Neue Mine lockt Glücksritter in den Amazonas-Regenwald. Fotoreportage von Victor R. Caivano
Von Timo Berger Die Goldproduktion geht heutzutage meist hochtechnisiert vonstatten. In riesigen Minen unter freiem Himmel werden täglich Tausende Tonnen Gestein bewegt und das Edelmetall chemikalisch ausgewaschen. Wenn die Fördermaschinen weiterwandern, bleiben gigantische Mondlandschaften zurück.
Doch der Mythos von »Eldorado«, der Goldstadt tief im Urwald, fasziniert die Menschen bis heute. Von Zeit zu Zeit entdecken Goldsucher Lagerstätten, wo das Edelmetall in Nuggetform vorkommt, so daß man es mit einer einfachen Ausrüstung – Spitzhacke, Schaufel und Sieb – abbauen kann. Zuletzt brach das Goldfieber in Eldorado do Juma, im brasilianischen Bundestaat Amazonas, aus. Mitte Dezember wurde 80 Kilometer südlich des beschaulichen Städtchens Apuà eine große Ader entdeckt. Tausende Goldgräber aus allen Teilen Brasiliens und den Nachbarländern zog es an den Ort. In wenigen Wochen rodeten sie fünf Hektar Regenwald, steckten ihre Claims mit Ästen und Seilen ab und trieben metertiefe Schächte in den Boden. Schnell wuchsen am Ufer des Rio Juma die Siedlungen, einfache Hütten aus schwarzer Plastik. Bars öffneten, wo die Goldsucher am Abend ihre paar Gramm Edelmetall schnell wieder loswerden können.
Schon einmal, Anfang der 80er Jahre, war der Amazonas das Ziel der Goldsucher gewesen. Zehntausende von ihnen erklommen die Serra Pelada im benachbarten Pará und verwandelten das Gebirge in einen riesige Zeche unter freiem Himmel. Mehrere Tonnen Gold wurden gefunden, in Eldorado do Juma sind es bislang schätzungsweise 500 Kilogramm. Zuletzt belief sich die tägliche Ausbeute auf sechs bis sieben Kilo. Das Metall wird in Apuà für 40 Real (ungerechnet 14, 60 Euro) das Gramm vertickt.
Doch das Gold reicht nicht für die vielen Glücksritter. Das Ende der Mine ist bereits in Sicht. Wer von Anfang an dabei war, berichtet das Nachrichtenportal von Apuà im Internet, hat seine Zelte schon seit ein paar Tagen abgebrochen. Der Gewinn der harten Arbeit ist längst in ein Häuschen, ein Stück Land oder einen fahrbaren Untersatz investiert. Dagegen strömen immer mehr professionelle Goldsucher nach Eldorado. Sie ziehen von Mine zu Mine und hoffen auf die Entdeckung neuer Adern. Das Gebiet, auf dem sich die Goldmine befindet, gehört José Ferreira da Silva Filho. Er kann weder schreiben noch lesen, doch der Kauf des Stück Regenwalds im Jahr 2004 war ein Glücksgriff. Für acht bis zehn Prozent Abgaben vergibt er jetzt Konzessionen an die Goldsucher. Doch seit sie immer weniger Nuggets finden, wollen einige von ihnen nichts mehr bezahlen. Die Stimmung sei mies, wie das Nachrichtenportal von Apuà weiter berichtet. Es kommt immer häufiger zu Auseinandersetzungen zwischen den Goldgräbern.
Bruder »Goiano« ist einer der Schürfer der ersten Stunde, die den Ort noch nicht verlassen haben. Neben der Mine hat er eine Evangelistische Kirche errichtet. Aber auch er ist nicht nur aus spirituellen Gründe geblieben, sondern hat angefangen, die bereits ausgeschwaschene Erde erneut aufzuschlammen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
http://www.jungewelt.de/2007/03-17/057.php