Rio de Janeiro. DPA/baz. Der Landesabgeordnete Ubiratan GuimarÆes, der 1992 als Polizeioberst in Brasilien das mit 111 Toten schlimmste Gefängnismassaker des Landes anführte, ist jetzt ermordet worden. Die Leiche sei am Montag in der Wohnung von GuimarÆes in einem Nobelviertel von Sao Paulo gefunden worden, berichteten Medien unter Berufung auf die Polizei. Der Mann sei wohl bereits am Wochenende mit nur einem Schuss tödlich getroffen worden, hiess es.
GuimarÆes war wegen des ungesühnt gebliebenen Massakers im Gefängnis Carandiru in Sao Paulo seit Jahren anonym mit dem Tode bedroht worden. Als Politiker galt er unter anderem als einer der "Erzfeinde" der Gefängnismafia-Organisation "Erstes Hauptstadt- Kommando" (PCC). Bei den für Oktober angesetzten Wahlen wollte GuimarÆes wieder kandidieren. Der zum Zeitpunkt des Massakers als Chef des Gefängnisses von Carandiru in Sao Paulo amtierende José Pedrosa wurde im Oktober 2005 ermordet.
Bei dem Blutbad hatte eine Sondereinheit der Militärpolizei am 2. Oktober 1992 nach amtlichen Angaben mindestens 111 Insassen getötet. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen lag die Opferzahl weit höher. Im Jahr 2001 war GuimarÆes zu 632 Jahren verurteilt worden. Im Berufungsverfahren wurde die Strafe aber Anfang dieses Jahres annulliert. Hinter Gitter musste GuimarÆes nie. Menschenrechtler aus aller Welt bezeichneten das Urteil als "Schande". Von den anderen 83 Verfahren gegen Polizisten hat bisher keines begonnen, und auch für die damals politisch Verantwortlichen blieb Carandiru folgenlos.
Ubiratan GuimarÆes war Abgeordneter der Rechtspartei PTB, die der Regierungskoalition des linksgerichteten Staatschefs Luis Inácio Lula da Silva angehört. Wenn Oberst GuimarÆes in den Wahlkampf zog, stellte er stets seine Kandidatennummer 111 gross heraus.
http://www.baz.ch/news/index.cfm?Ob...085D7F5DD1F1CDF