Auswandern Pro/Contra !

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Auswandern Pro/Contra !

Beitragvon Jacare » Di 29. Aug 2006, 08:31

Oi, Gente !
Eine Frage an alle die in Brasilien leben bzw. gelebt haben. Wenn ihr nochmal vor der Wahl stehen würdet, würdet ihr nochmal nach Brasilien auswandern ? Uns juckt es gewaltig auszuwandern aber ohne ein gewisses Grundkapital (so 100.000 EUR) ist die Sache wohl eher ein Himmelfahrtskommando oder ?
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Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Beitragvon Jacare » Di 29. Aug 2006, 13:04

Das mit den Fallstricken habe ich schon gerafft und das mit dem Ball flach halten klappt bei meinem Gehältchen auch ganz gut. Kann man auch in Deutschland bereits gut lernen. :wink: Aber ein ganz großes geschäftliches Problem in Brasilien ist einfach, das was man meint was heute gut laufen könnte, schon morgen ein riesen Verlust ist. Als Angestellter durchzukommen, wenn man denn einen Job bekommt, ist nicht einfach aber zur Not würde es auch das tun. Bei mir hängt auch noch Frau und Kind dran und ob da meine 60 Mille reichen für Haus, Schulbildung, etc. ist die große Frage.
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Beitragvon Vinhedense » Di 29. Aug 2006, 13:45

Die Frage ist auch WARUM auswandern?

Geht es mir in z.B. in Deutschland zu schlecht? Habe keinen oder einen schlecht bezahlten Job. Die Menschen und Umgebung ist !&@*$#!... die Frauen sind blöd. Und ausserdem hab ich bisher noch nix auf die Beine gebracht... :shock:
Sind das die Beweggründe :?: - dann sollte man davon grossen Abstand nehmen nach Brasilien zu gehen. :!:

Ich bin mit Frau und Kindern nach Brasilien gegangen um Erfahrungen zu sammeln, eine Chance zu nutzen, neue Perspektiven zu finden, den Stambaum zu vergrössern :D
Wir sind hier her gekommen, ohne grosses Geld in der Tasche. Hatte allerdings schon im Vorfeld einen Job, aber halt auf brasilianischen Gehalts-Niveu.

Ohne Job bzw. ohne Geld würde ich es nicht machen. Hilfe und Unterstützung bekommt man hier nicht. Und die Sache mit den Überlebenskünstlern, womit sich die Brasilianer über Wasser halten, muss man erstmal gelernt haben.

Und wie CC schon geschrieben hat
Zitat:
mein tipp : hingehen und erstmal lernen, nur mit brasilianern zusammensein und nicht mit anderen gringos.
und : den ball ganz flachhalten.


Das sollte man sich sehr zu Herzen nehmen. :wink:

(PS: wir haben nur Brasiliansiche Freunde - die Gringos sind teilweise so versnoppt, das man sich echt dafür schämen muss :? ) :D
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Beitragvon seitenwandkletterer » Di 29. Aug 2006, 14:59

Ich habe Probleme mit dem Wort Auswandern, denn - zumindest in unserem Fall - war es eigentlich ein Rückumzug, da wir wie viele hie rin dem Forum ein brasilianisch-deutsches Paar sind.

Trotzdem ging das nur relativ gut, da meine Frau hier schon einen relativ sicheren Job hatte und ich gute Aussichten auf eine Stelle. Die Aussichten haben sich bewarheitet und gestern habe ich meinen Arbeitsvertrag unterschrieben.

Zum Thema Ball-flach-halten: Es ist immer gut, zu wissen, wann man den Ball flachhalten sollte.
In einigen Situationen hat das absolute Gegenteil aber zum Erfolg geführt. Z.B. waren wir hier tagelang ohne Wasser, weil die lokale Wasserversorgung wegen eines Rohrbruches lahmgelegt war. Als ich dann bei der CORSAN angerufen habe und die arme Telefonistin mit übelstem deutschen Akzent vollgetextet habe, was ein Schei$$laden die CORSAN doch sei und ob sie sich nciht schämen würde wegen des Wasserpreises (fast so hoch wie in D und null Leistung), kam innerhalb kürzester Zeit die Volksfront gegen Wasserrohbrüche und hat zusammen mit der Anti-Wasserrohrbruchvolksfront den Schaden innerhalb kürzester Zeit behoben. Seitdem werde ich auf der Strasse von wildfremden Nachbarn freundlich gegrüsst.

