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 Betreff des Beitrags: Brasilien: 22 Prozent der Bevölkerung beziehen Sozialhilfe
BeitragVerfasst: 29 Aug 2007 14:35 
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Beiträge: 1792
gelöscht wegen Verstoss gegen die Forumsreglen



Gruss brasilmen Thomas
http://www.brasilmen.de


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 03 Sep 2007 02:42 
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Beiträge: 573
Wohnort: Rio/Berlin
oi dietmar,

ich dachte, das waere jetzt verboten, mit den copy paste tasten herumzuspielen - sofern nicht zumindest ein auf eigener geistiger leistung beruhender kommentar beigegeben wird.

aber jetzt faengt brasilmen schon wieder an..

oder hat er sich ne sondererlaubnis geben lassen...



gruesse, diter

Certo dia, o índio pegou a canoa e remou, remou, remou até encontrar a bela Iara, que o levou para o fundo das águas.


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 Betreff des Beitrags: Schaun ma mal
BeitragVerfasst: 03 Sep 2007 17:38 
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Registriert: 22 Aug 2006 14:59
Beiträge: 1166
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ob das folgende auch gegen die Forimsregeln verstösst.
Es handelt sich um eine freie Übersetzung und Zusammenfassung eines Artikels in der VEJA vom 29/08/2007 von Guliano Guandalini.

Es folgt die übersetzte Zusammenfassung des Artikels:

Leicht einzutreten, schwer herauszukommen.

Die "Bolsa-Familia" erreicht jeden vierten Brasilianer - aber ein Ausweg aus dem Zyklus der Armut ist nicht in Sicht.

Jeder vierte Brasilianer erhält Unterstützung durch die Bolsa Familia. Gemäss einer Studie, veröffentlicht vergangene Woche, des Ministeriums für soziale Entwicklung und Bekämpfung des Hungers (dies wörtliche Übersetzung, in Deutschland Minsterium für soziales (100% Deckungsgleicheit?), sind dies 11,1 Millionen Familien oder 46 Millionen Personen. Die Hälfte der Nutzniesser befindet im Nordosten wo sich 5,5 Millionen Familien unter dem Schutmantel des staatlichen Assistenzialismus befinden. Das bedeutet, dass jeder zweite "Nordestino" die Bolsa-Familia erhält. Nicht einmal das bekannteste Sozialprogramm der Geschichte die food stamps in der Zeit der grossen amerikanischen Depression erreichte annähernd soviele Personen (etwa 3% der damaligen Bevölkerung der USA).

Glücklicherweise, wie Untersuchungen anzeigen, erreicht das ambitionierte brasilianische Programm die richtigen Personen und trägt dazu bei, die Einkommensunterschiede des Landes zu verringern. Andererseits "sündigt" das Programm indem es keinen Ausweg für die Unterstützten liefert. Es sind nur sehr wenige, die einmal im Programm aufgenommen, es später wieder verlassen, im Gegensatz zum food stamps Programm. Sogesehen hat sich die Bolsa Familie nicht zu einer vorübergehenden Nothilfe sondern zum ständigen Lebensunterhalt entwickelt. In den ärmsten Gegenden fehlen schon Arbeitskräfte für die Feldarbeit. Anstatt auf dem Feld zu arbeiten, bevorzugen es die Ex-Kleinstbauern zuhause zu beleiben und jeden Monat ihren Anteil an der Bolsa Familia abzuheben. Aus diesem Grund wird es sehr schwierig für jede Regierung werden, wenn nicht unmöglich, das Programm abzuschaffen.

