AUSWANDERN.......raus aus Brasilien

Allgemeine Fragen & Tipps über alles, was dem Gringo in Brasilien passieren kann

Beitragvon Trem Mineiro » Mo 20. Mär 2006, 20:30

Oi Galeira
Ich bin jetzt nach 11 Jahren Brasilien nach Deutschland zurückgegangen. An sich um meine kranke Frau in Deutschland vernünftig zu betreuen und zu pflegen, aber dann ist sie kurz vor dem Rückflug noch in Brasilien überraschend gestorben.

So, jetzt bin ich also hier…….Gott sei Dank funktionierte dass mit der Rückkehrgarantie meiner Firma, man hat meinen Umzug bezahlt, mich bei Wohnungssuche, Auto und Behördengänge unterstützt und sich auch sonst um mich gekümmert. Mein Aufenthalt in Brasilien hat mir Meriten eingebracht, Spezialisierung und Erfahrung, die beruflich zumindest nicht stören. Während meines Brasilienaufenthaltes habe ich weiterhin Sozialbeiträge gezahlt, bin also versichert und irgendwann gibt’s Rente.

Mein Herz hängt allerdings an Brasilien. Das schöne Wetter, die Leichtigkeit mit der man dort das Leben annimmt, das leichte Essen und natürlich die netten Menschen. Zurückgetreten aber nicht vergessen sind Armut, die Favelas, die Bettler und die Kriminalität, die mich doch zum Schluss sehr gestört hat.

So fiel mir der Rückgang nicht so schwer. Wenn ich aber bedenke, ohne dieses Polster nach D zurückzuwandern. Hier auf Arbeitssuche zu gehen, nur mit brasilianischen Qualifikationen, bei dem heutigen knappen Arbeitsmarkt. Mit einem Normal- oder Anfängergehalt bei den heute hohen Preisen auszukommen. Ich merke schon, dass hier am Monatsende nicht das übrig bleibt, was in Brasilien, damals noch mit Frau, übrig war. In vielen Bereichen ist Brasilien noch ein preiswertes Land.

Ich habe mich also hier eingefunden und mich eingelebt, mir warme Sachen gekauft und warte auf den Frühling………..aber irgendwann geht es nach Brasilien zurück. Spätestens in 6 Jahres als Frührentner und dann ein wenig weg vom Trubel, nix Rio sondern irgendwo in Bahia am Strand mit der Option Salvador oder Belo Horizonte mit dem Auto zu erreichen. Wenn man gesund ist und eine gute Kondition hat, ist es sicher keine schlechte Idee, dort seinen Lebensabend zu verbringen, Menschen kennen zulernen und trotz fortgeschrittenem Alter noch mal was anzufangen. Das stelle ich mir hier in D etwas schwieriger vor.

Aber ich werde jetzt nicht abwarten und von der Rückkehr träumen.
Ich will die 5 Jahre nutzen, alte Freundschaft wieder zu beleben, das neue vergrößerte Deutschland und erweiterte Europa kennen zu lernen, vielleicht auch mal brasilianischen Freunden Europa zu zeigen.

Gruß

Manfred
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Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Beitragvon Takeo » Di 21. Mär 2006, 02:34

Ich mache mir auch sehr oft grosse Gedanken, aus Brasilien abzuhauen... ...allerdings kann ich mir keinesfalls vorstellen zurück in deutsche Enge und deutschen Mief... an Australien habe ich schon sehr oft gedacht, auch Canada oder die USA, vielleicht aber auch Gross Britanien (ich stehe manchmal auf britische Verrücktheit), besonders charmant fände ich aber auch Spanien oder Portugal... ...oder Argentinien oder Chile, so für's erste?
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Beitragvon Severino » Di 21. Mär 2006, 09:33

oi gente
Brasilien hat Vor- und Nachteile. Es gibt für die meisten Menschen keine oder nur schlecht bezahlte Arbeit. Ein Auto ist bereits grosser Luxus für viele. Eine brauchbare Altersvorsorge gibt es auch nur für die wenigsten. Krankheit und Unfall ist persönliches Risiko.
Sicher gibt es Länder, in denen da mehr vom Staat getan wird. Brasilien ist der tägliche Kampf ums Überleben.
Glücklich können all die sein, die als Entsandte für einen deutschen Arbeitgeber nach Brasilien konnten. Die sind einerseits relativ gut bezahlt und andererseits haben sie zumeist die Möglichkeit wieder zurückzukehren.
Die Kriminalität ist in Brasilien allgegenwärtig. Meinem 60 jährigen Schwiegervater haben sie mal wegen einem kleinen Kofferradio überfallen. Natürlich wollte er es Ihnen nicht geben und sagte: Wenn ich es nicht habe, dann kriegt Ihr es auch nicht. Gesagt - und mit voller Wucht auf den Boden geworfen, sodass es in viele kleine Teile zerbarst. Daraufhin haben sie ihn halt zusammengeschlagen.
Ich kenne aber auch sehr viele Brasilianer, die sich durchschlagen und ein Auskommen haben. Aber eben wie schreibt Lemi immer so schön: Man sieht sich in der Unterschicht.

