Auswandern und Existenz ohne Touristen

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Auswandern und Existenz ohne Touristen

Beitragvon Severino » Mi 22. Feb 2006, 16:09

Oi gente
Zuerst möchte ich allen, die es in Brasilien geschafft haben gratulieren.
Ich habe mich nun entschieden und will in 6-12 Monaten auswandern. Nicht zuletzt dank der vielen Informationen, die ich hier in den verschiedenen Foren gefunden habe.

Zur Ausgangslage:
Momentan bin ich kurz vor der Scheidung von einer Brasilianerin. Das wird ca. im Mai in CH rechtskräftig sein. Da ich dann bereits schon über 12 Monate von ihr getrennt bin kann ich das (falls nötig) auch direkt in Brasilien anerkennen lassen und dann eigentlich meine jetzige Freundin aus Anapolis/GO heiraten. (Ja wird der denn nie gescheit?)
Mit ihr bin ich jetzt schon fast zwei Jahre zusammen und wir haben bereits ein einfaches Haus und einen Palio in BR (Anapolis). Daher kenne ich auch schon die Familie und insbesondere ihre drei Kinder. (JA ist denn der voll durchgeknallt, sich sowas anzutun?)
Von der Ausbildung her bin ich El.-Ing mit Nachdiplomstudium in Wirtschaft. Damit kann man vielleicht in SP was anfangen, aber in GO wohl eher nicht. Wenn ich die CH endgültig verlasse, dann kann ich einen Teil meiner "Altersvorsorge" auszahlen lassen. Das würde so ca. R$ 150.000 bringen. In ca. 25 Jahren bin ich dann trotzdem noch reduziert rentenberechtigt und das wird dann so etwa R$ 600 pro Monat (aus D und CH zusammen, wenn das dann noch alles so ist) bringen.

Nun meine Frage:
Was würdest Du ihn GO machen um den Lebensunterhalt (also ca R$ 1500-2500) zusammenzubringen?
Immobilien, Barzinho, Motel, Boate oder alles zusammen?
Eines habe ich gelernt. Auch wenn der Brasilianer knapp bei Kasse ist, Für Cerveja, Pinga und Fud... bringt er immer noch was zusammen.

Bin gespannt auf viele kreative Vorschläge.
Severino
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Beitragvon Lemi » Mi 22. Feb 2006, 20:11

Hi Severino,

Motel, Boate, Bar oder Immo ........... alles Dinge, die es wahrscheinlich schon im Überfluss gibt. Warum also in so etwas investieren bzw. sich mit der örtlichen Mafia anlegen. Oder hast du etwa Freunde unter ihnen? Dann wäre das schon was anderes ........ eine Art Eintrittskarte. Ohne die wird es schwierig.

Und überhaupt:

Du schreibst, dass die 150.000 R$ übrig hast. Damit käme ja eigentlich nur einer der 4 Negócios in Frage, denn weder Motel, Boate noch Immos bekommst du zu diesem Wert. Bleibt die Bar. Überleg dir, ob das wirklich willst. Ich kenne viele, die sind mittlerweile ihr bester Kunde. Sind im Alk versumpft und können nicht mal mehr das Rückflugticket bezahlen.

Sie dich mal in der näheren Umgebung um. Goias soll ein aufstrebendes Bundesland sein und eine Menge halb- oder unerschlossener Touristenattraktionen besitzen. Vielleicht kann man man in Öko-Tourismus investieren - eine Sparte, die sich in Brasilien rasant entwickelt - da bisher völlig unbekannt.

Vielleicht solltest du dich auch mal etwas tiefgründiger umhören, was du mit deinem Elektrik-Ing. anfangen kannst. Anapolis ist nicht gerade eine Kleinstadt und hat sicherlich einigen Bedarf an guten Ingenieuren.

Als dritten und letzten Tipp: Konsultiere deine Freundin, was die so kann bzw. wo sie Leute kennt. Über Dritte kommt man heutzutage immer noch am leichtesten zu einem Job.
Man sieht sich,
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Anapolis?

Beitragvon supergringo » Do 23. Feb 2006, 10:14

Lemi hat geschrieben:Anapolis
Am Sonntag gab es einen Bericht über Auswanderer AUS Anapolis in eine kleine Stadt in Irland ...


"Irland wird brasilianisch. Im kleinen Dorf Gort ist jeder Dritte ein Latino. Auch Edinei Ramos entschied sich für einen Neustart in Europa. Der 36jährige ist gelernter Fleischer. In Gort arbeitet er nun für eine Elektrofirma. Die Einwanderer sind sich für keinen Job zu schade. Das macht sie beliebt bei den Iren und natürlich die Salsa in Gort. Korrespondentin Sabine Reifenberg berichtet vom neuen Lebensgefühl der 2.400 Dorfbewohner.

