Zufriedenheit? Ja, das habe ich früher auch jedem Brasilianer abgenommen, der das behauptet hat ...
"Ich bin glücklich.
Ich bin arm, aber glücklich.
Und die (meine) Favela ist der schönste Ort der Welt!"
Ja, klar ...
Und auch das mit der Bescheidenheit ist eine Legende!
Ich werde nie vergessen, wie (m)eine (weltmeisterliche) Hohlkreuz-Traficante, von ihrer eigenen Ware völlig zugedröhnt, im Laberflasch über Gott und die Welt philosophierte: "Weißt Du, weißt Du, was ich glaube? Weißt Du, ich glaube, warum wir hier in Brasilien nichts auf die Reihe kriegen, liegt daran, dass wir, egal ob Mann oder Frau, den ganzen Tag nur ans F.denken (und an Party, Saufen, Drogen etc. pp.)!"
Nicht, dass Ihr mich falsch versteht. Ich genieße natürlich die unbeschwerte Einstellung der ("einfachen") Brasilianer, ihr Lächeln, die Fröhlichkeit, Unbekümmertheit, Spontaneität, das Einfache, Unkomplizierte bei ihnen. Leider habe ich dieselben Menschen schon niedergeschlagen, traurig, verzweifelt, traumatisiert, heulend, weinend, aufgebracht, schimpfend, streitend, wütend, kompliziert etc. pp. gesehen und erlebt.
Die Traficante hatte mir am Abend mehrere Hundert Reais ausgehändigt, die ich in den Hotel Safe zu meinen Scheinen und Dokumenten packte. Am nächsten Morgen gab ich ihr das Geld zurück. Sie bedankte sich artig, weil ich ihren Zustand nicht ausgenutzt hätte. Darüber lässt sich streiten ...

Einen Monat später, ich war wieder in Deutschland, erhielt ich den Anruf einer Bekannten: "Deine Freundin hat mit zwei Komplizen einen US-Amerikaner überfallen, ist von der Polizei geschnappt worden und sitzt im Knast." Das ist für mich Brasilien.