Auswandern nach Bahia

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Auswandern nach Bahia

Beitragvon Anodorhynchus » Do 19. Dez 2013, 15:34

Liebe Brasilien-Fangemeinde,

ich bin 28, Diplombiologe aus Deutschland und arbeite momentan in der Verkaufsleitung einer großen Gärtnerei in der Schweiz. Ich möchte in etwa einem Jahr mit einem Kapital von mindestens 100.000 Euro nach Brasilien starten um dort ein geeignetes Grundstück zur Realisierung meines Projektes zu finden. Dieses wäre in erster Linie ein selbstbestimmtes autarkes Leben, weitestgehend unabhängig vom monetären System. Als Standort erschien mir die Küste Bahias bisher am attraktivsten.
Mein Wunsch ist es, seit ich denken kann, ein ursprüngliches, ehrliches Leben inmitten von dem zu führen, was die Natur hervorgebracht hat. Denn ich kann mir nichts schöneres und erfüllenderes vorstellen.
Ich bin ein Mensch, der seit Jahren außer seinen Nahrungsmitteln kaum Ausgaben hat (Von Miete und obligatorischen Versicherungen mal abgesehen). Ich mache mir nichts aus Luxus und nichts aus leichtsinnigem Entertainment. Würde ich das, was ich esse selbst produzieren, könnte ich ganz unabhängig von Geld leben (Grundbesitz stellt ebenfalls eine Altersversicherung dar, bleibt nur noch eine Krankenversicherung, die zu bezahlen wäre).
Bevor ich in die Schweiz gekommen bin, habe ich ein halbes Jahr auf den Kanaren (La Gomera) gelebt und auf einer Finca gearbeitet, die ich hätte kostenlos übernehmen können. Jedoch war der Inselstandort zu abgelegen, um das Projekt realistisch angehen zu können. Trotzdem habe ich dort viel gelernt und mich sehr wohl gefühlt. Mit südländischem Lebensstil konnte ich mich schon immer besser identifizieren als mit lemminghaftem mitteleuropäischem.
Ich spreche deutsch, englisch, französisch und spanisch relativ fließend, italienisch, russisch und
portugiesisch ein bisschen, bzw. verstehe portugiesisch geschrieben mühelos und bin gerade dabei
die Sprache weiter zu lernen.


Der aktuelle Plan ist der folgende:
Zuerst das Geld verdienen. Das wird bis Ende 2014 erledigt sein. Dann mit aller Zeit
der Welt (zunächst 90 Tage +, Geschäftsvisum) nach Bahia kommen und mir den Ort aussuchen, für den ich bestimmt bin.


Finanzierungsplan für Bahia:

Die meisten Auswanderer widmen sich auch in der neuen Heimat vorrangig dem Gelderwerb, was gerade in fremden Ländern oft noch schwieriger ist, als in der Heimat und anfänglichen Elan schnell ausbremsen kann. Dementsprechend sind die meisten Beiträge hier auch darauf ausgelegt bzw. die Antworten darauf sind nicht direkt auf meinen Plan übertragbar. Ich habe folgendes vor:
100.000 Euro ansparen.
- Hälfte: Investition in "Firma" für permanente Aufenthaltsbewilligung, wird in Grundstück (evtl + Haus) investiert.
- Rest für weitere Investitionen: Gebäudebau, Pflanzen, Tiere, Infrastruktur, Geräte, Fahrzeuge, Werkzeug.
- Mindestens 10.000 eiserne Reserve als Polster für 5 Jahre (bei Ausgaben von 5 Euro / Tag) (=Absicherung 1).
- Ausgaben jederzeit minimiert, möglichst alles, was gekauft werden muss selber produzieren, v.a. Nahrungsmittel (=Absicherung2).
- Erlös aus hohen Zinsen für Restkapital in Brasilien (=Absicherung3).
- Zucht und Verkauf von Papageien, insbesondere bedrohten (= seltenen und teuren) Arten.
Außerdem Zucht und Verkauf von Tieren und Pflanzen zu kulinarischen (z.b. Fleisch, Pilze, Honig, ...) oder ästhetischen Zwecken (Haustiere, Zierpflanzen etc.),
außerdem Tourismus (Ferien auf dem Bauernhof, Permakultur-Workshops, Führungen in der Natur, aber auch Party und Strandurlaub; günstiges Angebot, Beteiligung der Gäste z.b. bei Ernte, Pflanzung, Bau etc.; günstige aber originelle Ausstattung; Werbung z.b. an Biofakultäten) (=absicherung4)
=> Leben möglichst unabhängig von Geld und dennoch (nicht obligatorische) Einnahmen zur Absicherung und für Investitionen.


