Auswandern für Job nach Pecém ?

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Re: Auswandern für Job nach Pecém ?

Beitragvon Trem Mineiro » So 13. Jan 2013, 16:32

Oi Galeira, oi Florip
bin grade durch Zufall auf diesen alten Thread gestoßen "Stichwort" Pecem. Sagenhaft diszipliniert geführter Thread. (war damals aus den gleichen Gründen wie Lemi, Thomas etc. nicht mehr aktiv)

Zurückblickend basierte das Ganze wohl auf der Tatsache, dass in PECEM damals nicht nur der Hafen ausgebaut wurde, sondern dass dort auch ein großes Stahlwerk hingestellt werden sollte, die Planungsarbeiten und Ausschreibungen hatten sogar schon begonnen.
Wir (mein Arbeitgeber) haben uns damals auch um den Bau beworben, der nicht nur 3.500 (ehr mehr) Bauarbeiter in die dortige Wüste gebracht hätte, sondern auch 2-3.000 permanente Arbeitsplätze. Ausgehend, dass die Deutschen (wir hatten damals grade Thyssen in Sepetiba gewonnen, Vöest+wir die neue Anlage in Vitoria und mehr) das Projekt auch durchführen würden, lag eine Investition in ein "Deutsches Restaurant" natürlich nahe. Das hätte eine Goldgrube werden können. Bei Thyssen waren über 3 Jahre im Mittel 300 Deutsche dort, ehr mehr und in Hoch-Zeiten noch mehr. Meine Kollegen und ich dachten damals auch daran, in Pecem Grundstück und Haus zu kaufen um einen Luxus-Puff daraus zu machen. Sowas ist auch eine Goldgrübe.

Aber......das Projekt hat sich verzögert und letztlich wurde es mit einem koreanischen Partner (POSCO) durchgezogen. Die Deutsche Anlagenbauer haben Errichtung gegen ein koreanisches Unternehmen verloren. Im Moment, also 2012 laufen wohl grade die ersten Lieferungen/Baumaßnahmen dort oben an, wenn es sich nicht weiter verzögert hat, wie 3 andere Großprojekte, die verschoben oder gestrichen sind.

Was da oben jetzt Saison hat, sind koreanische, asiatische oder sonstige Restaurants und entsprechende korianische Meisterköche. Koreaner stehen nicht so sehr auf deutscher Küche, mehr auf Kantinen und Garküchen. Leider komme ich dort oben naturgemäß auch nicht mehr hin, allerdings ein paar Kollegen, Werde mal fragen, ob es das deutsche Restaurant noch gibt, aber eine Goldgrübe ist daraus sicher nicht geworden.

Nur, Grundstückspreise, Mieten und Lebenshaltungskosten werden heute dort enorm gestiegen sein, die Löhne von Köchen, Zimmermädchen und Putzfrauen aber nur im Rahme der Mindestlöhne, Bauarbeitern geht's dort heute sicher besser. In Brasilien verdienen nur die Geschäftsleute an sowas. Die damals gemachten Kostenrechnungen (Familie mit 1500 Reais, Luxusleben ab 3000 Reais)sind heute Makulatur. Das Leben in Brasilkien ist heute für Deutsche, die in etwa ihren bescheidenen Deutschen Lebensstandard halten wollen, erheblich teurer als in Deutschland.

Ich hoffe, diese Nachbetrachtung hat interessierte Leser gefunden. Die Entscheidung von Florip war damals absolut richtig, allein wegen der Kinder. (wobei, wäre das 4. Kind in Brasilien geboren, hätte er zumindest eine Perma und Arbeitserlaubnis bekommen.)
Einige Fakten hätten ruhig krasser dargestellt werden können, aber so hat's ja auch gereicht. Ich hoffe, Florip bastelt heute immer noch an seinen Auswanderungsplänen und erfüllt seinen Traum. Ich hoffe, er liest ab und zu hier noch. Ich bin auch mit 46 nach Brasilien gegangen und hab damas 3 halbwegs erwachsene Kinder in D zurückgelassen. Das war vor 16 Jahren, heute plane ich meine Rückzug nach D, war eine schöne Zeit.

