Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon aron » Mo 5. Mai 2014, 02:16

meine Erfahrungen als Auswanderer sind sicher speziell, verglichen mit allen anderen Kollegen/Kolleginen aber dann doch eher normal.

Auswandern ist demnach immer mit viel Stress verbunden. Stress, also das heisst 'hohe Geschwindigkeit' in mentalen Fragen. Sie werden mehr oder weniger plötzlich aus verschiedenen Richtungen unter Druck gesetzt, das heisst, vermehrt gefodert. Man muss immer schneller auf immer wichtigere Fragen antwort geben.

Zuweil scheint es gar nicht mehr aufhöhren zu wollen, diese Steigerungen bringen nunmal jeden und jede an die persönlichen Grenzen bis man fast schreien könnte.
Und hier kommt der entscheidende Punkt: Was machen Sie wenn Sie wirklich an diese Grenze kommen wo Sie fast verplatzen und am liebsten alles hinschmeisen wollen?

Meiner Meinung nach gibt es zwei Wege:
Erstens Sie machen einen Freakout, wie auch immer dies aussehen möge..
Oder, bleiben Sie wirklich so cool, calm, down als das Sie eine rein auf Logik basierende Antwort geben können? Diese auch umsetzen und leben?

Auswandern entfernt und fordert auf einer persönlichen Ebene, das muss jedem bewusst sein. Auswandern bedeutet auch das Leben viel schneller leben als normal.

nicht jedes Geld gläntzt, sag ich mal :P
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon zagaroma » Mo 5. Mai 2014, 17:37

Hallo!

was vielen Leuten beim Auswandern nicht bewusst ist:

Im eigenen Land bewegt man sich mit totaler Sicherheit. Man weiss, wie die Menschen denken, reagieren und sich benehmen, kennt die Körpersprache und versteht die Signale, die sie aussenden. Man beherrscht die Logistik und weiss, wie die Dinge funktionieren, was angenehm ist und was unangenehm.

Dann kommt man in einem anderen Land an und bemerkt plötzlich, dass man gar nichts mehr weiss. Man kann die Sprache schlecht oder gar nicht, versteht die Körpersprache und die Signale nicht und wird nicht verstanden. Man weiss nicht, wie das soziale Benehmen funktioniert und stolpert über eine ganz andere Logistik. Man muss wie ein zweijähriges Kind wieder von vorne lernen, wie man einen Brief abschickt, wo man Zigaretten kaufen kann, wie die Bürokratie funktioniert, was man im Restaurant bestellen kann, wie die Einheimischen ticken, wie ein Klempner arbeitet.

Das erste Jahr ist immer schwierig und hysterisch. Wer darauf vorbereitet ist, kann besser mit dem Stress umgehen. Wer instiktiv erwartet, dass alles wie gewohnt funktioniert, verliert sich in dem Gefühl, alles sei "falsch".

Man verliert alle "Ankerpunkte" der psychologischen Sicherheit und das vermittelt erstmal das furchterregende Gefühl, sich im "freien Fall" zu befinden. Man muss aktiv neue Ankerpunkte installieren. Das ist ein enormer Stress und führt bis zur Depression bei Leuten, die Schwierigkeiten mit Umprogrammierung haben. Man muss lernfähig, flexibel und fähig zur Beobachtung und Anpassung sein. Je schneller man darauf vezichten kann, die mitgebrachten Imprintings zu verteidigen, desto eher gelingt es, sich einzufügen. So ganz gelingt das sowieso nie, wie man den Beiträgen in diesem Forum deutlich sehen kann (auch an meinen).

Irgendwann backt man sich dann sein Brot selber und richtet sich ein, so gut es geht. :mrgreen:

Mein Rat wäre aus eigener Erfahrung: zuerst mal die innere Uhr umstellen auf das lokale Tempo. Nicht hetzen, das bringt hier garnix. Bewusst die Zeit zum Entspannen nehmen, erstmal die Freizeitbeschäftigungen einrichten, und wenn es nur das Abo für deutsches Fernsehen ist. Nur so viel erledigen jeden Tag, wie die inneren Energien hergeben. Lernen, die brasilianischen Zeitangaben zu lesen, sie wörtlich zu nehmen ist ein grosser Fehler der Stress garantiert, sie sind nicht wörtlich gemeint. [-X

Alles Gute!
before you abuse,
critizise or accuse
walk a mile in my shoes
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon Limao » Di 6. Mai 2014, 02:08

