Auswandern nach Sao Paulo

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Re: Auswandern nach Sao Paulo

Beitragvon Trem Mineiro » Mi 8. Jan 2014, 19:38

Oi Lucas,
da haben wir was gemeinsam, ich bin Bassist, aber in den 60-70-gern. Lange her.

Du hast es ja praktisch bestätigt, solange du als Externer unter deinen Brasilianischen Kollegen bist, bist du beliebt, auch bei den dortigen Chefs , schließlich machst du denen die Arbeit und nimmt ihnen einige Verantwortung ab.

Und Brasilianische Arbeitnehmer sind qualifiziert und willig, es ist meist die Organisation und die fehlenden Ressourcen und manchmal das fehlende Vertrauen, was sie behindert.

Bist du mal Teil der brasilianischen Organisation, dreht sich das. Hängt aber davon ab wie du das anpackst und meisterst. Ich hab schon viel zu Brasilianischer Unternehmenskultur aus eigener Erfahrung als Chef und heute als Berater geschrieben. Must mal im Forum suchen. Ein Kernsatz:
Während deutsche Vorgesetzte für Verbesserungs- oder Organisationsvorschläge meist ein offenes Ohr haben sehen das viele brasilianische Vorgesetzte (die den Job meist nicht von der Pike auf gelernt haben, sondern mit UNI-Diplom eingestiegen sind, das als Insubordination. (überzeichnet, aber viel wahres dran)

Dazu schätzt du die Gehaltsgeschichte ja auch richtig ein, also versuch deine Bedingungen durchzusetzen, wenn nicht klappt, lass es sein, nicht um jeden Preis umziehen, Sao Paulo ist teuer..

Ich hab da auch noch eine andere Befürchtung. Deine Freundin zieht vielleicht das für sie leichtere Leben in Brasilien einem Nachzug nach Deutschland vor, weil sie meint, dass du den gewohnten Lebensstandard, den du hier als Expat hast, fortsetzen zu können. Du solltest ihr klar machen, dass ein Umzug für dich Halb-Sold bedeutet und Einschränkungen, auch für sie.

Sie müsste zumindest kapieren, dass ihr in D besser leben würdet. Und sie die besseren Chancen mit ihren Dienstleistungen habt, selbst nur mit einem 400 Euro-Job. Darüber sollte sie sich im Klaren sein, wenn sie dich nach Brasilien haben will. Da verliert der Prinz schnell seinen Glanz. Was sie verliert ist heutzutage nur noch das bessere Wetter in Brasilien.

Ich hab jetzt 18 Jahre in Brasilien gelebt, war immer doll, klar immer fett als Expat, als Chef, mit allen Benefits und die Zeiten waren gut für die Geschäfte. Heute, als Rentner geh ich lieber wieder zurück nach D, Brasilien bietet mir einfach nicht mehr genug, weil ich kein Typ bin, meine Rente am Strand in der Sonne zu verprassen.

Meine Frau geht gerne mit, weil sie die Ordnung, Sicherheit und Sauberkeit in D schätzt. Dazu fühlt sie sich in D als Frau und als Morena clara erheblich mehr respektiert ans in Brasilien. Sie ist ein wenig jünger als ich, hat ihre Ausbildung als Biologin und Pharmazeutin beendet und sieht erheblich bessere Berufschancen in Deutschland. Ich seh noch was anderes: der Steuervorteil durch das Ehegattensplitting bringt mir, wenn sie nicht arbeitet, in etwa so viel Geld ein, wie sie in Brasilien als angestellte Apothekerin bei Araujo mit 44 Wochenstunden, Wochenende und Nachtarbeit verdienen würde. Das ist der Brasilianische Arbeitsmarkt (unabhängig von der fehlenden sozialen Absicherung, Kündigungsschutz, Krankenversicherung etc.)

Aber du gehst das schon richtig an, du kennst deine Qualitäten und must dich nur gut verkaufen. Wenn du zu viel opferst, zieh die Reisleine und brich es einfach ab. Im Moment sind die Zeiten für Leute wie dich beruflich in D sehr gut, wenn du 3-4 Jahre dich in Brasilien verrennst und dann aufgibst, sind die Futtertöpfe in D längst verteilt, keiner weis wie lange das noch so weitergeht.
Aber andersherum, Job und Gels sind nicht alles.