Durchführung:

Erster Schritt ist natürlich die Überlegung, wie man überhaupt eine permanente Aufenthaltsbewilligung bekommt.
In einem Schreiben der Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer heißt es:

Investitionen natürlicher Personen:
Diese Kategorie wurde für diejenigen Ausländer geschaffen, die Kapital in ein produzierendes Unternehmen investieren möchten (mindestens USD 50.000,00). Diese Art von Dauervisum wird zunächst nur auf 5 Jahre befristet ausgestellt. Danach muss der Ausländer dem Ministerium für Arbeit nachweisen, dass er den Anstellungsplan und den Investitionsplan, den er bei Bewilligung der vorläufigen Arbeitserlaubnis vorlegen musste, erfüllt hat, damit diese in eine reguläre Arbeitserlaubnis umgewandelt wird.

Dieses Geld kann man nach meinem Verständnis einfach in ein Grundstück (=Firmengelände) investieren, was man ja ohnehin getan hätte, wenn man dort leben möchte.
Innerhalb 5 Jahren kann natürlich viel passieren. Z.B. auch eine brasilianische Familiengründung, was dann möglicherweise die Erfüllung der Unternehmensauflagen überflüssig macht?!


Warum ich euch all das mitteile:

Basierend auf einigen Angeboten frage ich mich auch, ob es tatsächlich Immobilien für 2.000 - 5.000 BRL / Hektar gibt (Gebäude sind nicht so wichtig). Ich denke, dass ich für meinen Plan mindestens 4-5 ha benötige. Mehr wäre natürlich auch nicht schlecht. Und das am besten direkt an der Küste und zwar lieber ländlich und abgelegen als mitten im Trubel der Stadt (Aber unbedingt mit Wasser und Strom).
Wann sollte man mit dem Genehmigungsverfahren der Aufenthaltsbewilligung beginnen und mit welchen Schritten? Ich habe schon alles dazu gelesen, was ich in die Finger bekommen habe, aber mir scheint es, dass ich in mancher Hinsicht ein Spezialfall bin.
Ich freue mich über jeden kritischen Hinweis und über jede Korrektur meines Planes, bzw. Richtigstellung von Fehlern. Natürlich auch über nützliche Tipps und Tricks.
Ist das alles realistisch?

Vielen Dank im Voraus!
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Re: Auswandern nach Bahia

Beitragvon Elsass » Fr 20. Dez 2013, 00:59

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Re: Auswandern nach Bahia

Beitragvon brasiuuu » Fr 20. Dez 2013, 01:36

Ernst Götsch ist ein sehr guter Tip.

Ich befürchte dass Du kein Grundstück zu diesem Preis in dieser Größe finden wirst.
Grundsätzlich gilt: je größer das Grundstück desto kleiner der Preis pro Ha.
Deine Ha- Preise gelten für Fazendas ab 40 Ha.

Ich weiss von was ich rede weil ich selber eine Fazenda von 42 Ha besitze und ein Sitio mit 4,2 Ha. Ich habe so ziemlich alles rund um die Gegend zwischen Ilheus und Itacaré gesehen das zum Kauf angeboten wurde.

