Anrechnung von in Deutschland gezahlten Steuern

Fragen zur Gesetzeslage in Brasilien, Einwanderungs-, Einfuhr- und Zollbestimmungen sowie Steuerfragen

Anrechnung von in Deutschland gezahlten Steuern

Beitragvon fidi » Mi 7. Jan 2015, 15:05

Hallo,

ich habe zwei sehr kurze Fragen bezüglich Steuern in Brasilien. Ich habe ein Vitem I Visum für Wissenschaftler, laut meiner Recherche bin ich ab 183 Tagen Aufenthalt in Brasilien steuerpflichtig. Jetzt muss ich mir überlegen, ob es ggf. einfacher/günstiger ist unter diesem Tageslimit zu bleiben.

Daher meine zwei Fragen:

1. Wie rechne ich meine in Deutschland gezahlte Einkommenssteuer reziproke Steuerbehandlung) an und fallen dann in der Regel überhaupt noch Steuern an?
2. Gilt die Steuerpflicht auch für VITEM I (Wissenschaftler)

Anbei meine Rechercheergebnisse:

Steuerpflichtig: Ausländer mit befristetem Visum, aber ohne lokalen Arbeitsvertrag, wenn sie sich innerhalb von 12 Monaten länger als 183 Tage in Brasilien aufhalten.

Einkünfte, die nicht aus einer brasilianischen Quelle (wie Lohn oder Gehalt, Dividenden und Mieteinkünfte) oder von einer natürlichen Person stammen, unterliegen nicht der Quellensteuer. Die betreffende Einkommensteuer muss vom Steuerpflichtigen (mittels sog. carnê-leão) monatlich bis zum letzten Werktag des darauffolgenden Monats gezahlt werden.
Bei Verspätung der Zahlung fallen Bußgelder und Zinsen an. Bußgelder (0,33% pro Tag Verspätung, maximal 20% auf den geschuldeten Betrag) und Zinsen sind ab dem Tag nach Fälligkeit der Steuer zu zahlen.
Der Steuerpflichtige muss seine Steuererklärung bis zum 30. April des Folgejahres einreichen. Es gibt keine Vorschrift, die eine Verlängerung der Frist für die Abgabe der Einkommensteuererklärung vorsieht. Wird die Steuererklärung nicht fristgerecht eingereicht, kann das Finanzamt Bußgelder verhängen und Zinsen verlangen. Jegliche Steuernachzahlungen gemäß Steuererklärung müssen bis zum 30. April gezahlt werden.

Zwischen Brasilien und Deutschland gibt es zwar kein Doppelbesteuerungsabkommen, jedoch ein Abkommen über die gegenseitige Gleichbehandlung. Dieses erlaubt die Anrechnung der Einkommensteuer innerhalb gewisser Grenzen (reziproke Steuerbehandlung).
So können auch in Brasilien ansässige Personen die in Deutschland gezahlte Steuer von der in Brasilien geschuldeten Steuer abziehen.

Quellen:
http://www.ahkbrasil.com/pdf_public/Expat%20Guide_Brasilien_2011.pdf
http://www.ahkbrasil.com/pdf_public/Expat%20Guide_2014.pdf
http://www.gevestor.de/details/quellensteuer-brasilien-freie-hand-erschwert-einheitliches-vorgehen-651355.html
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Re: Anrechnung von in Deutschland gezahlten Steuern

Beitragvon BrasilJaneiro » Mi 7. Jan 2015, 18:38

1. Deutschland hat das Doppelbesteuerungsabkommen mit Brasilien gekündigt. Ein neues liegt nicht vor. Deshalb Steuererklärung in beiden Ländern.
2. Der beste Weg ist zu einem contador zu gehen. Nicht auf ein Forum oder auf das Internet verlassen. Kannst aber feedback geben.
Nicht wissen, aber Wissen vortäuschen, ist eine Untugend. Wissen, aber sich dem Unwissenden gegenüber ebenbürtig verhalten, ist Weisheit.
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Re: Anrechnung von in Deutschland gezahlten Steuern

Beitragvon fidi » Mi 7. Jan 2015, 19:22

Hey,

danke schonmal für den Tipp mit dem Ansprechpartner. Kann ja dennoch nicht schaden vorab schonmal ein paar Infos zu haben.

