Brasilien: Das teuerste Land der Welt!

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Re: Brasilien: Das teuerste Land der Welt!

Beitragvon dimaew » Fr 25. Mär 2011, 13:20

TomBlues hat geschrieben:
bruzundanga hat geschrieben:Das Bankwesen ist hier in Br. eine der grössten Krücken wenn es um internationalen Tourismus geht. Hinterm Mond und unter aller S.... #-o

Wieso hinterm Mond? Denen geht's nur um's Geld verdienen und die Masche haben sie perfekt drauf. In Deutschland wären fast alle mit brasilienischen Banken geschlossenen Verträge sittenwidrig und würden alle brasilianischen Banken (zumindest die, die ich kenne) nach §291 StGB wg. gewerbsmäßigem Wucher in scherem Fall zu 6 Monaten - 10 Jahren Haft verurteilt werden. Nebenher wahrscheinlich noch wg. einer ganzer Reihe anderer Delikte, wie z.B. Nötigung


Sorry Tom, aber einen viel größeren Unsinn habe ich in letzter Zeit hier in diesem Forum nicht gelesen.

Hast Du Dir mal überlegt, wie das normale Bankgeschäft funktioniert? Insbesondere die Kreditvergabe? Weisst Du, wie sich die Banken - auch hier in Brasilien - refinanzieren? Hast Du eine Idee, welchen "Preis" die Banken für Kredite die sie selbst aufnehmen, z.B. beim Banco Central, bezahlen? Hast Du Dir schon mal angeschaut, welchen Zinssatz die Banken auf ein Sparkonto zahlen müssen, wie andere Formen der Geldanlage von den Banken finanziert werden?

Wenn man das alles berücksichtigt, einschließlich der gegenüber Europa - zumindest Deutschland, höheren administrativen Kosten, die nur zum Teil von den Banken selbst verursacht sind, ist die Gewinnspanne nicht wesentlich höher als in anderen Ländern. Und mit Sicherheit Lichtjahre von der Spanne entfernt, die in Deutschland (vergleichbar) als Wucher gilt. Mit Aussagen zu strafrechtlichen Folgen wäre ich an Deiner Stelle übrigens mehr als vorsichtig, denn auch dieses Forum ist nicht vom Zugriff zum Beispiel der Polícia Federal frei.
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Re: Brasilien: Das teuerste Land der Welt!

Beitragvon Almöhi » Fr 25. Mär 2011, 13:49

Da hast du aber auch ein Grundprinzip des Bankgeschäftes ausser Acht gelassen:

Was geschieht denn mit dem Geld, das sie als Kredit herausgeben ?

Es ist sofort wieder in ihrer Kasse !

Der Kreditnehmer nimmt das Geld um jemanden zu bezahlen, und der bringt das Geld zur Bank.
Und diese kann mit dem Geld einen neuen Kredit vergeben usw. usw. usw. ...

Man kann jetzt argumentieren, der brächte es zu einer anderen BAnk, aber das ist volkswirtschaftlich egal, die gesamte Summe wird immer auf alle Banken des Landes verteilt.

Das ist das Bankgeheimnis :P

Für mich ist Lula seit dieser seiner Äusserung unten durch. Für mich ist das ein Hampelmann, der es versäumt hat nachhaltig für die unteren Schichten etwas zu verbessern.

Grüessli,
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Re: Brasilien: Das teuerste Land der Welt!

Beitragvon ESMERALDAS » Fr 25. Mär 2011, 13:56

dimaew hat geschrieben:Wenn man das alles berücksichtigt,...
... dann bleiben aber trotzdem noch einige Merkwürdigkeiten übrig. Ich erinnere mich noch an das Jahr 2009 als die Bradesco für eingehende Überweisungen eine Gebühr von 1,50 R$ haben wollte. Bei einem Geldeingang von 1 R$ wurde also das Konto mit 1,50 R$ belastet, so dass nach der eingegangenen Überweisung 50 centavos weniger auf dem Konto waren.