Es wimmelt hier nur so von Deutschen. Aber ich suche keinen Kontakt zu denen, ausser ich merke, dass sie an der Uni oder sonstwie (z.B. PF) mit irgendwelchen bürokratischen Problemem zu kämpfen haben. Aber diese Hilfe leiste ich genauso für Inder, Amis und sogar Holländer. Nur für Argentinier würde ich keinen Finger krumm machen. ;-)

Zum Thema Reseven: Wir haben hier ca. 10000 Eur verbraten zum Umzug, Einrichten der Wohnung und weil der liebe Arbeitgeber meiner Frau es mit den Gehaltszahlungen nicht so genau genommen hat. Wenn Ihr längere Durststrecken zu überbrücken habt, dann würde ich sagen, dass eure 60000 Eur wohl eher schneller verbraucht sind, als Ihr denken könnt. Ich würde den Zeitrahmen mal mit 1-2 Jahren grosszügig einschränken.

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Beitragvon Severino » Di 29. Aug 2006, 15:04

Das sind ja Super-Antworten hier. Genau das macht es nach meiner Meinung aus, ob eine Auswanderung von Erfolg gekrönt ist oder nicht. Ich habe für mich den Entscheid bereits gefällt. Das wann und wie ist aber noch nicht geklärt.
Ich habe im Moment das gleiche Problem wie Jacaré. Zuwenig Kapital um von vorne anzufangen. Wenn ich dann aber andererseits sehe mit wie wenig Kapital die Brasilianer was auf die Beine stellen, dann habe ich ja eigentlich doch wieder ganz gute Karten. Natürlich werde ich in Brasilien niemals den Lebensstandard haben wie hier. Doch da muss jeder für sich entscheiden was es einem Wert ist. Geld, Schulbildung, Altersvorsorge, Bürokratie, Zinsen, Steuern, Krankenversicherung - alles ist dort anders.
Wäre ich alleine, hätte ich keine Bedenken, ich käme über die Runden. Aber mit kids hat man da eben schon andere Verpflichtungen. Aber wieviele brasilianische Väter nehmen die Pflichten wirklich ernst - oder können es? Da merkt man dann wieder die Kulturunterschiede.
Nur wer in Brasilien wie ein Brasilianer leben kann und will, der hat eine Chance dort was zu erreichen. Se deus quizer....
Leider haben wir sehr viele Angewohnheiten, wie z.B. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit usw. Nur wer die mit Optimismus und Improvisation ersetzen kann, der wird nicht am Egoismus in Brasilien verzweifeln.
Geld ist in Brasilien in erster Linie ein Mittel zum Überleben. Davon haben die meisten wenig.
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Beitragvon Vinhedense » Di 29. Aug 2006, 16:21

Zitat CC:
man hat ja auch schon pferde würfel husten sehen.
jedem das seine, kann ja auch gutgehen.


Ja, aber nur alleine, wenn man keine Verantwortung gegenüber Anderen hat. z.B. Kindern usw. Zurückfliegen kann man ja immer wieder - ausser man hat das Ticket bei VARIG gekauft :wink: :D

Zitat Serverino:
Geld, Schulbildung, Altersvorsorge, Bürokratie, Zinsen, Steuern, Krankenversicherung - alles ist dort anders.
Wäre ich alleine, hätte ich keine Bedenken, ich käme über die Runden. Aber mit kids hat man da eben schon andere Verpflichtungen. Aber wieviele brasilianische Väter nehmen die Pflichten wirklich ernst - oder können es? Da merkt man dann wieder die Kulturunterschiede.


Uns so ist es. Schulbildung, Altersvorsorge, Bürokratie, Zinsen..... das sind alles Dinge die hier verhältnissmässig Schweinnne-teuer sind. Und für den grössteil der Bevölkerung nicht zu bezahlen.
Braucht man eine Schulbildung, Altersvorsorge, Krankenversicherung usw?.... das muss ja jeder für sich selbst entscheiden.
Wenn man diesen Luxus gerne behalten möchte, dann ist der passende Job oder genügen Geldpuffer sehr sehr wichtig.
Allein von Sonne, luft, liebe, und Fussball kann man auch hier nicht überleben..... :wink:

Spätestens, wenn die Kindern ankommen und wollen ein Beruf erlernen oder auf der Uni studieren und du musst dann jeden monat 800R$ aufbringen pro Kind... dann wird es eng.... ohne Puffer oder Job...
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Beitragvon Severino » Di 29. Aug 2006, 17:00