Ich bin jetzt ein gutes Jahr hier, nicht ausgewandert aber hier, heisst mit Rückfahrkarte, bzw. vielleicht geht irgenswann nördlich auf dem Kontinent. Am Anfang bin ich hier teilweise ausgerastet wie Rumpelstilzchen, wenn mal was nicht geklappt hat.
Liegt aber an meinem generellen Empathie-defizit (hab ich schriftlich von meiner Therapeutin zu Hause... :D ). Ich wollte eigentlich nach 3 Monaten wieder in den Sack hauen, aber anfangs aus Liebe zu meiner Frau und jetzt aus reinem Sportsgeist ziehen wir unsere temporäre Zeit hier durch. Bitte nicht mit Stolz verwechseln, der führt zumeist ins Unglück. Man muss hier seine Pläne strategisch angehen, und nicht Ziele für den kommenden Monat definieren, das klappt dann nicht. Im Umkehrschluss braucht man ein längeres Durchhaltevermögen, heisst insbesondere finanziell. Als meine Faustregel möchte ich hier mal aufstellen mindestens doppelt als geplant, wegen der der schwierigen Anlaufzeit einerseits und wegen der Zahlungsmoral andererseits. Ohne Finanzen kommt die Depression bestimmt schneller. Heute bin ich entspannt, da ich mich - glaube ich jedenfalls etwas anpassen konnte, was kein Ideal war. Aber wahr ist, Brasilien ist nicht das Land, wo man in eine bessere Zukunft / Träume investieren sollte (als linkage zum anderen thread), man kann sich schon was aufbauen, aber "besser" gibt in Europa mindestens auch, zudem organisierter, zivilisierter, kultureller...sorry, bitte ich will nicht schon wieder ins bashing verfallen, habs mir ja selbst ausgesucht. Meine Strategie lautet hier übrigens plus minus null und eine schöne Sonnentherapie möglichst ohne Schrammen, wenn möglich mit Plus und vorallem begrenzte Zeit, das ist hier nichts für Ausländer im Alter oder man baut eine Dynastie auf? Hoffen wir mal das es aufgeht. Psychisch / psychologisch passt man sich hier am besten an, das heisst man rückt das "Ich" in den Vordergrund. Meiner Meinung nach eine gute Strategie, auch wenn man früher anders prädispositioniert war, alles andere endet, zumindest im finanziellen Fiasko. Also: Nao tenho, nao, agredite disso :D ...auch im Familienkreis. Ist etwas hässlich aber nur so geht's meiner Meinung nach
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon aron » Di 6. Mai 2014, 07:36

Anfang bin ich hier teilweise ausgerastet wie Rumpelstilzchen

kkkk, ja denke mir dass das viele aus eigener Erfahrung kennen!
Ich bin weder arrogant noch extrovertiert dennoch bin ich eben auch in diese Falle getappt. Na ja, ich bin nicht wirklich ausgeraset aber habe eben doch mein arrogantes Hinterteil gezeigt. Es hat mir nicht wirklich Probleme verursacht, musste dieses Verhalten aber doch ziemlich schnell ablegen.
Ich glaube ich wurde in der Zwischenzeit Zen-Meister :mrgreen:

Das Umschreiben des Führerschein:
Detran im Ort, Detran in der nächsten grösseren Stadt und mit Sicherheit eine Zentrale 'Detran', so etwa drei vier Stufen bis das Papier mit dem heiligen Stempel gesegnet wurde...
Das ist eigentlich ein abgefahrenes Prozedere. Mit Sicherheit bin ich nicht der erste Ausländer gewesen welcher sein Führerschein umschreiben musste. Obwohl, der Chef der Autoschule, welcher mir netterweise tatkräftig geholfen hat, dieses Prozedere, zum erstenmal begleitet hat.
Jede Stufe hat an den Eingaben der vorhergehenden rumgemäckert und zusätzliche Informatioen verlangt. Entweder hat ein Papier gefehlt oder die Kopie musste doch authentifiziert werden...
Es hat etwa vier Monate gedauert und ich musste etwa 3 bis viermal etwas nachreichen. Am Schluss hat der Chefe der Autoschule doch tatsächlich erwähnt, dass dieses Umschreiben ziemlich schnell über die Bühne ging. Selbstverständlich habe ich genickt und grunzend bejaht. Und alle waren glücklich. :lol:

Man geht am besten davon aus, dass mehr oder weniger alles erst beim zweiten oder dritten Anlauf klappt. In der Bank rechne ich fest mit einer halben Stunde Wartezeit egal wann ich eintreffe. Dann setzte ich mich brav hin und mache mal 30 Minuten Zen.

Am meisten Mühe hatte ich im Strassenverkehr. Die Brasilianer (Minas!) fahren gemein-gefährlich Auto. Was man auf der Strasse erlebt grenzt zuweilen an angekündigtem Selbstmord. In solchen Situationen besteht tatsächlich Lebensgefahr!
Nicht umsonst fahren viele, wenn man sich ihnen von hinen zügig nähert, schön brav auf den Pannenstreifen um den Herrn vorbei rauschen zu lassen (wohl aus Erfahrung :roll: ).

