Brasilien - Traum oder Alptraum ?

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Re: Brasilien - Traum oder Alptraum ?

Beitragvon Neosi » Mi 7. Nov 2007, 22:42

@ Jacare

Wie alt sind denn die Kinder ungefähr? Bzw. fehlen denen noch viele Jahre an Schul/Berufsbildung?

Ich habe es bei einem Kollegen gesehen, der sein "Kind" in Dt. zurückgelassen hat, dort hat es eine Ausbildung gemacht, weiter im Haus der Eltern gewohnt und jetzt überlegt es nachzugehen. Allerdings war sie eben auch damals schon kurz vor dem 18.Geburtstag... bei Kleinkindern würde sowas natürlich nicht funktionieren.

In welcher Ecke von Brasilien würdest du denn gern leben?
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Re: Brasilien - Traum oder Alptraum ?

Beitragvon Timao » Do 8. Nov 2007, 06:01

Ich habe 4 Jahre in Brasilien damals gearbeitet und natuerlich das erstmal alles mit rosaroter Brille gesehen (war damals 25 Jahre alt) , als expat frisch aus Deutschland in ner deutschen Firma was es ein Traum, Empregada die alles aufraumt, Reisen ins Pantanal, Amazonas, Anden usw, Auto, Frauen aufreisen gehen am Wochenende (war 2 Jahre single), Churrasco und Cerveijas mit Freunden usw. - es war einfach toll was ich in den 4 Jahren gelebt habe (auch die 2 Jahre verheiratet).

Nur ist die o.g Realitaet nur einer kleinen Minderheit in BR vergoennt und das sogennante "normale Leben" ist dort ein Ueberlebenskampf der gar nicht so lustig ist (die meisten Brasilianer kennen ihr eigenes Land gar nicht, warum wohl...). Meine EX Frau war aus der oberen Mittelschicht und durch ihre Famile konnte man eine Idee bekommen wie es den Leuten geht (und das in der oberen Mittelschicht). Schulden, kein Geld, Arbeitslosigkeit und immer der Statuszwang (man zeigt ja gerne was man hat..) usw, gehoeren zum Alltag. Solche Leute in Deutschland haetten sich wahrscheinlich schon erschossen, aber ich war immer erstaunt auf der anderen Seite wie "leicht" sie diese Probleme sahen und immer wieder einen "Jeitinho" fanden das es irgendwie weitergeht. Am Ende wurde dann immer improvisiert und alle haben an Wochenende bei Churrasco und Bier wieder froehlich gelacht,was hingegen morgen passiert - vamos ver....

Trotzdem wenn ich mir andere Laender anschaue bin ich immerwieder aufs Neue von Brasilien begeistert, diese Leichtigkeit ist genau was uns Nordeuropaern doch so gefaellt. Allerdings moechte ich diese "Leichtigkeit" nur in Brasilien permanent nur leben mit einer gehoerigen Portion Sicherheit und dafuer kann ich warten=sparen.

Ich habe auch Freunde in Brasilien die ganz lokal im interior leben - jedem das seine.
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Re: Brasilien - Traum oder Alptraum ?

Beitragvon Severino » Do 8. Nov 2007, 13:39

Timao hat geschrieben:.....Trotzdem wenn ich mir andere Laender anschaue bin ich immerwieder aufs Neue von Brasilien begeistert, diese Leichtigkeit ist genau was uns Nordeuropaern doch so gefaellt. Allerdings moechte ich diese "Leichtigkeit" nur in Brasilien permanent nur leben mit einer gehoerigen Portion Sicherheit und dafuer kann ich warten=sparen....

Da steckt eine wichtige Aussage drin:
1. In Brasilien ist jeder auf sich gestellt. Wer genügend finanzielle Mittel hat, der kann sich durchaus ein "gutes" Leben mit europäischem Niveau leisten.
2. Wer zuwenig finanzielle Möglichkeiten hat, der (über)lebt in Brasilien und zwar so, wie etwa 160 Millionen Einheimische auch.
Natürlich gibt es oft auch noch irgendwas dazwischen....
Die Frage zu welcher Kategorie ein Auswanderer tendiert, muss jeder für sich selbst beantworten. Ebenso was einem im Leben wichtig ist. Die "Leichtigkeit" des Seins, die Zukunft der Kinder, die finanzielle Absicherung oder was auch immer. Das unterscheidet die Brasilienträumer von den anderen. Und dabei nie vergessen: In Brasilien ist der Gringo als spendabler Tourist sehr gerne gesehen. Als Einwanderer ist man einfach ein Ausländer mehr....
paz e amor
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Re: Brasilien - Traum oder Alptraum ?

