Brasiliens Lula gerät nach Gas-Verstaatlichung unter Druck
Opposition gegen Zugeständnisse bei bolivianischen Preisforderungen - Petrobras droht
La Paz/Brasilia - Wegen seiner verständnisvollen Haltung gegenüber der Forderung Boliviens nach höheren Preisen für sein Erdgas gerät der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva in seinem Land unter Druck. Das berichtet die bolivianische Zeitung "La Razon".
Brasilianische Wirtschaftsvertreter und Opposition fordern von ihm ein energischeres Auftreten gegenüber der Linksregierung in La Paz, die die Verstaatlichung der Erdgas-Produktion verkündet hat und nun höhere Preise von den Abnehmern verlangen will.
Hauptimporteur
Brasilien ist der Hauptimporteur bolivianischen Erdgases und in hohem Maß davon abhängig. Der frühere Gewerkschaftsführer Lula hatte bei einem Dringlichkeitsgipfel am Donnerstag im argentinischem Puerto Iguazu seinem bolivianischen Amtskollegen Evo Morales zugesichert, Brasilien sei bereit, über neue Erdgaspreise zu verhandeln. Die Welle der Kritik an dieser Zusage könnte für Lula und seine Arbeiterpartei (PT) negative Folgen bei den in weniger als fünf Monaten anstehenden Wahlen haben.
Brasilien importiert pro Tag 26 Millionen Kubikmeter Erdgas aus Bolivien, mit dem es 75 Prozent des Bedarfs des Industriestaates Sao Paulo und 100 Prozent des Südens des Landes deckt. Angesichts der Kritik wegen der zu erwarteten Preissteigerungen versuchte die Regierung in Brasilia zu beschwichtigen. Außenminister Celso Amorim meinte, Brasilien könnte seine Importe stoppen, sollte die Morales-Regierung die Gaspreise "übermäßig" anheben.
Petrobras droht mit internationalem Gericht
Der Chef des staatlichen Ölkonzerns Petrobras, Sergio Gabrielli, drohte, seine Gesellschaft werde keinen Cent mehr in Bolivien investieren. Eine Anhebung des Gaspreises werde Petrobras keinesfalls hinnehmen. Laut "Jornal do Brasil" sagte Gabrielli, Petrobras werde mit der staatlichen bolivianischen Ölgesellschaft YPFB wie in den Verträgen vorgesehen 45 Tage lang verhandeln. Wenn es dann keine Einigung gebe, werde die Sache an ein internationales Schiedsgericht in New York überwiesen.
Bei dem Gipfel in Puerto Iguazu, an dem neben Lula und Morales die Präsidenten Argentiniens und Venezuelas, Nestor Kircher und Hugo Chavez, teilgenommen hatten, war man übereingekommen, dass die Diskussion über die Erdgaspreise in einem "rationalen und fairen Rahmen" geführt werden müsse. Das Treffen war wegen der Verstaatlichung des bolivianischen Erdgases einberufen worden. Von der Maßnahme ist besonders Petrobras betroffen, die 1,5 Milliarden Dollar in Bolivien investiert hat.
Lula gestand Bolivien das Recht zu, seine Erdgasindustrie zu verstaatlichen und einen höheren Gaspreis zu verlangen. Der konservative brasilianische Abgeordnete José Carlos Aleluia warf ihm deshalb ein "gefährliches Zurückweichen", offensichtlich aufgrund des Drucks des "populistischen Führers" Chavez, vor.
Morales kündigte unterdessen in einer Rede vor Kokabäuerinnen an, dass er beim Wiener EU-Lateinamerika-Gipfel von 11. bis 13. Mai bilaterale Gespräche mit der chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet und dem spanischen Regierungschef Jose Luis Rodriguez Zapatero führen werde. Dabei dürfte die Verstaatlichung des bolivianischen Erdgases im Mittelpunkt stehen, von der auch die spanische Repsol betroffen ist. (APA)