Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon moni2510 » Di 6. Mai 2014, 16:54

hier in Rio und Umgebung sollte man am besten dauernd selbst auf der Baustelle anwesend sein oder man kann böse überrascht werden, leider. Immerhin habe ich zumindest einen zuverläsigen Maler kennengelernt. Der hat - im Gegensatz zu sonst üblich - sogar den Boden abgedeckt und sehr ordentlich gearbeitet und nicht alles vollgekleckert.

Ich weiss nicht, wie es sonst ist. Hier erscheinen sie ja auch oft ohne Werkzeug :shock:
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Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich es hier aufschreibe.
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon amazonasklaus » Di 6. Mai 2014, 17:30

moni2510 hat geschrieben:Ich weiss nicht, wie es sonst ist. Hier erscheinen sie ja auch oft ohne Werkzeug :shock:

In Manaus erscheinen viele beim ersten Termin überhaupt nicht. Immerhin geben sie auch nicht Bescheid.
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon Colono » Di 6. Mai 2014, 18:22

moni2510 hat geschrieben:Ich weiss nicht, wie es sonst ist. Hier erscheinen sie ja auch oft ohne Werkzeug :shock:


Ich kenn das von unserem Decken-Gipser, ein ganz lieber, hilfsbereiter und kompetenter Kerl. Obwohl mit blonder deutschsprachiger Brasil-Alemoa verheiratet und angeblicher Deutschlanderfahrung hat er immer noch den einen oder anderen kleinen Fehler. #-o Oft ohne Werkzeug und gerade an Freitagen mit kronischem Geldmangel. Unter Umständen liegts an der Frau. :mrgreen:
Auch kam er mal ohne eine für ihn absolut notwendige Hilti-Bohrmaschine (war wahrscheinlich gerade versetzt). Ich weiss nicht wie er es anstellte, aber unser Nachbar hat ihm da ausgeholfen. Ganz nebenbei erhielt dann unser Gesseiro vom Nachbarn auch noch einen recht lukrativen Hochhaus-Auftrag. In Brasilien wäscht oft eine Hand die andere. Man sollte vieles nicht so eng sehen.
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon Aposentado activo » Di 6. Mai 2014, 19:44

moni2510 hat geschrieben:hier in Rio und Umgebung sollte man am besten dauernd selbst auf der Baustelle anwesend sein oder man kann böse überrascht werden, leider. Immerhin habe ich zumindest einen zuverläsigen Maler kennengelernt. Der hat - im Gegensatz zu sonst üblich - sogar den Boden abgedeckt und sehr ordentlich gearbeitet und nicht alles vollgekleckert.

Ich weiss nicht, wie es sonst ist. Hier erscheinen sie ja auch oft ohne Werkzeug :shock:


Das klingt ja richtig gut, da hätte ich doch gern Namen und Adresse (gern als PM), denn einen guten Maler brauche ich in Rio sicher auch noch.

Meine Erfahrungen sind gemischt. In Sao Paulo hatten wir einen Klempner kommen lassen, der zwei Leckagen beseitigen sollte. Eine hat er gefunden und beseitigt, eine andere, die wir schon gefunden hatten, hat er nicht wirklich gut bearbeitet. Dafür behauptete er, es gäbe eine dritte Leckage, was aber nicht stimmte. Als es ans Bezahlen ging, wollte er dreimal die Pauschale pro Leckage haben. Da bin ich in meiner schier unendlichen :twisted: :twisted: Geduld echt ausgerastet...musste dann mit seinem Chef am Telefon reden, und am Ende sagte mir der Klempner, ich dürfe aber die Menschen hier nicht so anschnauzen, das schmerze. Immerhin hab ich letztlich nur die zwei Leckagen bezahlt...aber dafür eine Rechnung bekommen, die von einem längst Pleite gegangenen Unternehmen stammte. Als es dann an der einen Leckage wieder leckte, wollten wir das "Garantieversprechen" einlösen...kein Anschluss unter dieser Nummer. Auch nicht auf der handschriftlich nachgetragenen Handy-Nummer.
In Rio hingegen mussten wir jemand für die Klimaanlage kommen lassen. Er kam prompt, untersuchte kurz, stellte fest, es sei der Kompressor, sagte mir den Preis für ein neues Teil, und dass es eine Woche dauern würde. Drei Tage später stand er - Samstag morgens - vor der Tür, weil er gerade in der Gegend war. Ob er jetzt den Kompressor austauschen könnte? Klar. Super Arbeit, proper, schneller als gedacht, und nicht zu teuer. So geht's auch. Bei einem Möbelrestaurateur in Rio, der die Umzugsschäden an ein paar alten Möbeln beseitigt hat, habe ich nochmal brasilianische Zeitzusagen kennen gelernt..."nächster Dienstag" kann eben auch der Dienstag der übernächsten Woche oder im nächsten Monat sein, aber irgendwann war's dann fertig, und gut und preiswert gemacht. Soweit die praktischen Erfahrungen in den täglichen Dingen des Lebens.

