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@Cuco:
Zu dem, was Du gesagt hast, kann ich Dir großteils recht geben. Es kommt aber darauf an, welcher "Enkommensgruppe" man so angehört.
Vereinfacht gesprochen ist, wenn man nur (!) den finanziellen Aspekt des Lebens betrachtet, in meinen Augen so: Wenn Du wenig verdienst, hast Du in Deutschland das bessere Leben, wenn Du viel verdienst, kann Brasilien vorteilhaft sein.
Zum Thema Einkommensteuer: auch in Deutschland bezahlen nur sehr wenige Leute einen nennenswerten Anteil an Einkommensteuer. Bis ca. 8000 Euro müssen keine Steuern gezahlt werden, und danach sind die Einkommensteuersätze noch nicht sehr hoch (mal gelsen: ca. 70% des Deutschen Einkommenssteueraufkommens wird von 20% der Steuerzahler erwirtschaftet).
Was für Geringverdiener in Brasilien extrem problematisch ist, sind die hohen indirekten Steuern, je nach Produkt und Bundesstaat können das 50% bis 80% sein. Optisch fällt das für viele Europäer nicht auf, wenn der Cachaca in der Herstellung nur 2 Real kostet, kostet er nach Steuern 3 Reais. Für und ein Witz, für jemanden, der 390 Reais im Monat nach Hause bringt viel Geld.
Das mit den Steuern für Unternehmer ist auch so eine Sache: Entweder Du gehst in Brasilien in den informellen Sektor, dann ist es illegal, aber Du zahlst eben nichts. Oder Du versuchst, legal zu bleiben. Dann wird es schwierig, dann wird Dein Produkt/Deine Dienstleistung extrem teuer. Viele bilianzielle Möglichkeiten, wie es sie in der ersten Welt gibt, gibt es in BR nicht, besonders für Kleinunternehmer. Daher der große informelle Sektor dort.
Krankenversicherung: Ich bezahle dafür auch die Höchstbeiträge, und zwar alleine (ich bekomme keinen Arbeitgeberbeitrag "geschenkt"). Viel Geld, jeden Monat, ohne Frage. Zum Glück habe ich die Krankenversicherung noch nie wirklich gebraucht. Ich bezahle den Beitrag übrigens freiwillig, ich muss mich nicht krankenversichern. Aber auch hier wieder: Für Geringverdiener in Deutschland eine tolle Sache, ein Brasilianer mit geringem Einkommen muss von einer Krankenversicherung nicht mal träumen (und das obwohl 50% seines Gehalts noch mal extra in Sozialkassen eingezahlt werden, auch, wenn das vielen eben nicht bewusst ist).
Die anderen Abgaben, Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung: Klar, ein riesen Mist, Du zahlst viel Geld ein, und bekommst besonders aus der Rentenversicherung in Zukunft nur wenig wieder zurück. Aber: Auch in Brasilien gibt es solche Versicherung, egal wer sie zahlt. In Summe kommst Du aber trotzdem über alles in Brasilien auf höhere Steuern und Abgaben als in Deutschland, besonders, wenn Du in Brasilien rechtlich sauber bleiben möchtest (für Gringos sehr zu empfehlen). Die Höhe der Gesamtbelastung kann natürlich variieren, je nachdem ob Du lieber Schnaps und Zigaretten, oder vielleicht doch Reis mit Bohnen ist, ob Du einen Gol aus brasilianischer Produktion, oder doch den importierten 7er BMW kaufst. Perfekt ist auch das deutsche System nicht, viel zu ineffizient, habe ich ja schon mehrfach geschrieben. Aber eben doch noch besser als das Brasilianische.
Daher meine Meinung: Steuern und Abgaben sind bei näherer Betrachtung kein vorangiger Grund, nach Brasilien auszuwandern. Wem es darum geht, der ist in anderen Ländern besser bedient, z.B. in Australien.
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