brasilianischer Journalismus kennt keine Ethik

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brasilianischer Journalismus kennt keine Ethik

Beitragvon Bagi » Sa 21. Mai 2005, 20:26

Ein Paradebeispiel der niveauvollen brasilianischen Berichterstattung im Fernsehen. :oops: :cry: :evil:
http://www.14h.de/3822
Bis dann
Bagi
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In D ist der Journalismus auch sehr sehr viel etischer jaja

Beitragvon Lunge » Sa 21. Mai 2005, 21:38

Moin
due möchtest doch wohl nicht diesen Beitrag anführen um den deutschen Journalismus über den grünen Klee zu loben? Neigst du zu Verallgemeinerungen? Oder zu Vorurteilen?
Was bitte ist deine Absicht?
Grüße
Lunge
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Beitragvon Careca » Sa 21. Mai 2005, 22:27

Ethik im Journalismus? Ich behaupte mal ganz einfach: Sowas gibt es weltweit niemals nicht. Is einfach nicht. Die einzige Ethik, die existiert, lässt sich nur anhand Auflagenstärke und Einschaltquoten messen. Andere Ethiken existieren in diesem knallharten Buisness nicht.

Als Unterhaltung in den Medien wird das verstanden, was gerade noch unter Haltung zu ertragen ist. In Deutschland ist diese Haltung anders als Brasilien.
Besoffene 1:1 abzufilmen und als Deppen darzustellen ist billiger als eine Eigenproduktion. Sowas spart Produktionskosten und garantiert auch nem PM paar Sendesekunden (auch wenn der vor Lachen fast schon zusammenbricht wie im Video) und garantiert Einschaltquoten, die für die Werbung benötigt werden, womit dann die Reporter finanziert werden, die Besoffene am Sack kraulen, damit der Fernsehzuschauer am Aparat bleibt ...

Ein Freund arbeitete bei der Blut-Zeitung Rios. Also jener Zeitung, wo man die neusten Erschossenen, Erhängten, Verbrannten, Vergewaltigten, Vergewaltiger und Verstümmelten durchhecheln kann. Er war dort Fotograf und machte den Job nur, weil er auf das Geld angewiesen war. Ethik? Moral kommt aus dem lateinischen: "Mos, mores" (für alle, die sich gerade jetzt an deren Lateinunterricht erinnern möchten). Und jeder weiss "Ohne Moos nix los". Und da jeder weiss, dass Krach krank macht, will jeder nur Scheine haben. Die rascheln und klackern nicht. Womit wir jetzt alle wissen sollten was eine Schein-Moral ist ... geschweige denn von einer Schein-Demokratie :twisted: ... (aber ich werde jetzt den Teufel tun und über die letzten ökologischen Sumpfgebiete einer demokratischen Schein-Moral herziehen, sonst bringe ich eventuell einige Feuchtbiotop-Schützer gegen mich auf ... und mit den Knaben von Pullach ist nicht zu spassen ...)

Als die Amerikaner von der Irakischen Terrorgruppe live vor der Videokamera enthauptet wurden, hatte ich nach dem Video im Internet gesucht. Ich stiess dabei auf eine Internet-Seite, wo die tausend Tode gezeigt wurden, die ein mensch sterben kann. Unter anderem stieß ich auf ein Foto eines Brasilianers, der verschmorrt in einem Strommasten hing. Er hatte versucht, Strom abzuzapfen und verschmorrte dabei in luftiger Höhe. Ein weiteres Foto zeigte einen von einer Kugel zerfetzten Kopf eines Brasilianer aus einer Favela. Danach hatte ich den Link zum Video. Ich überlegte lange, ob ich das sehen müsste und ob ich nicht schon genug gesehen hätte, was ich nie normalerweise gesehen hätte.
Ich beliess es dabei und löschte den Cache, um die Seite nicht mehr leicht finden zu können.

Im Gegensatz zu jener Internetseite der tausend Tode finde ich das Video noch recht amüsant. Der Knispel ist voll wie ein Vogelhäusl und der Moderator offensichtlich enttäuscht, dass er anhand der Fahne des besoffenen nicht gleich die Cachaca-Marke erkennen konnte. Ohne Frage: menschenunwürdig.

Heute hat die deutsche Bild-Zeitung sich darüber empört, dass man Fotos von Saddam Hussein in Liebestötern (Feinripp-Unterhosen mit Eingriff) der Presse zur Verfügung gestellt hat. Und damit der Leser mitreden kann, wurde das Foto seitenfüllend dargestellt und die Frage nach der Moral gestellt (um sich selber reinzuwaschen ...)

Seit dem Gladbecker Geiseldrama - als die Presse um dem Auto der beiden Geiselnehmer herumlungerten, um das beste Close-Up-Foto der mit Todesangst gefüllten Augen der beiden Geiseln in Szene zu setzen ... seit jenem Tag, als der ehemalige Chefredakteur vom Kölner EXPRESS (späterer Chefredakteur in der BILD-Zeitung) in das Auto der Geiselgangster stieg, um denen den Weg von der Kölner Domplatte zur Autobahn zu zeigen (als Austausch für ein Exklusiv-Interview), seit jenem Tag hatte ich für mich verstanden, dass es das Wort Ethik im Sprachgebrauch des Berufsstandes der Journalisten niemals gab.

Jenes obige Video vom besoffenen brasilianer wird wohl demnächst auch in Deutschland Verwendung finden. In der RTL2-Sendungsreihe "Die dümmsten Alkoholiker".
Solche Videos finden sich immer mehr in den Privaten Sendern Deutschlands.
Hauptsache die Einschaltquote stimmt. Notfalls kann man ja immer den jeweiligen redaktuer feuern, sollte da draussen bei den Politikern vorm Fernseher jemand nach ETHIK brüllen. Redateure sind in Deutschland arme Schlucker: Die müssen permanent das weglutschen was deren Chefs ejakulieren ... :evil:

Ethik und Journalismus? Eher wird der Papst im Bordell erwischt als ein Journalistisches Organ mit Ethik-Ansprüchen ... (okay, der letzte Satz war Schwachsinn. Gegenbeweis: "Radio Vatikan" und "Neues Deutschland" ...)

Ach ja, ich habe das Video mir mehrmals angesehen und dabei feixend gelacht ... Zielpublikum wurde also auch in mir gefunden ... :?
Abraços
Careca

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MfG Microsoft"
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Beitragvon Moranguinho » So 22. Mai 2005, 10:37

Hallo,

wobei ich die Haltung der Bildzeitung, die strittigen Bilder darzustellen, nicht schlecht finde. So kann sich wenigsten jeder seine eigene Meinung bilden.
Häufig findet man in Zeitungen nur Auszüge aus Texten etc., die dann von Kommentatoren durchgekaut werden, ohne dass der Leser den Text jemals gelesen hat.

Viele Grüße


Moranguinho
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Beitragvon Bagi » Mo 23. Mai 2005, 18:34

@ Careca:
Klar erhöhen Bilder von Sadam in Unterhosen, Geiseldramen, etc. die Einschaltquoten oder Auflagen. Es liegt wohl in der Natur der Menschen, dass sie so etwas sehen wollen. Und wer das Extreme sucht wird dann im Internet fündig.

Aber in dem Video wird ein unbekannter besoffener Typ zur besten Sendezeit im Fernsehen zum Volksdeppen gemacht. Dass die Nennung des Namens, Alters, Wohnort, etc. erhebliche private wie berufliche Konsequenzen mit sich bringt kann man sich denken…
Bis dann
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