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Angeregt durch den Hinweis von Hans-Joachim Menzel möchte ich dieses für Brasilientouristen und auch für Langzeitreisende sehr wichtige Thema mal aufgreifen. Angehängt an eine kleine Begebenheit würde ich gerne mal Eure Erfahrungen mit Unfällen und Reparaturen kennen lernen.
Die Hausherrin fährt einen schnuckeligen Geländewagen, 4 Jahre alt, allerliebst zurechtgemacht und gepflegt und man sieht ihm nicht an, dass er schon 60.000 km zurückgelegt hat, davon bald die Hälfte im Gelände rund um Belo Horizonte. Wir waren am Wochenende in Conceicao do Mato Dentro, tief in der Serra do Cipo. Die Pousada lag an der Hauptstraße, der Wagen wurde nach vielen Versicherungen des Pousadabesitzers, dass dort alles sicher und nie was passiert ist, vor der Pousada geparkt. Gegen 2 Uhr nachts wurde an die Tür geklopft, große Aufregung und was für eine Bescherung. Unser Wagen war auf vollkommen leerer Dorfstraße so kräftig im Bereich der B-Säule gerammt worden, dass er vor Schreck die Bordsteinkante hochgesprungen ist. Dabei wurde er noch einen Meter zurückgedrückt und gegen einen Baum geschoben, wobei das aufgeschnallte Reserverad die hintere Tür eindrückte. Die Hauptstraße war so breit, das sich 4 Autos bequem hätten begegnen können, kein geparktes Auto behinderte die Fahrt, und auch kein Unfallgegner war zu sehen. Das Auto war natürlich nicht mehr fahrbereit, also ein Fall für die Versicherung.
Da das Abschleppen Teil der Versicherungsleistung ist, wurde die Versicherung verständigt, obwohl 24 Stunden-Service-Telefon war am Sonntag niemand erreichbar, uns gelang es aber uns am gleichen Abend, wir waren inzwischen mit dem Taxi nach BH zurückgefahren, die Versicherung zu verständigen und den Unfall zu melden. Völlig ohne Grund versuchte die Versicherung in der gleichen Nacht das Fahrzeug, dass immer noch vor der Pousada, stand zu bergen. Anruf in der Frühe um 3.00 Uhr: doch der Pousadabesitzer wacht nicht auf, um den Schlüssel herauszurücken. Anruf um 4 Uhr in der Frühe: wo in der Rezeption ist der Fahrzeugschein abgelegt. So ging es die Nacht weiter bis das Auto in Belo war.
Da die Abschleppkosten nur bis 100 km durch die Versicherung gedeckt waren, wurde der Wagen nicht in die Werkstatt geschleppt sonder verblieb beim Abschleppunternehmen, bis meine Frau die überschießenden 20 Reais bar auf den Tisch legte.
Das alles war nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was sich in den nächsten Wochen abspielen sollte.
In Brasilien wird das Auto nicht vom Besitzer, sondern von der Versicherung repariert. Die Versicherung lässt das Auto nicht in eine Fachwerkstatt bringen, sondern in eine Werkstatt mit der Versicherung einen generellen Vertrag hat. In unserem Fall war es eine Werkstatt, die sich auf Blechreparaturen spezialisiert hatte. Das Auto blieb erst mal eine Woche stehen, bis sich ein Sachverständiger das Auto angeschaut hatte. Die Reparaturkostenvoranschlag lag bei ca. 1/3 der Zeitwertes des Autos. Nach einer weiteren Woche und mehreren Rückfragen in der Werkstatt erfuhr ich, das man noch nicht reparieren kann, das die Versicherung selber die erforderlichen Ersatzteile bestellt. Ein Besuch bei der Versicherung bestätigte dieses Vorgehen. Ich nutzte den Besuch um zu fragen, ob der Wagen wegen seiner Schäden im Bereich des Vorderrades, der B-Säule und des Schwellers nicht in eine Fachwerkstatt gehöre, die sich mehr mit den mechanischen Teilen des Autos auskennt. Dieser Aspekt war dem Versicherungssachbearbeiter vollkommen fremd. Er konnte nicht mal sagen ob der Wagen, der Gott sei dank einen stabilen Leiterrahmen besitzt, nach dem Unfall vermessen worden war. Ich verließ die Versicherung mit der Zusage, dass man sich um die Dinge kümmern würde und der Wagen in 2 Wochen wie neu auf dem Werkstatthof stehen würde.