Wenn ich 50.000 R$ hier zur Bank bringen will (CDB, NTN ... oder irgendwelche anderen verzinslichen Papiere), welche Bank erscheint da empfehlenswert? Die Angebote von Banco do Brasil, Bradesco, HSBC und Itau (bei dieser Summe angeblich mit gebührenfreiem CC) erscheinen mir bisher nur suboptimal.

Freue mich über Hinweise, schlechte (und gute) Erfahrungen mit Geldanlagen in Brasilien.
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Re: Brasilien: Das teuerste Land der Welt!

Beitragvon nonato » Fr 25. Mär 2011, 15:01

ESMERALDAS hat geschrieben:Wenn ich 50.000 R$ hier zur Bank bringen will (CDB, NTN ... oder irgendwelche anderen verzinslichen Papiere), welche Bank erscheint da empfehlenswert? Die Angebote von Banco do Brasil, Bradesco, HSBC und Itau (bei dieser Summe angeblich mit gebührenfreiem CC) erscheinen mir bisher nur suboptimal

Für CDBs würde ich die Hausbank nicht wechseln, da gibt es keine Unterschiede.

Interessanter wird es bei Schatzpapieren wie NTN. Dafür würde ich Dir Spinelli empfehlen, weil dort im Gegensatz zu den von Dir genannten Banken keine zusätzlichen jährlichen Verwaltungsgebühren (z.B. bei Bradesco 0,5% p.a.) berechnet werden.

Dafür lohnt sich fast schon ein eigener Thread, weil wir schon ganz schön weit vom Ursprungsthema abgekommen sind.
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Re: Brasilien: Das teuerste Land der Welt!

Beitragvon dimaew » Fr 25. Mär 2011, 15:09

@nonato, das Danke für den Vorschlag, einen eigenen Thread aufzumachen. Tipps zur Geldanlage sind gar nicht so einfach.

@Almöhi: Und wenn derjenige, der seine Ware verkauft hat nun den erhaltenen Betrag zur Bank bringt (was natürlich in den seltensten Fällen der Fall ist, da er ja wieder neue Ware anschaffen muss, als reinvestieren), was dann? Dann erwartet er natürlich auch eine Verzinsung für sein eingelegtes Geld. Außerdem muss auch da von Bankseite wieder eine "Bearbeitung" erfolgen, die Geld kostet. Das Bankgeschäft ist eben doch nicht so einfach, wie mancher sich das vorstellt - und "Geheimnisse" gibt es nur, weil irgendwelche Leute irgendwelches dummes Zeug erzählen, weil sie schlicht die Zusammenhänge nicht verstehen.

Nur zur Klarstellung: Ich will damit nicht sagen, dass die Banken hier wie in Europa nicht gutes Geld "verdienen", will sagen Überschüsse generieren. Und ob diese Überschüsse immer besonders gut angelegt sind (z.B. in immense Vorstandsgehälter) ist auch ein Frage, die man durchaus mal stellen darf. Es ist eben nur ein Kurzschluss, dass ein hoher Kreditzins zugleich Wucher bedeutet. Da steckt schon ein bißchen mehr dahinter.
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Re: Brasilien: Das teuerste Land der Welt!

Beitragvon Itacare » Fr 25. Mär 2011, 16:00

Was mich in dem ganzen Zusammenhang mal interessiert:

In Zeiten der Hyperinflation wurden die meisten Gehälter in Brasilien in einer Anzahl x an salarios minimos ausgedrückt.

Ist dem heute immer noch so?
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Re: Brasilien: Das teuerste Land der Welt!

Beitragvon dimaew » Fr 25. Mär 2011, 16:08

Itacare hat geschrieben:Was mich in dem ganzen Zusammenhang mal interessiert:

In Zeiten der Hyperinflation wurden die meisten Gehälter in Brasilien in einer Anzahl x an salarios minimos ausgedrückt.

