Befragung unter Bewohnern von Favelas

Fragen & Tipps von/für Brasilienneulinge in Sachen Ein- und Ausreise, Visa, Geld, Sicherheit, Gesundheit, Essen & Kontaktaufnahme

Re: Befragung unter Bewohnern von Favelas

Beitragvon Berlincopa » Do 21. Nov 2013, 23:18

[quote="Trem Mineiro"]Oi BerlinCopa

Schön, dass wir uns mal wieder ausgetauscht haben. Wir treten ja nicht an, um uns gegenseitig von unserer Sichtweise zu überzeugen, also können wir das jetzt auch langsam abbrechen. Wurde ehr zum Zwiegespräch.
Der Austausch von Meinungen ist meistens gewinnbringend, auch wenn man nicht zu einer Übereinstimmung kommt. Immerhin sollte man sagen können: "We agree to disagree".
Es ist zu hoffen, daß sich die Leser der Beiträge ihre eigene Meinung bilden


Du hast ja auch gleich mein Posting an Bruno beantwortet, wobei mich ehr die Meinung von Bruno da interessiert.

Ergänzend muss ich noch sagen, dass ich natürlich kein Spezialist für Favelas der Zona Sul in Rio bin. Die kenn ich wirklich mit Ausnahme eines Besuches in der Favela "Alemao" nur aus dem Fernsehen bzw. aus Berichten von Lemi und SG.
Na ja, Spezialist bin ich auch nicht, war halt nur einige Male oben und kenne einige Leute, die dort wohnen. Complexo Alemao liegt nicht in der Zona Sul, also kein/kaum Meeblick
Meine intensivere Kenntnis bezieht sich mehr auf die Favelas und Arbeitereinfach-Siedlungen von Belo Horizonte, die natürlich nicht mit dem Meeresblick aufwarten können.

An deinen Beiträgen verstehe ich nicht, was du davon hast, die Favelas schön zu reden. Ich meine es gibt dort genug Gründe, den Staat aufzufordern, diese Schandflecke von der Landkarte verschwinden zu lassen, wie es in den USA (auch einem "reichen" Staat) möglich ist und wie wir es von Mozambique nicht erwarten können. Brasil könnte, wenn da ein Wille ist.
Vielleicht hast Du mich falsch verstanden: Ich möchte die "Favelas" nicht schönreden, aber ich finde es auch nicht gut, sie ungerechtfertigterweise "schlechtzureden". Mit den Worten "Schandflecke" und "verschwinden lassen" sollte man vorsichtig sein: Meinst Du, daß Personen, die dort wohnen so etwas hören wollen? Brasilien ist glücklicherweise kein China, wo man ggf. tatsächlich ganze Stadtviertel plattmachen kann und die Bevölkerung einfach umsiedelt. In den USA hat die Umwandlung von schwierigen Vierteln in normale oder sogar in-Viertel auch eine ganze Weile gedauert, wieso gestehst Du diese Zeit den Cariocas/Brasilianern nicht auch zu?

Klar gibt es auch dort Verbesserungen aber gemessen an der allgemeinen Entwicklung in Brasilien verbessert sich die Situation der Favelas langsamer als der Rest der brasilianischen Gesellschaft, von der Situation der Eliten (A+B) wollen wir gar nicht reden.
Diese Aussage würde ich bestreiten: Gerade die Entwicklung der soziodemographischen Parameter wie Lebenserwartung, Kindersterblichkeit, Bildungs- und Einkommensentwicklung war beeindruckend in den letzten Jahrzehnten.

Letztendlich kann ich nur sagen, ich werde auch dort bei schöner Aussicht nicht hinziehen und du wirst auch dort nicht leben wollen (?). Seien wir also froh, dass wir nicht Betroffene sind.

