Brasilien, schoen und doch nicht ideal. Wir verlassen es!

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Re: Brasilien, schoen und doch nicht ideal. Wir verlassen es!

Beitragvon supergringo » Mi 11. Jun 2008, 10:06

Wie bei allem anderen auch darf man pauschalisieren, muss aber trotzdem jeden Einzelfall getrennt voneinander analysieren.

In diesem Fall stehen wohl zwei Faktoren im Vordergrund. Die Kinder bzw. deren Zukunft und die Annahme, in Australien aufgrund von familiären Bindungen schneller Fuß fassen zu können, als anderswo.

Dass man erst einmal Europa nicht ins Auge fasst, kann ich gut verstehen. Das wäre ein „Back to the roots“, vor dem man ja ursprünglich eigentlich ausgebrochen ist.

Die Zeiten ändern sich und damit die Sichtweisen, bedingt durch Erfahrungen und Veränderungen im Privatbereich. Wäre ich ein verantwortungsvoller, treusorgender Vater und ebensolcher Ehemann würde ich ganz sicher auch nicht in Brasilien leben wollen. Andere, die das tun, will ich aber damit nichts Gegenteiliges unterstellen. Es kommt ja immer darauf an, wo man lebt, wie man sein Geld und wie viel man davon verdient. Letztens kam im (echten) ZDF ein Auswanderungsbericht. Ein Ehepaar mit Riesengrundstück schickt ihre zwei Söhne ins Internat nach Deutschland, in den Ferien kommen sie zu Besuch. Die genießen eine Top Ausbildung und werden ihren Weg machen, wahrscheinlich in Brasilien. Wer über solche Möglichkeiten verfügt, lebt auf der Sonnenseite in diesem Land. Mit diesen Voraussetzungen würde ich dann vielleicht auch anders denken.

Familien mit Kindern hat es bei diesem Bericht übrigens allesamt in den Süden oder zumindest in den Südosten des Landes verschlagen.
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Re: Brasilien, schoen und doch nicht ideal. Wir verlassen es!

Beitragvon Westig » Mi 11. Jun 2008, 16:44

Kinder ins Internat nach Deutschland, einzige Alternative zur Ausbildung und Erziehung in Brasilien? Oder nur im Süden des Landes leben?

Es geht auch anders. Für sehr viele Kinder (und für viele Eltern) ist das Internat ein Horror, vor allem wenn sie vorher in Brasilien ein intensives Familienleben genießen konnten und ein dichtes und großes soziales Umfeld. Im Auswärtigen Amt gibt es umfangreiche Studien über die in Internaten (z.B. Kiel und Salem, wo sich viele Diplomatenkinder tummeln) entstehenden Verhaltensmuster und die Verhaltensweisen, die durch Beibehalt der Kinder im jeweiligen Gastland entstehen. Und ob "Internatskinder" in jedem Fall ihren (guten) Weg gehen, bleibt ebenso dahingestellt wie die Zukunft von Kindern, die zusammen mit ihren Eltern in Brasilien leben. Ganz andere Dinge sind entscheidend.

Und auch in Brasilien und nicht nur im "entwickelten" Süden kann man als Ausländer dafür sorgen, dass seine Kinder ausgezeichnete Erziehung und auch gediegene und umfassende schulische Ausbildung bekommen, die noch dazu teilweise weitaus stressfreier als in einem Gymnasium in Deutschland ablaufen kann.

Auch die interkulturelle Situation, Mehrsprachigkeit, Einüben von Gelassenheit und von Toleranz sind große Werte, die man seinen Kindern in Brasilien vermitteln kann. Wenn man will.

Jeder und jede hat da unterschiedliche Vorstellungen: es gibt Deutsche mit langen Lebensjahren in Hauptstädten in Nordost-Brasilien, die keinerlei Wert auf "deutschen Bezug" legen, und deren Kinder nach Abschluss der Secundaria keinen Satz korrekt Deutsch sprechen und Schulenglisch nur, wie es halt normalerweise in Recife oder in Salvador oder Fortaleza auf dem Gymnasium vermittelt wird. Die aber dennoch in Brasilien dann ihren Weg finden.

