75 Gründe aus Deutschland auszuwandern !

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Beitragvon Moranguinho » Mo 13. Nov 2006, 11:56

paulista hat geschrieben:
Alkoholsteuer in BR? Kann ja durchaus sein. Bei Preisen für 1 l Cachaca unter einem EUR aber eher marginal. Benzinsteuer ist ebenfalls um einiges niedriger. Die Tabaksteuer hast Du vergessen zu erwähnen.



Nicht Euro mit Real vergleichen. Es ist egal wie hoch die Alkoholsteuer in Euro ist, wenn ein Brasilianer sie in Real vergleichen muss. Auch die Tabaksteuer gibt es in Brasilien. Für in Euro verdienendende sind die Zigaretten dort billig, aber nicht in Real.

paulista hat geschrieben:
Die Unterscheidung wird dann hinfällig, wenn diese Abgaben wie Steuern benutzt werden.



Die Gesamthöhe ist entscheident, und hier liegt Deutschland besser, weil die Summe aus direkten Steuern, indirekten Steuern und Abgaben in Summe in Deutschland niedriger ist als in Brasilien. Und das ganze bei entsprechenden Gegenleistungen.

paulista hat geschrieben:
Mit "ohne nennenswerte Gegenleistung" hast Du sicher auch an die Rentenversicherung in Deutschland gedacht.



Nein, die hatte ich explizit weiter unten ausgenommen. Die nicht nennenswerte Gegeleistung gilt übrigens auch für Brasilien, es sei denn, Deine Vorfahren oder Du waren/sind beim Militär oder in der brasiliansichen Verwaltung ab einer gewissen Position.


paulista hat geschrieben:
Hast Du auch mal darüber nachgedacht, dass es schon ein gewisser Unterschied ist, ob der Arbeitgeber die Abgaben bezahlt, oder der Arbeitnehmer?




Nein, ist es nicht, wenn es Pflichtabgaben sind. Schließlich ist es der Arbeitnehmer, der die entsprechenden Abgaben erwirtschaften muss. Ist seine Produktivität niedriger als die Summe aus Gehalt und Abgaben, die der Arbeitgeber abführen muss, lohnt sie die Arbeitkraft für den Arbeitgeber nicht, und er wird schlicht nicht eingestellt.
In Deutschland werden die Sozialabgaben (40%) zwischen AG und Arbeitnhemer "geteilt". D.H. ein AN, der 1000 Euro verdient, bezahlt 200 Euro aus "eigener Tasche", 200 Euro werden vom AG draufgelegt. D.H., der AN muss mindestens 1200 Euro + "Gewinn" erwirtschaften. Tut er das nicht, wird er nicht eingestellt. Man könnte den Arbeitgenber auch die 40% komplett bezahlen lassen, was würde das aber ändern? Der AN würde 800 Euro pro Monat bekommen, und der Arbeitgeber immer noch 1200 Euro bezahlen...Würde der AN die Beiträge komplett übernehmen, würde er 1200 Euro bekommen, und dann eben 400 Euro in die Pflichtversicherung einzahlen. Das wäre transparent, und spätestens dann würden in Deutshcland so einige Leute auf die Barrikaden gehen....
Lange rede, kurzer Sinn: Es macht keinen Unterschied, wer was übernimmt, da hinter dem ganzen wirtschaftliche Gesetze stehen. Am Ende des Tages muss der Arbeitnehmer die Beiträge erwirtschaften. D.H. eben auch, dass Du in die Gesamtberechnung auch die 50% einbeziehen musst, die der brasiliansiche Arbeitgeber bezahlen musss...und dann verschiebt die die Quote deutlich zu ungunsten von Brasilien.



paulista hat geschrieben:Natürlich hat man in Deutschland auch die Möglichkeit, durch verschiedene, Steuersparmodelle Steuern zu sparen und weniger zu bezahlen. In Brasilien, wie in jedem anderen Land, dürfte dies ähnlich sein.

Wenn Du den Durchschnittssteuersatz vergleichen willst, dann liegt der in BR auch nicht bei 27,5 %, da die Mehrheit der Arbeitnehmer unter 10.800 $R verdienen und somit einen Steuersatz von 0 % haben. Bei Vergleichen sollten zumindest die zu vergleichenden Kriterien gleich sein.