Bei den Werkstattleuten, die ich zwischenzeitlich schon gut kannte, erzeugten diese „Ergebnisse“ nur ein leichtes Grinsen. Zum einen hatte der Gutachter den Reparaturumfang kräftig zusammengestrichen und dabei und die Verwendung von gebrauchten oder reparierten Teile vorgeschlagen. Dazu war bekannt, das die Versicherung bei billigsten Quellen kauft ohne Rücksicht auf kurze Lieferzeiten oder Qualitätsstandards.
Am Ende der 2.Woche war immer noch nichts passiert, darum fand eine weitere Woche später noch ein Gespräch bei der Versicherung statt, zur Unterstützung hatte ich einen Bekannten mitgenommen, der bei Sprach- oder besser Verständigungsschwierigkeiten später als Zeuge dienen konnte. Dazu hatten wir ein Schreiben mit allgemeiner Beschwerde vorbereitet, in dem wir eine Vermessung des Wagens forderten und eine Vermessung der Wagens auf eigene Kosten androhten, wenn diese nicht von der Versicherung in Auftrag gegeben würde. Der Versicherungssachbearbeiter versuchte die Schuld für die Verzögerungen auf die Werkstatt und die Teilelieferanten abzuwälzen, ich warf ihm vor, mit der fachgerechten Reparatur eines Autos wohl überfordert zu sein und nur die Interessen der Versicherung an einer möglichst billigsten Reparatur zu vertreten. Die Versicherung versprach die Vermessung des Autos, wohl wegen der möglichen Schadensersatzansprüche aus Fahrlässigkeit die in unserem Schreiben formuliert waren.
Allerdings dauerte es eine weitere Woche, bis der Wagen von einer anderen Fachwerkstatt vermessen war. Ergebnis: Rahmen ok, aber vorderes Federbein muss ausgetauscht werden. Das Federbein ist aber schwer zu besorgen und dann kam der Vorwurf an mich, dass ich das ja alles Schuld wäre, weil ich einen (allerdings in Brasilien sehr gebräuchlichen) Importwagen fahren würde. Mein Konter, das man das Federbein ja schon vor 4 Wochen hätte bestellen können, ging in allgemeinen sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten unter. Nachdem wir feststellten, dass auch am Blechkleid des Auto nichts passierte, obwohl die Teile wohl herumlagen, kann der Hinweis der Werkstatt, das die Versicherung die Reparatur erst freigibt, wenn die letzte Schraube da ist. Hintergrund ist, das die Versicherung keine Teilleistungen vorab bezahlt, sondern erst bei Ende und Abnahme aller Arbeiten. Am Ende von 3 weiteren Wochen war der Wagen endlich fertig, optisch war der Wagen eine Pracht (war ja auch frisch gewaschen)
Da der Sachverständige entschieden hatte, die Fahrertür nur zu reparieren anstatt neu zu kaufen, passte diese nicht dicht in den Rahmen, dazu waren durch die lange Aufenthaltszeit in der Werkstatt einige Teile, wie Aschenbecher, Ersatzradschloss und Warndreieck samt Verbandskasten nicht mehr auffindbar. Also blieb das Auto noch eine weitere Woche in der Werkstatt. Auch nach der Übergabe ist das Auto bis heute regelmäßig in der Werkstatt um die Tür neu zu justieren.
Insgesamt hat die Reparatur des Autos, dass unter deutschen Normen sicherlich ein Totalschaden gewesen wäre, mehr als 10 Wochen gedauert. Die Reparatur wurde durch die Versicherung nur unter dem Gesichtspunkt „so billig wie möglich“ durchgeführt ohne Rücksicht auf Zeit und Qualität. Dabei stellte man sich auch noch unbeholfen und stur an. Natürlich habe ich anschließend die Versicherung gewechselt, bin aber sicher, dass die nächste mich nicht besser behandeln wird.
Habt ihr auch ähnliche Erfahrungen gemacht, oder erging es euch sogar mal besser. Auf die Rückmeldung bin ich gespannt.
Weihnachtliche Grüsse
Manfred
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