Auswandern nach Recife

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Re: Auswandern nach Recife

Beitragvon karlnapp » Mi 25. Jan 2012, 01:38

Als ein angeblich von Brasilien enttäuschter und verbitterter Rentner, äußere ich mich eher ungern zu dieser Materie! Das Thema Immobilien ist für mich hierzulande ohnehin abgehakt und der Besitz solcher wäre mir jetzt lediglich ein Klotz am Bein.
Das war nicht immer so!
Gleich nach meiner Ankunft hier, in den frühen 90ern, kaufte ich mir für schlappe USD 10000,00 ein Sitio (bezahlt per Bankscheck der damaligen Deutsch-Südamerikanischen Bank) Weitere ca. 10000 Dollar kostete mich die ordnungsgemäße Registrierung des Landes, welches ich zunächst nur mit einem sog. Kaufversprechen erworben hatte.
Mit Wasserfall, See, Sandstrand, Wald und all dem sonst, was einen Neu-Ankömmling geradezu in Verzücken versetzt, war mein neu erworbener Besitz ausgestattet. Dazu lag er nur exakt 68km vom Zentrum von BH entfernt. Mit dem Einsatz eines handbetriebenen Betonmischers und der Hilfe eines jungen Mannes brachte ich in meiner Freizeit die 2,5km lange Zufahrt in Ordnung, sodass man das dortige Haus praktisch mit jedem Kfz. erreichen konnte. Letzteres galt aber nicht nur für mich, sondern auch für ungebetene Gäste, die ich mir ja bekanntlich in Brasilien nur einbilde.
Also gab ich kurzum das Sitio auf und meine mühselige Arbeit dort, vergaß ich lieber, was mir nicht sonderlich schwerfiel, da ich kurz vor meiner Heirat stand. Die Jahre zogen ins Land und bei meinen sehr seltenen Besuchen dort, sah ich das Haus immer mehr verfallen, auch waren inzwischen sämtliche Türen, Fenster usw. abmontiert.
Ja und irgendwann erreichte mich die Nachricht eines hartnäckigen Kaufwilligens, der meine Adresse beim Registrierungsbüro erfahren hatte. Später teilte der mir mit, dass ihn mein betonierter Weg neugierig gemacht habe und er am Ende dieses etwas Außergewöhnliches vermutete; den pittoresken Wasserfall fand er. Also stellte sich im Nachhinein meine „Straßenarbeiterzeit“, als doch nicht so ganz umsonst heraus.
So ist das halt im Leben, wie zerronnen, so gewonnen!
Über meinen Gewinn möchte ich mich an dieser Stelle natürlich nicht auslassen, aber in der Nähe eines mittleren Lottogewinns lag er schon, nachdem sich Brasilien, in der Zwischenzeit, von einem Nehmer- zu einem Geberland entwickelt hat.

Weitere wertlos geglaubte Baugrundstücke erwarb ich kurz nach meiner Heirat, eigentlich nur, weil die klammen Nachbarn mich, den Gringo, inständig darum baten. Mittlerweile sind auch die allesamt verkauft. Mir erschien der Verkaufspreis, der ca. 30-40mal höher als der Einkaufspreis lag, wie eine typische Immobilienblase und mittlerweile hat sich der hiesige Markt doch schon ein wenig beruhigt.

Brasilien hat mir in all den Jahren wesentlich mehr gegeben, als ich in Deutschland jemals hätte erreichen können, obwohl ich zu keiner Zeit spekulative Gewinnabsichten hegte.
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Re: Auswandern nach Recife

Beitragvon Almöhi » Mi 25. Jan 2012, 10:13

Das ging nicht nur dir so.

Aber was willst du damit sagen (ausser, dass du erfolgreich bist) ?

Dass es noch 10, 20 Jahre so weiter geht ?

Wenn explodierende Immo-Preise zu finanzieren sind, müssen auch die Löhne explodieren.

Und die Mieten werden den Kaufpreisen folgen. Also müssen alle Löhne explodieren.

Schlecht für einen Rohstoff-/Nahrungs-Exporteur, oder ?