So pauschal würde ich dies nicht sagen, es käme immer auf die Randbedingungen an. Generell kann ich aber sagen, daß mich die extrem dichte und kleinteilige Bebauung in den Favelas doch abturnt, die Leute liegen sich förmlich auf der Pelle und haben intensiv teil am Privatleben der Nachbarn, was nicht jedermanns Sache ist
Benutzeravatar
Berlincopa
 
Beiträge: 1601
Registriert: Di 5. Feb 2013, 16:04
Bedankt: 173 mal
Danke erhalten: 264 mal in 214 Posts

Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Re: Befragung unter Bewohnern von Favelas

Beitragvon Berlincopa » Do 21. Nov 2013, 23:28

bruno grenz hat geschrieben:
Trem Mineiro hat geschrieben:Aber ansonsten ist es Geschmacksfrage und eine Anspruchsfrage, wo man wohnt, wobei sauberes Wasser, Strom, sicherer Zugang (z.B. für Krankenwagen) und öffentliche Dienste wie Schule, Arzte etc. wohl nicht zu viele Ansprüche sind. Ich unterstelle mal so einfach dem Bruno, dass er auch gerne woanders (mit den vorgenannten Attributen) wohnen würde, nur müsste er da seinen ganzen Lebensstil umstellen und das will er wahrscheinlich nicht, genauso wenig wie ich mit ihm tauschen würde.

Auf meiner HP ist gut zu sehen & lesen, dass mir auf unserem Morro 2 Schulen, 2 Postämter, mehrer Kirchen, Kindergarten, Lanchonetes, Bares, ein SUS-Posto, Pizzarias, mindestens 4 Hostels, soziale Projekte, Läden, Beautysalons, ja selbst die ersten eingeweihten Häuser für umweltfreundliches wohnen (einfach nach "morar carioca babilônia" googeln!) haben. Ganz sicher habe ich noch einiges vergessen, aber das interessiert hier ja eh kaum jemanden... Nebenbei bemerkt haben wir auch sauberes Wasser (sogar umsonst ÄTSCH), Kabel-TV bzw. Webzugang sind verfügbar und Strom haben wir logischerweise auch (leider nicht mehr gratis). Es gibt eine Ladeira, wo bequem Krankenwagen und Feuerwehr hochkommen - genau wie die Müllautos, Baufahrzeuge und der "Obstbus" am Donnerstag.

Abschliessend noch 2 Dinge:
1.) Ihr solltet Euch vielleicht doch einmal den Zeitungsartikel ansehen, den ich auf Seite 1 dieses Threads reingestellt habe. Besonders die markierte Stelle mit den 81% und 60 bzw. %... aber sind ja eh alles Lügen ne?
2.) Condominíos fechados bringen auch nicht mehr Bildung, Gesundheit und was sonst noch alles so herrlich publizistisch aufgeführt wurde.

Fazit: Es ist so herrlich einfach und kommun sich über irgendetwas zu beschweren bzw. anderen Kritikern anzuschliessen, ohne sich selbst einmal vorab übers Thema zu informieren. So war es schon bei der Diskussion über meine Bücher, danach über meine HP und nun über Eure Verallgemeinerung bzgl. des Favelalebens. Gleich immer alles schlecht zu machen, wo irgendwas verändert wird bzw. jemand fernab des Mainstreams ist - darin waren die Deutschen schon immer grosse Klasse bzw. das BFN berühmt für. Dies werde & will ich auch gar nicht ändern. Schon gar nicht höre ich auf Leute, die z.B. in Köln oder sonstwelchen deutschen Städten und mir was über die Favelas von RJ erzählen wollen. Auch nicht auf User, die vor 10 Jahren mal in einer Favela waren oder weit von Rio wegwohnen. Denn jede Stadt, Zeit und Favela ist anders!

