Abteilung "Good News"

Mitteilungen von und für Mitgliedern zum Brasilien-Forum / Verbesserungsvorschläge / Kritik und Lob

expusladeira

Beitragvon bruzundanga » Sa 14. Apr 2007, 04:09

Komme besoffem nach Hause und muss mir diesen Brunft reinziehen>
Contentam-se.
A boa novidade é: A instustentavel leveza de ser. O resto foda-se.
In einen hohlen Kopf geht viel Wissen (Karl Kraus)
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Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Beitragvon Kuddel » Sa 14. Apr 2007, 08:11

brasilblog hat geschrieben: Ich spreche nicht von Brasilien. Ich spreche von den Menschen in meiner Umgebung. Von meinen Erfahrungen.

Moin,
Das sollten eigentlich alle tun. Mit ist immer unverständlich wie einiger hier von Brasilien oder von den Brasilianern sprechen.
Erstens ist das Land riesig groß und zweitens gilt für Brasilien, wie für jedes andere Land, es gibt Nette Leute und es gibt Arschlöcher. Da ich mir meinen Freunde aber selber aussuchen kann ist das kein Problem. Ich bin halt mit den Netten zusammen. Davon kenne ich sehr viele in Brasilien und anderswo.

Christian
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Beitragvon Takeo » Sa 14. Apr 2007, 13:26

Ich setzte doch nur einen Kontrapunkt gegen diese Einstellung: in Deutschland laufen nur qudratische Hochleitungsarbeitsmaschinen 'rum, und in Brasilien sind alle Menschen arm mittellos und liebenswert. Ich gehe in Brasilien jetzt nicht in besonderem Masse offen auf die Menschen zu, nur weil ich plötzlich in Brasilien bin... ich gehe in Brasilien vollkommen neutral auf die Menschen zu, alltag eben, ich mach mir nicht tagtäglich Brasiliengedanken: hui, ich lebe im schönen sonnigen Brasilien, hier sind ja alle Leute so nett... und ich bin jetzt so offen. Ich bin überall relativ offen (und das sollte man auch sein!), und merke deshalb zwischen Brasilianern, Argentiniern und Deutschen gar nicht mal so einen fundamentalen Unterschied... Bei manchen von Euch habe ich dann den Eindruck, dass Ihr wie verwandelt aus dem Flugzeug steigt wenn ihr in Brasilien seid, dann muss man sich aber die Frage stellen, ob das Brasilien ist, oder ob man das nicht selbst ist! So könnte ich eventuell sagen, das brasilblog auch in Deutschland hätte aussteigen können, wenn er nur gewollt hätte, seine neue Lebenseinstellung hat eventuell garnicht so viel mit Brasilien zu tun, sondern mit ihm selbst... Das ist doch mindesten "Good News", oder?
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Beitragvon dietmar » Sa 14. Apr 2007, 13:53

Takeo,

natürlich kann ich überall aussteigen, doch darum geht es eigentlich nicht. Ich war ja auch lange Zeit in Paraguay, in Asuncion, und diese Menschen haben mit den Menschen jetzt bei mir in der Region aber überhaupt nichts gemein.

Ich denke schon, dass man durch seine "Umwelt" beeinflusst wird. Für dich sind es bestimmt auch "Good News", dass ich glaube, dass es in Brasilien auch faule und arbeitsscheue Menschen gibt, dass es Kriminelle gibt und vor allem unsymphatische Menschen gibt. Klar! Habe ja auch geschrieben, dass ich denen aus dem Weg gehe.

Nur wage ich auch zu bezweifeln, dass ich den netten Menschenschlag hier in dieser Anzahl auch in Deutschland finden würde.

Natürlich habe ich meine Lebenseinstellung geändert, doch wer hat mich auf den richtigen Weg gebracht: die Menschen hier! Natürlich nur indirekt durch ihre Art. Diese Pluspunkte gehen nun einmal an "meine Brasileiros in meinem Brasil" .... und das sind keine "Good News", dass sind "Top News"! :D
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Beitragvon dietmar » Sa 14. Apr 2007, 18:25

[..] Auf der anderen Seite waren meine Kollegen gerade von Brasilien sehr beeindruckt. Sie meinten, die Preise für Waren in Brasilien seien schon fast mit den Preisen in Deutschland zu vergleichen – mit dem bizarren Unterschied, dass ein Großteil der Menschen wesentlich weniger verdient als die Menschen hier. Doch wenn man die Lebensfreude der Brasilianer trotz dieser Armut mit der Einstellung der Deutschen vergleiche – wenn man dann wieder zurück nach Deutschland käme und diese trostlosen, unfreundlichen Gesichter hier sehe und die in Selbstmitleid ertränkten oder wütend aggressiven Kommentare höre, hätte man nur noch einen Wunsch: Schnell zurück.... [..]