Viele Grüße
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Re: Auswandern für Job nach Pecém ?

Beitragvon sefant » Mo 14. Jan 2013, 05:35

Den Laden gibt es noch und sogar die Speisekarte von 09/12 mit Preisen steht drin für die ganz Interessierten.

http://www.bolamania.de/
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Re: Auswandern für Job nach Pecém ?

Beitragvon amazonasklaus » Mo 14. Jan 2013, 08:47

Auch wenn sich schon damals jeder Bankdirektor über ein Gehalt von R$ 3.000,00 kaputt gelacht hätte ("da fehlt wohl eine Null") - bei uns bekam schon der Junior-Entwickler direkt nach dem Studium und ohne Berufserfahrung mehr - würde ich sagen, schade, eine verpasste Chance für den TE. Besser als arbeitslos in Deutschland wäre der Job auf jedem Fall gewesen. Vielleicht nicht finanziell, aber bestimmt für sein Selbstwertgefühl.
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Re: Auswandern für Job nach Pecém ?

Beitragvon regata100s » Mo 14. Jan 2013, 09:31

Leider bin auch ich erst jetzt durch die Leichenflädderei dieses alten Threads aufmerksam geworden. Habe den kompletten Beitrag mit Spannung gelesen.

Vielleicht sollte hier nicht unerwähnt bleiben, dass der Besitzer der Baracka der ehemals inhaftierte Mitarbeiter eines Sextouristenunternehmens ist. Dieser war etwa 2004 wohl für einige Jahre inhaftiert aufgrund der Schleusung von Frauen. War damals eine großangelegte Aktion in und um Fortaleza gewesen, welche extrem viel Aussehen erregte. Soviel nur zum Thema "Seriosität". Wusste gar nicht das er schon wieder auf freien Fuß war in 2007.

Der Ersteller dieses Beitrages hat sicherlich insoweit richtig gehandelt, als dass er das Angebot damals nicht angenommen hat. Seine Aussichten ein Aufenthaltsvisum zu bekommen dürften bei der Historie dieses Arbeitgeber wohl gegen Null gehen. Ich finde es aber schon eine Unverschämtheit einen - zugegebenermaßen etwas naiven - Arbeitssuchenden in eine ungewisse Zukunft zu locken wenn dieser gleichzeitig noch die Verantwortung für Frau und 4 Kinder hat.
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Re: Auswandern für Job nach Pecém ?

Beitragvon sefant » Mo 14. Jan 2013, 15:47

amazonasklaus hat geschrieben:Auch wenn sich schon damals jeder Bankdirektor über ein Gehalt von R$ 3.000,00 kaputt gelacht hätte ("da fehlt wohl eine Null") - bei uns bekam schon der Junior-Entwickler direkt nach dem Studium und ohne Berufserfahrung mehr - würde ich sagen, schade, eine verpasste Chance für den TE. Besser als arbeitslos in Deutschland wäre der Job auf jedem Fall gewesen. Vielleicht nicht finanziell, aber bestimmt für sein Selbstwertgefühl.


Nix da, für seine pubertären Töchter wäre das ein schulischer Horrortrip geworden, die hätten mindestens ein Jahr verloren. Zudem alle Kinder aus dem gewohnten Umfeld reissen...

Als Single oder kinderloses arbeitsloses Ehepaar, ok...aber die Kinder waren in allen Belangen das klare no-go (finanziell, schulisch, psychologisch etc)
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Re: Auswandern für Job nach Pecém ?

Beitragvon amazonasklaus » Mo 14. Jan 2013, 16:01

sefant hat geschrieben:Nix da, für seine pubertären Töchter wäre das ein schulischer Horrortrip geworden, die hätten mindestens ein Jahr verloren. Zudem alle Kinder aus dem gewohnten Umfeld reissen...

Ich weiß nicht, irgendwie sehen die Deutschen bei Veränderungen immer nur die Risiken und nie die Chancen. Was ist schon ein Jahr gegen die Möglichkeit, spielerisch eine Fremdsprache zu erlernen. Mit 18 ist dieser Zug spätestens abgefahren.

