Hohn und Spott musste sich Ronaldo nach seinen ersten WM-Auftritten gefallen lassen, doch nun hat der Superstar seine Kritiker zum Schweigen gebracht. Mit zwei Treffern schoss er die Selecao gegen Japan zum dritten Vorrundensieg.
Ronaldo hat seinen Torinstinkt noch nicht verloren (dpa)
Doch damit nicht genug, Ronaldo zog mit 14 Treffern mit dem besten WM-Torjäger aller Zeiten, Gerd Müller, gleich. In einem mitreißenden Spiel vor 65.000 Zuschauern in Dortmund glich der zuletzt heftig kritisierte Ronaldo (45.+1) zunächst die überraschende Führung der Japaner durch Keiji Tamada (34.) aus und sorgte schließlich mit seinem zweiten Tor (81.) für den krönenden Abschluss einer überzeugenden Darbietung der Brasilianer.
Die weiteren Treffer steuerten Juninho (53.) in seinem ersten WM-Einsatz und der Berliner Bundesliga-Profi Gilberto (59.) mit seinem ersten Treffer im Nationaltrikot bei. "Ich werde langsam wieder der Alte", sagte Ronaldo. "Ich werde mich lange an diesen Abend erinnern. Jetzt wollen wir so weitermachen." Auch der dreimalige Weltmeister Pelé war begeistert: "Das war das, was die Fans sehen wollten." Im Achtelfinale trifft der wieder erstarkte fünfmalige Champion am Dienstag in Dortmund auf WM-Neuling Ghana. Platz zwei in der Gruppe F sicherte sich Australien durch ein 2:2 gegen Kroatien.
Gleich auf fünf Positionen hatte Trainer Carlos Alberto Parreira sein Team umgebaut. Gilberto, Juninho, Cicinho, Gilberto Silva und Robinho durften von Beginn an ran und zeigten sofort, dass sie die Chance, sich durch überzeugende Leistungen in die Mannschaft zu spielen, nutzen wollten. Vor allem der 22 Jahre alte Robinho setzte als Sturmpartner von Ronaldo, dessen Kampfgewicht von 90,5 Kilogramm Konditionstrainer Moraci Sant'Anna ausgeplaudert hatte, Akzente.
In der munteren ersten Hälfte mit hohem Tempo und zahlreichen Torchancen versprühten ausgerechnet die bislang zu Bankdrückern degradierten Stars der Seleçao endlich die so schmerzlich vermisste Spielfreude. Auch Ronaldinho ließ sich nach bislang eher mäßigen Leistungen von seinen Mitspielern anstecken und harmonierte mit dem starken Juninho im Mittelfeld hervorragend.
Völlig überraschend fiel daher der Führungstreffer für den Asienmeister, bei dem Trainer Zico nach den enttäuschenden Auftritten gegen Australien (1:3) und Kroatien (0:0) sein Glück mit einer neuen Besetzung im Angriff versuchte. Der erstmals von Beginn an spielende Tamada rechtfertigte nach einem glänzenden Pass des gebürtigen Brasilianers Alex dann auch seine Nominierung.
Der Sturmlauf der Brasilianer wurde kurz vor der Pause belohnt, als Ronaldo per Kopf eine Vorlage seines Teamkollegen von Real Madrid, Cicinho, nutzte. Auch nach dem Wechsel machten die Ball-Zauberer dort weiter, wo sie vor der Pause aufgehört hatten. Fünf Minuten nach Wiederanpfiff legte Ronaldinho per Hacke quer auf Ronaldo, doch der verfehlte knapp das Ziel.
Besser machte es Juninho vom französischen Meister Olympique Lyon, bei dessen Schuss aus 25 Metern allerdings der bis dahin so glänzend haltende Kawaguchi kräftig mithalf und den Ball durch die Hände gleiten ließ. Gegen die Treffer von Gilberto und Ronaldo war der 30 Jahre alte Schlussmann allerdings machtlos.
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