Mach das Beste draus und berichte, wie es weitergeht.
Gruß
Trem Mineiro
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Re: Auswandern nach Sao Paulo

Beitragvon Elsass » Do 9. Jan 2014, 05:42

Immer den Fall mit durchdenken, dass es schief laeuft mit der Beziehung. Und was dann?
Im Fall, dass du nicht bleiben willst, weil du noch nicht Fuss gefasst hast, musst du realisieren, dass du wesentlich mehr aufgegeben hast als deine Freundin. Nach ein paar Jahren im Ausland koennte es schwer bis unmoeglich werden, in D. wieder in den Job zurueckzukommen incl. verpasste Aufstiegschancen.

Sie dagegen kann nach einer eventuellen Rueckkehr in Sao Paulo jederzeit wieder in einem Salao de Beleza arbeiten. Die suchen immer. Der Job hat auch nicht unbedingt Aufstiegsmoeglichkeiten, ausser sich selbstaending zu machen.

Und ohne satt Knete ist Sao Paulo kein Spass. :(
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Re: Auswandern nach Sao Paulo

Beitragvon Karmapa » Do 9. Jan 2014, 14:04

Oi Lucas,

bis auf die Sache mit dem Wetter stimme ich mit Trem überein. :shock:
Ich möchte nicht in Rio arbeiten müssen, viel zu heiß und feucht.
Eine Brasilianerin nach Oberfranken zu bringen ist aber auch ein Risiko, sie wird da viellleicht Heimweh haben und ständig mit Brasilien komumnizieren, vielleicht nie in D. ankommen?!
Eher solltest du nach SP kommen,du findest die Stadt ja o.k.
In D. gibt es ja auch einges was stört, ich denke nur an die Nörgelei und Besserwisserei. Die ständig gepflegten Animositäten und Vorurteile. Diese Milimeterdemokratie ist es die mich gehörig stört. Die schlechte Laune vieler Menschen etc.
Was für mich hier vieles aufwiegt sind die Menschen in Brasilien deren Optimismus und Gelassenheit im Leben.
Wenn du einen einigermassen guten Job findest dann mach es einfach!
Fora Cunha !
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Re: Auswandern nach Sao Paulo

Beitragvon cabof » Fr 10. Jan 2014, 00:39

Das Schlagwort heißt "ankommen" ankommen in einem Land.... BR in DE wohl weniger, besonders auf dem Lande - hier in Köln hat sich ein Stück Brasilien etabliert und da leben die BR ziemlich gut wenn auch die Saudade bleibt.... jeder von uns kann da sicher einen Betrag zu schreiben.... einfach ist es nicht. Die Familienbande zu Brasilien ist einfach zu groß... der X-te Nachbar heiratet und schwups muß die Holde (mit Bankkredit) rüber nach Brasilien um dabei zu sein... jetzt erlebt, andere kommen nach wenigen Monaten zurück, enttäuscht weil die Familie nicht mehr das ist was sie mal war.... Geldnot, prekäres Leben.... in den Foren habe ich noch nichts von den DE Leuten gehört/gelesen die sich in BR "zusammenrotten" wie es die BR in DE/EU tun. Nur kurz ohne weit auszuholen. Eine Paß-Deutsche BR Familie ist zurück, Hartz IV, Top-Wohnung, träumen 90% unserer User von, 3 Kinder - das sagt alles. Wollte denen vor Wochen meinen alten Röhren-Fernseher verschenken.... am Wochenende erneuter Besuch: klebte ein Groß-TV-Flachbildschirm an der Wand, hat sich erledigt, Family in tropischem Outfid durch die Wohnung geisternd, alle Lampen an, Heizung volle Pulle, TV ohne Zuseher laufend (TV RECORD) - habe mich zurück gehalten, im nächsten Winter wird denen wohl die Heizung abgeschaltet....
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Re: Auswandern nach Sao Paulo

Beitragvon Cheesytom » Fr 10. Jan 2014, 01:26

Ähmm..., ich dachte es geht um Auswandern nach São Paulo oder so...
Gruss aus Maceió, Alagoas
Thomas
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Re: Auswandern nach Sao Paulo

Beitragvon Lucas » Fr 10. Jan 2014, 12:45

Hi Leute

Vielen Dank das ihr euch so gut mit mir austauscht das gefällt mir wirklich sehr gut. :)