Also werden die Löhne wohl eher nicht explodieren.
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Re: Auswandern nach Recife

Beitragvon karlnapp » Mi 25. Jan 2012, 10:42

Almöhi hat geschrieben:Aber was willst du damit sagen (ausser, dass du erfolgreich bist) ?
Nein, vielmehr wollte ich damit sagen, dass sich eine Immobilie meistens erst nach einer sehr langen Zeit als rentierlich entpuppt. Der normale Käufer erwirbt eine solche, weil diese ihm aus irgendwelchen persönlichen Gründen zusagt und an Spekulation verschwendet er gar keine Gedanken.
Ansonsten habe ich doch eine ziemliche Steigerung des salario minimo in Brasilien miterleben dürfen. Bei der Real-Einführung lag es bei USD 80 und jetzt liegt es inflationsbereinigt etwa 3mal so hoch.
Als der VALE-Konzern seinerzeit kurzerhand die Erzpreise um ca. 100% erhöhte, konnte ich eine gewisse Zustimmung, auch als deutscher Staatsbürger, nicht verbergen. Wurde doch endlich mal was für die lange gepredigte sog. Nord-Süd-Umverteilung unternommen, an der sogar ich indirekt teilhaben durfte.
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Re: Auswandern nach Recife

Beitragvon Almöhi » Mi 25. Jan 2012, 11:01

OK, das sehe ich auch so.
Aber diese "Umverteilung" führt doch m.M. direkt zu Preiserhöhungen der Exportprodukte.

Kann das denn noch so weiter gehen ?

Klar ist, man sollte deutsche Verhältnisse mit sinkenden Reallöhnen und sinkenden Lohnstückkosten vergessen, wenn man Brasilien im Auge hat.

Beim Immo-Kauf finde ich aber den Einstandspreis wichtig, und der ist doch in vielen Fällen sehr hoch.

Wenn ich etwas für 10.000 USD kaufe, kann es sich in 10 Jahren schnell ver-5-facht haben.

Aber wenn ich 200.000 Euro für ein Strandhaus zahle, glaubt denn wirklich irgendjemand hier, es würde in 10 Jahren eine Million Euros dafür geben ?

Und die Preis sind doch oftmals noch höher. Ein schönes Apartement in Salvador oder Florianopolis liegt locker bei 600.000 - 800.000 Reais.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass damit noch nenneswerte Wersteigerungen zu erreichen sind.

Vielleicht fehlt mir nur die Phantasie ?
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Re: Auswandern nach Recife

Beitragvon karlnapp » Mi 25. Jan 2012, 11:19

Almöhi hat geschrieben:Vielleicht fehlt mir nur die Phantasie ?

Nein gewiss nicht, Immobilien kauft man üblicherweise am günstigsten zu Krisenzeiten, wenn sich die Eigentümer, aufgrund unzureichender Mittel für den täglichen Konsum, von diesen trennen müssen oder wollen. Vorausgesetzt natürlich, man verfügt zu solchen Zeiten über genügend Kohle.
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Re: Auswandern nach Recife

Beitragvon zagaroma » Mi 25. Jan 2012, 14:01

karlnapp hat geschrieben:
Brasilien hat mir in all den Jahren wesentlich mehr gegeben, als ich in Deutschland jemals hätte erreichen können, obwohl ich zu keiner Zeit spekulative Gewinnabsichten hegte.


Halellujah und herzlichen Glùckwunsch!
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Re: Auswandern nach Recife

Beitragvon zagaroma » Mi 25. Jan 2012, 16:13

Almöhi hat geschrieben:Aber wenn ich 200.000 Euro für ein Strandhaus zahle, glaubt denn wirklich irgendjemand hier, es würde in 10 Jahren eine Million Euros dafür geben ?


In 10 Jahren vielleicht nicht, aber in 20 bestimmt. Das war in Italien auch so. Einfach weil die Strand-Grundstùcke in Stadtnàhe beschrànkt sind.

Mal zum salario minimo: das gab es in Italien auch, und die jàhrliche Erhòhung ist natùrlich so ziemlich der einzige Grund fùr die grosse Inflation. Nun hilft es ja wirklich niemandem, wenn das salario erhòht wird und am nàchsten Tag die Preise mitziehen.

In Italien wurde deshalb 1985 das Mindestgehalt einfach abgeschafft, da musste dann jeder seinen Lohn selbst verhandeln. Sehr unpopulàre Entscheidung, natùrlich gab es eine soziale Revolution, Streiks, Demonstationen, Aufstand der Gewerkschaften, ecc. Aber innerhalb eines Jahres war die Inflation von 15% auf 2,5% runter, Italien konnte der europàischen Wàhrungsgemeinschaft beitreten und der Wechselkurs war von da an stabil, was die Exporte enorm begùnstigte und Arbeitsplàtze sicherte.

