Brasilien ist ... immer nur mein Brasilien

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Brasilien ist ... immer nur mein Brasilien

Beitragvon dietmar » Sa 24. Mär 2007, 23:50

Nein, bei mir wachsen keine Palmen am Strassenrand. Auch den Strand kann ich von meiner Terrasse nicht sehen. Salzige Meerluft weht niemals kühlend über unser kleines Grundstück und Samba höre ich nur, wenn ich selbst die CD in die Stereoanlage einlege. Carnaval läuft maximal im Fernsehen und selbst die grünen Kokusnüsse gibt es nur ein paar Mal bei uns im Supermarkt. Die Klischees Brasilien sucht man daher bei mir vergeblich.

Und doch lebe ich in diesem riesigen Land voller Gegensätze. Irgendwo da unten, an einem kleinen Zipfel, welcher auf einer Landkarte dargestellt, Millimeterarbeit bedeutet. Von dort aus sind es nur ein paar Zentimeter in die grossen Metropolen. Ein paar Zentimeter, die Busfahrten von Berlin nach Mailand bedeuten. Ein paar Zentimeter, die einem Flug von Frankfurt nach Mallorca gleichkommen. Und da geht es gerade einmal von West nach Ost. Lasst uns daher bitte nicht von Breitengraden reden. Auch ich kenne „das Brasilien“ nur aus Erzählungen, Fernsehen, Internet. Ich kenne nur „mein Brasilien“.

Ein Brasilien voller Emotionen, voller Hoffnung, voller Verzweiflung. Ein Brasilien, welches zugleich Untergang und Aufstieg bedeutet. Menschen, die sich manchmal vergessen fühlen, aber nie vergessen können, ein Teil eines Volkes zu sein, welches der Zukunft stets positiv entgegenblickt. Sie sind wie ein Kolibri, der auf der Suche nach blühenden Landschaften durch meinen Garten fliegt. Jede Störung bedeutet Flucht. Jede Flucht beschreitet pfeilschnell neue Wege. Neue Wege bedeuten Anpassung. Anpassung bedeutet Überleben.

Überleben. Die Angst des eigenen Versagens zu überwinden. Das Vertrauen in sich und seine Familie zu besitzen, dass bei dem richtigen Glauben – ob nun religiöser Natur oder nicht – sich in der Zukunft der Schlüssel zur Vergangenheit befindet. Denn man lebt Heute. Und dieses ist bekanntlich Morgen Vergangenheit. Und die Fehler der Gegenwart, die man intuitiv macht, um die Intensität des eigenen Daseins zu spüren, müssen eben morgen, übermorgen und in den Wochen oder Monaten danach ausgebügelt werden.

Spiessige Deutsche nennen so etwas oftmals Leichtsinnigkeit. Sie unterstellen dann, dass Brasilianer dumm und ungebildet sind, nicht an die Zukunft denken und vor allem nicht mit der Geissel unserer Zeit, dem Geld umgehen können. Soll ich nun behaupten, dass sie dieses Geld in Gänze lieber an einem Abend intensiv geniessen als es häppchenweise wie der zivilisierte Mitteleuropäer auszugeben? Soll ich es wagen, darauf zu bestehen, dass es besser ist, lieber einmal im Monat richtig besoffen zu sein als jede Woche zweimal halb nüchtern? Wo liegt denn nun die ultimative Wahrheit? Wo der Respekt vor den Entscheidungen anderer? Wer mag und vor allem wer darf darüber urteilen?

Unglaublich aber wahr. Sie überleben. Mit dem einen ultimativen Fest, welches vielleicht noch Wochen danach abbezahlt wird. Doch es war es wert. Was haben sie denn sonst? Sie haben vielleicht eine Arbeit, aber Freizeit kennen sie nicht. Sie kennen Zeit, in der sie nicht arbeiten. Sie kennen sogar Urlaub, wobei sie meist nicht wissen, was sie nun anstellen sollen. Denn Hobbies kosten Geld. Sie werden somit wie die anderen Abende sonst auch auf dem Bürgersteig sitzen und sich mit den Nachbarn unterhalten. Bis es dunkel wird und die weltumspannende Fernsehunterhaltung naht. Denn für eine Reise ist kein Geld da. Und ausserdem ist morgen schliesslich wieder ein neuer Tag.

