Abfindung "Caseiro"

Fragen zur Gesetzeslage in Brasilien, Einwanderungs-, Einfuhr- und Zollbestimmungen sowie Steuerfragen

Abfindung "Caseiro"

Beitragvon donpedrobrasil » Fr 6. Jul 2012, 23:05

Hallo erst mal, wir sind jetzt 18 Monate in Brasilien seßhaft, haben ein "kleines" Sitio am Meer gekauft welches seinerzeit "pflegebedürftig" war. Wir nahmen uns also einen jungen Burschen (40 Stunden die Woche, 175,-R$ unangemeldet), der zu der Zeit arbeitslos war. Nun ist der Punkt gekommen, wo die Arbeit weniger wird und wir ihn nicht mehr täglich brauchen, wenn, dann nur noch max. 2 Tage die Woche. Heute war dann der große Abschied und er teilte uns ganz freundlich mit, dass es hier in Brasilien üblich sei, 100,-R$ pro Monat Abfindung zu zahlen, da er ja jetzt arbeitslos wäre. Wir haben zwar schon mal gehört, dass "Schwarzarbeiter" später ihre Sozialabgaben einklagen, aber Abfindung [-X
Wer kennt sich aus und kennt das Gesetz?

Gruß Heidi&Ralph
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Re: Abfindung "Caseiro"

Beitragvon sonhador » Sa 7. Jul 2012, 01:37

donpedrobrasil hat geschrieben:Hallo erst mal, wir sind jetzt 18 Monate in Brasilien seßhaft, haben ein "kleines" Sitio am Meer gekauft welches seinerzeit "pflegebedürftig" war. Wir nahmen uns also einen jungen Burschen (40 Stunden die Woche, 175,-R$ unangemeldet), der zu der Zeit arbeitslos war. Nun ist der Punkt gekommen, wo die Arbeit weniger wird und wir ihn nicht mehr täglich brauchen, wenn, dann nur noch max. 2 Tage die Woche. Heute war dann der große Abschied und er teilte uns ganz freundlich mit, dass es hier in Brasilien üblich sei, 100,-R$ pro Monat Abfindung zu zahlen, da er ja jetzt arbeitslos wäre. Wir haben zwar schon mal gehört, dass "Schwarzarbeiter" später ihre Sozialabgaben einklagen, aber Abfindung [-X
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Gruß Heidi&Ralph


Da habt ihr euch selbst ein Ei gelegt. Ohne Carteira de Trabalho unterschrieben wir das teuer für euch. Nur die Strafe allein für das nicht unterscheiben der Carteira kostet etwa R$ 1.000,00.
Er wird euch einklagen beim Arbeitsgericht, da schliesse ich eine grössere Wette ab. Die Leute kennen ihre Rechte. Zudem ist das Salario minimo zu bezahlen, Feriengeld, 13. Monatslonn wird dann vom Richter festgelegt.Gemäss Verfassung, darf niemand weniger als eine Salario minimo verdienen, bei dieser Stundenzahl sowieso. FGTS und INSS sind nachzuzahlen.

Ich schätze mal, das wird euch zwischen 5-10.000 Reais kosten. Ich würde nichts bezahlen zum voraus, der Richter rechnet das euch nicht an.

Wenn ihr nach dem Richterspruch nicht zahlt, kann euer Sitio gerichtlich versteigert werden.
( Penhor )
Ist eine absolute Ausnahme. Sonst nur noch bei nichtbezahlen des Condominos bei Eigentumswohnungen. Sonst ist das Wohn - Eigentum ein "bem de Familia" und kann icht zwangsversteigert werden.
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Re: Abfindung "Caseiro"

Beitragvon Elsass » Sa 7. Jul 2012, 05:10

175 pro Monat (40h/Woche) war ja wohl sehr billig.
Aber, ohne carteira assignada hat er erst mal nichts in der Hand.
Ihr koenntet argumentieren, dass ihr ihn nur tageweise beschaeftigt habt.
Die Dauer (18 Monate) ist aber ein Problem.
Wenn er vor Gericht geht, dann kann es so ausgehen, wie im vorgehenden thread angedeutet.
Machs wie die Brasilianer; runterhandeln. "appreende chorar" :wink:
Mach ein Angebot: 50 pro Monat.
Wenn er gut gearbeitet hat, hat er es allemal verdient.
Auserdem will er ja mit euch weitermachen, da wird er schon einen Kompromiss machen.
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Re: Abfindung "Caseiro"

Beitragvon donpedrobrasil » Sa 7. Jul 2012, 08:41

sorry, erst mal danke, habe ich wohl falsch ausgedrückt #-o , 175,- die Woche, also 700,- R$ im Monat und am Stück waren es 9 Monate, die er für uns gearbeitet hat. Unterschrieben wurde von beiden Seiten nichts..
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Re: Abfindung "Caseiro"

Beitragvon amazonasklaus » Sa 7. Jul 2012, 09:39

Falls es zu einem Gerichtsverfahren kommt, hast Du als Arbeitgeber (= Ausbeuter) und Ausländer (= gemeiner Gringo) von Haus aus schon doppelt verloren. Du kannst behaupten/beweisen, was Du willst. Die Wahrscheinlichkeit, dass Du das Verfahren gewinnst, beträgt 0,0%.