Zum mehr philosophischen oder grundsätzlichen Ansatz - es fiel mir anfangs echt schwer, mein Temperament und meine Erwartungen ("I want it, and I want it now!") den brasilianischen Verhältnissen anzupassen, durchaus mit einigen depressiven Phasen. Inzwischen bin ich auch viel mehr Zen geworden, weil es nichts bringt, sich laufend aufzuregen ...aber es nervt mich doch noch ab und an, und schlechten Service lasse ich normalerweise nicht unkommentiert (richtig guten Service übrigens auch nicht!). Wenn wir irgendwo hin wollen, plane ich jetzt eben von vornherein mehr Zeit ein für die Vorbereitung.

Jetzt bin ich dabei, mich geschäftlich zu engagieren. Ich hoffe, ich habe schon genug gelernt, um meine Energie richtig einsetzen und kanalisieren zu können. Deutsches zack-zack kann einem schon Vorteile bringen, wenn man es richtig einsetzt. Drückt mir die Daumen.
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon Brazil53 » Mi 7. Mai 2014, 06:28

und am Ende sagte mir der Klempner, ich dürfe aber die Menschen hier nicht so anschnauzen, das schmerze.


Genau das ist der größte "Kulturunterschied". Auch berechtigte Kritik, wird als mangelnde Toleranz bemängelt. (Ich über immer noch an meiner Toleranz :mrgreen: )
Ich glaube nur Tatsachen, die ich selbst verdreht habe
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon Frankfurter » Mi 7. Mai 2014, 06:50

Wir , d.h. meine Frau, haben zwei Baustellen erlebt. Ein Umbau einer Eigentumswohung in Belo Horizonte. Sowie ein Neubau eines Hauses im Hinterland von Minas ( Ort ca. 70 000 Einwohner ). Beide Baustellen: Das Handwerkzeug erinnerte an die "Steinzeit" Hatte im Umzug nach Br. gutes Werkzeug dabei. Ich hatte oft den Eindruck, dass die Handwerker damit nicht so gut umgehen konnten / wollten. Im Hinterland kennen sich die einzelnen Gewerke untereinander meist alle.

Wichtig war: Klar Absprachen schriftlich. Pünktliche Zahlung BAR am Freitag. Auch mal zwischendurch ein Bonus. Am Nachmittag ein Kaffee ( waren oft bis 15 Leute auf der Baustelle ). Unser Maler und Rohbauer: Pünktlich um 7 Uhr vor der Türe . Der Maler ist so zuverlässig, dass er während unserer Abwesenheit in Brasilien alle 14 Tage das Haus auf Bauschäden , Undichtigkeiten usw. begeht und evtl. sofort Abhilfe organisiert.

Anderes Beispiel: Samstag Morgen. Bei Abdichtungsarbeiten im Aussenbereich , wir sind bereits eingezogen, wird die Haupt-Wasserleitung gekappt. 1 500 Liter Wasser fließen aus dem Hauptrohr :oops: Klemptner kommt 30 min später. Am Abend 20 Uhr fließt dann kein kein Wasser mehr. 10 min später Klemptner vor Ort ( Luft hatte sich verklemmt ) Schaden behoben 3 Flaschen Bier zusammen getrunken... alles war gut :D .