Beitragvon mikelo » Do 8. Nov 2007, 16:03

Severino hat geschrieben: Ebenso was einem im Leben wichtig ist. Die "Leichtigkeit" des Seins, die Zukunft der Kinder, die finanzielle Absicherung oder was auch immer. Das unterscheidet die Brasilienträumer von den anderen. Und dabei nie vergessen: In Brasilien ist der Gringo als spendabler Tourist sehr gerne gesehen. Als Einwanderer ist man einfach ein Ausländer mehr....


sehr gut formuliert. und jeder tag ist ein abenteuer. jede woche eine neue herausforderung :!:
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Nur für Bewohner des Kantons Zürich/auch auf dumpfe Trolle anwendbar
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Re: Brasilien - Traum oder Alptraum ?

Beitragvon Neto » Do 8. Nov 2007, 16:48

Severino hat geschrieben:
Es gibt ja sogar im Forum ein paar die es geschafft haben. Das beste Beispiel ist für mich Neto. Wer seine Beiträge verfolgt hat, der weiss, dass er schon schlechte Zeiten hinter sich hat und heute sehr zufrieden ist und das Leben geniessen kann. Und ich glaube nicht, dass Du Neto selbst für viel Geld wieder zurück nach Deutschland kriegst....



oi Severino,

als selbstständiger Realverdiener lebe ich nach wie vor auf einer Seifenblase und gebe
sorgfältigst acht, dass sie nicht platzt.
Das ´Seifenblasenleben´ bin ich allerdings schon von Euro und D-Mark Zeiten gewöhnt.
In die Heimat zieht mich tatsächlich nichts, rein gar nichts.
Das Land hat mich enttäuscht, die bewusste Ausrottung vom Klein- und Mittelstand stinkt zum Himmel.
Ich erspare mir, die orientierungslose, korrupte Politik anzusprechen.

Ohne Geld nach Brasilien zu gehen ist unmöglich, es müssen aber keine Unsummen sein.
60 Euro Riesen sind eine angenehme Summe, für Luxus in unserem Sinne reicht es nicht.
Die Mentalität zu verstehen, akzeptieren und grösstenteils annehmen, das finde ich wichtig.
Ansonsten ist man in kurzer Zeit reif für die Klappsmühle, speziell im Norden.
Ich kenne einige, die haben alles und sind nur am schimpfen auf Brasilien und die Brasilianer.
Ich frage mich, was wollen die hier ?
Für manche wird es ein Alptraum wegen der falschen Frau, manche werden vom Familienclan
bis zur Unterhose ausgezogen, andere versumpfen in Alkohol und Drogen.
Genug traurige Beispiele habe ich die letzten Jahre mitbekommen.
Falsche Freunde, die gerne abzocken, stehen immer auf der Liste, sie lauern wie die Geier.

Es gehört sicherlich etwas Mut zum Auswandern, Sprachkenntisse gehören dazu,
ein paar Scheine, Visumschancen, ein Plan, Wille und wollen, dann klappt´s.
Der Spruch mancher Freunde in D, in 3 Jahren bleib ich in B, ist alt.
Nach 3 Jahren heisst es, ich warte noch 3 Jahre, dann 4 Jahre...........das wird nix.

Brasilien ist teuer geworden, der Tourismus lahmt.
Die Lebensmittelpreise haben teilweise europäischen Standart.
Babymilchpulver schnallte von 4.- Reais auf 8,40 Reais, unser Zimmermädchen ist davon betroffen.
Sie regt sich nicht auf, schimpft nicht, es ist halt so.
Die letzten 5 Jahre habe ich viel gelernt und erlebt, Himmel und Hölle.
Fazit: meine Knochen werden hier verschaufelt, aber hoffentlich nicht heute :D

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Re: Brasilien - Traum oder Alptraum ?