Diese Gegend dürfte für Dich sowieso die interessanteste sein, weil sie an Biodiversität, atlantischem Regenwald, Strände,europäische Zuzüger mit gleichen Interessen, Tourismus, Schönheit, vielen bio- Fazendas, Anbindung zum Flughafen kaum zu überbieten ist.
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Re: Auswandern nach Bahia

Beitragvon Limao » Fr 20. Dez 2013, 02:52

Zu den Preisen je Hektar dort kann ich nichts sagen, scheint mir aber auch sehr knapp, insbesondere in “Strandnähe”. Zu den Chancen in der Landwirtschaft/Biobetrieb etc. auch nicht. Du kennst dich aus?

Mit dem Startkapital kann man, wenn es soweit ist, dennoch bestimmt erstmal etwas, wenn auch etwas sehr kleines anfangen, aber so ganz ohne richtige “Gewinnerzielungsabsicht” zumindest, dürfte das eher ein kurzfristiges Abenteuer werden. Brasilien hat zwar teilweise sozialistische (vorgeschobene?) Züge, ist aber ansonsten purer Raubtierkapitalismus. Eine halbwegs taugliche Eigentumswohnung an der Perepherie einer Großstadt ist kaum noch für den Preis (genanntes Startkapital) zu haben, nur mal als Vergleichsbeispiel.

Nach den gegebenen Informationen, 100 T€ minus 5-10 TEUR Umzug, minus 5-10 TE Suchkosten (Dauer des Suche), minus 37 TE EUR Kaufpreis, minus 10 TE Nebenkosten Ankauf , minus 10 TE weggelegte Reserve, minus 15 TE Einfachhaus und Ausstattung, minus 15-25 TE Anlaufkosten etc. macht schon mal ganz grob überschlagen ein rot eingefärbte Null.

Pflanzen, Tiere, Fahrzeuge, Geräte usw. noch gar nicht mit eingerechnet. Eine kleine Kuh/Kalb mit Potential sollte ab 2-3 tsd Real zu haben sein, Futter/Pflege/Arzt brauchts aber auch. Bei Leistungskühen oder gar Zuchtbullen wirds ein Happen mehr pro Stück. Ein vernünftiges Gehege sollte bestimmt auch sein und glaub mir deine örtliche Konkurrenz ist alles andere als arm. Die lassen dich erstmal mal mitspielen, aber ab einem bestimmten Punkt wirds ernst.

Ohne Telefon, Internet, Strom, Wasser wirds nicht gehen, schon gar nocht ohne Auto – Autos, daher sind die angesprochenen 5 EUR/Tag Reserve vermutlich nicht realistisch.

Erlöse aus hohen Zinsen sind unrealistisch, da kein nennenswertes vorhandenes Restkapital zum anlegen bleiben wird, ausserdem bitte die Inflation berücksichtigen.

Gegen Eigenversorgung vom Grundstück kann man nichts sagen, ist aber machbar.

Papageienzucht ist an sich schon genehmigungsbedürftig, wurde gerade in Minas ein Laden dicht gemacht, war in den Nachrichten, ob Verkauf aus der Zucht bei bedrohten Arten ohne weiteres möglich ist – kann sein – aber nicht ins Ausland.

Für Tourismus auf dem Grundstück reicht das Geld nicht. Wer soll sich das antun, ohne Mindestkomfort ? oder solls ein Reiterhof werden?

Mein Rat wäre, eine Nummer kleiner anzufangen und nicht gleich alles auf einmal, sondern schauen was läuft, und dann wachsen. Oder besser erstmal in der Zielgegend mitleben und mitarbeiten und dann eine kleine Gelegenheit abpassen. Es dürfte eine Weile dauern, bis alle Kontakte für das örtliche Zusammenleben und den Absatz geknüpft sind, das Vertrauen und der Respekt der Geschäftspartner gewonnen ist usw. Das darf man nicht unterschätzen. Innerhalb eines Jahres wird das nichts, dann ist aber auch schon wieder was aufgebraucht.

Sorry wenn wieder zu negativ, aber trotzdem viel Glück, Sprachen ausser portugiesisch helfen leider auch nicht. Auf dem Land sollte deine Leber “cachacafest” sein.
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Re: Auswandern nach Bahia

Beitragvon Frankfurter » Fr 20. Dez 2013, 07:34

Limao hat alles bereits sehr gut beschrieben.