Im entlegenen Westen Irlands, drei Autostunden von Dublin entfernt liegt die Stadt Gort.
Selbst hier macht sich der irische Wirtschaftsboom bemerkbar, es gibt viele Jobs, die Iren nicht mehr machen wollen - Gort muss Arbeiter importieren. In diesem Fall aus dem fernen Brasilien. Es fing alles mit der Fleischfabrik Duffy an, die sich aus Brasilien fünf Schlachter holte, vor sechs Jahren. Inzwischen sind die Reihen der südamerikanischen Neuzugänge in Gort so angeschwollen, dass schätzungsweise jeder Dritte in der Stadt aus Brasilien stammt. Gort blüht auf, auf brasilianische Ar - weshalb es inzwischen auf der grünen Insel auch als Samba-City bekannt ist.

Im Zentrum des westirischen Gort: Wir folgen den neuesten Bewohnern des kleinen Ortes in die Kneipe, den O’ Donnells Pub: Karnevalslieder gegen das Heimweh.
Edinai Ramos stammt wie die meisten hier aus Anapolis, in Brasiliens Zentrum, 15 Flugstunden weit weg.

Geschmack am bitteren Guinness finden die wenigsten - Gorts exotische Einwanderer bleiben lieber ihren Traditionen treu. Edinai Ramos kam als einer der ersten – irische Arbeitgeber warben ihn als Fabrikarbeiter an.
Edinai Ramos – der 36jährige ist stolzer Kapitän von Samba Celtics. Gorts neuester Fußballclub wurde erst im vergangenen Sommer gegründet.

Die Männer im gelb-grünen Trikot versuchen, die unteren Ränge der westirischen Amateurliga zu erobern - was ihnen heute nicht so recht gelingen will.
Obwohl unter ihnen Ex-Fußballprofis sind, wie Kapitän Edinai. Dennoch - heute wird das Spiel eins zu Null für die Iren von Turloughmore aus Galway ausgehen.

Brasilianer in Gort- sie prägen das Stadtbild. Inzwischen, so Schätzungen, stammt jeder dritte Bewohner hier aus dem südamerikanischen Land. Ein rasanter Zuwachs, in nur sechs Jahren, dank irischem Wirtschaftsboom.
Gort passt sich an - Edinai und seine Frau Wilmair mussten anfangs , vor sechs Jahren, auf ihr gewohntes brasilianisches Essen verzichten. Doch nun importiert der Obst-und Gemüseladen alles, was sie benötigen.

Wilmair Ramos: “Ich will heute Kochbananen, Bohnen, Reis, Maniok und Abobora –Kürbis und Okra- Gemüse kaufen. Und Edinai Ramos dazu: “Das Angebot ähnelt dem, was wir aus Brasilien kennen. Wir mögen Europäisches Gemüse nicht so sehr, hier gibt es einfach zu viele Kartoffeln.“
Die brasilianischen Produkte müssen von weit her angeliefert werden. Aber trotz hoher Transportkosten lohnt sich das Geschäft für den Inhaber des Gort Community Store, Paul Walsh. Den Wirtschaftsmigranten aus Südamerika sei es zu verdanken, dass seine Stadt aufblühe: "Sie sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in dieser Gemeinde“, sagt er. "Viele Iren haben Zweit- und Dritthäuser gebaut, um sie an die Brasilianer zu vermieten vermieten. Die Brasilianer arbeiten hier und geben ihr Geld in unserer Stadt aus, in unseren Läden.“

Walshs Mitarbeiterin will uns ihren Namen nicht nennen. Wie viele Brasilianer in Gort arbeitet sie ohne offizielle Erlaubnis hier.
Frühmorgens in der Stadtmitte: Wer keine Arbeitserlaubnis hat, wartet hier darauf, auf nahegelegenen Baustellen zu arbeiten. Kein Glück an diesem Morgen - kein irischer Bauherr, der sie einsammelt, für einen Tag. In einer Woche in Gort können diese Männer so viel verdienen wie in einem Monat daheim in Brasilien.

Auch auf dem flachen Land rund um Gort gibt es jede Menge Bedarf an Tagelöhnern. Doch seit der Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft wird es für Bauern wie Michael Kelly schwieriger, Brasilianer zu beschäftigen. Die Behörden gehen allmählich strenger mit Nicht-EU Bürgern ohne Arbeitserlaubnis um. Ihre Landsleute haben ein Herz für die Illegalen – denn viele mussten Irland verlassen , als es hier keine Arbeit gab: "Unsere Familien mussten selber im Ausland jahrelang um Arbeitsbewilligungen kämpfen. Außerdem sind wir hier auf die Brasilianer angewiesen, weil unsere Wirtschaft derart boomt, dass wir den Bedarf an Arbeitskräften selber gar nicht mehr decken können“, so Bauer Michael Kelly.
Edinai und Wilmair Ramos wohnen wie die meisten Brasilianer in den Neubausiedlungen, die rund um Gort aus dem Boden sprießen. Die Verbindung zur fernen Heimat stellt das Fernsehen her - Karnevalswerbung im brasilianischen Kanal.