Beitragvon Severino » Do 8. Nov 2007, 17:01

Neto hat geschrieben:.......Es gehört sicherlich etwas Mut zum Auswandern, Sprachkenntisse gehören dazu,
ein paar Scheine, Visumschancen, ein Plan, Wille und wollen, dann klappt´s.
Der Spruch mancher Freunde in D, in 3 Jahren bleib ich in B, ist alt.
Nach 3 Jahren heisst es, ich warte noch 3 Jahre, dann 4 Jahre...........das wird nix.

Brasilien ist teuer geworden, der Tourismus lahmt.
Die Lebensmittelpreise haben teilweise europäischen Standart.
Babymilchpulver schnallte von 4.- Reais auf 8,40 Reais, unser Zimmermädchen ist davon betroffen.
Sie regt sich nicht auf, schimpft nicht, es ist halt so.
Die letzten 5 Jahre habe ich viel gelernt und erlebt, Himmel und Hölle.
Fazit: meine Knochen werden hier verschaufelt, aber hoffentlich nicht heute :D

Neto

Neto, alleine für diese Zeilen hättest Du den brasilianischen Pass verdient, denn Du bist Brasilianer.
Kenne auch ein paar Landsmänner in und um Anápolis. Keiner ist zufrieden. Alle nur am Jammern. Da frag ich immer nur: Was wollt ihr eigentlich hier? Verkauft doch euren Krempel und geht nach Hause....
Brasilien ist nunmal nicht Deutschland. Und die Real-Verdiener haben ein hartes Brot (Ausser sie sind Politiker, Bürgermeister usw.)...
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Re: Brasilien - Traum oder Alptraum ?

Beitragvon Lemi » Do 8. Nov 2007, 17:06

Neto hat geschrieben:Ich erspare mir, die orientierungslose, korrupte Politik anzusprechen.


Dan ist aber Brasilien auch nicht gerade die richtige Destination. Eventuell sollte man in diesem Falle nach Finnland oder Schweden auswandern.
Man sieht sich,
In der Unterschicht
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Re: Brasilien - Traum oder Alptraum ?

Beitragvon Erik » Do 8. Nov 2007, 17:37

Neto hat geschrieben:Die letzten 5 Jahre habe ich viel gelernt und erlebt, Himmel und Hölle.
Fazit: meine Knochen werden hier verschaufelt, aber hoffentlich nicht heute :D


Die Kosten fürs Lebensunterhalt haben sich in dieser Zeit mehr wie verdoppelt, aber zurück niemals :!: :!:
I took an IQ test and the results came back negative.
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Re: Brasilien - Traum oder Alptraum ?

Beitragvon Neto » Do 8. Nov 2007, 18:08

Lemi hat geschrieben:
Neto hat geschrieben:Ich erspare mir, die orientierungslose, korrupte Politik anzusprechen.


Dan ist aber Brasilien auch nicht gerade die richtige Destination. Eventuell sollte man in diesem Falle nach Finnland oder Schweden auswandern.


oi Lemi,
ganz klar, dass die brasilianische Politik nicht das gelbe vom Ei ist.
Der Unterschied zu D ist jedoch, dass es in B schon immer so war, schlimmer als heute,
was die Bevölkerung betrifft.

In D war es nicht immer so.Es gab sogar Zeiten, da fühlte ich mich in D pudelwohl und sicher, bzw. abgesichert.
Man konnte sogar manchen wenigen Worten der Politiker glauben schenken.
1989 wurde der Wohlstandsstaat D begraben und der schlechte Witz ist, die Herren und speziell die Dame schaufeln wie die Wilden.

Ich höre schnell wieder auf über Politik zu schreiben, der Tag ist zu schön.

Neto
Zuletzt geändert von Neto am Do 8. Nov 2007, 18:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Brasilien - Traum oder Alptraum ?

Beitragvon bruzundanga » Do 8. Nov 2007, 18:21

@neto
Ein gesunder pragmatischer Realismus.

Dampfplauderer und (Alp)Träumer sollten sich das zu Herzen nehmen.

Que a nossa despedida se adie.
In einen hohlen Kopf geht viel Wissen (Karl Kraus)
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