Kleine Anmerkungen aus meinem Empfinden und Leben in Bezug auf Brasilien:
In Brasilien ist alles wirklich anders als bei uns in Europa. Du musst völlig anderes an die Problemlösungen herangehen. Zuverlässigkeit ist nicht sehr ausgeprägt. Oft wunderte ich mich über eine gewisse "Dumm-Dreistig-Keit". Behördenauflagen wo auch immer Du hinkommst. ( Beispiel: Bereits für den Kauf eines Handyguthabens ist die CPF < Steuerreg. Nummer > notwendig.) Und Geduld muss MANN schon haben.

.... aber.... irgendwie, irgendwas, und irgendwann geht`s dann doch.

Noch etwas: Lese doch noch einige weitere Beiträge hier im Forum, die sich mit dem Auswandern, Rückwandern, und Geschäfte , geplatzter Träume beschäftigt haben.


Dir alles, alles Gute.
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Re: Auswandern nach Bahia

Beitragvon brasiuuu » Fr 20. Dez 2013, 07:41

Ich bin auch der Meinung dass dein Geld etwas knapp bemessen ist aber zum klein anfangen, bei Deinem altruistischem Lebensstil, ist das schon möglich.
Allerdings habe ich das Gefühl das Du etwas viel auf einmal willst.
Bist Du Dir bewusst wieviel Arbeit da drinsteckt?

Ich würde eher schauen dass Du eine kleinere, bestehende Plantage kaufst die schon Ertrag abwirft.
Diese kannst Du dann auf zertifizierten Bio Betrieb umrüsten oder auf Mischwald. .....oder dazu pflanzen.
R
10 Ha kakaoplantage z.B. erwirtschaftet ca. 10- 20'000 Reais pro Jahr.
Da kommt wenigstens ein bisschen was rein und solche Plantagen findest du viele.
Man muss diese dann hegen und pflegen oder eben auf zertifizierten Bio-Kakao umstellen. Da gibt es Institutionen die einem helfen (CEPLAC, Barry Callebaut etc.)
Man kann Stecklinge kaufen (15 Centavos/Steckling), Kurse belegen, günstige Kredite erhalten etc.

Mit 5000 Reais kaufst du dir tausende Stecklinge und dann musst Du Pflanzen, pflanzen, pflanzen.
Nach 3 Jahren kommen dann die ersten Früchte.

Der Staat ist sehr interessant daran die Kakaoproduktion zu erhöhen. Der ehemals weltgrößte Kakaoproduzent muss heute viel Kakao importieren um die heimische Nachfrage zu decken.

Nebenbei könntest Du dann noch Gemüsegarten u.s.w. zur autarken Selbstversorgung in Angriff nehmen.
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Re: Auswandern nach Bahia

Beitragvon BeHarry » Fr 20. Dez 2013, 11:47

Anodorhynchus hat geschrieben: Als Standort erschien mir die Küste Bahias bisher am attraktivsten.

O-Ton eines befreundeten Fazendeiros Baiano (de Itabuna):
"die Erde an der Küste taugt nichts ! Da wächst nur Unkraut & kakteen ...."


bin kein Diplom-Biologe - aber da ist wirklich kaum mehr als Viehzucht & Brachland !
Ab 80 km Inland ist die Erde doppelt so gut (und doppelt so teuer) - aber da wollen die Europäer ja nicht so gerne hin.....
(zu weit zum Strand)^.
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Re: Auswandern nach Bahia

Beitragvon brasiuuu » Fr 20. Dez 2013, 13:22



bin kein Diplom-Biologe - aber da ist wirklich kaum mehr als Viehzucht & Brachland !
Ab 80 km Inland ist die Erde doppelt so gut (und doppelt so teuer) - aber da wollen die Europäer ja nicht so gerne hin.....
(zu weit zum Strand)^.[/quote]


Hättest du die links von Elsass gelesen, würdest du das nicht behaupten. Ernst Götsch ist genau dafür bekannt das er im Süden Bahías Nutzloses Brachland günstig gekauft hat und danach sein System praktizierte.
Dort wo früher nichts war, wächst heute sehr potenter Nutzwald. Die Biodiversität kam zurück und versiegte Bäche fließen wieder.