Darum wehre ich mich dagegen, wenn jemand behauptet "Alle Favelas sind schlecht, kriminell und ohne Lebensstandard!" Am Beispiel "meiner" Favela wollte ich Euch Veränderungen bzw. Verbesserungen darstellen. Wenn dies hier nicht gewünscht wird, dann braucht hier ja auch beim nächsten Rio-Besuch keine Favelatour buchen bzw. Euch allein in eine begeben (dies ist nämlich hier - u.a. DANK UPP - inzwischen möglich). Da ist ja sowieso alles schlecht.


Sicher hast Du recht, Dich als Betroffener und Insider hier ein wenig zu echauffieren. Dennoch auch an Dich die Frage: Meinst Du wirklich, daß Du noch in einer "Favela" wohnst? Und wenn ja, woran machst Du das fest?Könnte man es nicht eher als aufstrebendes Stadtquartier bezeichnen?
Benutzeravatar
Berlincopa
 
Beiträge: 1601
Registriert: Di 5. Feb 2013, 16:04
Bedankt: 173 mal
Danke erhalten: 264 mal in 214 Posts

Re: Befragung unter Bewohnern von Favelas

Beitragvon bruno grenz » Fr 22. Nov 2013, 17:44

Trem Mineiro hat geschrieben:Ergänzend muss ich noch sagen, dass ich natürlich kein Spezialist für Favelas der Zona Sul in Rio bin. Die kenn ich wirklich mit Ausnahme eines Besuches in der Favela "Alemao" nur aus dem Fernsehen bzw. aus Berichten von Lemi und SG.

FIRST AT ALL -> Nimms nicht persönlich Trem, Du diehnst mir heut nur als Beispiel.

Genau das meinte ich gestern in meiner (etwas längeren) Antwort:
Wir redeten anfangs über brasil. FAvelas und seit einiger Zeit (auch durch meine Schuld!) speziell über die Favelas der Zona Sul do Rio. Und nun reden darüber BFNer, die sich damit gar nicht auskennen! Leute die in Köln (der Stadtname ist beliebig gewählt, es hätte auch B oder M oder HH sein können) leben, Leute die noch nie in einer Favela waren und somit das Thema nur vom TV kennen, Leute die bisher nur Favelas aus anderen Bundesländern mit ganz anderer Problematik (ohne Strandnähe, ohne UPP, noch mit Drogenbanden und ohne Abwasser etc.)...
In Wahrheit reden diese BFNer nicht einfach nur mit (das wäre absolut ok), nein sie wissen alles besser bzw. machen alles schlecht. Fernab dem alten deutschen Sprichwort "Schuster, bleib bei Deinen Leisten!"


Trem Mineiro hat geschrieben:Meine intensivere Kenntnis bezieht sich mehr auf die Favelas und Arbeitereinfach-Siedlungen von Belo Horizonte, die natürlich nicht mit dem Meeresblick aufwarten können.

Das Favelas ohne Nähe zum Strand (ich will nicht wieder vom Meerblick schreiben, sonst werden hier wieder einige neidisch!) weniger anziehend sind, dies gebe auch ich zu.

Trem Mineiro hat geschrieben:Ich meine es gibt dort genug Gründe, den Staat aufzufordern, diese Schandflecke von der Landkarte verschwinden zu lassen

Mein alter Freund, hier bist Du wohl doch erheblich übers Ziel hinausgeschossen! Etwas von der Landkarte verschwinden zu lassen, mit solchen Äusserungen haben sich die Deutschen schon früher schwer getan...
Ich kenne Dich inzwischen ganz gut und nehme es Dir wirklich nicht übel.
Laut Statistik von 2013 existieren in Brasilien genau 6.329 Favelas, in denen 11.425.644 Menschen leben. Wo bitte schön sollen die denn auf einmal alle wohnen? In der Antarktis? Oder im Amazonsgebiet? Klar, roden wir mal kurz den ganzen Regenwald ab und dann können die Favelados doch da einnisten...
Aber denk mal drüber nach, dass eventuell andere Brasileiros Deine Behausung auch gerne dort weghaben wollen!