Zwischen Brasilien und Deutschland gibt es zwar kein Doppelbesteuerungsabkommen, jedoch ein Abkommen über die gegenseitige Gleichbehandlung. Dieses erlaubt die Anrechnung der Einkommensteuer innerhalb gewisser Grenzen (reziproke Steuerbehandlung). Hat dazu jemand Erfahrung?

Viele Grüße
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Re: Anrechnung von in Deutschland gezahlten Steuern

Beitragvon Trem Mineiro » Mi 7. Jan 2015, 20:09

fidi hat geschrieben: .........unterliegen nicht der Quellensteuer. Die betreffende Einkommensteuer muss vom Steuerpflichtigen (mittels sog. carnê-leão) monatlich bis zum letzten Werktag des darauffolgenden Monats gezahlt werden.
Bei Verspätung der Zahlung fallen Bußgelder und Zinsen an. Bußgelder (0,33% pro Tag Verspätung, maximal 20% auf den geschuldeten Betrag) und Zinsen sind ab dem Tag nach Fälligkeit der Steuer zu zahlen.
Der Steuerpflichtige muss seine Steuererklärung bis zum 30. April des Folgejahres einreichen.


Ich hab insgesamt bald 20 Jahre in Brasilien gelebt, hab dort meine Steuer gezahlt (so bis 2005-5 gab's ja noch das DBA).

Das vorgenannte Verfahren hat mich auch schon immer gestört, ich hab mich allerdings anfangs auch vorsichtigerweise daran gehalten.
Ab einem bestimmten Zeitpunkt hab ich nur noch Einkommen in Deutschland gehabt, da ich aber eine Permanencia als Angehöriger hatte, habe ich praktisch vom ersten Tag der perma mein Deutsches Einkommen in Brasilien versteuert. In D war ich Steuerausländer, weil ich dort abgemeldet war.

Ich hab keine monatlichen Abschlagszahlungen (carnê-leão) geleistet sondern erst meine Steuererklärung über meine deutschen Einkünfte im Folgejahr, meist im März gemacht und dann die ausgewiesene Steuer im April bezahlt. Meine Steuererklärungen wurden alle akzeptiert, es kamen nie Nachfragen oder gar eine Prüfung und auch keine Mahnung, die Steuer monatlich zu zahlen.
Das gilt auch für meine Kollegen, die in der gleichen Situation waren. Auch mein Steuerberater, den ich anfangs hatte, hat nur die Schultern gezuckt, warum so was für Ausländer gilt. Selbständige Brasilianer müssen allerdings so verfahren.

Es gibt noch ein paar andere Eigenheiten, die man kennen sollte. Schick mir mal eine PN wenn du Interesse hast.

Gruß
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Re: Anrechnung von in Deutschland gezahlten Steuern

Beitragvon fidi » Fr 9. Jan 2015, 13:31

Vielen Dank schonmal für deine Antwort! Ich schicke dir eine PN :)
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Re: Anrechnung von in Deutschland gezahlten Steuern

Beitragvon stan » Sa 18. Apr 2015, 23:40

Hallo,

ich beschäftige mich auch gerade mit dem Thema Steuererklärung und habe mir auch schon grob einen Überblick verschafft. Auch mit dem Steuerberater meiner Frau habe ich schon gesprochen, aber so richtig Bescheid wusste der auch nicht.

Ich lebe mit Permanencia in Brasilien und verdiene mein Geld zu 100% über Internet in Deutschland. In Brasilien habe ich derzeit kein Bankkonto, da ich bisher meine Ausgaben mit Bargeld aus dem Geldautomaten bestritten habe.

Mich würde interessieren, wie ich das "Welteinkommen" bei der Steuererklärung hier nachweisen muss.
Werden irgendwelche Dokumente, wie z.B. die dortige Einkommenssteuererklärung gefordert?

Gibt es hier im Forum vielleicht jemanden mit ähnlichen Rahmenbedingungen, der bereits Erfahrungen hat?