Die Landpreise sind nahe der Küste übrigens um einiges teurer als 80 km im Inland.....doppelt so gute Erde hin oder her.
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Re: Auswandern nach Bahia

Beitragvon Anodorhynchus » Fr 20. Dez 2013, 13:26

Hallo zusammen,

erstmal vielen Dank für all eure konstruktiven Antworten.


Das mit dem Raubtierkapitalismus habe ich inzwischen auch etwa so aufgefasst. Einerseits natürlich ziemlich schade, andererseits eine radikale (wenn auch sicher nicht die beste) Methode um dem Land wirtschaftlichen Aufschwung zu verschaffen, der sich mit Verzögerung auch im Wohlstand der Bevölkerung bemerkbar machen könnte. Soviel ich weiss steigen immer mehr arme Brasilianer in die "neue Mittelschicht" auf, die sich auch mal was leisten kann.

Nun zu der Rechnung:
- 5-10 TEUR Umzug: Der Umzug dürfte deutlich günstiger werden, da ich ausser dem, was in den Rucksack passt eigentlich nichts mitnehmen muss. Ich bin in den letzten jahre so oft umgezogen, dass ich mich von allem unnötigen Ballast befreit habe. Ich hänge nicht so an Materiellem.

- minus 5-10 TE Suchkosten (Dauer der Suche): Wie entstehen dabei die genannten Kosten? Solang man nichts geeignetes gefunden hat, muss man doch auch keine Verbindlichkeiten eingehen. Ich dachte, man benötigt anfangs erstmal ein größeres Auto, um mobil zu sein und einen Schlafplatz zu haben. Auf Hotels und dergleichen werde ich natürlich verzichten. Ich bin über 15.000 km mit dem Fahrrad durch Europa gereist und habe da durchschnittlich am Tag mit allem drum und dran 3 Euro ausgegeben...

- minus 37 TE EUR Kaufpreis: das klingt gut!

- minus 10 TE Nebenkosten Ankauf: Was bedeutet das im einzelnen? Notar, Anwalt etc? Was braucht man und wofür?

- minus 10 TE weggelegte Reserve: Die ist ja dann noch da und addiert sich zu der hypotetischen roten Null.

- minus 15 TE Einfachhaus und Ausstattung: das klingt ebenfalls gut!

- minus 15-25 TE Anlaufkosten etc.: Soweit das nicht schon unter "Nebenkosten Ankauf" fällt, beinhaltet es doch zumindest sicher Pflanzen, Tiere, Fahrzeuge, Geräte? Was ist außerdem damit gemeint? 25.000 Euro ist sehr viel Geld.

Falls dann doch etwas bleibt (Zumindest die Reserve) bliebe die Sache mit den Zinsen ja doch noch erhalten. Ich habe von 8% gehört?!

Telefon, Strom, Wasser & Internet sind ein Muss, das stimmt. Andernfalls ist der Plan nicht umsetzbar.
Aber eine Kuh braucht man wohl nicht unbedingt. Die macht viel zu viel Arbeit und Verbindlichkeiten, eben für Versorgung, Futter und Arztkosten. Dann lieber 2 Ziegen. Die geben genug Milch, aber nicht zuviel und wenn mal eine stirbt ist es kein Weltuntergang (zumal nicht für den opportunistischen Allesfresser Mensch).

Dass die Papageienzucht genehmigungspflichtig wäre, ist klar. Jede Nachzucht bedrohter Tiere benötigt einen Herkunftsnachweis, damit mit ihr gehandelt werden kann. Aber das sollte wohl kein Problem für einen Biologen sein. Fraglich wäre noch, ob mit genehmigten Tieren sicher nicht über die Grenzen hinaus gehandelt werden darf?

