Takeo hat geschrieben:
007, ich arbeite jetzt seit 10 Jahren in der Forschung & Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln. Wir garantieren unsere Produkte - bis sie auf den Markt kommen haben sie in unzähligen Versuchen unzählige Tests bestanden. Wir veranstalten die ganze Zeit 'Treinamentos' über die richtige technische Anwendung: d.h. welches Produkt, welche Mischung für welche Ziele etc... wir machen auch noch unzählige 'Treinamentos' für unzählige Zielgruppen über die sichere Anwendung (sprich Manuseio), über "uso de EPI", über sichere und richtige Aufbewahrung und Rückgabe leerer Behältnisse etc. etc. etc... Aber irgendwann können wir auch nicht mehr garantieren, wenn irgendwelche Oberschlauen es plötzlich besser wissen wollen... Deshalb bedenke: die 'Grossen' werden kontroliert und machen allein schon aus kostengründen i.d. R. alles richtig - die Kleinen, glauben oft alles besser zu wissen, und machen was sie wollen...
Wer die "treinamentos" kennt darf mitreden. Wer nicht muss schweigen.
Aber wer die Durchführung der "treinamentos" kennengelernt hat, der weiß, was von der folgenden Aussage zu halten sein muss. Und zwar einiges bis manches bis hin zu ersuctem vielem:
Takeo hat geschrieben:
Bevor, und während ein Pflanzenschutzmittel auf dem Markt ist, werden jährlich und zu vorgegeben Zeiten Begleitversuche betrieben, wo genau so wie es landwirtschaftliche Praxis (GLP) ist, der Anbau minutiös simuliert wird; es muss minutiös alles notiert werden was während des Anbaus passiert (ohne Scheiss: selbst wenn ein Hund durch den Versuch läuft, MUSS das notiert werden). Es wird ständig Pflanzenmaterial und später Erntematerial - vom Unreifen bis zum Erntereifen - entnommen, und in speziellen Residuallabors, auf Rückstände von etwaigen Pflanzenschutzmitteln oder deren Metaboliten überprüft. Man macht dazu Blottertests, ELISA, Gaschromatographie und vieles mehr. Das ist alles streng reglementiert und wird genauestens eingehalten! Nur Pflanzneschutzmittel, die keinerlei Rückstände hinterlassen, bekommen ihre Registration, die übrigens auch ständig erneuert werden muss... Übrigens, alles Gründe, warum Pflanzenschutzmittel so ewig teuer sind.
Natürlich muss selbst der durchs Feld laufende Dackel notiert werden, WENN er denn von der beobachtenden Person gesehen wird. Das Gegenteil kann freilich niemand dem Beobachter nachweisen, wenn er den Dackel nicht notiert haben sollte. Das läuft dann unter "menschlicher Fehler". Die Regeln sind hart, der menschliche Faktor ist das Weichteil. Es gibt zwar eine untere Toleranzgrenze, aber in der Toleranzbreite ist einiges machbar und nicht machbar. Empirik beruht nun mal auf die Beobachtung des Menschen und keiner ist davon perfekt. Ich kenne hinreichend und wirklich ausreichend F&E-Bereiche und deren Schwachstellen sehr genau. Und diese Schwachstellen sind im allgemeinen jeder Branche bekannt, wenn es um F&E geht. Rückrufaktionen sind das Ergebnis solcher Schwachstellen. Oder auch öffentliche Entschuldigungen als Resultat dieser (wie neulich bei Matell). Das ist nicht branchenspezifisch.
Die Testvorgaben sind nun mal so vorgeschrieben, so wie takeo es kurz angerissen hat. Sie sind sehr detailliert und sehr hoch nivelliert. Drunter geht nichts. Aber das mit dem "genaustens eingehalten" ist immer noch innerhalb einer Toleranzbreite und deren Risikoabschätzung in den vorgegebenen wissenschaftlichen Rahmenbedingungen gegeben. Wir wissen doch alle was darunter zu verstehen ist. Das sind nicht gesundheitliche Erwägungen sondern knallharte rechtliche und wirtschaftliche Aspekte, welche u.a.a. von interdisziplinären Rechtsexperten abgeschätzt und beurteilt werden. Und diese müssen nichts mit den real existierenden Situationen zu tun haben. Ansonsten wäre Rauchen schon längst weltweit untersagt worden.
Wer ein wenig statistische Versuchsmethodik und deren Residuen kennen gelernt hat, weiß was von obigen Aussagen von takeo zu halten ist. Maximal die Aktien der Unternehmen. Ansonsten nur noch das gesunde Mißtrauen und der gesunde Menschenverstand.
Das heißt freilich auf keinen Fall, dass takeo in seinem F&E-Bereich nicht versucht, das Restrisiko zu minimieren und für sein Unternehmen ein wirtschaftliches Restrisiko zu vertreten. Das ist nicht nur in der stark reglementierten Lebensmittelbranche so, sondern auch in anderen Wirtschaftsbereichen (insb. verstärkt in der Kernkraft). Das heisst nicht, dass takeo nicht von seiner Position aus Recht hat. Er wird es haben. Und er wird immer im Spagat von aufrichtiger Qualitätserfüllung und Wirtschaftsanforderungen stehen. Lein leichter Job.
Aber er steht dafür. Ansonsten hätte er ja auch Baumwollpflücker werden können.
Und ob überhaupt Gifte in Früchte reinwandern, liegt nicht an sein Wirtschaftunternehmen, sondern an mafiöse Bestrebungen von Agrariern, die mal locker mehr verdienen wollen. Auf Kosten anderer.
Die Gründe, warum Pflanzenschutzmittel (Gifte für Bedrohungen bestimmter Arten) so unpreiswert sind, diese Gründe liegen überhaupt nicht ausschließlich in der Forschung begründet. Das ist romatische Schwärmerei eines R&D-Beschäftigten, der seinen Job nicht unter Wert verkauft wissen möchte. Dabei ist die realität viel brutaler. Eine Begründung allein auf jene Begründung basierend ist unternehmensfremd und der freien Wirtschaft widersprechend. Im Kommunismus wäre so eine Argumentation eher verständlich. Bei der Preisfestlegung spielt R&D sicherlich eine Rolle, aber die Leaderposition hat sie definitv nicht definiert. Das bestätigt auch jeder Betriebswirtschaftler. Denn Preise folgen selten bis kaum dem Schweiße der R&D-Leute sondern rein marktwirtschaftlichen Interessen der Verkäufer, die auch vor Serviettenunterschriften nicht zurück schrecken. Und darunter leiden dann R&D-Leute wie takeo. Das ist unbestreitbarer Fakt.