In seltenen Fällen hatte ich tatsächlich das Gefühl, der/die Sachbearbeiterin weiss genau, dass man nochmals ansaugen wird, weil irgendein Detail fehlt oder eben fehlend gemacht wird :mrgreen:

Das belohnt man mit ausgesprochener Höflichkeit. Immer lächeln und sich schön bedanken für den tollen Service: 'muito bom, obrigado...'. Weil, alles andere bringt nichts. Null und nochmals Null. Man kocht sich selber auf und gewinnt zugleich neue Freunde, auf die man angewiesen ist.
Meine Devise, eben: Immer schön freundlich bleiben, leicht lächeln und nett antworten. Das Ausländer sein kann sich ansonsten schnell als Arschkarte herausstellen.

Wenn man es schafft, diese 'Shit-Stürme' an sich vorbeiziehen zu lassen, profitiert man plötzlich aus einer an und für sich negativen Situation. Das Negative wandelt sich plötzlich in das Positive. Man lernt etwas dazu ohne sich zu erhitzen :P

In Europa ist es ja eigentlich nicht besser sondern lediglich um Faktoren weniger, das mit dem 'nicht' funtionieren tagtäglicher Dinge.

Man gewöhnt es sich an, sich jeden Tag auf das neue zu erfinden :idea:
Ich glaube, dass sich dieses immer wieder selber überwinden/erfinden müssen viel positives bringt. Am Ende ist man 'Maser of Stressmanagement' und nicht frustriert an die Wand geknallt.

Man ist doch nach einer solchen Auswanderungs-Geschichte um so vieles reicher an Erfahrungen, welche man an keiner Schule lernen kann. Die Daheim gebliebenen können sich nicht im mindesten vorstellen was man tagtäglich erlebt hat. Man erarbeitet sich tatsächlich ein gutes Stück soziale Kompetenz.
Man muss 'Rumpelstilzchen' überwinden, dann gibt es cash auf die Kralle. Ein gut erhaltener/e Auswanderer/in oä. wäre mir als HR-Chefe äusserst willkommen. Weil eben, keine Schule kann dieses Erfahrung und deren 'Handling' vermitteln. =D>

Nur, welchem HR Mitarbeiter ist dies auch wirklich bewusst? Die fragen sich wohl eher wann Sie das nächstemal abdampfen und wohin...
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon moni2510 » Di 6. Mai 2014, 10:48

ich bleibe bei meinen Ausrastern und ich stehe dazu und die Leute um mich herum kennen es und jeder jubelt mir innerlich zu! Ich sehe es überhaupt nicht ein, jede Kröte zu schlucken. Immerhin bezahle ich für die ganze !&@*$#! hier verdammt viel Steuern.

Anpassen ist eines, aber angepasste Leute haben ihr Land noch nie weitergebracht und das ist eines der Hauptprobleme, das Brasilien hat.

So, jetzt könnt ihr gern auf mich einprügeln!
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Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich es hier aufschreibe.
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon Frankfurter » Di 6. Mai 2014, 12:23

moni2510 hat geschrieben:Anpassen ist eines, aber angepasste Leute haben ihr Land noch nie weitergebracht und das ist eines der Hauptprobleme, das Brasilien hat.

So, jetzt könnt ihr gern auf mich einprügeln!


Ich bin schon mit 15 Jahren von Schulen geflogen, weil ich mich nicht anpassen wollte / konnte.

Daher wegen Deiner hier beschriebenen Haltung volles Einverständnis :!:

Also KEIN Einbrügeln sondern ein "AUFRICHTEN" !!
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon Limao » Di 6. Mai 2014, 13:26

moni2510 hat geschrieben:
Anpassen ist eines, aber angepasste Leute haben ihr Land noch nie weitergebracht und das ist eines der Hauptprobleme, das Brasilien hat.



Das stimmt irgendwie schon, aber im kleinen bleibe ich dabei. Was nützt es wenn man hier zu hohe Erwartungen z.B. an die handwerkliche Kunst stellt.

Beispiel Elektriker / Elektrik. Er löst zwar kurzfristig dein Problem aber einfach alles entspricht nicht den "nordeuropäischen" Erwartungen. Im Grundsatz sind weitere Probleme vorprogrammiert: Leitungen krumm und schief verlegt, dazu über Putz und Apparate Steckdosen schlecht verkontaktet. Willst Du dem Elektriker sagen das er ein Pfuscher ist und ihm vielleicht die Rechnung um 50% kürzen, dann kollabiert der doch und sagt du bist ein Gringo-Sklaventreiber. Das geht nicht. Man bedankt sich höflich wie Aron geschrieben hat und natürlich braucht der nicht wiederkommen. Aber wenn ich dem die Meinung sage - ich bin hier zwar in einer Großstadt, aber was das Viertel hier angeht dennoch aufm Dorf, habe ich ganz schnell die A-karte. Also doch anpassen und die Erwartungen runterschrauben, irgendwie das Problem dennoch lösen, so das alle ihr Gesicht waren können, das ist doch hier mit das Wichtigste.
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon moni2510 » Di 6. Mai 2014, 13:32

ich bin bekannt wie ein bunter Hund hier :) das hat Vor- und Nachteile...