Es gibt andere, die Wert darauf legen, dass ihre Kinder ausgezeichnet Deutsch und Englisch sprechen, dies systematisch und mühevoll mit deutschen Kinderbüchern, Videos, Privatunterricht etc. verstärken, und deren Kinder dann ohne weitere Probleme an einer Hochschule in Deutschland oder in den USA studieren können, auch ohne Internat in Salem oder in Kiel. Und von denen manche dann nach Brasilien zurückkehren, in anspruchsvolle Positionen.

Alles in erster Linie eine Sache der Einstellung, und auch, und da haben die obigen Autorinnen und Autoren wohl Recht: des Geldes. Bzw. der Prioritäten, für die man sein Geld ausgibt.
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Re: Brasilien, schoen und doch nicht ideal. Wir verlassen es!

Beitragvon cwoern » Fr 4. Jul 2008, 14:26

So, nachdem ich nun in OZ bin, will ich mich auch wieder melden. Nein, Geld ist nicht alles, aber es nicht zu haben (und ich meine nicht fuer Luxus, sondern fuer aus meiner Sicht wichtige Dinge wie Schulbildung oder Arztbesuche), kann bedrueckend sein.
Ich moechte einfach diesen Tag nicht erleben wollen, und er koennte eben in BR schneller kommen, als woanders - generell gesprochen, in entwickelteren Laendern.
Ich bin durchaus Realist (und habe auch schon etwas von der Welt gesehen) und erwartete und erwarte nicht das Schlaraffenland hier, doch sind einige Voraussetzungen einfach besser, wenn man ein Familienmensch ist, bzw. geworden ist.
Es gibt von staatlicher Seite speziell fuer die Kinder Unterstuetzung, dabei rede ich nicht primaer von Geld. Sei es Aktivitaeten, die angeboten werden oder funktionierende Beratungsstellen.

Thema Herzlichkeit: Nicht so wie in Brasilien, ganz klar. Allerdings gibt es in BR auch oft falsche Freundlichkeit, nur zu oft habe ich erlebt, wie auch unter Freunden in BR gnadenlos beschissen und betrogen wird. Ich will das nicht verallgemeinern, aber dieses ewige "tudo bem", "grande amigo meu", "irmao"... ist nicht immer aufrichtig.

Kosten hier:
- Grundnahrungsmittel, Fleisch, und Obst teurer
- verpackte Produkte (H-Milch, Kuchen, Suppen, Windeln...) genauso teuer wie in BR.
- Autos, Versicherungen billiger
- Sprit: Genauso/etwas teurer
- Service: Um etliches teurer
- Elektrogeraete: Billiger
- Escolinha/Kindergarten: Wenn privat zu bezahlen und nicht bezuschusst, dann wesentlich teurer. Ab Vorschule keine weiteren (grossen) Kosten.
-Alkohol/Bier: Erheblich teurer
Hier habe ich mich auf Melbourne und Sao Paulo bezogen

Exotenfaktoren:
- Natuerlich nicht zu vergleichen mit BR, eher englisch (Ostkueste).
- Frauen: Um Laengen schlechter

Lebensqualitaet:
Das mag jeder anders beurteilen, und auch meine Sicht hat sich ueber die Jahre veraendert, doch wenn ich es mit Rio, BH oder Sao Paulo vergleiche, dann
- sauber
- Kaum Graffitie
- Kriminalitaet um ein vielfaches geringer
- Ordentliche Strassen
- Saubere Parkanlagen
- Ueberall gepflegte Kinderspielplaetze
- Funktionierende Ordnung/Polizei
- Keine umzaeunten Festungen/Condominio, statt dessen wohnen unglaublich viele Melbourner in Haeusern ohne Zaeune in laendlich anmutenden Stadtteilen mit Kindern auf den Strassen, eben so, wie man sich die "heile, kitschige" Welt so vorstellt :-)
...

Wie oben gesagt, nicht alle Faktoren waren fuer mich als Single bzw. ohne Kinder so von Bedeutung, heute sind sie es schon. Es gibt jedoch einige Dinge, die ich schon vermisse.

- Essen, Restaurant mit brasilianischer Qualitaet und Preisen
- Den etwas milderen Winter

So, wie man sich auch von BR nicht innerhalb eines Jahres ein Gesamturteil bilden kann (ich war 9 Jahre dort, kenne viel, habe von Rio Grande do Sul bis MG gelebt), kann ich es auch (noch) nicht von hier. Sicherlich wird mir einiges nach erst einem halben Jahr auffallen, aber das Paradies auf Erden gibt es wohl nirgendwo.