Das Gericht wird festlegen, dass Du alles nachzahlen musst, worauf ein Angestellter mit unterschriebenem Arbeitsbuch Anspruch gehabt hätte. Dabei sind die Sozialabgaben der kleinste Teil. Schwerer wiegen Urlaubgsgeld, Weihnachtsgeld und Kündigungsfrist (1 Monat).

Wenn Du Deinem Hausmeister die geforderte Abfindung zahlst und er Dich nicht trotzdem verklagt, kommst Du billig davon.
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Re: Abfindung "Caseiro"

Beitragvon Christian B. » Sa 7. Jul 2012, 09:58

Elsass hat geschrieben:Machs wie die Brasilianer; runterhandeln. "appreende chorar" :wink:
Mach ein Angebot: 50 pro Monat...

Das kann gut gehen oder auch nicht.
Ich kenne einen ähnlichen Fall. Da wurde ebenfalls nachträglich Zahlungen getätigt. Natürlich wieder nicht schriftlich und dann kam es trotz dem noch zu einer Verhandlung. Die Klägerin bekamm zu 100% Recht. Der Verklagte hatte gar nichts auf der Hand. Pech gehabt.
Auch das Nachzahlen eines geringeren Betrags auf freiwilliger Basis ist nicht so einfach, weil schlicht und einfach gegen geltendes Recht verstossen wurde. Geltendes Recht kann nicht durch Veträge oder Zahlungen ausgehebelt werden.

Gruß
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Re: Abfindung "Caseiro"

Beitragvon Elsass » Sa 7. Jul 2012, 14:21

Er koennte aber auch als selbstaendiger Handwerker gearbeitet haben.
Dann sollte es aber eine Vereinbarung ueber eine klar abgegrenze Arbeitsleistung (empreita) geben.
Kann uach muendlich vereinbart worden sein. Dann waere es eventuell sogar legal.
Vielleicht weiss da jemand genauer Bescheid, wie es im Fall einer "empreita" mit der "carteira assignada" aussieht,ob die dann auch noetig ist.
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Re: Abfindung "Caseiro"

Beitragvon amazonasklaus » Sa 7. Jul 2012, 20:46

Im CLT sind ein paar Kriterien definiert, bei deren Vorliegen auch ohne formellen Vertrag von einem Anstellungsverhältnis mit allen Rechten für den Angestellten auszugehen ist. Dazu gehören u.a. Dinge wie Regelmäßigkeit (ab 2-3 mal pro Woche gegeben), Personengebundenheit (immer dieselbe Person führt die Arbeiten aus) und Weisungsgebundenheit (der Arbeitgeber ordnet an, wie das Gewerk erstellt werden soll).

Da diese Kriterien im Beispiel erfüllt sind, dürfte womit der Hausmeister im Sinne des CLT als Empregado doméstico einzustufen sein. Damit hätte er die oben genannten Ansprüche. Anspruch auf FGTS besteht hingegen nicht, weil das für Hausangestellte eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers ist.
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Re: Abfindung "Caseiro"

Beitragvon Gaucho_RS » So 8. Jul 2012, 00:57

Kann mich da den vorherigen Usern nur anschließen: Wenn es zu einer Klage kommt, dann wird es teuer.
Generell müssen in Brasilien pro Jahr der Beschäftigung ein durchschnittlicher Monatslohn als Abfindung bezahlt werden.

Bei einer Klage, müssen erst einmal die Sozialabgaben nachgezahlt werden. Dies würde in diesem Fall ja eher ein "kleiner" Betrag sein, im Vergleich zur Strafe. Die Strafe ist maßgeblich abhängig von ihren Einkommensverhältnissen! Da es wahrscheinlich ist, dass er seine Rechte einklagt, sollte ihr ihm ein außergerichtliches Angebot machen. 1000R$-2000R$....das wäre sicherlich ein gutes Geschäft für Euch!
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Re: Abfindung "Caseiro"

Beitragvon BRASILIANT » Di 10. Jul 2012, 14:54

Elsass hat geschrieben:Machs wie die Brasilianer; runterhandeln. "appreende chorar" :wink:
Mach ein Angebot: 50 pro Monat.


Würde ich nicht machen, das Geld ist rausgeworfen. Denn Du hast keine Sicherheit das er nachher nicht doch zur örtl. Vertretung des MTE geht und Anzeige erstattet. Wie schon erwähnt, selbst wenn der Caseiro Dir den Empfang der vereinbarten "Abfindung" quittiert, wird der Richter das sicher NICHT anrechnen. Also zum Fenster rausgeworfenes Geld.

Da Ihr die CTPS nicht unterschrieben und den Caseiro ordentlich angemeldet habt, bleibt Euch nichts anderes übrig als abzuwarten was er macht.
Selbst wenn Ihr von Euch aus zum MTE geht und alles nachträglich durchziehen wollt, wird das nichts bringen. Die Strafen und Kosten bleiben Euch nicht erspart.

Dumm gelaufen ! Aber den Kopf wird Euch auch niemand abreissen, bzw. Angst in den Knast zu gehen, brauchst Du auch nicht haben.

Übrigens, eine ABFINGUNG gibt es nicht im Arbeitsgesetz. Wenn der AG den AN entlässt ohne Verschulden des AN, dann muss der AG eine Strafe zahlen die abhängig ist von der Dauer des Beschäftigungsverhältniss und dem Gehalt.Mit CTPS hat der AN Anspruch auf Arbeitslosengeld und Auszahlung des FGTS, wenn Ihm gekündigt wird. Wenn er selber Kündigt nicht.

:cool:
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