Habe ich soeben in einem anderen Thread gefunden .... :D
(Hervorhebungen durch mich)

Quelle des Zitates: Auszug aus einem Artikel auf Finanznachrichten.de via 6507/deutsche-und-das-bild-von-deutschland/
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Beitragvon lol » Sa 14. Apr 2007, 21:58

Im Netz, basilblog, wird auch viel !&@*$#! geschrieben, muss man nicht alles für voll nehmen. :D

Bei dem ganzen Sülz hier im Zusammenhang mit deiner Haltung geht es
gar nicht darum, dass du froh und glücklich bist, das sei dir doch von
Herzen gegönnt. Die menschliche Natur ist vielfältig, der eine findet sein
Glück da wo du jetzt bist, der andere eben als Reihenhausbewohner im
Middelmanagement.

Es ist nur dieses schreckliche Sendungsbewußtsein was ab und an
durchblinkt. Wenn z.B. Her Neto hier rumtrompetet, er sei so froh
weil das Wetter so gut ist und er seinen Rüssel ins nächste Bier
tauchen kann etc. kann man das zur Kenntniss nehmen und gut oder
schlecht finden, jedenfalls kaum diskutieren.

Es wird immer dann schwieriger wenn aus der eigenen Lebenssituation
Allgemeinplätze abgeleitet werden im Stil von Deutschland ist dunkel
und !&@*$#! und in Br. ist alles fein. Ich habe dann immer den Eindruck
die Schreiber versuchen ununterbrochen die eigene Lebenssituation
und die Entscheiungen die dahin geführt haben zu rechtfertigen. Das
habt ihr Jungs an der Sonnenseite des Lebens doch gar nicht nötig ?! :lol:
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Beitragvon Careca » Sa 14. Apr 2007, 22:49

Takeo hat geschrieben:Bei manchen von Euch habe ich dann den Eindruck, dass Ihr wie verwandelt aus dem Flugzeug steigt wenn ihr in Brasilien seid, dann muss man sich aber die Frage stellen, ob das Brasilien ist, oder ob man das nicht selbst ist!

Das trifft nicht nur auf Brasilien zu. Viele ändern ihr Verhalten spontan, wenn sie aus der gesellschaftlichen Klammer ihrer sozialen Umgebung entwichen sind. Das ist nichts neues und im Grunde nur sehr bekanntes. Und das trifft m.E. nicht nur auf Deutsche zu.

Gerade nach Urlaubszeiten fällt dieses jedem aufmerksamen Beobachter auf. Die graue Maus aus Wanne-Eickel mutiert zum Feger (würde die Fotos dazu aber nie im Büro rumzeigen) und der gehemmte Sachbearbeiter wird zum Überflieger, bevor er wieder hinter seinen zu bearbeitenden Sachen landet. Wie es die Gesellschaft von dem Feger und den Flieger erwartet.

Oder während der WM. Zuvor hätte jeder von ungebührlichem Verhalten (Störertum) gesprochen. Aber erst nachdem die Kritik aus dem Ausland positiv war, wurde die Stimmung hier so akzeptiert, wie sie war. Inzwischen - bezeichnenderweise - wird ja immer von "Sommermärchen" gesprochen. Eine a-posteri-Entschuldigung im Winter für etwas, was status quo hätte werden müssen (... Gott sei Dank, war der Winter super-mild und der Frühling ist jetzt sommerhaft, so dass nur wenig davon erfrieren konnte ...)

