Bahiasol hat geschrieben:
Donesteban: Hab mit Erstaunen Dein Schreiben gelesen. ...
Ich nun auch mit Erstauenen Deines

Also, ich versuche es mal laienhaft auf die Reihe zu bekommen. Ich muss zugeben, dass ich mir beim ersten Termin mit dem Anwalt nicht alle Details gemerkt und aufgeschrieben habe. Das habe ich mir für den nächsten Termin vorgenommen.
Zunächst einmal zu dem Gerücht, man könne über geschickte Verträge die Verantwortung auf einen Architekten oder einen Bauleiter abwälzen.
Das geht nicht! Entsprechende Verträge sind sittenwidrig und damit nichtig. Wer aus diesem Schlamassel heraus will, muss eine Baufirma beauftragen. Aber selbst hier kann man im Falle eines Konkurses etc. in die Pflicht genommen werden. Das Arbeitsrecht in Brasilien ist extrem arbeiterfreundlich. Etwas vereinfacht auf den Punkt gebracht.
Der Arbeiter hat immer Recht, es sei denn dem Unternehmer gelingt eine absolut schlüssige und lückenlose Beweisführung.Dann muss man unterscheiden, ob man privat sein Eigenheim bauen lässt oder ob es ein gewerblicher Bau wird (z.B. eine Pousada). In Deinem Fall - bauen für andere - weiß ich nicht wie es sich verhält.
Beim gewerblichen Bau gibt es gar kein Ausweg. Man muss alle Arbeiter anmelden, versteuern und die Sozialabgaben, 13. Monatsgehälter usw. ausbezahlen bzw. abführen. Um einen Steuerberater kommt man kaum herum. Sicherlich kann man für Teile des Bauprojektes Firmen mit der Durchführung beauftragen. Wenn Dein Bauleiter/Truppenführer eine Firma hat, über die er seine Leute angestellt hat und für die er alle Abgaben entrichtet, dann geht es vermutlich. So wie Du es beschreibst, wäre ich vorsichtig. Die Verantwortung für die korrekte Anmeldung und Bezahlung aller Abgaben liegt bei Dir oder bei Deinem Auftraggeber (vermutlich bei Euch beiden. Nach dem Motto, wir holen es da wo es was zu holen gibt).
Bei privaten Bauprojekten ist die Sache etwas einfacher. Hier mache ich mit dem Bauleiter (keine Firma, einfach ein mestre de obra, in meinem Fall sogar schon in Rente) einen detaillierten Vertrag, der den Ablauf und die Auszahlung (jeweils nach Etappenziel) der "Handarbeit" (mao de obra) regelt. Diesen Vetrag unterzeichen wir beide auf dem Cartório. Achtung: er regelt nur das Innenverhältnis. Ich kann die Verantwortung im Außenverhältnis (z. B. Arbeitsunfälle, Ansprüche der Arbeiter) nicht auf den Bauleiter abwälzen. In dem Vertrag ist die Arbeitszeit und Höhe des Entgelts geregelt. Sagen wir es kommen 100 Manntage je 50 Reais = 50K zusammen. Das wird nun irgendwo (hier habe ich nicht genau aufgepasst) pauschal versteuert. Ich glaube so 15% muss ich oben drauf rechnen. Dann sind alle anständig versichert und angemeldet. Als Privatmann komme ich so letztendlich um die aufwändige Lohnbuchführung herum und die Pauschalierung kommt günstiger.
Mein Anwalt hat mir klipp und klar gesagt, dass ich mich vor eventuellen Nachforderungen nicht vollkommen schützen kann. Ich kalkuliere nochmals 20% für Nachforderungen ein. Ist ein willkürlicher Betrag. Ich habe ja noch keine Erfahrung, wie teuer es wirklich werden kann, wenn einen die Arbeiter verklagen. Ich habe jedoch ganz gute Karten, wenn ich alles sauber deklariere und mir bei Lohnauszahlungen über den Bauleiter natürlich die Originalbelege geben lasse. Ein gelegentliches Gespräch mit den Bauarbeitern wird auch nichts schaden.
Du hast Recht, wenn Du sagst dass man vor Gericht auch in Brasilien Recht bekommt. Nur verwechsle nicht Recht mit (gefühlter oder intuitiver) Gerechtigkeit. Ein Richter wird sicherlich die Plausibilität der Ansprüche beurteilen. Würde ich, um Abgaben zu sparen, die Vertragssumme stark drücken und dann einen Teil schwarz auszahlen, so wäre dies ein perfekter Ansatz für die Arbeiter. "Was, die Mauer soll mit 5 Manntagen erstellt worden sein? Nein, da glaube ich den Arbeitern, die behaupten, dass sie 20 Tage daran gearbeitet haben. Das ist realistisch", könnte ein Richter sagen.
Ich denke wer Erfahrung hat und auch bereit ist ein Risiko einzugehen, kann Deinen Ansatz wählen. Man sollte sich aber der Gefahren bewusst sein. Wenn man seinen Vorarbeiter um 10 Sack Zement drückt, könnte der Schuss auch nach hinten los gehen.