEB-Betriebe besucht und Sachen erstanden, waren in Bitterfeld, haben Dreck gerochen. Einfach irre.

Ein paar Wochen später war meine Freundin komisch geworden. Lustlos, langweilig, so als interessiere ich sie nicht mehr, sie zog sich zurück und ich machte Schluss. Sie meldete sich nicht, und mir fing es schon an Leid zu tun, wie ich mich verhalten habe. Also wollte ich den ersten Schritt machen, aber sie ging nicht ans Telefon. 3 Tage später hatte ich ihre Mutter am Telefon. Antje hat Leukämie, sagte sie nur.

Dieser Moment - und was ich danach erlebte - veränderte mein Leben massiv. Ich verbrachte viel Zeit im Krankenhaus und davor. Ihre Haare waren ausgefallen, die Haut von unzähligen Nadelstichen entstellt, das Gesicht aufgedunsen, alle möglichen gefährlichen Krankheiten, Lungenentzüdung, Rippenfellentzündungen machten sich breit, dem Tode geweiht....

...einmal kam ich an, da fuhr der Leichenwagen vor...soll man froh sein, dass nicht sie drin lag, sondern der 5-jährige Zimmernachbar?

Sie erholte sich und verliebte sich in ihren Krankenpfleger; und der sagte mir, er könne ihr besser helfen als ich. Wir trennten uns friedlich, und doch hatten wir noch Kontakt. Als sie nach fast einem Jahr aus dem Krankenhaus entlassen wurde, lud sie mich ein, und wir hatte einen schönen Abend. Wir wollten Freunde bleiben.

Und weil es so war wie es war, beschloss ich, das Weite zu suchen. Sie war geheilt und hatte ihre Pläne. Ich hatte mein Verwaltungspraktikum zu machen. Das wollte ich nicht hier in Deutschland machen. Ich hatte Kontakte ins Auswärtige Amt. Auf die Frage, ob ich da mein Praktikum machen könne, sagte mir der: Vergessen Sie alles, was interessant ist: Australien, New York, London, Paris, Spanien..usw. Ja, und was sollte ich nicht vergessen? Große Auslandsvertretungen, wo kaum einer hinwill. Und welche sind das? Sao paulo, Mexikocity und Tokio empfahl er mir. Ich bewarb mich in Sao Paulo und bekam 1992 den gewünschten Platz.

Mehr als drei Monate war war ich im Land mit traumhaften Erlebnissen und vielen Erfahrungen. Auch so skurile Geschichten, wie diejenigen über die Deutsche Einheit aus brasilianischer Sicht, das Ende des DDR-Konsulats, das Oktoberfest und wie es organisiert wird. Ich konnte so richtig entspannen und lernte Brasilien sehr intensiv kennen. Das fiel mir auch leicht. Denn meine Exfreundin schrieb mir regelmäßig Briefe, es schien, dass es ihr gut geht und sie ganz glücklich ist. So verlängerte ich meinen Aufenthalt in Brasilien noch etwas und bereiste das Land....irgendwann hieß es Abschied nehmen.

Der Rückflug kam mir lang und trostlos vor. Ich fühlte mich nicht wohl.

Der erste Brief, den ich zu Hause öffnete, war die Todesanzeige von Antje. Ich kam genau richtig zu ihrer Beerdigung, die gleich am nächsten Tag stattfand. Sie hatte einen Rückfall bekommen und keinen Knochenmarkspender gefunden. Das hatte sie mir nicht geschrieben. Sie wurde 20 Jahre alt.
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Re: 20 Jahre Mauerfall - Eure Erlebnisse

Beitragvon tinto » Mo 30. Nov 2009, 19:53

Mein Beitrag sollte aber kein Schlussbeitrag sein!
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Re: 20 Jahre Mauerfall - Eure Erlebnisse

Beitragvon supergringo » Mo 30. Nov 2009, 20:18

Ich hatte an meinen Erdkunde-Lehrer gedacht, der in den 50ern mit dem Fahrrad in den "Westen" flüchtete. Er war der einzige, der die "Dinge" kapierte. Freitag kurz vor Mittag hatten wir immer Doppelstunde. Vier Jahre lang. Da war "Stadtexkursion" angesagt. Das hieß: frei. Die Polit-Sekretäre aus D und den USA gehören ins KZ. Man musste nur mal mit dem PKW über Halle nach Berlin. Da hat man gesehen, wie marode die sowjetisch besetzte Zone wirklich ist. Von wegen "blühende" Landschaften. Mir war es eher peinlich, wie übervorteilt ich wurde, nur weil ich mit 14 ein 5-D-Mark-Stück in der Hand hielt. Mit 17 oder 18 in Prag oder Budapest hatte ich dann weniger emotionale Probleme. Aber das waren ja auch Schlampen! Eine meinte doch tatsächlich, ob es mir etwas ausmachen würde, weil sie Zigeunerin sei. Pff. Ich nutzte das natürlich aus und gab ihr ein paar Ohrfeigen mehr. Hinterher sagte sie (wortwörtlich in Karpaten-Siebenbürgen-Deutsch): "Puh! Das war echt okay ... trotzdem !&@*$#!!"

PS: Danach gingen wir ins "Cafe" und lachten.
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Re: 20 Jahre Mauerfall - Eure Erlebnisse

Beitragvon jorchinho » Mo 30. Nov 2009, 22:12

Boah, bist schon nen guten. Mannomann. Ich steh (?) kurz vorm umfallen. Bist sehr sehr überzeugt von dir selber. Auch mal die andere Seite gehört? Paar Ohrfeigen mehr?
Muss zugeben, ist sehr amüsant, wie du schreibst, hat echten Unterhaltungswert. Aber wenn ich alles richtig mitbekommen habe, reduzierst du es nur aufs Poppen. Das ist es????????????? Weiss nicht...............
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Re: 20 Jahre Mauerfall - Eure Erlebnisse

Beitragvon jorchinho » Mo 30. Nov 2009, 22:17

tinto hat geschrieben:Hier also meine Geschichte.
...


Gänsehaut, aber richtig...................l.m.a.a Hammer......................
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Re: 20 Jahre Mauerfall - Eure Erlebnisse

Beitragvon supergringo » Di 1. Dez 2009, 12:53

jorchinho hat geschrieben:Boah, [...]
Te(e)g(ch)tmeier ist natürlich auch einer meiner Götter. Wenn Du dem nahe kommst, meinen Respekt! 1984 hatte (Jürgen von Mang)er lt. Wikipedia sogar einen Gastauftritt in Brasilien.
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