Berlincopa hat geschrieben:Dennoch auch an Dich die Frage: Meinst Du wirklich, daß Du noch in einer "Favela" wohnst? Und wenn ja, woran machst Du das fest?Könnte man es nicht eher als aufstrebendes Stadtquartier bezeichnen?[/color]

Ehrlich gesagt ist es mir völlig wurscht, wie es die Leute bezeichnen!
Ob nun Slum, Favela, Ghetto, Paradies, Comunidade, eng besiedelter Hügel, zukünftiges Kulturzentrum, Fuck the Commerce-Zone oder weiss der Geier was!
Ich lebe da, weil es mir dort gefällt.
Das dies die allermeisten Europäer ganz anders sehen und daher dort nicht wohnen, finde ich ebenfalls sehr gut.

PONTO FINAL:
1.) Ich hätte mir gewünscht, dass sich weitere Insider mal hier zum Thema geäussert hätten! Ich denke da vorangig an den Namensgeber meines Bairros. Aber auch unser Dietmar müsste was dazu wissen, genug rumgekommen ist er ja! Bei SG wirds schwierig, der hat sich ja wegen genau jener Art von Diskussionen hier verabschiedet... Selbst meine "Freundin" Moni hätte sich mal äussern können, angeblich wohnt sie ja auch em perto do morro. Wenn auch nicht an den berühmten Praias der Zona Sul, aber zum Thema Verbesserungen seit UPP weiss sie ganz sicher mehr als Leute von ausserhalb (des Landes). Ganz sicher habe ich wieder einige BFNer vergessen, sie werden´s überleben!
2.) Was ich hier sehr traurig finde, dass das Thema Favela allgemein hier sehr schlecht dargestellt wird. Alles ist:
- dreckig (sind das die Bürgersteige von Copacabana nicht?)
- stinkig weil ohne Abwassersystem (in einen Thread an anderer Stelle stand, dass die auch an anderen Orten Rio´s so ist!)
- kriminell und gefährlich (was ist denn dann gerade am Posto 8 und 9 los?)
- voll mit Banditen und Arbeitslosen (gibts in anderen Stadtviertel keine Arbeitslose?)
- absolut nicht lebenswert (warum mögen es dann 81% der Favelados dort zu wohnen und 62% sind gar stolz darauf ?)
3.) Ich hätte mir gewünscht, dass viele die sich gar nicht oder nur ein wenig vom Hörensagen mit Favelas auskennen oder vor etlichen Jahren mal in einer gewesen sind oder nur Favelas anderer Bundesstaaten kennen, einfach mal etwas mit ihren vorschnellen Verurteilungen zurückgehalten hätten und vielleicht mal geschrieben hätten:
"Mensch, da lebt jemand tatsächlich in einer Favela. Warum ist mir egal. Aber ich hätte mal ganz gerne mehr darüber gewusst. Sag doch mal oder beschreib doch mal wie es da ist! Beantwortet mir doch mal..."
So etwa in diesem Sinne vielleicht und nicht immer alles gleich schlecht machen.

(Speziell im Fall von Rio de Janeiro, wo es heute bereits 36 Einheiten der Befriedungspolizei = UPP gibt, haben eine Menge Veränderungen in den letzten 5 Jahren stattgefunden. Die allermeisten sogar zum Positiven!)
Leider ist dies nicht geschehen und es geschah daher kein konstruktiver Meinungsaustausch, sondern...
Aber was will man erwarten, wenn sich der Moderator schon seit FÜNF Monaten hier nicht mehr angemeldet hat :?:
Übrigens nicht der einzige schon lange abwesende Mod des BFN...
Nein Didi, Du brauchst mich nicht schon wieder zu fragen ob ich´s machen will..