Und die brasilianische Gesellschaft hat die gleichen Erwartungen (Klammern) in deren sozialen Umfeld (favela, condominio, etc.). Jeder Zuwanderer dieser Gesellschaft hat einen neuen Stellenwert und muss sich seine Position in deren Gesellschaft erkämpfen. Nichts anderes geschieht für Zuwanderer auch hier in der deutschen Gesellschaft. So wurde ich letztens angeranzt, weil ich portugiesisch sprach. Ich solle gefälligst deutsch sprechen, denn ich befände mich hier in Deutschland. Ich habe dann auf Englisch gewechselt, wo ich dann von ihr das Wort vom "arroganten Inselaffen" auffing. Danach wechselte ich auf mein dialektfreies Hochdeutsch. Die Frau, die mich dort anklagend zur Ordnung rufen wollte, kam aufgrund der Nachfrage nach eigenen Aussagen aus Kroatien und lebt seit zwei Jahren in Deutschland. Weder den deutschähnlichen Dialekt noch die deutsche Sprache beherrschte sie alltagssprachlichtauglich. Die Frau hatte ein Stück empfundener deutscher Da-Seins-Form übernommen und eine gesellschaftliche Position assimiliertend imitiert. Wäre es eine deutsche Person gewesen, würde jeder von Ausländerfeindlichkeit sprechen. Aber eine Ausländerin mit Ausländerfeindlichkeit?

Meiner Ansicht nach sind Deutsche genau so emotional wie Brasilianer. Nur die eigenen Ausdrucksmittel für diese Emotionalität sind unterschiedlich. Schlagworte wie "Dichter und Denker", "Ruhe ist erste Bürgerpflicht" oder auch "Wat der Buar nit kennt, dat friat he nit" charakterisieren die besondere Da-seins-Form. Diese Form stellt eine Art gesellschaftliche Klammer dar.
Kommt jemand in ein fremdes Land, fehlt diese Klammer, da die soziologischen Klammern der anderen Gesellschaft nicht bekannt sind. Manche lassen dann die Sau raus (der Extrovertierte), andere verkriechen sich ängstlich in sich selber (der Introvertierte) und andere versuchen das Fehlen dieser Erfahrung mit der eigenen Aufgeschlossenheit zu kompensieren, um eben diese Erfahrungen zu machen (der stetig Lernende).
Der Deutsche an sich ist dabei nicht lebensfeindlicher eingestellt als der Brasilianer oder der Japaner. Und das unabhängig vom finanziellen Auskommen.

Was mir beim Zitat von brasilblog einfiel, ist der Satz "Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf." Rudeltier in einem Rudel. Und wer nicht zum richtigen Rudel gehört, muss sich auf Probleme einstellen, sollte er den ersten Eindruck verpatzt haben. Der Deutsche an sich soll ja Hunde lieben, aber einem Hundeleben generell ja abhold sein.

Was ich in Brasilien feststellen konnte, ist der Fakt, dass viele (nicht alle!) Deutsche sich irgendwie "klumpen". Finden Sie ihresgleiche dann bilden sie ein Netz. Ein Netzwerk. Was mich bei meinen Aufenthalten in Brasilien immer ein wenig irritiert hatte, war die Affinität der Deutschen zu der "Deutschen Welle", welche als das A und O ihrer aktuellen Ausgangsansichten zur deutschen Lage darstellte. Und das beinhaltete auch das unreflektierte Übernehmen von Kommentaren einiger Reporter der "Deutschen Welle".
Mit der Verbreitung des Internets und der Internet-Streams anderer deutscher Medien hat dieses aber abgenommen. Eine unreflektierte Tendenz zur Ver-BILD-zeitungisierung von Fakten hin zu Meinungsmache hatte ich bei den Deutschen in Brasilien ebenso beobachten können. Und - aber hallo - dann bewegen sich Deutsche emotional auf einer Stufe mit Brasilianer. Was dem Brasilianer seine "fofoca", das ist dem Deutschen sein "Getuschel". Beides hintervotzig, beides effizienter Schweinkram.

Insbesondere fiel mir dabei immer wieder auf, dass Expats besonders gerne sich abfällig über die Deutschen in Deutschland ausließen. Manche völlig verschubladet, andere dabei erfreulich differenziert. Nichts anderes findet sich letztendlich auch hier im Forum. Warum sollte diese Forum besser sein und kein Abbld der Realität?

