|
Eigentlich wollte ich jetzt nur mal kurz reinschauen, doch wenn ich diese Zeilen lese muss ich beipflichten. Wir messen als hier Lebende immer alles schnell mit deutschen Massstäben
Wenn mal was nicht so klappt wie ich mir vorstelle, dann sage ich mir, Brasilianer hin oder her, aber sie haben ganz andere Qualitäten. Und rafft uns Europäer die Klimakatastrophe weg, die Brasilianer werden es überleben mit ihren Möglichkeiten mit Widrigkeiten fertig zu werden.
Beispiel, ich habe bewusst Autos gekauft, die theoretisch jeder Dorfmechaniker reparieren kann. Ein sogenannten Kombi, einen Fusca und einen einfachen Gol.
Besagter Kombi, in Deutschland kennt man diese Modell wohl unter Bully, zweimal in Flammen gestanden, eigentlich Schrott, die Kiste, Baujahr 98, lief für ein Trinkgeld immer wieder eine Woche später. Diese Technik der 50 er Jahre war eben noch nicht so toll, wie kann man auch Schläuche für Benzin ohne Schellen einbauen. Doch das nebenbei.
Situation war folgende, Fahrt mit Rentnern ins Hinterland, wenn man so vor sich hinfährt und wer Brasilien kennt, das Gefühl der Einsamkeit und Verlassenheit kommt schon auf, man fährt so dahin eben. Blick immer auf Schlaglöcher gerichtet. Ah und oh die Ausrufe der schönen Landschaft w von meinen Gästen. So eine Fahrt gedacht für Besucher die nicht einen richtigen Ausflug in die Gebirgslandschaft sich zutrauen aber viel sehen wollen ohne die Füsse bemühen zu müssen. Schnupperfahrt eben. Dazwischen die unvermeintlichen Polizeikontrollen, wohin, warum die Fragen. Etwa 8 km nach einer dieser Kontrollen, ein Krachen und Kreischen irgendwie hinten, Schei….! Bremse ging plötzlich so gut wie nicht mehr. Was nun, 6 nervöse Menschen hinter mir. Also Ruhe ausstrahlen. Noch lief die Kiste, aber sehr leistungsvermindernd. Gebirgstour schrieb ich erst mal ab, aber ich fern jeglicher Zivilisation. Kein ADAC. Also noch mal Ruhe ausstrahlen. Wenden ging noch. Doch der Gestank von verbrennen Öl ist ja nicht gerade ein Zeichen des Wohlseins eines Motors. Die Geschwindigkeit des Kleinbusses regelte ich nun einfach mit gewaltsamen Einlegen der Gänge. Nach 5 km war ich schon sehr mutig. Irgendwie vermutete ich die vorher gerade vorher passierte Polizeikontrolle etwas später, so genau hatte ich mir die Landsachaft nicht eingeprägt, wieder Schei…! Mein Bus ist extra metallic grün gespritzt, nicht weiss wie die Linienbusse, es war immer nervig wenn mich die Brasilianer damit verwechselten und sich fast immer auf die Strasse warfen damit ich anhalte. Es ging über die Vorläufer des Gebirges, ich sauste ein Tal hinab, bremsen war ja nicht und da war wieder der Polizeiposten. Dank der Farbe haben die mich meilenweit erkannt, erst erzähle ich denen wohin ich fahren wolle und wenig später jage ich ungebremst auf sie zu. Das muss ja zu Irritationen führen. Einer der Polizisten stand Arm erhoben mitten auf der Fahrbahn, Keine Chance, mit Mühe links vorbei, die ganzen Absperrhütchen flogen nur so durch die Gegend. Für mich hilfreich, es ging gleich wieder den Berg hoch… Irgendwann rollte ich aus und auch dank der Schwerkraft pflichtbewusst zurück. Volles Verständnis für meine Misere. Allerdings, versicherten meine >Mitfahrer> einer der Polizisten hätte seine Waffe schlagartig herausgerissen. Dafür hatte ich allerdings keinen Blick, ich war beschäftigt das Fahrzeug noch halbwegs auf der Strasse zu halten. verständlich ja auch, ich habe den Kontrollpunkt schliesslich förmlich platt gemacht und einen Polizisten in den Graben gejagt.