:!: Darum diskutiert ab sofort ohne mich weiter :!:
Für all diejenigen von Euch, die zur WM nach Brasilien fahren werden...
Hier findet Ihr das Buch über mein Leben im Endspielort Rio de Janeiro: http://brunogrenz.jimdo.com/mein-2-buch/
Benutzeravatar
bruno grenz
 
Beiträge: 129
Registriert: Di 13. Aug 2013, 23:44
Wohnort: Brasilien
Bedankt: 43 mal
Danke erhalten: 27 mal in 19 Posts

Re: Befragung unter Bewohnern von Favelas

Beitragvon Berlincopa » Fr 22. Nov 2013, 22:22

bruno grenz"

[quote="Berlincopa hat geschrieben:
Dennoch auch an Dich die Frage: Meinst Du wirklich, daß Du noch in einer "Favela" wohnst? Und wenn ja, woran machst Du das fest?Könnte man es nicht eher als aufstrebendes Stadtquartier bezeichnen?[/color]

Ehrlich gesagt ist es mir völlig wurscht, wie es die Leute bezeichnen!
Ob nun Slum, Favela, Ghetto, Paradies, Comunidade, eng besiedelter Hügel, zukünftiges Kulturzentrum, Fuck the Commerce-Zone oder weiss der Geier was!
Ich lebe da, weil es mir dort gefällt.
Das dies die allermeisten Europäer ganz anders sehen und daher dort nicht wohnen, finde ich ebenfalls sehr gut.

Begriffe sind schon wichtig, insbesondere für die Betroffenen. Und da das Wort "Favela" eine negative Konnotation hat, weiß ich nicht, wieso Du darauf bestehst, es weiterhin zu verwenden, obwohl die Negativmerkmale kaum noch vorhanden sind. Daß Problem Deiner "Favela" wird sein oder ist schon die Gentrifizierung. Habt Ihr Euch schon zusammengeschlossen, um etwas dagegen zu unternehmen, oder versucht jeder, den bestmöglichen Schnitt zu machen?
Benutzeravatar
Berlincopa
 
Beiträge: 1601
Registriert: Di 5. Feb 2013, 16:04
Bedankt: 173 mal
Danke erhalten: 264 mal in 214 Posts

Re: Befragung unter Bewohnern von Favelas

Beitragvon Trem Mineiro » So 24. Nov 2013, 01:33

Ist wohl alles der Kampf um nix (oder die Definitionshoheit für Favelas)
Letztendlich geht es darum, was eine Favela ist oder noch ist oder schon nicht mehr. Für mich ist das ganz einfach: eine Favela ist ein Slum (kann man dann auch wieder drum streiten)mit Lebens- Wohnverhältnissen, die am Rande der Menschenwürde liegen und weit unter dem Durchschnitt der allgemeinen Wohnsituation in benachbarten Bezirken. Gekennzeichnet durch fehlend e öffentliche Dienste wie Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, beschränkte Zugänge (keine Straßen) und sonstige fehlende Infrastruktur und vor allem fehlende Sicherheit.

Ich verstehe ja, dass einige hier ihre "Stadtteile" als liebenswert oder schön verteidigen, aber ich sag ja auch nicht, dass grade diese Favelas sind. Will man ja sowieso umbenennen. Würde ich in oder neben einem Rattenloch leben, würde ich das auch irgendwie umschreiben.

Im Übrigen finde ich es lustig, wie man sich über den Begriff „Schandfleck, den man von der Landkarte verschwinden lassen sollte“ aufregt.

Es geht hier nicht darum, Bomben zu werfen oder die Bagger zu schicken, sondern den Bürgern dort das zu geben, was ihnen als Mitbürger Rios zusteht, anständigen bezahlbaren Wohnraum mit vernünftigem und den nötigen Infrastruktur Einrichtungen. Umfeld. Woanders würde man das sozialen Wohnungsbau nennen. Damit meine ich nicht, die Leute dort zu vertreiben und sie an der Peripherie weit draußen anzusiedeln.
Ich bin im Ruhrgebiet zwischen Kohle- und Abraumhalden, Abwasserkanälen, Zechenmauern und Hinterhöfen mit Karnickelställen aufgewachsen. Später kamen die Ausländergettos im Norden Duisburgs dazu. War nach dem Krieg und damit Entschuldbar aber waren sicherlich prekäre Wohnverhältnisse. Letztens stand ich auf dem Gasometer in Oberhausen, oben auf dem Dach in 104 m Höhe. Da war nix mehr von prekären Wohnverhältnissen zu sehen, und das Ruhrgebiet ist auch heute noch eine wirtschaftlich gebeutelte Gegend. Aber trotzdem gehen Veränderungen, wenn man das politisch will.