Wie aber das Problem lösen? Ein Lösungsvorschlag, ist die Bedingungen für die Bewilligung zu verschärfen und, vielleicht, Fristen für die Bewilligungsdauer zu setzten. Wenn nicht, wird das Programm in einen puren Assistenzialismus münden, als ob man Geld aus dem Hubschrauber über vom Hunger gebeutelte Regionen abwirft. Wer die Bolsa Familia bekommt, kann damit vielleicht der ärgsten Not entrinnen, hat aber nicht mal annähernd die Gelegenheit zum sozialen Aufstieg - letztendlich bekommt jeder Empfänger im Durchschnitt nur 15 Real pro Monat. Nach Meinung der Sachverständigen hängt die effektive Verminderung der sozialen Ungerechtikeit von zwei Faktoren ab: Zum einen, von Investitionen in qualitativ hochwertige Bildung, zum anderen, vom Zugang zu Kredit. Deshalb sind Projekte wie der von Mohammed Yunus (Friedensnobelpreis 2006) idealisierte Mikrokredit wichtig. Vor 30 Jahren gründete Yunus in Bangladesh die Gameen Bank und schuf so den Grundstock für Mikrokrediteinrichtungen in verschiedenen anderen Ländern. In Brasilein ist die Initiative noch in den Kinderschuhen. Eine Gameen Bank funktioniert grob gesehen wie eine grosse Kooperative. Mit Niedrigzinsen wird die Zahlungsunfähikeit sehr gering gehalten. Die geliehenen Beträge sind bescheiden, aber hoch genug um den ärmsten eine ersten Schritt in Richtung Selbstständikeit zu ermöglichen. Die Rückzahlungen erlauben es, dass sich der Kredit auf weitere Familein verteilt.
Die wichtigste Voraussetzung um die Armut zu vermindern ist jedoch Bildung. Je grösser der Unterschied im Bildungsniveau zwischen Personen ist, desto grösser ist die Ungleichverteilung der Güter. Diejenigen die länger und in besseren Schulen gelernt haben erhalten in der Regel die besser bezahlten Stellen, jahrhundertalte Ungleicheit wird auf diese Weise fortgesetzt. Seit den Siebzigerjahren, dank der Studien von Professor Carlos Langoni, ist bekannt, dass die Wurzel der brasilianischen sozialen Ungleichheit das schlechte öffentliche Bildungswesen ist. Trotzdem ist das Problem bisher kaum angegangen worden - und was nicht fehlt sind öffentliche Mittel. Brasilien, obwohl die dürftigen staatlichen Dienste einen anderen Anschein erwecken, ist eines der Länder mit den höchsten Sozialausgaben der Welt. Nur die Europäer geben mehr in diesem Bereich aus. Die Kosten für die, alleinig von der Regierung bezahlte, soziale Unterstützung - Bolsa Familia, Vorsorge und Renten, Gesundheit und Bildung zusammengefasst - überstiegen vergangenes Jahr 300 Milliarden Real (25% des Gsamthaushaltes, zum Vergleich Deutschland 32%, USA 20%). Da Geld weder vom Himmel fällt noch auf Bäumen wächst, wahr dieser Fortschritt (2003 222 Milliarden, 2006 315 Milliarden) nur durch eine Erhöhung der Steuereinnahmen möglich. Das Rezept von mehreren aufeinanderfolgenden Regierungen war folgendes: Höhere Abgaben um mehr Auszugeben. Der Widersinn ist, dass höhere Steuerlast das Wirtschaftswachstum hemmt und somit die Verminderung der Armut bremst. Ein Ausweg wäre es Steuern zu senken oder abzuschaffen, der spektakuläre Zuwachs der Steuereinnahmen würde es zulassen. Die Regierung könnte z.B. die CPMF abschaffen, eine Steuer, die nur als vorübergehend eingeführt wurde und wie die Bolsa Familia, zur Fortdauer tendiert.