Also meine Freundin hat mir schon mal klar gemacht das sie sich kein Leben in DE vorstellen kann. Ich kann das auch ein wenig nachvollziehen, da ich in einer Kleinstadt lebe und es sehr schwer ist hier Anschluss zu finden. Sie war zwar erst 2 Wochen hier aber das hat ihr nicht zugesagt. Es ist auch nach wie vor sehr schwer für mich da ich hier ein wirklich gutes Leben führe (Festanstellung, gutes Gehalt etc.). Ich werde mich noch mal mit ihr ausgiebig unterhalten müssen. Ich stehe absolut zwischen zwei Stühlen. Das ich in BR nicht das selbe Gehalt beziehen würde ist meiner Freundin bewusst. Ja die überwiegend negativ Einstellung in DE macht mir auch zu schaffen. Aber naja ich würde am liebsten über einen Deutschen Arbeitgeber nach Brasilien gehen da gibt es ja Möglichkeiten mit 5 - 10 Jahres Verträgen etc. bei denen man natürlich auch nicht das selbe Gehalt bezieht als wäre man auf Montage o.ä. aber man hat eben eine Deutschen Arbeitsvertrag mit einen trotzdem angemessenen Gehalt und man hat die Option irgendwann wieder problemlos nach DE zurück zukehren. Naja es ist schon keine leichte Entscheidung. Wie habt Ihr eigentlich das alles mit Krankenversicherung und den ganzen anderen Versicherungen die man ja so hat gehandhabt als Ihr ausgewandert seid????

PS: Bassist in einer Rockband der 60er und 70er ist ja mal voll der Hammer :D
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Re: Auswandern nach Sao Paulo

Beitragvon brasifan » Do 16. Jan 2014, 11:13

Heee versuch es einfach, du bist noch jung, wenn es nicht klappt kommst du wieder zurück. Wir brauchen hier in Deutschland auch noch in zehn Jahren gute Facharbeiter.
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Re: Auswandern nach Sao Paulo

Beitragvon Berlincopa » Fr 17. Jan 2014, 02:08

Elsass hat geschrieben:Immer den Fall mit durchdenken, dass es schief laeuft mit der Beziehung. Und was dann?
Im Fall, dass du nicht bleiben willst, weil du noch nicht Fuss gefasst hast, musst du realisieren, dass du wesentlich mehr aufgegeben hast als deine Freundin. Nach ein paar Jahren im Ausland koennte es schwer bis unmoeglich werden, in D. wieder in den Job zurueckzukommen incl. verpasste Aufstiegschancen.

Sie dagegen kann nach einer eventuellen Rueckkehr in Sao Paulo jederzeit wieder in einem Salao de Beleza arbeiten. Die suchen immer. Der Job hat auch nicht unbedingt Aufstiegsmoeglichkeiten, ausser sich selbstaending zu machen.

Und ohne satt Knete ist Sao Paulo kein Spass. :(



Es kann doch durchaus sein, daß Lucas eine neue Freundin in Brasilien findet, falls es mit der jetzigen auf Dauer nicht funktioniert. Wie einige hier wissen, gibt es viele deutsche Männer, für die "nach einer brasilianischen Frau" bedeutet "vor einer brasilianischen Frau". Falls er dann in den nächsten Jahren heiratet, hat er sowieso kein Problem mehr, in Brasilien zu bleiben. Wenn ihn das Herz nach Brasilien ruft, sollte er meiner Ansicht nach diesem Ruf folgen und nicht nur auf die monetären Randbedingungen achten.
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Re: Auswandern nach Sao Paulo

Beitragvon Berlincopa » So 19. Jan 2014, 02:14

Wenn du jetzt aktuell siehst, wie die Rentenkasse von der Groko geplündert wird, damit die Jungen später noch weniger Rente bekommen, solltest Du Dich vielleicht tatsächlich aus dem Staub machen. Zumal in Bayern ja Skandale wie die Bezahlung von Verwandten für angebliche Mitarbeit bei politischen Verwandten oder die unberechtigte Führung von erschlichenen Doktortiteln maximal als Kavaliersdelikt angesehen wird. Die große Maut-Sau sitzt am Trog und grunzt vor sich hin. Armes Bayern.
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Re: Auswandern nach Sao Paulo

Beitragvon Trem Mineiro » So 19. Jan 2014, 02:22

Da ziehe ich jetzt hin, bin allerdings Hessischer Sozi, die warten da sicher schon auf mich.

Gruß
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