Ihre Brüder sind Diebe und Vagabundos und ihre Schwestern melden sich nur, wenn sie ein sogenanntes "Emprestimo" brauchen

Das ist doch der Normalfall, solange bei den Geschwistern und Verwandten der Verdacht besteht, dass der Gringo Geld hat. Ist ja schliesslich der einfachste Weg um an ein bisschen Geld zu kommen.....
paz e amor
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Beitragvon stefan - rio » Di 21. Mär 2006, 14:21

Hallo Severino

Es ist schon sehr seltsam dass ausgerechnet DU Brasilien (und das Leben in Brasilien) so stark verteidigst. Du lebst in der Schweiz und traeumst davon auszuwandern. Wir leben hier und denken ebenfalls daran auszuwandern, nur in die andere Richtung.

Wenn man in der Schweiz lebt hat man sicherlich eine etwas "romantischere" Vorstellung vom Leben in Brasilien als wenn man es hier tagtaeglich "er-lebt"...!

Natuerlich weisst Du wie schwierig das alles hier ist, teuer, Kriminalitaet, ect. ect. aber im Endeffekt ist das ja alles weit weg.

Ich wuensche dir ganz ehrlich Viel Glueck WENN du WIRKLICH nach Brasilien auswanderst.

Vielleicht haben wir in 1 Jahr die Gelegenheit uns nochmal zu unterhalten, und du kannst uns dann deine 'gelebten' Erfahrungen berichten, und nicht die, die du von anderen Leuten gehoert oder in der Zeitung gelesen hast...!
Dann schaut die ganze Sache naemlich ganz anders aus.

Bitte nimm das nicht persoenlich sondern als Hilfestellung oder Ratschlag.
Wenn ich HEUTE nochmal die Moeglichkeit haette meine Entscheidung von vor ueber 22 Jahren rueckgaengig zu machen (und ein ANDERES Land zum Auswanderen waehlen koennte) wuerde ich sicherlich NICHT Brasilien, sondern eher Australien waehlen.
Sydeny z.B. Meer, Sonne, nette Leute ABER keine der vielen brasil typischen Probleme.

ciao Stefan
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Beitragvon Lemi » Di 21. Mär 2006, 14:30

stefan - rio hat geschrieben:Sydney z.B. Meer, Sonne, nette Leute ABER keine der vielen brasil typischen Probleme. ciao Stefan


Das Problem ist nur, um an ein Visum zu kommen, müsste man dann wohl eine Australierin heiraten.

Ich meine, darin steckt doch der Anreiz für viele nach Brasilien auszuwandern. Oder sehe ich da was falsch?
Man sieht sich,
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Beitragvon ulrico » Di 21. Mär 2006, 15:42

Ich finde Ihr verderbt hier die ganze gute Stimmung.
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Beitragvon Severino » Di 21. Mär 2006, 16:02

Oi Stefan

Danke für Deine Ratschläge. Ist wirklich interessant, da ich ja ernsthaft nach Brasilien will - wegen meiner Sra. - versuche ich natürlich soviele Informationen wie möglich zu bekommen.
Du hast recht. Bisher habe ich in Brasilien im Wesentlichen nur Ferien verbracht. Wenn auch mehrmals für längere Zeit - Urlaub ist definitiv was anderes wie das Leben dort. Und dann noch nicht Mal Strand und Träume, sondern im Landesinneren.
Aber eben, ich habe von CH und dem Stress hier die Nase voll. Vor 15 Jahren kam ich von D nach CH, mit nichts und auch wegen einer Frau. Und jetzt ist es für mich an der Zeit von vorne anzufangen....
Ausserdem hat meine Sra. drei Kinder und somit sind wir seit zwei Jahren ständig am hin- und herfliegen. Und ganz ehrlich, ich bin überzeugt, dass die kids in Brasilien die bessere Zukunft haben als hier in CH. Das habe ich schon mit der Tochter meiner Ex erlebt.
Deshalb interessiert es mich natürlich ganz genau, warum Du und auch einige anderen Brasilien verlassen wollen. Warum konntest Du denn damals kein anderes Land wählen?
Ausser TremMineiro hat bisher noch niemand einen konkreten Grund für die Rückreise angegeben - und der will als Rentner wieder nach Brasilien.
paz e amor
Severino
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Beitragvon thomas » Di 21. Mär 2006, 16:06