Die Bolsa Familia, wie alle Spezialisten anerkenenn, hat ihre guten Seiten. Wie der Wirtschaftwissenschaftler José Márcio Camargo, Professor an der PUC-Rio und einer ihrer geistigen Väter, gerne sagt: Das Programm ist wie ein Investment in die Zukunft der Kinder der Unterstützten zu sehen. Würden doch die Kinder ohne diese Hilfe, anstatt in die Schule zu gehen, arbeiten gehen. Aber offensichtlich nützt es nichts wenn die Kinder zur Schule gehen und dort nichts lernen. In den letzten Jahren hat Brasilien grosse Fortschritt im Schulbesuch gemacht, die Qualität aber lässt zu wünschen übrig, um es vorsichtig auszudrücken. Resultat: es ist wahrscheinlich, dass die Kinder der Familien die heute unter dem "Regenschirm" der Bolsa Famlia stehen, dasselbe Schicksal wie ihre Väter haben. Wie es der Historiker Marco Antonio Villa, in einem Artikel publiziert in der Folha de S. Paulo, treffend resumiert hat: O Bolsa Familia está criando uma geração de Jeca Tatus high tech, cuja diferença em relação à matriz lobatiana é a utilização do cartão magnético para sacar o benefício.
(Sinngemäss: Die Bolsa Familia schafft eine Generation von high tech Jeca Tatus (Symbolfigur kreiert von dem bras. Schriftsteller Monteiro Lobato die für den vergessenen, ausgenutzten Teil der brasilianischen Bevölkerung steht) deren einziger Unterschied zur Figur die Monteiro Labato kreiert hat, die Benutzung von Magnetkarten zum Geldabheben ist.

Arm ist derjenige, der in Zukunft daran denkt diese Unterstützungen zu verringern oder gar zu streichen: Er wird seinen politischen Todeschein unterschreiben.

Man entschuldige meinen holprigen Übersetzungsstil.
Dasselbe gilt für Rechtschreib- Tippfehler und Zeichensetzung.
Br.


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BeitragVerfasst: 04 Sep 2007 00:18 
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Nein, kein Verstoss! :wink: Vielen Dank für die Übersetzung. Meine Wenigkeit, die auch täglich "übersetzt" weiss diese Arbeit zu schätzen. :!:

Und wie dort auch schon ganz richtig steht: die Beihilfe kann nur eine Massnahme sein, als alleinige Massnahme wird sie wenig ändern. Tatsächliche und gezielte Investitionen in Bildung und Weiterbildung statt Anwesenheitspflicht in den Klassenzimmern ... die Schule hat mehr Funktionen als eine mittelmässige Alfabetisierung ... aber wie immer wird das Übel kaschiert und nicht am Fundament angepackt ...



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 Betreff des Beitrags: 15 Real?
BeitragVerfasst: 04 Sep 2007 08:39 
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@bruzundanga: obrigado para traduzir...

Nun zur Frage: 15 Real pro Monat pro Person im Schnitt davon kann
man doch wohl auch im Nordosten nicht überleben, oder ist dort das
Preisniveau so niedrig (die Ecke kenne ich noch nicht....)?


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 Betreff des Beitrags: Regelado
BeitragVerfasst: 04 Sep 2007 14:12 
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Beiträge: 1166
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Erstmal Dank zurück für die Anerkennung.

@bem gelado


Solche Hilfsprogramme haben natürlich Regeln und sind nicht zu 100% für den Unterhalt verantwortlich. Eine Regel besagt, dass man, soweit ich mich erinnere 120 Real/pro Haushaltsmitglied als Einkommen haben darf. D.h. eine Familie mit 2 Kindern darf bis zu 480 Real Einkommen haben bis der Anspruch verfällt.

Zwei Beispiele:

Familie mit 3 Kindern. Einkommen unter 300 Real Zuschuss über Bolsa Familia 112 Real (22,4 pro Kopf)

Familie mit 2 Kindern, Einkommen 450 Real Zuschuss über Bolsa Familie 36 Real (9 pro Kopf

Hier sieht man 2 Dinge:

a) das mit den 15 Real ist eine Mischkalkulation.
b) die 15 Real sind nicht als alleinige Überlebensgrundlage zu sehen.