Expats beaugapfeln ganz kritisch - um nicht zu sagen überkritisch - alle Aussagen über das Land, wo sie leben. Jedes Wort "pro brasil" wird gewichtet und gegebenenfalls sofort scharf korrigiert. Jedes Wort "contra brasil" wird mit Wohlwollen betrachtet und ebenfalls kommentiert. Die individuellen Erfahrungen des Einzelnen werden als individuelle Einzelansichten geclustert und abgeschoben, ohne überhaupt mal mit einem begründendem persönlichen Wort zu dieser Abqualifizierung Stellung zu nehmen. Das Abqualifizieren geht halt recht schnell und schmerzlos. Selten erfährt man mehr über deren "Richter und henker". Sie arbeiten effektiv und effizient, was dem Fortgang einer Diskussion anbetrifft. In dieser Killerphrasen-Technik versteht man sich aber sowohl als Brasilianer als auch Deutscher.

Mir fällt der zweite Teil der amerikanische Filmserie "National Lampoon" (hier als "Die schrillen Vier auf Achse" verkauft; mit Chevy Chase und Beverly deAngelo). Amerikaner kommen im Juni nach Deutschland. Und jeder Deutsche, dem sie begegnen, träg Dirndl oder Lederhose, macht nen Schuplattler oder trinkt, respektive trägt gefüllte Glasbierkrüge durch die Gegend. Die im Film nach Europa verreiste Familie Grisholm ("Die schrillen Vier") befand sich im Übrigen gar nicht in Bayern, sondern in der Kölner Gegend. Trotzdem öffnete der Familie eine deutsche Familie in bayrischer Tracht die Tür. Und redete im muntersten Kölschem Slang. Darsteller war im übrigen die Familie "Millowitsch" und in der Hauptrolle der inzwischen zur Kölner legende erhobene "Willi". Man kann sich jetzt überlegen, ob es die amerikanischen Filmemacher nicht besser wussten (und wirklich glaubten, das Oktoberfest findet im Juni in Köln statt) oder ob sie nicht einfach nur eine Gedankenvorstellung der eigenen Bevölkerung bedienten.

Ebenso verhält es sich auch mit Expats in Brasilien. Sie hassen - ihrer Ansicht nach - eindimensionalen Betrachtungen Brasiliens. Und jeder, von dem sie glauben, er würde einer eindimensionalen Betrachtungsweise Vorschub leisten, eben jenen verfolgen sie aufs härteste. Das habe ich mit einigen Deutschen in Brasilien immer wieder feststellen müssen.

Genau so machen es auch die brasilianischen Expats mit ihren eigenen Landsleuten. Ich habe schon manche hitzige Diskussion über bestimmte Ansichten in dieser Hinsicht verfolgen können.

Es sind wirklich spiegelbildliche Diskussionen. Da wehren sich die einen gegen eine Versexualisierung bestimmter Sachlagen, später aber führen diese genau eben jenes durch, wenn sie plötzlich völlig entspannt reden. Sie reden den gleichen Driss von "Arm und Glücklich" wie wir. Sie reden von "carneval" und seinen Affären wie der Rheinländer sein Abschlussselbstreinigungsgebet vom "Am Aschermittwoch ist alles vorbei" daher singt. Sie reden von "Strand, Frauen und Fussball" wie wir auch. Okay, woanders reden sie da eher vom "bumbum do boi", hier darüber, welche die ausladensten Extremitäten hat. Was hier der Ackerfurchen- oder Rindvieh-Adel schafft, dass kann in Brasilien der Boi-Conde oder caipira schon längst.

Es kommt nicht darauf an, der brasilianischen Gesellschaft und der deutschen Gesellschaft deren Defizite vorzuwerfen und/oder vorzuhalten, sondern diese anzunehmen und das beste daraus zu machen. Wenn hier alle mit dem Schmollmund durch die Gegend laufen, ist das genau so wenig schön, wie wenn in Brasilien die armen, unschuldigen, arbeitsamen Leute mit einem Lächeln auf den Lippen durch "balas perdidas" oder ähnlichen Grausamkeiten sterben. Aber es ist für mich kein Grund, die jeweils betroffene Gesellschaft vorbehaltlos zu verdammen.

Ich nehme mir das schönste aus beiden und das andere verdräng ich. Und zur eigenen Konstraststeigerung (um den Sinn nicht dafür zu verlieren, wie gut es mir geht) reg ich mich auch über das Miese beider Gesellschaftsformen auf.
Daher: Only bad news are good news.

Blauäugig?
Ungerecht?
Undifferenziert?
Naiv?