Ihr habt ganz sicher recht, dass das etwas viel auf einmal ist. Aber das ist nur eine Aufstellung von Möglichkeiten, die mittel- bis längerfristig in Angriff genommen werden können. Keine Zwänge oder dergleichen. Das wichtigste ist, die laufende Bilanz von Anfang an überschaubar zu halten und sich nicht zu übernehmen.
Klein anfangen und dann wachsen, das ist das vernünftigste. Und es gibt durchaus Menschen die zugunsten eines Low-Budget Urlaub auf Komfort verzichten, bzw. natürliche Dinge wie Natur, Sonne und Meer als nötigen Komfort betrachten. Deshalb die Überlegung mit der Werbung an Biofakultäten. Natur-interessierte Studenten (etc.) würden so ein Angebot sicher gerne annehmen. Das ganze kann dann ja auch wachsen und allmählich an Komfort gewinnen. Wichtig ist auch hier, dass die laufende Bilanz von anfang an stimmt.

Für mich ist es wichtig, mehrere Standbeine zu haben, denn wie sagt schon Sepp Holzer: Vielfalt ist besser als Einfalt.
Ich möchte auch gewiss nicht mit ansässigen Unternehmen konkurrieren. Das hat keinen Sinn, denn sie kennen den Markt, sind etabliert, produzieren gut und günstig und mit viel Erfahrung etc. Hier geht es vielmehr um Nischenfindung. Die Sache mit dem Kakao ist aber sicher trotzdem eine Überlegung wert! Zumal die Bäume auf den Fazendas ja oft schon vorhanden sind.

Dann noch etwas zum schlechten Boden an den Küsten:
Jeder Boden ist potentiell regenerierbar, wenn er nicht gerade mit Gift verseucht ist. dafür gibt es sehr zuverlässige biologische Methoden. Man muss sich den Boden einfach anschauen, sehen was dort für Pflanzen wachsen, denn diese verraten genau, was der Boden hat und was ihm fehlt und dann kann man beginnen, ihm das was er braucht zurück zu geben. Z.B. durch sinnvolle Bewässerung, Regenerierung der Humusschicht etc.
Viel Arbeit, klar. Aber das macht schließlich Spaß, sonst müsste man es ja nicht tun. Das ganze wird wohl immer eine Art Experiment sein, wichtig ist nur, dass es fortbestehen kann. :-)
Ich freue mich über weitere Stellungnahmen, gerne auch zu der Sache mit der Aufenthaltsbewilligung.
Vielen Dank!
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Re: Auswandern nach Bahia

Beitragvon brasiuuu » Fr 20. Dez 2013, 13:57

An deinen Antworten erkenne ich dass das was werden könnte.
Wenn man die Ansprüche runterschraubt ist alles möglich. Wo ein Wille ist ist auch ein Weg!

Grundsätzlich habe ich eigentlich sehr ähnliche Ideen.
Wenn ich Dich wäre würde ich mir wirklich mal die Gegend um Serra Grande BA näher betrachten, den dort hat es sehr viele Gleichgesinnte (Man will ja zwischendurch mal was gescheites reden!), ist nahe an Ilheus und auch touristisch (ev. Absatzmarkt/ Couchsurfing= Kost und Logis gegen Arbeit :mrgreen: ).

Wie siehts bei Dir aus mit Terra Preta? Schon Erfahrungen damit gemacht?
Durch die Einbindung von Kohlenstoff im Erdreich soll man anscheinend massiv besseres Wachstum und weniger Schädlinge (gesunde Pflanze) und zum Schluss noch bessere Ernten erreichen können?
Will ich unbedingt ausprobieren.

Wegen dem Thema Geld muss ich Dir sagen, dass das sehr individuell ist.
Mein Bruder z. B. hat eine Fazenda mit diversen Früchten und Gemüsegarten und braucht fast kein Geld....und er musste irgendwann auch einmal beginnen, Also...lass Dich nicht unterkriegen
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