Herzlichen Dank! Stan
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Re: Anrechnung von in Deutschland gezahlten Steuern

Beitragvon Trem Mineiro » So 19. Apr 2015, 00:07

Ich hab dir eine PN geschickt .....................50 Zeichen

Gruß
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Re: Anrechnung von in Deutschland gezahlten Steuern

Beitragvon cabof » So 19. Apr 2015, 06:27

Ich stehe mitten im Prozeß - berichte mal, mein Rentner in Brasilien hat seine brasil. Steuererklärung (von mir lapidar ins Deutsche übersetzt) nach Neubrandenburg geschickt... mal sehen was kommt. Die RV in Berlin wird wohl auch noch ins Spiel kommen, brasil. Einkommen können die deutsche Rente kürzen. Übrigens hat eine Anfrage nach Neubrandenburg 14 Monate in der Beantwortung gedauert. Ich
kann für den Fragesteller nur hoffen, das er einen kompetenten Contador (Steuerberater) findet, der von meinem Kumpel wußte noch nicht mal was ein "Doppelversteuerungsabkommen" ist... nur so viel zum Thema. Brasil. Auslandsrentner müßen in Berlin die CPF angeben, evtl. werden dort dann die Daten ausgetauscht und entsprechend behandelt.
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Re: Anrechnung von in Deutschland gezahlten Steuern

Beitragvon Mazzaropi » So 19. Apr 2015, 13:00

cabof hat geschrieben:.... Brasil. Auslandsrentner müßen in Berlin die CPF angeben, evtl. werden dort dann die Daten ausgetauscht und entsprechend behandelt.



Was meinst Du mit ABGEBEN ????

Die CPF ist doch nur eine 11-stellige Nummer. Wie gibt man die ab und vorallem auf welcher Grundlage ???
Was soll das bewirken ? Immerhin ist die Zeit der CPF Karten schon längst vorbei, sprich es werden schon seit Jahren keine mehr ausgestellt und viel wichtiger, es fragt auch niemand nach der Karte, sondern nur nach der Nummer.


:oops:
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Re: Anrechnung von in Deutschland gezahlten Steuern

Beitragvon Mazzaropi » So 19. Apr 2015, 13:21

stan hat geschrieben:Mich würde interessieren, wie ich das "Welteinkommen" bei der Steuererklärung hier nachweisen muss.
Werden irgendwelche Dokumente, wie z.B. die dortige Einkommenssteuererklärung gefordert?


Das ist das grosse Problem der bras. Steuererklärung. Viele Sachen sind abhängig von der Auslegung. Hinzukommt das Nachweise aus dem Ausland nur sehr schwer oder nur auf Umwegen zu beschaffen sind. Ob dann die vorgelegte Form auch tatsächlich anerkannt wird, lässt sich vermutlich nur bei einer Steuerprüfung (Malha fina - Audit) feststellen.

In Brasilien z.B. stellt der AG am Jahresanfang eine Erklärung aus über das im Vorjahr gezahlte Gehalt, 13. Monatsgehalt, evtl. Boni oder Sonderzahlungen. Wie will man eine derartige Erklärung von einem AG in Deutschland bekommen und wenn man sie bekommt ist immer noch die Frage ob das Dokument auch anerkannt wird von der Receita Federal. Denn schliesslich hat die RF keine Möglichkeit die Echtheit zu prüfen denn der dt. AG wird das Gehalt das er bezahlt hat nicht wie ein bras. AG an die RF melden. Noch schwieriger wird es wenn man in Deutschland selbständig ist. Das selbe gilt für Bankkonten. Da man nicht genau weiss welche Behörde oder Institution in Deutschland tatsächlich Daten und Informationen nach Brasilien weiterleitet, die dann evtl. gegengeprüft werden könnten, kann man nur raten.

Also stellt sich doch zu aller erst die Frage soll ich wirklich eine Steuererklärung in BRA abgeben, deren Daten und Angaben die RF doch überhaupt nicht prüfen kann. Besonders unter dem Gesichtspunkt wenn gar kein Einkommen in BRA erzeugt wird. Für die meisten Gringos ist doch nur entscheidend das die CPF nicht gesperrt oder blockiert wird und dafür ist in erster Linie entscheidend ob der Gringo Bankkonten in BRA hat und wieviel Geld dort bewegt wurde. Denn die RF wird das dort bewegte Geld in erster Linie als bras. Einkommen ansehen, sprich wenn das Steuerfreilimit überschritten wird, will die RF auch eine Steuererklärung sehen. Wird die nicht gemacht wird die CPF gesperrt.

Wer aber in BRA weder Einkommen noch Bankkonto hat, braucht sich auch keinen Kopf wegen einer Steuererklärung machen müssen. Wozu also freiwillig die RF mit Informationen versorgen die nur falsch verstanden und falsch interpretiert werden können und dann mehr Schaden als Nutzen anrichten.

:cool:
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