Und die Favelas in Rio bleiben für mich Schandflecke, in einem Land, das zwar nicht ein tropisches Deutschland ist, aber immerhin am BIP gemessen die 6-reichste Industrienation. Hier fehlt einfach der Wille der regierenden Eliten (und der politisch dummen Volkvertreter als deren Büttel) was zu ändern.
Ich sehe da keinen Grund die Wohnverhältnisse in den Favelas als „ die wollen doch so leben und sind doch glücklich“ zu verteidigen.

Gruß
Trem Mineiro

Danke für die Einsichten von einigen Usern in die (ihre) Favela-Verhältnisse. Dann geht mal in einer 50-100.000 Einwohner-Favela mal ein paar Straßen abseits, rechts und links von den Hauptzufahrten. Da lernt ihr Favela kennen. Das kenn ich zumindest von "meiner" Papageio-Favela in Belo Horizonte. Die Gentrifizierung wird da in 20 Jahren nicht hinkommen.
Benutzeravatar
Trem Mineiro
 
Beiträge: 3413
Registriert: Do 16. Dez 2004, 14:20
Wohnort: Allgäu
Bedankt: 343 mal
Danke erhalten: 1035 mal in 661 Posts

Folgende User haben sich bei Trem Mineiro bedankt:
cabof, Regina15

Re: Befragung unter Bewohnern von Favelas

Beitragvon Berlincopa » So 24. Nov 2013, 12:39

Trem Mineiro hat geschrieben:Ist wohl alles der Kampf um nix (oder die Definitionshoheit für Favelas)
Letztendlich geht es darum, was eine Favela ist oder noch ist oder schon nicht mehr. Für mich ist das ganz einfach: eine Favela ist ein Slum (kann man dann auch wieder drum streiten)mit Lebens- Wohnverhältnissen, die am Rande der Menschenwürde liegen und weit unter dem Durchschnitt der allgemeinen Wohnsituation in benachbarten Bezirken. Gekennzeichnet durch fehlend e öffentliche Dienste wie Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, beschränkte Zugänge (keine Straßen) und sonstige fehlende Infrastruktur und vor allem fehlende Sicherheit.
Wenn man diese recht gute Definition gelten läßt, fallen grob geschätzt mindestens die Hälfte der prekären Wohngebiete in Rio aus dem F-Wort-Schema heraus.


Und die Favelas in Rio bleiben für mich Schandflecke, in einem Land, das zwar nicht ein tropisches Deutschland ist, aber immerhin am BIP gemessen die 6-reichste Industrienation. Hier fehlt einfach der Wille der regierenden Eliten (und der politisch dummen Volkvertreter als deren Büttel) was zu ändern.


Nach diese Lesart ist China also die zweitreichste Industrienation? Bitte vergleiche doch BIP pro Kopf, dann relativiert sich der angeblich Reichtum
Benutzeravatar
Berlincopa
 
Beiträge: 1601
Registriert: Di 5. Feb 2013, 16:04
Bedankt: 173 mal
Danke erhalten: 264 mal in 214 Posts

Re: Befragung unter Bewohnern von Favelas

Beitragvon bruno grenz » Mo 9. Dez 2013, 15:40

Trem Mineiro hat geschrieben:Danke für die Einsichten von einigen Usern in die (ihre) Favela-Verhältnisse. Dann geht mal in einer 50-100.000 Einwohner-Favela mal ein paar Straßen abseits, rechts und links von den Hauptzufahrten. Da lernt ihr Favela kennen. Das kenn ich zumindest von "meiner" Papageio-Favela in Belo Horizonte. Die Gentrifizierung wird da in 20 Jahren nicht hinkommen.