Handwerker hier sind ein eigenes Kapitel. Ich meine aber eher alle Arten von Service wie Banken, Cartorios, Supermercados, Krankenhäuser usw. Ich akzeptiere einfach keine 30 Minuten Wartezeit in der Bank, ich bezahle ein Schweinegeld für das C/C. Gott sei Dank muss ich nur so 2x im Jahr in die Bank und da rufe ich vorher den Gerente an und mach einen Termin mit ihm aus und dann klappt das auch. Onlinebanking ist wirklich gut in Brasilien :)

Viele Sachen kann man umschiffen, das versuche ich einfach. Das erspart mir und allen anderen viel ärger, ich geh z.B. Sonntagmorgen um 7:30 in den Supermercado. Etc.

Im Gegensatz zu vielen Leute hier behandle ich aber erstmal alle Menschen als Menschen... da fehlt es vielen Brasilianern echt. Ein guten Morgen auch zum Porteiro oder dem Typen, der die Autos einweist. Das hat noch keinem geschadet, gehört für mich einfach zur guten Erziehung :)
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon Mazzaropi » Di 6. Mai 2014, 15:09

zagaroma hat geschrieben:
Das erste Jahr ist immer schwierig und hysterisch. Wer darauf vorbereitet ist, kann besser mit dem Stress umgehen. Wer instiktiv erwartet, dass alles wie gewohnt funktioniert, verliert sich in dem Gefühl, alles sei "falsch".


Ehrlich gesagt empfand ich die ersten Jahre in BRA viel entspannter als heute nach über 10 Jahren.
Obwohl ich damals auch kein Wort Portugiesisch konnte und gar nicht wusste wie lange ich evtl. bleibe oder so, aber es war einfach entspannter.
Heute nervt es einfach nur noch wenn man dauernd und überall auf ignorante Dummköpfe stösst. Man muss alles zig mal erklären was man haben will oder wie man es haben will und am Ende wird es doch falsch oder gar nicht gemacht. :evil:
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Re: Auswandern ist zudem mentale/psychische Herausvorderung

Beitragvon Colono » Di 6. Mai 2014, 15:22

Limao hat geschrieben:
moni2510 hat geschrieben:
Anpassen ist eines, aber angepasste Leute haben ihr Land noch nie weitergebracht und das ist eines der Hauptprobleme, das Brasilien hat.



Das stimmt irgendwie schon, aber im kleinen bleibe ich dabei. Was nützt es wenn man hier zu hohe Erwartungen z.B. an die handwerkliche Kunst stellt.

Da gebe ich euch recht. Ich kenne die Handwerkskunst des Nordosten sowohl des Südens. Da gibt es so einige qualitative Unterschiede. Nicht weil es vielleicht an der Ausbildung der Handwerker hapert. Nein, es liegt oft an der Qualitäts-Forderung der Kunden. Das ist auch keine Preissache. Ich habe das mal in einem ***** Hotel in Fortalezza beobachtet. Schiefe Wände, Fliessen in den Bädern absolut Laienhaft angebracht und mit Zement verfugt. Das ist dort wohl der Standart. Im Süden würden sie das Hotel vermutlich neu bauen lassen, wenn die eigenen Kunden ggf. die Bezahlung ausbleiben. Gerade Procon ist da auf der Seite des Verbrauchers das wissen auch die Gewerbetreibenden.

Was ich damit sagen möchte, man sollte nicht alles durchgehen lassen. Da ist es vor allem ganz wichtig erst nach Zufriedenheit zu bezahlen. Bevor der Handwerker anfängt, sollte man ihm auch erklären wie man eigentlich die Ausführung gerne hätte. Viele Brasilianer sind gerade da recht aufgeschlossen und lernfähig. Da wird unter Umständen auch mal was eingerissen und neu gemacht. In Deutschland beisst du da eher auf Granit, da schafft oft nicht der Kunde an. Allerdings muss man in B. seine Forderung an Qualität beim Möglichen belassen. Sollte es dabei zu Konflikten kommen den Handwerker bzw. Lieferanten am Besten gleich nach Hause schicken und sich einen besseren suchen. Also niemals im Voraus bezahlen,
Kleinigkeiten möglichst selber erledigen. Wir sind ja auch lernfähig.
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