Wir hatten schon den Eindruck, dass man mit freundlicher klarer Ansage, Zuverlässigkeit und pünktlicher Zahlung auch die "andere" Seite gut im Griff haben kann.
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon moni2510 » Mi 7. Mai 2014, 13:30

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das gilt meiner Meinung nach in allen Ländern dieser Erde :D
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon GarotadoRio » Mi 7. Mai 2014, 13:38

Mazzaropi hat geschrieben:...

Ehrlich gesagt empfand ich die ersten Jahre in BRA viel entspannter ...

Man muss alles zig mal erklären was man haben will oder wie man es haben will und am Ende wird es doch falsch oder gar nicht gemacht. :evil:


Das kann ich nur bestaetigen. Spricht man die Sprache zu gut, wird man nicht verstanden. Ich z.B. habe die groessten Schwierigkeiten sich mit Brasileiros zu verstaendigen, etwas weniger, aber doch viele Schwierigkeiten sich mit den Deutschen zu verstaendigen. Dagegen werde ich von den Englander/Amerikaner, Spanier und Italiener sehr gut verstanden, obwohl ich kein Englisch, kein Spanisch und kein Italienisch spreche. Auch ohne viel zu sprechen verstehe ich was sie wollen und sie verstehen, was ich will.

Gruesse
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon zagaroma » Mi 7. Mai 2014, 15:25

Also erstmal: die Deutschen haben einen sehr aggressiven Umgangston. Bei uns ist es normal, auf jemanden zuzugehen und ihn anzuschnautzen "Sagen Sie mal, haben Sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank!???".

In jedem anderen Land, das ich kenne, wird das als grob, unhöflich und unerzogen empfunden. Man muss sich also erstmal angewöhnen, die Leute mit einem Lächeln und mit freundlichem Ton anzusprechen, sonst machen sie sofort zu. Auch wenn man streiten will. Jeder Streit ist eine Verhandlung und erfordert die Bereitschaft beider Seiten, Zugeständnisse zu machen. Das sollte man sich nicht von vorne herein versauen.

Brasilianer haben nun die Eigenschaft, alles Brasilianische als pures Gold zu betrachten, sie sind total patriotisch erzogen. Sie gehen davon aus, dass ein Gringo sowieso nichts weiss und nichts versteht und einfach ein Vollidiot ist (basiert auch auf der Tatsache, dass viele Gringos überhöhte Preise bezahlen, ohne mit der Wimper zu zucken). Wir, die wir uns kulturell ja soooo überlegen fühlen, realisieren oft nicht, dass wir einfach nicht ernst genommen werden. Sie sagen immer "ja" (sie sind eben gut erzogen) und machen dann, was sie immer tun, weil sie es ja besser wissen. Wenn sie sich beleidigt fühlen, verschwinden sie einfach und man sieht sie nie wieder.

Es gibt Gott sei Dank auch (wenige) lernfähige Brasilianer, die kann man gebrauchen und im Laufe der Zeit stellt man sich sein Team zusammen.

Ich habe mir angewöhnt, den Handwerkern zu sagen: eu quero fazer como fazemos na Alemanha, estou acostumada assim e sou velha demais para aprender o jeito brasileiro. Dann halten sie mich für eine verschrobene Schachtel, aber sie tun was ich will ohne zu protestieren. Und fragen immer besorgt nach, ob es so auch richtig ist. Wenn man sich nicht durchsetzen kann bei diesen Dickschädeln, muss man halt manipulieren. :mrgreen:
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon moni2510 » Mi 7. Mai 2014, 15:52

ich habe ja vier Jahre hier in Brasilien gearbeitet und viele "Expats" scheitern sehen, weil sie dachten, sie können ihren Stiefel hier einfach so durchziehen. Ich sag nur Operaçao Tartaruga...
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