Auch wenn Edinai eine Arbeitserlaubnis hat, als Facharbeiter in der örtlichen Elektronik-Firma und es ihm in Gort gut geht - er will zurück: "Meine Mutter und mein Vater leben in Anapolis, ich vermisse sie, vermisse mein Land. Ich denke, dass ich in vier, fünf Jahren zurückkehren werde.“
Englisch-Unterricht ins Gorts –Gesamtschule: Edinai Ramos Junior spielt Ladeninhaber. Die Teenager beherrschen die fremde Sprache nur bruchstückhaft. Seit sich im vergangenen Sommer die Zahl der brasilianischen Schüler auf rund 40 verdoppelt hat, sinkt die Bereitschaft, sich der irischen Umgebung anzupassen:

Michael Corry, Direktor Gort Community School, dazu: “Sie haben die Tendenz, lieber in ihrer Gruppe zu bleiben. Was es uns schwerer macht, ihnen zu helfen, sich zu integrieren. Wir lassen uns viel einfallen, im Unterricht, mit Schul- Konzerten und Sportveranstaltungen.“

Ein irisches Liebeslied, mit brasilianischem Akzent verfeinert - Randel Morais wird es eines Tages in seiner Heimat Anapolis zum besten geben. Dann vielleicht mit irischem Zungenschlag."

http://www.ndrtv.de/weltspiegel/20060219/irland.html
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Beitragvon Severino » Do 23. Feb 2006, 10:37

Oi Lemi
Danke für Deine Antwort. Interessante Hinweise. Du kennst Dich aus. Zur Mafia gehöre ich allerdings nicht und da will ich auch nicht dazugehören.
Ein Cerveja mag ich schon ab und zu und daher sehe ich die Bar auch eher problematisch.
Goias ist ein aufstrebendes Bundesland, das ist richtig. Ökotourismus wäre hier sicher eine interessante Variante, aber da ist das Kapital schnell weg und die Einnahmen lassen auf sich warten. Wäre eine Möglichkeit, wenn man 4-5 Jahre leben könnte, denn die meisten Touristen wollen ja praia.
Leider ist meine Freundin hier keine grosse Hilfe. Sie hatte bisher nur Jobs im Salario-Bereich (Behindertenheim, Haushälterin, usw). Eine Bar hatte sie auch schon Mal. Zusammen mit der Schwester in Pirenopolis (da gibt es immerhin Touristen). Sie sagt das war eine gute Einnahmequelle. Immerhin konnten beide mit ihren Kindern den Lebensunterhalt bestreiten und die Mutter mit finanzieren. Leider geriet dann der Bruder in eine Situation, die sie zwang die Bar zu verkaufen, um ihm helfen zu können.
Im Bereich Immobilien habe ich Kontakte, da ich ja selbst noch umgebaut habe. Meine Maurer schaffen ein einfaches Haus in ca. 3 Monaten. Das liesse sich dann für R$ 30.000 verkaufen. Das Problem ist nur, die meisten ortsansässigen haben das Geld nicht und müssten über die Bank finanzieren...
Vermieten könnte man zwar, aber das bringt höchsten R$ 300 pro Monat. Und die Zahlungsmoral kennst Du ja.
Habe auch schon schönere Häuser gesehen so ab R$ 80.000, aber die stehen seit Monaten leer. Eine Variante wäre noch ein Lote mit drei bis vier baracao, aber da hast Du natürlich viel Arbeit und Ärger.
In der Nachbarschaft wurde mir eine kleine Bar angeboten. Aber erstens macht der Besitzer zu, wenn er mehr als R$ 100 in der Kasse hat und zweitens will er ja verkaufen. Das wohl nicht nur aus Angst ausgeraubt zu werden.
Bleibt mir mein Beruf. Da hast Du recht, da habe ich mich bisher zu wenig umgeschaut.

Bin gespannt auf weitere Ideen.....

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Beitragvon Severino » Do 23. Feb 2006, 10:48

Oi Supergringo
Danke für die schöne Geschichte. Sie verdeutlicht, wie es in Anapolis ist. Und da will ich nun hin......

Oder sollte ich nach Irland und Sprachkurse geben? Würde aber meiner Freundin nicht helfen, denn sie will ja mich UND die Kinder / Familie.

Grüsse aus dem unter dem Nebel versteckten Zürich in meine "alte Heimat" Ffm

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Beitragvon Fudêncio » Do 23. Feb 2006, 13:35

Severino hat geschrieben:....Leider ist meine Freundin hier keine grosse Hilfe. Sie hatte bisher nur Jobs im Salario-Bereich (Behindertenheim, Haushälterin, usw).....


.....Von der Ausbildung her bin ich El.-Ing mit Nachdiplomstudium in Wirtschaft. Damit kann man vielleicht in SP was anfangen, aber in GO wohl eher nicht......


Wieso willst Du denn unbedingt unter solchen Umständen in Goias bleiben :?: :?: :?: :roll:

Ist doch totaler Wahnsinn :!:
Am besten Du denkts mal über "realistische" Alternativen nach, wie z.B. São Paulo (Capital oder interior), oder weiter südlich, RS, PR oder SC sind da immernoch 1000 mal besser als in Goias unter ´ner Brücke zu hausen! :twisted:
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