p


Dann musst Du auch die verschiedenen Einkommensklassen vergleichen, wer unter 7xxx Euro im Jahr in Deutschland verdient, bezahlt auch keine Steuern, bei Verheirateten 15xxx Euro in D. Und dann bist Du hier wieder gleich. Und hier leigt der Vorteil des "Geringverdieners" in Deutschland: Er muss auf Produkte des täglichen Lebens nicht so absurd hohe Verbrauchssteuern bezahlen. Bei "Luxusartikeln" gleicht sich das wieder an.
Meine Aussage hat aber nichts mit Steuersparmodellen zu tun, sondern mit einfacher Mathematik: Der Grenzsteuersatz ist ein Grenzwert (45% in D, 27,5% in BR) der mathematisch nur bei unendlichem Einkommen zu erreichen ist. Bezahlt wird eben der Durchschnittsteuersatz. Das gilt vice versa auch für das Stufenmodell. Einfaches Rechenmodell: Jemand der 10.801 Reais verdient, bezahlt den Eingangssteuersatz. Aber eben nur für einen Real. Für den Rest bezahlt er null. Ich weiss nicht wie hoch der Steuersatz in BR für die erste Stufe ist, schätze mal 12,5% (das ist der Grenzsteuersatz). Die 12,5% gelten dann für den ersten Euro, für den Rest 0. Wie hoch ist dann der Durchschnittsteuersatz...? Und das ganze gilt ebenso für das Progressive Modell in Deutschland. Wer viel verdient, bekommt jeden zusätzlichen Euro mit dem Grenzsteuersatz veranlagt, der Durchschnittsteuersatz dieser Person ist aber niedriger.


BTW: Einen Großteil dieser Abgaben kannst Du sowohl in Brasilien, als auch in Deutschland legal umgehen, wenn Du selbständig bist. Dann gibt es aber wieder andere Probleme und Fallstricke.


Worauf willst Du eigentlich hinaus? Darauf, dass es in Brasilien niedrigere Steuern und Abgaben gibt als in Deutschland? Es ist einfach nicht so, auch wenn es vielleicht Konstellationen geben mag, in denen Brasilien hier gegenüber Deutschland Vorteile haben könnte.

Deutschland ist schlimm, was Steuern und Abgaben angeht, aber Brasilien ist da keinen Deut besser, in vielen Punkten eher noch schlimmer.

In Brasilien mag es vielleicht den jeito geben...aber irgendetwas grenzwertiges würde hier ja keiner machen... :wink:
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Beitragvon Severino » Mo 13. Nov 2006, 12:01

Hört sich ja so an, als wären von den 75 Gründen nur noch einer geblieben: STEUERN ?
Also ich persönlich zahle gerne viel Steuer, dann habe ich nämlich auch viel verdient, oder?
Wobei viele vergessen, dass sie in der neuen Heimat dann die Ausländer sind, auf die man solange gewartet hat.....
paz e amor
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Beitragvon dierk_0476 » Mo 13. Nov 2006, 12:14

lach, severino, naja, vielleicht nicht gerade gewartet, aber wenigstens würden die "Ausländer" das arbeitsniveau erhöhen, indem sie mehr qualität fördern.
Vielleicht schaffen es die ausländer ja auch, die arbeitsmoral einiger brasilianer zu verbessern, denn wenn der bauherr lieber nen deutschen oder italiener an sein haus bauen lässt, weil er für das gleiche geld fast doppelt so schnell ist, wird auch der brasilianer kapieren, das man evtl doch mal mehr arbeiten sollte, als nur da zu sitzen und kaffee zu trinken ;)

Gruss, Dierk
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Beitragvon Moranguinho » Mo 13. Nov 2006, 12:18

Severino hat geschrieben:Hört sich ja so an, als wären von den 75 Gründen nur noch einer geblieben: STEUERN ?
Also ich persönlich zahle gerne viel Steuer, dann habe ich nämlich auch viel verdient, oder?
Wobei viele vergessen, dass sie in der neuen Heimat dann die Ausländer sind, auf die man solange gewartet hat.....


:lol: Genau, unter den Bedingungen zahle ich auch gerne viel Steuern...

Mal im ernst: Von den 75 Gründen sind die Steuern eher der Grund, der mich von einer Auswanderung nach BR abhalten würde. Ich habe für michh persönlich viele Gründe, eine Auswanderung nach BR in Erwägung zu ziehen, Steuern gehören bestimmt nicht dazu...
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Beitragvon Moranguinho » Mo 13. Nov 2006, 12:22

dierk_0476 hat geschrieben:lach, severino, naja, vielleicht nicht gerade gewartet, aber wenigstens würden die "Ausländer" das arbeitsniveau erhöhen, indem sie mehr qualität fördern.
Vielleicht schaffen es die ausländer ja auch, die arbeitsmoral einiger brasilianer zu verbessern, denn wenn der bauherr lieber nen deutschen oder italiener an sein haus bauen lässt, weil er für das gleiche geld fast doppelt so schnell ist, wird auch der brasilianer kapieren, das man evtl doch mal mehr arbeiten sollte, als nur da zu sitzen und kaffee zu trinken ;)