Ist dem heute immer noch so?


Nein, ist heute wohl nicht mehr so, vor allem, weil die salário mínimo ja nicht einheitlich sind. Es gibt unterschiedliche sm für unterschiedliche Gruppen von Arbeitern/Angestellten. Dann gibt es auch zum Teil Unterschiede zwischen dem sm federal und estadual. Und schließlich wird für viele Berufsgruppen auch der Lohn zwischen des sindicatos und den Unternehmensverbänden ausgehandelt.
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Re: Brasilien: Das teuerste Land der Welt!

Beitragvon tinto » Fr 25. Mär 2011, 17:47

dimaew hat geschrieben:
Itacare hat geschrieben:Was mich in dem ganzen Zusammenhang mal interessiert:

In Zeiten der Hyperinflation wurden die meisten Gehälter in Brasilien in einer Anzahl x an salarios minimos ausgedrückt.

Ist dem heute immer noch so?


Nein, ist heute wohl nicht mehr so, vor allem, weil die salário mínimo ja nicht einheitlich sind. Es gibt unterschiedliche sm für unterschiedliche Gruppen von Arbeitern/Angestellten. Dann gibt es auch zum Teil Unterschiede zwischen dem sm federal und estadual. Und schließlich wird für viele Berufsgruppen auch der Lohn zwischen des sindicatos und den Unternehmensverbänden ausgehandelt.


Hmm, da habe ich wohl was verpasst, weill ich dachte, es gibt generell immer eine einheitlich minimale gesetzliche Lohnuntergrenze, die von niemanden unterschritten werden darf.

Das ist das eine; das andere, worauf du in den letzten Zeilen anspielst nennt man in Deutschland tarifliche Lohnuntergrenzen.

Interessant ist, dass zumindest vor rund 20 Jahren das deutsche und das brasilianische Arbeitsrecht sehr ähnlich waren. Das galt sowohl für das Individualarbeitsrecht, alsi insbesondere für den Arbeitsvertrag als auch für das kollektive Arbeitsrecht, also Betriebsvereinbarungen (z.B. über Arbeitszeit) und Tarifverträge (zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften (z.B. über Löhne). Auch die Multiplikationen vom Mindestlohn für einzelne Berufsgruppen entsprangen also der Einigung der Tarifpartner.
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Re: Brasilien: Das teuerste Land der Welt!

Beitragvon dimaew » Fr 25. Mär 2011, 18:29

@tinto: Wenn ich es richtig sehe, ist das von der Zentralregierung festgesetze salário mínimo diese "Untergrenze". Die BUndesstaaten können aber für sich einen höheren Mindestlohn festsetzen.

Wenn man nur die reinen Gesetzestxte vergleicht, sind die Regelungen in Deutschland und Brasilien tatsächlich noch recht ähnlich. Als Präsident Getúlio Vargas im zweiten Weltkrieg die CLT verfügte, waren die zusammengefassten Regelungen ja auch in einer Vielzahl von dem damaligen deutschen Recht hergeleitet. Aber wie das im Recht immer so ist: Zwischen dem geschriebenen Gesetzestext und der Anwendung dieses Textes in der Praxis können durchaus Welten liegen.
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Re: Brasilien: Das teuerste Land der Welt!

Beitragvon karlnapp » Sa 26. Mär 2011, 14:16

Die Meinungsvielfalt ist heutzutage auch in Brasilien gottseidank sehr vielschichtig und es werden immer mehr ernstzunehmende Stimmen laut, die eine Änderung des antiquierten Arbeitsrechts und die Abschaffung des Mindestlohns fordern, weil beide als Entwicklungshemmnisse angesehen werden.
Und so Manchem, der von Deutschland aus seinen Senf zu internen, brasilianischen Angelegenheiten dazugibt, möchte man antworten:
"Komm hierher und üb nochmal, dann versuch es noch einmal!"
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