Ich finde auch, die sollen mal nicht so rumjammern. Die Herrschaften sitzen da in der Sonne und lassen's sich gutgehen, dass die Bild-Zeitung bald wieder die schönsten Namen erfinden würde oder gar nicht müsste ("Rio-Stefan", "Brasilien-Matthias"), während unsereinem hier im niedrigkalorigen Berlin die gebrechlichen Gebeine klappern. Mit nem schönen Strandbild verziert und nem Spruch vom alten Digger ("hier sind alle froh, sieht man doch" oder so ähnlich) und schon wären die Verhältnisse wieder geradegerückt im Ländervergleich.
Also läuftsamal zurück zum Churrasco und greift euch ein estupidamente gelada und gibt der empregada nen klaps auf ihren breiten Hintern und lasst euch in die Hängematte sinken.
8)
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Beitragvon stefan - rio » Di 21. Mär 2006, 17:06

Unsere Sport-Clubs in Australien sind alle vollgepackt mit Mitgliedern, da keiner mehr wegen Ozon an den Praia geht
...

Und genau hier ist der Unterschied!!!!!
In Brasilien machen wir uns keine Sorgen wegen der Ozonschicht, oder wegen Aufruestung des Irans oder das die neue X-Box erst zu Weihnachten auf den Markt kommt...!

Wir haben andere Probleme:
Hier werden jeden Tag Menschen auf offener Strasse erschossen, ausgeraubt, Leute sterben in der Warteschlange der Hospitaeler, man hat Angst Bus zu fahren (wg. der Ueberfaelle), fast niemand hat mehr als 50 R$ Bargeld dabei....

Aber....wie Thomas so schoen aus dem kaltem Berlin sagt....
..die sollen mal nicht so rumjammern..

Hauptsache Brasilien wird wieder Weltmeister und das Bier ist kalt.

Ciao Stefan
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Beitragvon Vinhedense » Di 21. Mär 2006, 17:58

Was Stefan-rio und Lemi so schreiben, sind vollkommen richtige Informationen und Erfahrungen...

Wir in Brasilien haben ganz andere Sorgen, wie die in Deutschland oder Umgebung....

Nur ein Beispiel:

Letztens ist ein Fahrzeug forntal auf meine Seite gefahren und hat mich an der kompletten linken Seite gestreift... Blechbeulen und gesplittertes Glas flog mir um die Ohren.... das ganze Auto war voll mir Glassplittern...
Auf den Rücksitz sassen meine beiden Kinder... 9Jahre und 8 Monate...
Sie haben zum Glück nix abbekommen. Ich hatte alles abgefangen und im Gesicht hängen.. diesbezüglich sah ich auch aus und überall lief mir das Blut hinunter...

Natürlich ist der Unfallverursacher einfach weitergefahren und hat sich somit aus dem Staub gemacht... kein Nummerschild nix.... also Pech gehabt...

Da kam mir aber dann mal der Gedanke, was passieren würde, wenn mehr passiert wäre?
Was wäre passiert, wenn ich für mehrere Wochen krank geschrieben wäre, weil Bein gebrochen, Schädelbasisbruch oder so?

Nach 15 Tagen Lohnfortzahlung ist Ende.... kein Krankengeld nix..
Wer hätte in dieser Zeit die Miete zahlen können oder die Schule... das Essen..???

Das macht ein schon nachdenklich, weil man eigentlich nicht gewohnt ist, sich mit solchen Problemen zu beschäftigen.... weil man war ja sonst immer abgesichert...Krankenhaustagegeld... Krankengeld... 6 Wochen Lohnfortzahlung....Invald. Versicherungen.... Unfallversicherungen.... KFZ Haftpflichtversicherung, Berufsgenossenschaft (bei Berufsunfall)..u.u.u.

Kannste hier in Brasilien voll vergessen... und eine Versicherung kostet hier fast ein Vermögen...

Habe letztens eine Risiko- Lebensversicherung abgeschlossen...
100.000 R$ kostet 47,00 R$ im Monat

In Deutschland hatte mich eine RLV gekostet
100.000 Euro = 7,00 Euro im Monat.....

Aber mit einer der grössen Sorgen... was ist, wenn man Arbeitslos wird? Die Firma pleite mache....oder so???? Ob ich dann auch hier AL geantragen kann?? :-)

Das sind schon krasse Unterschiede.....
"....dumm ist der, der dummes tut...." zitat Forrest Gump
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