Brasilien und seine Freunde ???

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Re: Brasilien und seine Freunde ???

Beitragvon paoamerelo » Mi 7. Mär 2012, 14:54

cabof hat geschrieben: Waren
das noch Zeiten wo der BR sofort verklärte Augen bekam als er die grünen US Scheinchen beim Gringo erspähte... kennen Sie doch auch
noch, Herr Karlchen - oder nicht?

nein das kennt karlchen nicht,denn er hat mit DDR Mark gewedelt und die wollte keiner
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Re: Brasilien und seine Freunde ???

Beitragvon karlnapp » Mi 7. Mär 2012, 15:42

cabof hat geschrieben:Waren das noch Zeiten wo der BR sofort verklärte Augen bekam als er die grünen US Scheinchen beim Gringo erspähte... kennen Sie doch auch noch, Herr Karlchen - oder nicht?

Da muss ich bedauerlicherweise passen, Herr caböfchen. Ich kam am 31. Dezember 1983, in aller Herrgottsfrühe, zum ersten Mal in Brasilien, Rio de Janeiro, an und verbrachte die Neujahrsnacht im heimeligen Ouro Branco MG.
Dort schwatzte mir (zum Schwarzmarktkurs) mein jetziger Schwager meinen kleinen Vorrat an „don’t give a damn about a greenback“ dollar sofort ab. Von der „ain’t nothing but a hounddog“-Klasse wurde ich von den „highclass, but that was not a lie“ –Brasilianern ferngehalten, was bei mir einen völlig einseitigen Eindruck der bras. Gesellschaft hinterließ.

Als ich mich dann meines bras. goldenen Käfigs ein wenig befreite, verschlug es mich „per Brasilpass“ nach Santarém, Pará. Dort lernte ich eine, deutsche Komponisten verehrende, bras. Musiklehrerin kennen, der es als Einzige der komplett weiblichen High Society -Paulista-Touristen-Gruppe gelungen war einen halbwegs passablen Typ aufzureißen. Vermutlich war Letzteres sogar der Zweck der Amazonas-Reise dieser Clique.
Die Kleine, stolz auf ihre rein portugiesische Abstammung, glich beinahe, wie eine Zwillingsschwester, der (deutschen) Liebe meines Lebens (aus der jedoch nichts wurde, weil wir beide bereits anderweitig verheiratet waren). Sie verfügte sogar über einige Deutschkenntnisse, die sich jedoch auf irgendwelche Arien beschränkten, die mir allerdings größtenteils unbekannt waren. Später, im weiteren Verlauf meiner Brasil-Pass-Reise, besuchte ich die Bildschöne in der City Lapa von Sao Paulo. Ihr Vater, der eine Import-Export Firma sein eigen nannte, fragte mich nie nach irgendwelchen Touristen greenbacks. Der wollte mich lediglich beschwätzen, ihm via Argentinien einen heißersehnten Mercedes zu verschaffen. Offenbar war ihm, als bras. Staatsbürger und nach damaliger Gesetzeslage, nur mithilfe eines Ausländers der Zugang zu solch einem Gefährt möglich.
Nachträglich (im Forum-Kontext) erinnere mich auch noch an die Sicherheitsbelehrungen der Mutter meiner (zeitweiligen) Kleinen, bevor wir uns allabendlich mit ihrem kleinen blauen VW-Gol auf die Juchhe in Sao Paulo begaben. Unsre Exkursionen führten uns z.B. in das Restaurant im obersten Stockwerk des centro Italiano, wo ich sie mit „salmao defumado“ verwöhnte, den es im seinerzeit devisenklammen Brasilien kaum gab. Als äußerst praktisch empfand ich auch, dass wir uns niemals Parkplatzsorgen machen mussten. Vor allen unsren Zielen übergab meine Paulista ihren Autoschlüssel ganz einfach einem dienstbaren Geist, der ihr Autochen dann irgendwo abstellte und pünktlich beim Verlassen des Lokals stand es dann fahrbereit und frisch gewaschen wieder da.

Im weiteren Verlauf dieser, meiner ersten Brasilien-Rundreise, traf ich in Foz de Iguazu auf eine israelische, weibliche Reisegruppe, von der sich jeweils zwei Teilnehmerinnen ein Hotelzimmer teilten. Zur Versöhnung zwischen uns Völkern beitragend, überließ ich meinen Zimmerschlüssel einer jungen Israelin, die sich unsterblich in einen bras. Piloten verliebt hatte. Nun ja, zu meinem Schaden gereichte meine Großzügigkeit auch nicht unbedingt, denn ich wollte ja ebenfalls das Zimmer teilen, welches sie vorübergehend verlassen hatte.

Kurz vor meiner Rückreise nach Deutschland begab ich mich noch nach Ouro Preto und erstand dort einen Topas und ein Aquamarin- Kollier. Die beiden Schmuckstücke verwendete ich dann zu Hause als Versöhnungsgeschenk für meine deutsche Ex-Frau und die verfehlten ihre Wirkung nicht. Nachträglich gesehen, die wohl sinnloseste Investition meines Lebens. Wenn der zagaroma seinerzeit schon auf den Brasilien-Trichter gekommen wäre, dann hätte ich sicher einen Abstecher nach Recife unternommen und dem was von seinem italienischen Papagalli-Schmuck abgekauft, da wäre ich wohl günstiger gefahren.

Und die kurze Moral der langen Geschichte ist: Für die ersten Brasilien-Erfahrungen ist Rio de Janeiro durchaus entbehrlich. Mein dreistündiges Stopover dort, mit Blick auf den Zuckerhut, ließen bei mir keine wehmütigen „hang down your head, Tom Tourist, poor boy you’re bound to die“ – Gefühle aufkommen. Es sollten ja später noch unzählige Besuche dieser Weltstadt folgen.
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Re: Brasilien und seine Freunde ???

