Auslandsrenter und deutscher Fiskus

Allgemeine Fragen & Tipps über alles, was dem Gringo in Brasilien passieren kann

Auslandsrenter und deutscher Fiskus

Beitragvon Viva Floripa » So 15. Apr 2012, 18:22

Ein Bekannter aus Mexiko hat inzwischen die deutsche ID-Nummer bekommen und fragte mich, wie sich die Besteuerung von Aulandsrentnern verhält. Diesbezüglich habe ich mit dem zuständigen Finanzamt telefoniert (Stand 2012) und so notiert, wie ich das verstanden habe. Die Notiz kann evtl. Fehler enthalten. (für Brasilien gilt das Doppelbesteuerungsabkommen Brasilien) Meine Antwort nach Mexiko zur ersten Orientierung:

Hallo....
Ich habe mal kurz die Rentenbesteuerung nachgelesen und mit dem Finanzamt Neubrandenburg telefoniert, das für die Rentenbesteuerung im Ausland zuständig ist.
Grundsätzlich (so, wie ich das verstanden habe): die Renten werden erst ab 2005 nachversteuert. Lt. Frau Donner vom FA Neubrandenburg (Tel. 0395-442224700) wurden Rentner aus Mexiko oder Kanada bisher noch nicht angeschrieben, soll aber demnächst geschehen. Sie empfiehlt grundsätzlich, „unbeschränkte Steuerpflicht“ anzugeben und „EWR-Einkünfte“ (alle Einkünfte ausserhalb Deutschlands) anzugeben. Hierfür gibt es ein spezielles Formular, worauf die Einkünfte bestätigt werden.
Diese unbeschränkte Steuerpflicht kann angewendet werden, wenn die ausländischen Einkünfte unter 8004 € liegen. Ausländische Renten werden dabei nur mit 50% gerechnet zuzüglich anderer Einkünfte wie Zinsen oder Mieten.

Unbeschränkte Steuerpflicht könnte man auch bekommen, wenn 90% des Gesamteinkommens aus der Deutschen Rente bestehen.

Zu einer pauschalen Besteuerung von 15% gab mir die Dame keine Auskunft, da zunächst die Steuerpflicht da ist. Auch im Internet konnte ich nichts dazu finden.
Ich kann mir aber vorstellen, dass es solche „Zwangsabzüge“ gibt, wenn keine Steuererklärung abgegeben wird.

Das ist keine Sache der Rentenversicherung sondern der deutschen Finanzämter, wo derzeit nur das Finanzamt Neubrandenburg zuständig ist.


Doppelbesteuerungabkommen mit Mexiko oder Kanada besagen
(jeweils Artikel 18), dass Sozialversicherungsrenten nur in Deutschland steuerpflichtig sind.
Bei Wohnsitz im Ausland besteht in Deutschland eine beschränkte Steuerpflicht
nach § 1 Abs. 4 EStG. Hier haben wir grundsätzlich keine Grundfreibeträge, die Steuer wird wie bei einer ledigen Person berechnet. Hieraus ergibt sich schon ein recht heftiger Steuersatz.
Die deutsche Rente ist mit einem Ertragsanteil von mindestens 50% steuerpflichtig (je nach Beginn der Rente). Grob: 10000 € Rente, davon 50% also 5000 Euro steuerpflichtig.
Dabei müsste man noch die Einkünfte im Ausland angeben (mit Bestätigung der dortigen Ämter oder sonstigen Einkommensteuernachweisen.) Je höher die ausländischen Einkünfte, umso höher der Steuersatz in Deutschland (wegen sogenannten Progressionseinkünften.
Bei 10.000 € (hiervon 50%)deutscher Altersrente und beispielsweise 3000€ ausländischer Einkünfte wären wir schon bei über 27% Steuersatz , also ca. 1400 € Steuern.

Herzliche Grüsse erstmal
Viva Floripa
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Re: Auslandsrenter und deutscher Fiskus

Beitragvon ptrludwig » Mo 16. Apr 2012, 16:41

Die Sachen hat einen Haken, man hat vergessen die brasilianischen Finanzbehörden zu fragen ob sie die Einkünfte oder Nichteinkünfte für das deutsche Finanzamt bestätigen.
Es ist schon sehr naiv zu glauben das sich der Rentner ein Formular aus dem Internet herunter lädt, es ausfüllt und damit zur Receita Federal geht und die es ihm unterschreiben. Das ganze dann noch nicht mal in portugiesischer Sprache, wobei auch die nichts ändern würde. #-o
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Re: Auslandsrenter und deutscher Fiskus

Beitragvon amazonasklaus » Mo 16. Apr 2012, 17:35

Was spricht gegen den brasilianischen Steuerbescheid als Nachweisdokument?
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Re: Auslandsrenter und deutscher Fiskus

Beitragvon Frankfurter » Mo 16. Apr 2012, 20:34

Ich bin unwissend:
Daher meine Frage. Es gibt doch KEIN Doppelbesteuerungsabkommen Bras/ Deut ?! Heißt Ich versteuere mein "Welteinkommen" in Brasilien, wenn ich eine Perma habe. Denn die bedeutet, dass ich mich verpflichtet habe, in Brasilien dauernd zu leben. Darunter fällt dann auch die Rente als Einkunft.