Folgende Link gibt Aufschluss:

http://www.mds.gov.br/bolsafamilia/o_programa_bolsa_familia/beneficios-e-contrapartidas

Br.


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BeitragVerfasst: 06 Sep 2007 10:56 
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So wie ich jetzt gelesen habe, darf die Familie bis zu 120 R$ per capita zur Verfügung haben. (Bedeutet das je Kopf im Haushalt?)

Zudem wird die Bolsa Família nun auch auf 16- und 17-jährige Familienmitglieder ausgeweitet. Dabei ist ebenfalls der Nachweis des Schulbesuchs zu erbringen. 1.7 Mio. Jugendliche sollen davon betroffen sein.

Heute sind 11 Mio. Familien offiziell im Programm, die meisten in Stadtgebieten. Auf dem Land kommt das Geld nicht an. 90% der untersuchten Städte haben irgendwie Probleme mit Auszahlung, etc.

siehe auch:
http://www.mds.gov.br/noticias/governo- ... sa-familia
http://www1.folha.uol.com.br/folha/bras ... 2182.shtml (Bolsa Família tem problemas em 90% de cidades fiscalizadas no país)
http://www1.folha.uol.com.br/folha/bras ... 1859.shtml (Maioria dos beneficiados do Bolsa Família vive em áreas urbanas)



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BeitragVerfasst: 11 Sep 2007 13:25 
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Beiträge: 3095
Wohnort: Anapolis GO
In Goías gibt es eine "Bankkarte" mit der man bei den Automaten der caixa ab festgelegten Daten den Betrag abheben kann. Eine Bekannte aus der Nachbarschaft bekommt als alleinerziehende Mutter mit drei Kindern R$ 95 pro Monat. Einen festen Job hat sie nicht.
Und trotz bolsa familia müssen die Kinder nach der Schule arbeiten. Der jüngste ist 7 und sammelt Aludosen, die 9-jährige Tochter arbeitet halbtags als faxineira bei einer Anwältin und der Älteste fährt für einen Baumarkt die Bestellungen auf dem Fahrrad zu den Kunden oder arbeitet als Aushilfe auf einer chacara. Genau wie die Mutter.
Das Programm bolsa familia ist für diese Familie überlebenswichtig. Aber es macht sie auch abhängig. Die Mutter schickt die Kinder in die Schule damit sie es mal besser haben - nicht wegen dem Geld, das sowieso nie reicht. Da helfen die 95 R$ im Monat auch nicht. Die Miete für das barracao ist ja schon bei 140 R$ und das Haushaltseinkommen dürfte bei 500 bis 600 R$ liegen.
Aber solange diese Frau täglich um das Überleben ihrer Familie kämpfen muss, kann sie ja nicht gegen die fetten Säcke in Brasília wettern. Mit der bolsa familia kaufen die ja nur ihr Gewissen frei. Sonst ändert sich nichts. Soviel zum Thema brasilianische Sozialpolitik.



paz e amor
Severino


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BeitragVerfasst: 11 Sep 2007 18:01 
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Beiträge: 1838
In Brasilien wird "Bolsa Familia" auch "Bolsa Puta que pariu" genannt!


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 Betreff des Beitrags: Kacke
BeitragVerfasst: 12 Sep 2007 02:44 
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Registriert: 22 Aug 2006 14:59
Beiträge: 1166
Wohnort: Ceará
mehr als der Beweis, dass Du rudimentäres portugiesisch verstehtst sagt Dein Posting nicht aus.

Das die sogenannte Bolsa Familia nicht das gelbe vom Ei ist, sagt er übsersetzte Artikle schon aus.

Für alle dies noch nicht begriffen haben:

Obwohl die x Milliarden Reias neben der direkten Auszahlung an "Arme" auch noch einen stimulierenden Effekt haben (Arbeitsplätze) ist das Progamm keine Lösung auf lange Frist.

Nesse sentido


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