Doch Straßenpolizei hin und her, bei der Bezahlung muss man ja zum Strassenräuber werden, die Jungs packten die Reste ihre Absperrung ein, setzten ihr Blau- und Rotlicht und ab ging es zur nächsten Stadt unter Geleit , bei längeren Abfahrten setzen sie sich allerdings halbschräg hinter mich, die Angst dass ich fast umgebremst ihr Fahrzeug wegputzten könnte, sass wohl doch noch in den Knochen. Stellt euch das mal in Deutschland vor. Meine Sorge galt natürlich meinen Touristen. Ein wenig blass waren die schon, nicht gerade Belastbar, eben den Alter geschuldet und die Sorge wie es noch so weiter gehen würde.
Angekommen in einer mir völlig unbekannten Stadt. Den Polizisten bot ich als Dank an in meiner Pousada demnächst 1-2 Tage Urlaub machen zu können. Einer davon machte dann tatsächlich davon Gebrauch, ein liebenswerter Gast samt Familie. Aber weiter. An der nächsten Tankstelle nannte man mir eine kleine Schrauberwerkstatt. Diagnose, nicht kaputte Bremse, sondern ein Stehbolzen ist im Motor weggebrochen.Die diagnose war genau richtig. Meine Touristen hatte ich mittlerweile in eine Art von Cafe geleitet und bereits Ausschau nach einem Taxi gehalten um für sie die 250 km Rückfahrt zu meistern. Die Kosten, die Kosten. Meine Touristen machten sich doch nun ernsthaft Gedanken um ihre Rückkehr, hatten sie doch gesehen, dass der Motor scheinbar im Eimer war. Als ich zurückkam war der Motor schon draussen, ganz ohne Hilfe, nur mit Muskelkraft, wer diese Konstruktion kennt, fast unmöglich meint man.
Mit den üblichen Motorradtaxis führen wir dann zu irgendeinem Schrottplatz , das nächste Ersatzteillager gut 300 km entfernt, diese Möglichkeit fiel also aus, dort fanden wir doch tatsächlich einen solchen Stehbolzen, eilig zurück, Motor auseinander, 30 Minuten später rollte die Kiste wieder. Das hätte ich mal in Deutschland sehen wollen. Das ist jetzt 3 Jahre her, der Motor läuft noch heute ohne Beanstandung. Nun hatte ich Herzklopfen was den Reparaturpreis betraf, entgegen allen üblichen Regeln hatte ich vorher nichts ausgemacht, doch wenn man in einer solchen Notlage ist, setzt das Denken eben aus. Und dann noch ein Gringo. Darüber gibt es ja genug Geschichten. 30 Reais wollte der Chef haben, 3 Leute hatten sich abgerackert und strahlten vor Stolz als ich meine Bewunderung über ihre Leistung und Fertigkeiten geäussert habe. Ich habe einen 100er in die Hand gedrückt und fand das mehr als angemessen. Als ich nach einer reichlichen Stunde wieder auftauchte und zur Weiterfahrt ins Gebirge meine Gäste aufforderte blieb denen nur der Mund offen stehen…..! Fahre ich heute diese Tour mache ich immer einen kleinen Schlenker und werde immer freudig wie ein alter Bekannter gegrüsst. Als ich das letzte Mal vorbeikam, bedeutete man mir, ich solle unbedingt noch mal auf der Rückfahrt vorbeikommen. Grund ein Maiskuchen für mich als Geschenk, zwar liebe ich das Gebäck nicht gerade, für meinem Geschmack staubtrocken, wird beim Kauen immer mehr, meine brasilianische Frau war jedoch begeistert und ich der Freundlichkeit mehr als gerührt.
|