Brasilien wird nicht daran vorbeikommen, diese Massnahme frùher oder spàter auch zu ergreifen, die Industrie arbeitet schon darauf hin. Es wird natùrlich ein politischer Selbstmord fùr die Regierung, die es durchsetzen muss, deshalb wird es so lange wie mòglich herausgeschoben, aber was muss das muss. Wir kònnen nur hoffen...
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Re: Auswandern nach Recife

Beitragvon Westig » Mi 25. Jan 2012, 20:24

zagaroma hat geschrieben:
Almöhi hat geschrieben:Aber wenn ich 200.000 Euro für ein Strandhaus zahle, glaubt denn wirklich irgendjemand hier, es würde in 10 Jahren eine Million Euros dafür geben ?


In 10 Jahren vielleicht nicht, aber in 20 bestimmt. Das war in Italien auch so. Einfach weil die Strand-Grundstùcke in Stadtnàhe beschrànkt sind.


Zagaroma hat Recht.

Im Jahre 1968 endete der Asphalt in Boa Viagem - Recife an der dortigen "Pracinha", vor dem damaligen Hotel Boa Viagem. Weiter gab in Richtung Süden so gut wie nichts mehr; eine schmale Erdstraße, jede Menge mit Palmstroh gedeckte Fischerhütten, Kneipen am Strand. Wer dort kaufte, wurde manchmal für verrückt erklärt.

Um 1974 wurden an der Avenida Boa Viagem und an der parallel liegenden Av.Navegantes in Recife noch zahlreiche freie Grundstücke bzw.einfache kleine Wohnhäuser für oft weniger als USD 100.000 angeboten. Heute werden viele 6-8 stöckige "Hochhäuser" der ersten Generation dort abgerissen, die Grundstücke sind mehrere Millionen wert. Wer dort ein inzwischen 30 Jahre altes kleines Appartment hatte, kann heute in eine Wohnung in ein an dieser Stelle errichtetes 20-Stockwerk-Hochhaus umziehen, die um etliches kleiner ist als die damalige, hingegen heute gut 300.000 Euro wert ist. Oder weitaus mehr.

In der vergangenen Woche wunderte sich der "Diario de Pernambuco" in einer Sonderbeilage über die unglaubliche Kostenexplosion bei Grundstücken und Wohnungen in fast allen Stadtteilen von Recife.

In Porto de Galinhas unmittelbar am Strand, 600 m nördlich von dem damaligen Fischerdorf entfernt, werden heute einige 1974 gebaute Häuser der "ersten Generation" (als dort allmählich der Bauboom begann) für mindestens EUR 800.000 oder weit mehr angeboten. Die Häuser werden abgerissen; auf den Grundstücken entstehen hochmoderne kleine und größere Hotels.
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Re: Auswandern nach Recife

Beitragvon zagaroma » Mi 25. Jan 2012, 21:22

Freunde von mir haben gerade ein Einfamilienhaus mit ziemlich grossem Eck-Grundstùck in der Nàhe des Shopping Recife (also zwar in Boa Viagem, aber weit weg vom Strand, noch auf der anderen Seite der Av. Domingo Ferreira) gegen 15(!) Appartments in dem neuen Predio eingetauscht, das dort nun gebaut werden wird. Das entspricht einem Wert von mindestens 3,5 Mio R$.
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Re: Auswandern nach Recife

Beitragvon karlnapp » Do 26. Jan 2012, 08:00

zagaroma hat geschrieben:Freunde von mir haben gerade ein Einfamilienhaus mit ziemlich grossem Eck-Grundstùck in der Nàhe des Shopping Recife (also zwar in Boa Viagem, aber weit weg vom Strand, noch auf der anderen Seite der Av. Domingo Ferreira) gegen 15(!) Appartments in dem neuen Predio eingetauscht, das dort nun gebaut werden wird.
Den Immobilienmarkt in Recife kenne ich nicht. Warum auch?
Über den hiesigen kann ich berichten, dass ältere Appartements, wenn überhaupt, nur eine recht geringe inflationsbereinigte Wertsteigerung erfahren. Neu errichtete, gut ausgestattete, selbstverständlich mit Garage im UG oder EG und allen sonstigen technischen Einrichtungen, die der Sicherheit der Bewohner dienen, kosten inzwischen ca. R$ 1 Million. Der Wohntrend geht in Brasilien zu Eigentumswohnungen und die Brasilianer werden schon wissen warum?
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