Gruss aus OZ,

Christian
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Re: Brasilien, schoen und doch nicht ideal. Wir verlassen es!

Beitragvon mikelo » Fr 4. Jul 2008, 16:38

cwoern hat geschrieben:
Gruss aus OZ,

Christian


wuensche dir viel glueck :!:
o sol nasce pra todos; a sombra pra quem merece.

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Re: Brasilien, schoen und doch nicht ideal. Wir verlassen es!

Beitragvon BrasilJaneiro » So 6. Jul 2008, 17:22

cwoern hat geschrieben:Hallo,

Leb´wohl Brasilien. Vor rund 9 Jahren kam ich als Single her und fand alles neu und spannend, die Mark war noch etwas wert und es hat sich neben vielen anderen Dingen eben auch finanziell gelohnt, hier zu sein (besonders, wenn man seine Kohle aus Europa bekam).

Die Jahre vergingen, irgendwann habe ich hier geheiratet, wir haben heute 2 Kinder und haben uns schon laenger gefragt, ob es noch so vorteilhaft wie frueher fuer uns hier ist.
Obwohl wir uns hier (fast) immer wohl fuehlten, hat sich doch einiges geaendert. Heute steht der Entschluss fest, am 02.06. sitzen wir im Flieger, die neue Heimat wird Australien sein.
Sicher auch nicht alles optimal da, aber folgende Gruende fuehrten dazu, dass wir uns um eine Permanet Residence dort bewarben (und bekamen):

[..]

Gruss Christian


Vielleicht könntest du jetzt schon den ersten Erfahrungsbericht aus Australien uns mitteilen, damit wir uns ein Bild machen können. Bist doch jetzt schon 4 Wochen da.
Nicht wissen, aber Wissen vortäuschen, ist eine Untugend. Wissen, aber sich dem Unwissenden gegenüber ebenbürtig verhalten, ist Weisheit.
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Re: Brasilien, schoen und doch nicht ideal. Wir verlassen es!

Beitragvon cwoern » Mi 9. Jul 2008, 10:33

BrasilJaneiro hat geschrieben:
cwoern hat geschrieben:Hallo,

Leb´wohl Brasilien. Vor rund 9 Jahren kam ich als Single her und fand alles neu und spannend, die Mark war noch etwas wert und es hat sich neben vielen anderen Dingen eben auch finanziell gelohnt, hier zu sein (besonders, wenn man seine Kohle aus Europa bekam).

Die Jahre vergingen, irgendwann habe ich hier geheiratet, wir haben heute 2 Kinder und haben uns schon laenger gefragt, ob es noch so vorteilhaft wie frueher fuer uns hier ist.
Obwohl wir uns hier (fast) immer wohl fuehlten, hat sich doch einiges geaendert. Heute steht der Entschluss fest, am 02.06. sitzen wir im Flieger, die neue Heimat wird Australien sein.
Sicher auch nicht alles optimal da, aber folgende Gruende fuehrten dazu, dass wir uns um eine Permanet Residence dort bewarben (und bekamen):

[..]

Gruss Christian


Vielleicht könntest du jetzt schon den ersten Erfahrungsbericht aus Australien uns mitteilen, damit wir uns ein Bild machen können. Bist doch jetzt schon 4 Wochen da.


??? Habe ich doch 2 Beitraege oben. Nach 2 Bewerbungen habe ich bereits einen interessanten Job bei etwas ueberdurchschnittlichem Gehalt gefunden, die Kinder sind in der Daycare und Kindergarten und fuehlen sich sehr wohl.

Schei... kalt hier (8 Grad, Regen).

Einen endgueltiegn Vergleich kann man natuerlich nicht nach 4 Wochen machen, ich denke, erst nachdem ich hier 1-2 Jahre verbracht habe und die Negativseiten deutlich wurden und ich alle Pros und Contras in die Waagschale werfen kann, kann ein Resume erfolgen.

Meine Entscheidung soll auch nicht bedeuten, dass diese fuer jeden die richtige sein wuerde, es war ja schliesslich ein Entschluss, der auf meine familiaere Situation zugeschnitten ist.

Gruss Christian
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