Nur ist die Höhe ( 100 % ) der Rente auch abhängig von meinem Wohnsitz. Wenn Brasilien, dann wird die Höhe der Rente doch gekürzt ? Wer also vergessen hat seinen Wohnsitz Brasilien der Rentenanstalt mit zu teilen, erfährt dann die Rentenanstalt so über das Finanzamt diese Tatsache ? Dann noch etwas Steuer in D, und Steuer in Brasilien. Da ist leicht nix mehr mit dem Bier am Abend [-X
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Re: Auslandsrenter und deutscher Fiskus

Beitragvon ptrludwig » Mo 16. Apr 2012, 21:08

Frankfurter hat geschrieben:Ich bin unwissend:
Daher meine Frage. Es gibt doch KEIN Doppelbesteuerungsabkommen Bras/ Deut ?! Heißt Ich versteuere mein "Welteinkommen" in Brasilien, wenn ich eine Perma habe. Denn die bedeutet, dass ich mich verpflichtet habe, in Brasilien dauernd zu leben. Darunter fällt dann auch die Rente als Einkunft.

Nur ist die Höhe ( 100 % ) der Rente auch abhängig von meinem Wohnsitz. Wenn Brasilien, dann wird die Höhe der Rente doch gekürzt ? Wer also vergessen hat seinen Wohnsitz Brasilien der Rentenanstalt mit zu teilen, erfährt dann die Rentenanstalt so über das Finanzamt diese Tatsache ? Dann noch etwas Steuer in D, und Steuer in Brasilien. Da ist leicht nix mehr mit dem Bier am Abend [-X

Das Problem ist folgendes, viele Rentner haben nur die Rente als einziges Einkommen. Da Brasilien und Deutschland kein Steuerabkommen haben, ist ein Rentner in Deutschland erst mal begrenzt steuerpflichtig. Er hat seine Rente zu versteuern, ohne Freibeträge. Ein Ausweg wäre sich in Deutschland unbegrenzt steuerpflichtig stellen zu lassen, dann werden alle Freibeträge gerechnet. Dazu muss er aber nachweisen das er keine nennenswerten Einkünfte hat, siehe erster Beitrag.
Noch etwas wichtiges in diesem Zusammenhang wenn man in Deutschland als Rentner unbegrenzt steuerpflichtig ist, hat man Anspruch auf Kindergeld, falls man minderjährige Kinder oder Stiefkinder hat welche im Haushalt leben. Bedingung ist das diese kein Kindergeld oder ähnliches bekommen.
Das im Ausland die Rente gekürzt wird stimmt zumindest bei deutschen Staatsbürgern nicht.
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Re: Auslandsrenter und deutscher Fiskus

Beitragvon cabof » Mo 16. Apr 2012, 21:17

Frankfurter, wenn Du gerade in DE verweilst schlage ich Dir vor, beim Rentenamt anzufragen und dann noch zum Finanzamt - ich betreue
gerade so einen Fall und wenn die Sache gereift ist, werde ich das für meinen brasil. Rentner abklären, zumindest was die deutsche
Seite betrifft - was er in BR machen wird ist mir egal. Konkrete Antworten, speziell zum Einzelfall kann nur die Behörde geben.
Boa sorte.
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Re: Auslandsrenter und deutscher Fiskus

Beitragvon amazonasklaus » Di 17. Apr 2012, 19:19

ptrludwig hat geschrieben:Dazu muss er aber nachweisen das er keine nennenswerten Einkünfte hat, siehe erster Beitrag.

Wozu sich, wie bereits angeregt, der brasilianische Steuerbescheid hervorragend eignet.
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Re: Auslandsrenter und deutscher Fiskus

Beitragvon ptrludwig » Di 17. Apr 2012, 19:44

amazonasklaus hat geschrieben:
ptrludwig hat geschrieben:Dazu muss er aber nachweisen das er keine nennenswerten Einkünfte hat, siehe erster Beitrag.

Wozu sich, wie bereits angeregt, der brasilianische Steuerbescheid hervorragend eignet.

Nun ja, das wäre der einfache Weg, für den der eine macht. Auf dem Finanzamt sitzen aber Beamte und wollen ein unterschriebenes Formular.
Ein Bekannter von mir ist gerade dabei diese Aktion durch zu ziehen. Nun scheint das Finanzamt Neubrandenburg zurück zu rudern. Haben ihn heute angeschrieben, er soll sich auf den ausgefüllten Formularen vom deutschen Konsulat bestätigen lassen das die Receita Federal die Unterschrift verweigert. Ob die das wohl machen?
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Re: Auslandsrenter und deutscher Fiskus

Beitragvon Frankfurter » Mi 18. Apr 2012, 11:50

Ich möchte wetten :

dass ein dt. Finanzamt ebenso nicht bestätigen würde, dass sie etwas NICHT unterschreiben. Wieso sollte das in Br. anders verlaufen #-o

Aber so sind die Beamten geschult, nur keine eigene Verantwortung zu übernehmen...... :twisted:

und das endet dann so: Wenn sie nicht gestorben sind, dann warten sie noch heute....
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Re: Auslandsrenter und deutscher Fiskus

Beitragvon frankieb66 » Mi 18. Apr 2012, 12:12

Frankfurter hat geschrieben:Aber so sind die Beamten geschult, nur keine eigene Verantwortung zu übernehmen...... :twisted:

Quatsch^10 ... die Vorgaben werden von oben bestimmt, und Beamte (gibt es immer weniger, gleiches gilt aber auch für Angestellte im öffentlichen Dienst) tun genau das was von oben her, also von der Legislative, vorgegeben wird. Dies gilt für die meisten Beamte und Bedienstete im öffentlichen Dienst, die gehören zur Exekutive.
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