...
Abraços
Careca

"No risc, no fun!
MfG Microsoft"
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Beitragvon dietmar » So 15. Apr 2007, 00:58

Selbstbetrug ???????
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Beitragvon dietmar » So 15. Apr 2007, 01:49

lol hat geschrieben:Es wird immer dann schwieriger wenn aus der eigenen Lebenssituation Allgemeinplätze abgeleitet werden im Stil von Deutschland ist dunkel und !&@*$#! und in Br. ist alles fein. Ich habe dann immer den Eindruck die Schreiber versuchen ununterbrochen die eigene Lebenssituation
und die Entscheiungen die dahin geführt haben zu rechtfertigen. Das
habt ihr Jungs an der Sonnenseite des Lebens doch gar nicht nötig ?! :lol:


Das hat mir echt wahrhaft gefallen. Bis du mit dem letzten Satz alles versaut hast. Ich versuche ihn nun einfach zu verdrängen (ich verweise auf Carecas harte Lesekost) und nur der oberen Teil zu reflektieren.

Genau das versuche ich ja. Differenzierte Berichterstattung. Keine Pauschalierung, sondern das Einbringen persönlicher Erfahrungen. Ich weiss zwar nicht, wie ich es noch deutlicher formulieren soll, aber anscheinend kommt es nicht an.

Ein Forum ist ein Meinungsaustausch. Leider. Besser wäre es, es wäre ein Erfahrungsaustausch. Denn dann würde jeder nur das schreiben, was er erlebt hat (und dabei die dazugehörigen Bezugspunkte zu nennen) und nicht was er denkt, was in einem Land, welches grösser als Europa ist, Sache ist.

Ich sprach in einem Beitrag von meinem Brasilien. Meinen persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen. Es wurde mir mehr oder minder unterstellt, dass dies so nicht sein kann. Ich habe gar nicht mehr darauf geantwortet. Warum ist es so schwer, die Meinung eines anderen zu akzeptieren? Warum werden persönliche Erfahrungen in Frage gestellt?

Ich muss ja daraus ableiten, dass man mir nicht glaubt. Dass ich lüge. Mir und den Forumslesern etwas vormache. Das enttäuscht mich natürlich und so reagiere ich entsprechend meiner Natur ein wenig aggressiv.

Pauschalierungen sind falsch. Ich will das auch vermeiden. Und hoffe, es gelingt mir einigermassen. Ich bin in der Vergangenheit dafür oft gescholten worden.

Es gab mal ein Beispiel Kinderspielplatz. Da hiess es, in Brasilien gibt es keine Kinderspielplätze. Ich sagte, dass stimmt nicht. Ich habe keine Ahnung hiess es. Ich habe Fotos gemacht und hier reingestellt. Dann war zu dem Thema plötzlich Ruhe. Kein Mucks.

Da kamen auch keine Nachfragen. Wer, wie, wo organisiert. Welche Partei. Wie finanziert. Welche Möglichkeiten gibt es? Wo wurde Eigeninitiative gezeigt. Warum gibt es in der Stadt in der ich lebe, schönere Gemeinschafthalle, finanziert durch Anwohner wie in anderen Städten Rathäuser oder Schulen? Wann geht denn hier mal ein Thema in die Tiefe?

Brasilien ist so unüberschaubar gross und so viele glauben es zu kennen. Ich betone nochmal, ich kenne es nicht. Ich kenne vielleicht eine Region in der Grösse von Hessen. Wenn überhaupt. Anderes habe ich flüchtig gesehen, den Rest kenne ich aus Nachrichten oder TV-Reportagen.

Leider überwiegen auch dort die schlechten Nachrichten. Also lese ich viel im Internet. Knapp 150 Feeds arbeite ich fast täglich durch. Deutsche wie Brasilianische Webseiten. Vieles wiederholt sich, doch aus so manchem lässt sich ein bisschen neues Wissen ableiten. Dort lese ich auch die "guten Nachrichten". Klar, dass die niemand interessiert.

Ich versuche mir damit ein Bild zu machen über dieses riesige Brasilien. Aber wer kennt schon Brasilien ... ich behaupte niemand. Keiner von euch, kein Brasilianer.