Gruss, Dierk


eine Möglichkeit ist, dass Du die allgemeine Arbeitsmoral damit erhöhst...eine andere ist, dass Du von allen möglichen Seiten Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommst... :roll:

Ich bin auch der Meinung, dass Du mit der Berücksichtigung sog. "deutscher (oder wie auch immer)" Tugenden in einem potenziell von Dir geführten Unternehmen eine Menge Erfolg in Brasilien haben kannst. Den Neidhammel solltest Du aber ganz besonders in Brasilien nicht unterschätzen. Viele Brasilianer interessieren sich viel mehr für das Leben ihrer Nachbarn, als für das Eigene... 8)

...ja, ja, ich weiss, auch in Deutschland ist der Sozialneid extrem ausgeprägt...
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Beitragvon dierk_0476 » Mo 13. Nov 2006, 12:28

grins, ja, das mit dem lästern kenne ich, meine freundin und ihre cousinen machen das fast professionell ;)

desweiteren, vielleicht schaffe ich es in den nächsten jahren genug geld für ne eigene firma auf die hohe kante zu legen, denn dann mache ich das ;)
Nur fehlt mir noch die idee, aber ich hab ja noch bis zu 7 jahre zeit

Gruss, Dierk
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Beitragvon Takeo » Mo 13. Nov 2006, 23:39

Moranguinho hat vollkommen recht! In Brasilien bezahlt man unterm Strich weit mehr Steuern als in Deutschland... und kommt mir jetzt bitte nicht mit irgendwelchen Rechnungen: Tatsache ist, dass man in Brasilien von Januar bis Mai umsonst (bzw. für den Staat) arbeitet, aber praktisch KEINE Gegenleistung vom Staat bekommt. Und Dierk_007, wenn Du in Deutschland unterqualifiziert bist, bist Du es in Brasilien erst Recht: im Hotel arbeiten, bedeutet 350,- R$ im Monat wahrscheinlich noch nicht mal registriert, zwei Jobs am Flughafen bedeuten vielleicht 700,- R$ im Monat, bei 6 x 16 Stunden bitteschön.... bei 2000,- R$ monatlich muss man Zeugnisse, Hochschulstudien, Auslandsaufenthalte, Mestardo etc etc etc haben... Macht Euch nichts vor: Brasilianer sind nicht blöd, wenn man ein normales Einkommen verdienen will, stellt man fest, dass die brasiliansichen Arbeitskollegen in Sachen Bildung, Intelligenz, Dynamik etc... plötzlich den Europäern in keinster Weisen nachstehen... macht Euch da ja nichts vor!!!
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Beitragvon Takeo » Mo 13. Nov 2006, 23:48

dierk_0476 hat geschrieben:lach, severino, naja, vielleicht nicht gerade gewartet, aber wenigstens würden die "Ausländer" das arbeitsniveau erhöhen, indem sie mehr qualität fördern.
Vielleicht schaffen es die ausländer ja auch, die arbeitsmoral einiger brasilianer zu verbessern, denn wenn der bauherr lieber nen deutschen oder italiener an sein haus bauen lässt, weil er für das gleiche geld fast doppelt so schnell ist, wird auch der brasilianer kapieren, das man evtl doch mal mehr arbeiten sollte, als nur da zu sitzen und kaffee zu trinken ;)

Gruss, Dierk


Wir (mein Arbeitskollege und Ich) haben dieser Tage ein Haus (ein Depósito in der Grösse eines kleinen Hauses) in genau 20 Tagen mit zwei Maurern und einem Gehilfen bauen lassen... Samstags, Sonntags, Wochentags... 18.000 R$. Ach ja: die antiseptische Sickergrube (im Preis nicht inbegriffen, aber in der Zeit) sieht man auf dem Foto nicht!
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Beitragvon Takeo » Di 14. Nov 2006, 00:03

hier das Foto
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(61.91 KiB) 192-mal heruntergeladen
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Beitragvon Severino » Di 14. Nov 2006, 09:53

Gratuliere. Das ist eine stolze Leistung. Dois pedreiros e um servente! Aber noch eine kleine Frage. Die 18´000 R$ ist Material, Löhne und Grundstück oder nur Materialkosten?
Und zum Innenausbau: Laje? Ceramica? ..und die wichtigste Frage: Wie hast Du die brasilianischen Bauarbeiter dazu bewegen können, oder waren es Deutsche? Denn normalerweis dauert so ein Haus ja mindestens 3 Monate in Brasilien.....
paz e amor
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