Das wir "unsere" Favelas als Brasiliens Durchschnitt darstellten, wolltest Du nicht zulassen.
Aber die Papageio-Favela in Belo Horizonte ist es ganz sicher auch nicht, denn schliesslich wohnen da auch nur 16.914 Menschen...
Für all diejenigen von Euch, die zur WM nach Brasilien fahren werden...
Hier findet Ihr das Buch über mein Leben im Endspielort Rio de Janeiro: http://brunogrenz.jimdo.com/mein-2-buch/
Benutzeravatar
bruno grenz
 
Beiträge: 129
Registriert: Di 13. Aug 2013, 23:44
Wohnort: Brasilien
Bedankt: 43 mal
Danke erhalten: 27 mal in 19 Posts

Re: Befragung unter Bewohnern von Favelas

Beitragvon bruno grenz » Mo 9. Dez 2013, 22:10

Hier neuer Stoff für Eure Streitlust: www.welt.de/wirtschaft/article122750372/Auslaender-gentrifizieren-die-brasilianischen-Favelas.html
Ich kenne übrigens beide Herren persönlich und sie sind beide seit vielen vielen Jahren in Rio, wissen also wovon sie erzählen.
Für all diejenigen von Euch, die zur WM nach Brasilien fahren werden...
Hier findet Ihr das Buch über mein Leben im Endspielort Rio de Janeiro: http://brunogrenz.jimdo.com/mein-2-buch/
Benutzeravatar
bruno grenz
 
Beiträge: 129
Registriert: Di 13. Aug 2013, 23:44
Wohnort: Brasilien
Bedankt: 43 mal
Danke erhalten: 27 mal in 19 Posts

Re: Befragung unter Bewohnern von Favelas

Beitragvon Itacare » Mo 9. Dez 2013, 23:15

War doch nur eine Frage der Zeit, dass die Schönheit und damit der Wert der Lage erkannt wird.
Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.
Benutzeravatar
Itacare
 
Beiträge: 5294
Registriert: Mi 30. Jul 2008, 15:31
Wohnort: 2 km Luftlinie zur ältesten Brauerei der Welt
Bedankt: 898 mal
Danke erhalten: 1376 mal in 953 Posts

Re: Befragung unter Bewohnern von Favelas

Beitragvon Colono » Di 10. Dez 2013, 13:12

Aus dem Artikel "Auslaender-gentrifizieren-die-brasilianischen-Favelas.html":
Heute ist er ein erfolgreicher Unternehmer, betreibt das Hostel "Casa Alto Vidigal" und veranstaltet Partys auf der Terrasse mit Blick aufs Meer

Die Favelas sind ja nun glaube ich unter Stadtverwaltung. Wie kommt man den als Ausländer in Rios Favela an eine Betriebserlaubnis für einen Beherberungsbetrieb vergleichbar einer Pousanda, bzw. Casa de Festa ? Hab ich da was verpasst ?
Benutzeravatar
Colono
 
Beiträge: 2297
Registriert: Do 28. Feb 2013, 21:44
Wohnort: Pioneiros
Bedankt: 636 mal
Danke erhalten: 689 mal in 507 Posts

VorherigeNächste

Zurück zu Was man über Brasilien wissen sollte

 



Berechtigungen in diesem Forum

Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

Persönlicher Bereich

Anmelden

Empfehlung

Wortübersetzer

Deutsch/Portugiesisch - Übersetzer in Kooperation mit Transdept

Neu im IAP PortalNetwork

Please enable / Bitte aktiviere JavaScript!
Veuillez activer / Por favor activa el Javascript![ ? ]