Genau Vinhedense. Und deshalb ist die Frage von Jacaré ob den 60 Mille reichen auch nicht so einfach zu beantworten. Erstens hängt es davon ab, wo er hin will in Brasilien. Sao Paulo hat sicher andere Kosten als ein Kaff im cerrado, bietet aber natürlich auch job-technisch andere Möglichkeiten.
Dann kommt es eben auf den angestrebten Lebensstandard an. Ein Grundstück mit einem bewohnbaren Haus kostet je nach Region ab 10 T€, ein Mittelklassewagen auch. Dann braucht man ja noch Möbel usw. Sicher nochmal 10 T€. Natürlich kann man auch gut das Doppelte für Wohnung usw. ausgeben....
Wenn man sich dann von Reis und Bohnen ernährt, nicht zu lange duscht und das auch nur im dunkeln und dabei nur selten telefoniert, dann reichen die restlichen 30 Mille für eine dreiköpfige Familie sicher noch ein Jahr....
Mann kann die aber auch in ein/zwei Monaten verprassen.
Richtig teuer wird es wenn jemand krank ist und Medikamente braucht oder die Kinder studieren wollen.
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Beitragvon Vinhedense » Di 29. Aug 2006, 17:31

Serverino, du bist auf meiner Wellenlänge :D :D :D

Ich kann nur noch eins dazu sagen (schreiben)...

Brasilien ist KEIN Billigland!
Brasilien ist EIN Billiglohnland! - Gut für den Unternehmer - schlecht für den Arbeitnehmer und die Bevölkerung!
Und da besteht der Unterschied was viele nicht verstehen wollen. :cry:

Selbst Ausländische Unternehmer sind teilweise sehr erstaunt, welche Kosten auf einem zukommen, bei Anschaffungen von Maschinen und Peripherie

Billig sind nur die Dinge, die man braucht um zu überleben... wie Serverino und schrieb:
Wenn man sich dann von Reis und Bohnen ernährt, nicht zu lange duscht und das auch nur im dunkeln und dabei nur selten telefoniert

Nur will man nur Überleben oder Leben ?
Das muuss auch wieder jeder für sich selbst entscheiden...
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Und Brasilien

Beitragvon seitenwandkletterer » Di 29. Aug 2006, 17:46

Und Brasilien ist zudem noch das bürokratischste Land, das ich kenne. Wenn man mal eben so hierhin ziehen will, um zu sehen, was geht, dann kann das schneller schief gehen, als einem lieb ist.

Es ist mit Sicherheit ein Billiglohnland, was das Arbeitsvolk betrifft. Wer sich hier die Taschen voll macht sind Gerentes (auch auf eine Art und Weise, die nicht immer auf dem Gehaltszettel auftaucht, siehe Thread von Holger3) und sonstige hohe Tiere. Dazu kommt, dass auch die Gehaltsschere zwischen Studiert und Arbeiter unheimlich auseinanderklafft: Eine Bekannt von uns, Medizinerin mit Approbation 2006, verdient so mal eben als einfache Ärztin 6000 R$ brutto pro Monat in einem Posto de Saúde. Meine ganze Familie (Mauer, und andere Bauhandwerker) wird in wenigen Tagen wieder bei uns anfragen, ob sie die "declaração de isento" bei uns am Rechner machen können, weil sie weniger als die 12000 R$ (genau weiss ich den Betrag nicht) pro Jahr verdienen.

Dazu kommt, wie erwähnt, dass der brasilianische Staat Unternehmensgründungen systematisch behindert, indem er zu importierende Güter (also z.B. Maschinen) mit absurden Zöllen belegt. D.h. wenn ein ausländischer Investor hier eine Firma aufbaut kann er gut die Hälfte seines Investments direkt dem Staat überweisen. Das ist sicherlich keine gute Vorraussetzung für eine gute Rendite. Dazu kommt der künstliche Dollar-Real-Kurs, der im Moment Investitionen aus dem Ausland hier verteuert, denn die Löhne müssen natürlich in Reais bezahlt werden und werden international in USD oder EUR verrechnet.


und so weiter ... und so weiter ... und so weiter ....

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Beitragvon Trem Mineiro » Di 29. Aug 2006, 19:45

Oi Gente,
ihr bringt es mal wieder richtig auf den Punkt. Brasilien ist kein Einwanderungsland, man muss verrückt sein, wenn man ohne Zwang oder guten Grund (Ehefrau) hier hingeht. Oder man muss das Land einfach lieben.
Wenn man hier arbeitet (Entsandte ausgenommen) dann nur als Selbstständiger mit ausreichend Kapital oder als staatlicher Angestellter (SWK, du scheinst an einer Uni zu sein, ich kenne das von HaJo in BH, dass läuft bei ihm sehr gut) Als Lohnabhängiger kommt man kaum über die Runden und mit seinem deutschen Arbeitsstiel macht man sich ehr unbeliebt.
Ich werde nach über 10 Jahren Brasilien jetzt noch ein wenig in D arbeiten, werde aber als Frührentner bald wieder nach Brasilien gehen. Aber das hat für mich mit Auswandern nichts zu tun, da Rückfahrkarte vorhanden.

Gruß

Manfred
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