Ein Tag, an dem hier abermals keine Palmen am Strassenrand wachsen. Ein Tag, der erneut jegliches Brasilienklischee in Frage stellt. Ein Tag, an dem mir abermals Menschen voller Hoffnung begegnen werden. Menschen, die ihre Verzweiflung vielleicht bereits hinter der aufgehenden Sonne versteckt haben und trotzdem eine Zuversicht ausstrahlen, die mir das Herz öffnet. Ich mag diese Menschen. Es sind die Menschen in "meinem Brasilien". Sie sind nicht einfach zu verstehen, obwohl sie oftmals einfach sind. Es sind Menschen, die keinen Caipirinha trinken und Sand nur von den Bauarbeiten an ihrem Haus kennen. Menschen, die lieber ein Kilo Bohnen als eine grüne Kokusnuss kaufen. Und die dann und wann sogar Samba hören. Aber nur, wenn die Musik von meinem Haus aus über die Strasse weht.
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Beitragvon tinto » So 25. Mär 2007, 07:52

=D> =D> =D> =D>
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Schöne Grüße,
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Beitragvon gordo » So 25. Mär 2007, 07:56

Ein sehr schöner Bericht Brasilblogger, ist ja fast schon eine Liebeserklärung.
Das würde ich nicht schreiben wenn ich nicht wüßte das Du es von ganzem Herzen geschrieben hast.

Grüße nach Toledo, der Jürgen
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Beitragvon patecuco » So 25. Mär 2007, 11:09

Na also, wenn der Dietmar mal keine Flasche Cachaca intus hat wenn er nen thread schreibt, dann hört sich das doch schon viel positiver an.
In diesem Sinne : setzen , weitermachen....
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Re: Brasilien ist ... immer nur mein Brasilien

Beitragvon cebolinha » So 25. Mär 2007, 12:23

brasilblog hat geschrieben:Nein, bei mir wachsen keine Palmen am Strassenrand. [...] Aber nur, wenn die Musik von meinem Haus aus über die Strasse weht.

Vielen Dank für diese schöne Sonnatgmorgenlektüre.
Ich habe auch keine Palmen vor der Tür und den Sand haben hier nur die Nachbarskinder in der Sandkiste, aber in 30 min. bin ich an der Ostsee und werde mir dort die kalte Brise bei Frühlingssonnenschein um die Ohren wehen lassen ...
... und dabei ein wenig an den nächste Aufenthalt auf der Ilha do Mel denken.
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Beitragvon thomas » So 25. Mär 2007, 13:24

patecuco halt die klappe.
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Beitragvon Takeo » So 25. Mär 2007, 16:24

patecuco hat geschrieben:Na also, wenn der Dietmar mal keine Flasche Cachaca intus hat wenn er nen thread schreibt, dann hört sich das doch schon viel positiver an.
In diesem Sinne : setzen , weitermachen....


Oder hat er eventuell zu viel Cachaça intus???

Denn wenn man das Ganze mal genau analysiert, bleibt ausser netter Poesie und allerhand Schlagworten kaum was übrig...

Es tut mir leid, aber ich lass' mich von solchen Anschauungen nicht verblenden...
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Beitragvon lol » So 25. Mär 2007, 17:32

Ich finde den Text -wie üblich- wirr..... . Besonders der Zusammenhang
zwischen den Kolibris und dem bekannten Kohl-Zitat von den "blühenden
Lanschaften" hat sich mir irgendwie trotz Nachdenkens nicht erschlossen.
:lol:

Aber immerhin gehört Dietmar zu der hier im Board eher selten
vertretenen Fraktion, die die deutsche Rechtschreibung beherrscht.
Dafür ein Bravo!
:wink:
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Beitragvon patecuco » So 25. Mär 2007, 18:42

thomas hat geschrieben:patecuco halt die klappe.


Oooch,

was hat denn der kleine ........
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Beitragvon Careca » Mo 26. Mär 2007, 20:37

Toller Text. Emotio contra ratio.
Emotio ist der Ausgangstext.
Wie schön, dass dann ein paar Posts später ein dreischrötiger deutscher MG-Quadratschädel über seinen eigenen Fazenda-Cachaca-Konsum nachdenkt und zu keinem wirklichen Sch(l)uss kommt ...
Abraços
Careca

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MfG Microsoft"
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