Brasilianisches Recht beim Immobilienkauf

Fragen zur Gesetzeslage in Brasilien, Einwanderungs-, Einfuhr- und Zollbestimmungen sowie Steuerfragen

Brasilianisches Recht beim Immobilienkauf

Beitragvon Lauros » So 31. Jan 2010, 09:41

Weiss jemand von euch ob nach einen Todesfall des Ehepartners, nach brasilianischen Recht ,die zusammengekaufte Immobilie komplett den anderen Ehepartner gehört oder ob noch andere Angehörige Rechtsanspruch haben?Die Frage stelle Ich hier, weil uns der Notar in Deutschland überraschenderweise, beim Kauf einer deutschen Immobilie sagte, das beim Todesfall des deutschen Partners, deutsches Recht gilt und beim Todesfall des brasilianischen Partners brasilianisches Recht gilt.
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Re: Brasilianisches Recht beim Immobilienkauf

Beitragvon ManausTip » So 31. Jan 2010, 11:55

Ich denke das wenn der Ehepartner Kinder gehabt hat die auf keinen Fall ausschießen kann.
Das ist in Brasilien und auch in Deutschland so.

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Re: Brasilianisches Recht beim Immobilienkauf

Beitragvon dimaew » So 31. Jan 2010, 12:09

Art 25 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch
Rechtsnachfolge von Todes wegen
(1) Die Rechtsnachfolge von Todes wegen unterliegt dem Recht des Staates, dem der Erblasser im Zeitpunkt seines Todes angehörte.
(2) Der Erblasser kann für im Inland belegenes unbewegliches Vermögen in der Form einer Verfügung von Todes wegen deutsches Recht wählen.


Das ist die Norm, auf die sich der Notar bezog.

Er hätte natürlich auch auf Absatz 2 hinweisen können/müssen. Danach kann der (brasilianische) Erblasser für die Immobilie auch deutsches (Erb)Recht wählen. Eine "Verfügung von Todes wegen" ist dabei nicht zwingend als Testament zu verstehen. Es reicht, nur bezüglich der Immobilie eine Verfügung zu machen, am besten notariell. Kostet zwar ein bißchen was, ist dann aber auch wasserdicht.

Gibt es keine "Verfügung von Todes wegen", gibt das brasilianische Recht im Prinzip die gleiche Erbfolge vor wie das deutsche Recht: Ehefrau und Kinder erben, sonst niemand.
Wichtiger Unterschied des brasilianischen zum deutschen Recht ist, dass das brasilianische Recht die Lebenspartnerschaft stärker schützt. Wenn die Eigentümer der Immobilie also nicht miteinander verheiratet sind und der brasilianische Lebenspartner verstirbt, ist der deutsche Lebenspartner nahezu wie ein Ehepartner am Erbe beteiligt (genaueres in Art. 1790 CC).

Fazit: Sind keine Kinder (auch keine aus früheren Ehen) da, erbt der Ehe- oder Lebenspartner die andere Hälfte der Immobilie und wird damit konsequenterweise Eigentümer der gesamten Immobilie.
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Re: Brasilianisches Recht beim Immobilienkauf

Beitragvon Kalle » So 31. Jan 2010, 12:27

Hi Lauros,

bin kein Anwalt, aber vom gesunden Menschenverstand aus glaube ich, dass der Notar hier etwas falsch Interpretiert hat!
Eine in Deutschland Gekaufte "Deutsche" Immobilie wird doch im Erbschaftsfall nach Deutschem Recht abgewickelt, unabhängig woher der eine oder beide Partner kommen.

Ist in Brasilien auch nicht anders. Sind gerade in der Familie Mittendrin in solch einem Prozedere. #-o

Stirb einer der Partner erbt der andere sein Anteil. Sollten Kinder da sein, erben selbstverständlich Sie diese 50%. Angenommen Kinderlosen Ehepaar stirbt in einem Unfall, werden von Amtswegen Erbberechtigte gesucht.
Zuerst geht’s "Descendente" d.h. Kinder werden gesucht. Sind keine da, geht’s "Ascendente" d.h. Eltern werden gesucht.
Sollten diese auch nicht mehr da sein dann geht´s "Colateral" d.h. Onkel, Tanten etc. werden gesucht. Im allerletzten Fall Erbt der Staat.

Eine "Enterbung" ist in Brasilien nicht möglich. Ich kann Testamentarisch höchstens über die Hälfte meines Vermögens anderweitig verfügen.
..
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Re: Brasilianisches Recht beim Immobilienkauf

Beitragvon dimaew » So 31. Jan 2010, 12:40

Kalle hat geschrieben:Eine in Deutschland Gekaufte "Deutsche" Immobilie wird doch im Erbschaftsfall nach Deutschem Recht abgewickelt, unabhängig woher der eine oder beide Partner kommen.

Das stimmt nicht, siehe das obige Zitat aus dem deutschen Einführungsgesetz zum BGB.
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