Und so tragisch finde ich es auch nicht, aus einem Hartz-4 Umfeld gerissen zu werden. "Was willst da mal werden, wenn Du groß bist? Hartz 4, so wie Papa!"
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Re: Auswandern für Job nach Pecém ?

Beitragvon sefant » Mo 14. Jan 2013, 17:25

Er hätte aber keine Privatschule für 3 Kinder bezahlen können (oder zwischen SUS/private Schule oder PKV/öffentlicher Schule) wählen können...und dann seine 3 Kinder ohne Sprachkenntnisse in eine gammelige öffentliche Dorfschule verpflanzen...supi.

Und wer sagt daß bei Hartz4 aus den Kindern nix werden kann? Vielleicht waren sie ja auf der Realschule mit Potential nach der 10. für das Abi zu wechseln etc..
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Re: Auswandern für Job nach Pecém ?

Beitragvon Trem Mineiro » Mo 14. Jan 2013, 17:39

Schon stark, was in diesem Thread alles noch so drin steckt. Und schön, was alles so daraus geworden ist.

So ganz kann ich nicht mit Klaus's Meinung, dass Floripa die "Chance" damals hätte ergreifen sollen, nicht teilen.
Die Strandkneipe (jemand sagte Baracke) sieht nun wirklich nicht so aus, als würde sie einem Koch ein Spitzengehalt (3.000 Reais kann man so nennen) einbringen. Ich sehe auch nicht, dass die deutsche Speisekarte einen deutschen Spitzenkoch benötigt. Was da angeboten wird, könnte meine brasilianische Frau einem brasilianischen Koch beibringen.

Dazu ist die Absicherung (speziell für die Familie) in Bezug auf Kündigungsfristen, Arbeitslosigkeit, Visa-Verfall, Ausweisung etc. ein hohes Risiko.

Dann steht hier was von einem Harz-IV-Empfänger, der TE selber hat nur geschrieben, dass der derzeit arbeitslos ist und ein interessanten Angebot in Brasilien hat. Wobei er aufgrund fehlender eigener Erfahrung bittet zu prüfen ob es denn wirklich "so interessant" ist. Der Arbeitgeber scheint in seinen Aussagen da doch ein wenig zu übertreiben.
Es scheint also nicht so zu sein, dass der TE diese Chance als letzten Strohhalm kurz vor dem Verhungern ergreifen muss. Noch ist das soziale Netz in D ein wenig dichter und ein Koch sollte innerhalb eines Jahres eine neue Anstellung finden, z.N.in der Schweiz, wenn er schon Mobilität zeigen muss.

Die Sache mit den Kindern ist auch nicht so leicht mit dem Hinweis abzutun, dass man ja spielerisch eine weiter Sprache lernt. Da wären mir die Leistungen in Mathe, Biologie, Chemie, Deutsch und anderen Fächern wichtiger. Und die ohne (oder mit geringen) Sprachkenntnisse weiterbüffeln ist schon eine Zumutung.

Was soll's, Floripa hat's zum Glück nicht gemacht und ist heute 2-Sterne-Koch in einem Feinschmecker-Lokal in der Pfalz (oder sowas ähnliches) Schade, dass er hier nicht mehr mitliest.

Viele Grüße
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Re: Auswandern für Job nach Pecém ?

Beitragvon amazonasklaus » Mi 16. Jan 2013, 06:27

Trem Mineiro hat geschrieben:Was soll's, Floripa hat's zum Glück nicht gemacht und ist heute 2-Sterne-Koch in einem Feinschmecker-Lokal in der Pfalz (oder sowas ähnliches)

Mag sein. In einer anderen alternativen Realität ist er immer noch arbeitslos, weil er konsequent alle Stellenangebote abgelehnt hat, für die er umziehen oder ein Risiko eingehen hätte müssen.

Wie auch immer, lassen wir den Thread wieder in Frieden ruhen, vielleicht nach einem abschließendem Statement von Tiradentes, dem die Ehre gebührt, den Thread zum Leben erweckt zu haben.
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