Und ich versuche meine Erlebnisse mit einzubringen. Nicht durch die rosarote Brille. Einfach nur ehrlich. Ohne ein Klischee zu zeichnen. Anstelle seine eigenen Erfahrungen zu posten, wird kritisiert. Es ist ein reichlich naives Verhalten. Und es ist ungerecht. Mit Sätzen wie "Mir gefällt die Natur und die Freiheitsgrade" kommt man nicht weiter. Es läuft getreu dem Motto "ich habe auch mal was dazu gesagt". Aber warum? Weil vielleicht in Wirklichkeit die Erfahrung schlichtweg fehlen? Wäre kein Problem das zuzugeben. Oder weil sich die Erfahrungen überschneiden und blosse Zustimmung einfach lächerlich wirkt? Man sollte es ausprobieren. Oder weil man neidisch ist? Dann sollte man die Klappe halten und die Eier haben, seine Situation zu ändern. Und nicht aus Frust heraus zu kritisieren.

Aber bei zu kritischen Berichterstattungen wie Klaus Hart wird dann auch kritisiert. Netzbeschmutzer wurde er genannt. Er wolle alles nur schlechtreden. Er hat sich zurückgezogen. Aus mir verständlichen Gründen. Nun wurde er auch noch als feige bezeichnet. Ist schon ein komisches Forum hier ....

Übrigens hat mir letztens in Paraguay ein Deutscher gesagt, der dort schon 2 Jahrzehnte lebt: "In Brasilien möchte ich nicht leben. Da gibts ja nur Neger und ausserdem wird man als Gringo eh sofort erschossen." Was soll man nun erwidern???

Hier im Forum hat jemand als ziemlich neues Mitglied geschrieben, wie gut ihm der Urlaub gefallen hat. Er hätte viele nette Menschen kennengelernt. Er war richtig fröhlich und ist meines Erachtens nur hier ins Forum gestossen, weil der Urlaub in ihm einen bleibenden positiven Eindruck gemacht hat. Bestimmt wollte er sich näher mit Brasilien beschäftigen [color=red]und hier im Forum einbringen.

Wie zu erwarten war, wurde er gleich darüber aufgeklärt, dass alles nur Lug und Trug und falsches Spiel war und er sich als Touri nicht solchen Illusionen hingeben soll. Und selbst wenn es so war, warum muss man es ihm so sagen. Wenn ich derjeniger gewesen wäre, hätte ich es übersetzt so verstanden: "Hey du Idiot, hast du es noch nicht gerafft? Die haben dich verarscht!"

Ich weiss nicht, ob das die feine Art ist. Ich habe ihm bei seiner Erfahrung/Meinung zustimmt und bekam dann logischerweise auch Hiebe. Ist es denn falsch, wenn jemand positive Erfahrungen macht. Wird das den Menschen nicht gegönnt? Muss man denn alles schlechtreden? Kann man sich nicht mal mit jemanden mitfreuen?

Genau das ist es, was ich an den Menschen hier - nur Not rede ich nur noch von meiner Strasse, meinen Nachbarn, meinen Verwandten - so liebe. Dass die Menschen sich noch über die Freude anderer Menschen freuen können ... Das ist etwas, was leider hier nicht anzutreffen ist.

Da hätte lol auch schreiben können. Hey, dann freu ich mich auch. Obwohl ich ja nur Glück habe: "Es sei mir gegönnt ..." Und als ordentlicher, wohlerzogener Deutscher bedanke ich mich nun auch ganz artig dafür.

Ich sage es euch ganz ehrlich. Die Motzerei kotzt hier kotzt mich an. Mit Brasilienfreunde hat das nichts mehr zu tun. Die Freundschaft wird - wenn man nicht schon lange genug dabei und somit abgehärtet ist - einem sehr schnell verleidet. Schade!

P.S.:Wie hier über teilweise über die brasilianische Mentalität und die Menschen als solche gesprochen wird, dass nimmt schon unterschwellig rassistische Züge an. Aber die Herrenrasse will ja nur aufklären ....
Zuletzt geändert von dietmar am So 15. Apr 2007, 03:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Hartl » So 15. Apr 2007, 02:56

Respekt Brasilblog [-o< [-o<

Finde deine Beiträg recht interessant und kann dem nur zustimmen.Aber ihr wisst doch alle das wir alle nichts wissen und davon jede Menge.Darum hat halt jeder eine andere Meinung.

Hartl
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