Beitragvon karlnapp » Do 8. Mär 2012, 10:52

paoamerelo hat geschrieben:nein das kennt karlchen nicht,denn er hat mit DDR Mark gewedelt und die wollte keiner

Sag mal paoamerelo, in welchem Brasilien lebst Du eigentlich?

Ohne besondere Schwierigkeiten hätte ich selbst in den 80ern die unverschuldet mittellosen DDR-Männer bei irgendwelchen finanziell unabhängigen bras. Damen unterbringen können.
Z.B. Beamtinnen oder unverheirateten Töchter, die gem. bras. Gesetz, die Rente oder Pension des verstorbenen Vaters beziehen.

Heutzutage hätten oder haben selbst Ex-Stasi-Offiziere keinerlei Akzeptanz-Schwierigkeiten in Brasilien. In den 80ern allerdings, zu Zeiten der Militär-Diktatur, hätten die eventuell mit ähnlichen Repressalien rechnen müssen, die sie den freiheitsliebenden Bürgern ihres Landes angediehen.

Ob Ex-Stasi-Offiziere im nominell sozialistischen Brasilien irgendwie geartete offizielle Beratungsfuntionen einnehmen, davon ist mir bisher noch nichts zu Ohren gekommen. Denkbar wäre jedoch der private Weg, indem ein solcher seiner bras. Polizei-Beamtin-Ehefrau beratend zur Seite steht.
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Re: Brasilien und seine Freunde ???

Beitragvon cabof » Do 8. Mär 2012, 21:20

Herr Karlchen.... wer wohl hat nach 1945 mitgeholfen in Lateinamerika die Militärdiktaturen aufzubauen? Wer hat denn mitgemischt als
es hieß in Lateinamerika den Komunismus zu unterdrücken und zu bekämpfen...CIA.... übrigens stehen in Rio noch Hafenkräne Made in GDR.
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Re: Brasilien und seine Freunde ???

Beitragvon karlnapp » Do 8. Mär 2012, 22:37

cabof hat geschrieben:Herr Karlchen.... wer wohl hat nach 1945 mitgeholfen in Lateinamerika die Militärdiktaturen aufzubauen? Wer hat denn mitgemischt als es hieß in Lateinamerika den Komunismus zu unterdrücken und zu bekämpfen...CIA.

Herr Caböfchen, der kalte Krieg ist vorbei und der Westen hat ihn gewonnen. Wenn auch nicht immer mit fairen Mitteln. Zumindest sind jetzt, mehr oder weniger, sozialistische Regierungen in den latein-amerikanischen Ländern möglich, ohne dass ein großer Bruder diese als Satelitten-Staaten ausbeutet. Oder gar den Versuch unternimmt dort Atomraketen zu installieren.

Wenn nun Stasi, KGB, CIA, BND oder sonstwelche Ex-Agenten des kalten Krieges jetzt in Brasilien verweilen oder leben möchten, so hat da vermutlich kein Brasilianer irgendwelche Einwände.
Sofern diese sich als Freunde Brasiliens erweisen, indem sie sich an die Gesetze und Landessitten halten und vor allem den Brasilianern nicht dogmatisch erklären wollen, wo es lang gehen soll!
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Re: Brasilien und seine Freunde ???

Beitragvon cabof » Do 8. Mär 2012, 22:55

Das ist ein ernstes Thema. Als ich Anfang der 80iger Jahre nach BR übergesiedelt bin habe ich mal einen Bericht gelesen, BR Zeitung,
da gab oder gibt es immer noch in der Gegend von Penedo ein Anwesen in einer für BR ungewöhnlichen Bauweise, Stil "Eagles Nest"
(Speer läßt grüßen) wo sich die lateinamerikanischen Alt-Nazis getroffen haben, die ganze Bande hat sich nach Süd.Amerika abgesetzt,
letztendlich hat man ja auch die Überreste von Mengele in Sao Paulo gefunden. Man sollte aber auch nicht vergessen, das es bis in
die Neuzeit hinein auch in Europa Militärdikaturen gegeben hat... Portugal, Spanien (Franco) und Griechenland...
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Re: Brasilien und seine Freunde ???

Beitragvon karlnapp » Do 8. Mär 2012, 23:58

cabof hat geschrieben:die ganze Bande hat sich nach Süd.Amerika abgesetzt, letztendlich hat man ja auch die Überreste von Mengele in Sao Paulo gefunden.

Caböfchen, wieder einmal glänzt Du mit Informationen aus dritter Hand.
Ich habe in unserer näheren Umgebung tatsächlich so Einen kennengelernt. Jedoch hatte der sich bereits zu einem treuen Staatsbürger und wahren Freund Brasiliens entwickelt. Er nannte einen versteckten Wasserfall sein eigen und verdiente dort pro Woche mindestens R$ 1000 an Eintrittsgeldern.

Auf meine Fragen antwortete er sehr ausweichend, gab lediglich an seinerzeit mit einem U-Boot in Argentinien angekommen zu sein. Kaum daheim angekommen, begann ich sofort nach ihm zu googeln, konnte aber nicht fündig werden. Zu einer vorsorglichen Anzeige konnte ich mich auch nicht entschließen. Was hätte die auch gebracht? Vor weniger als zwei Jahren ist er mit, weit über 90 Jahren, an seiner Raucherlunge gestorben. Seine über 30 Jahre jüngere Ehefrau trauert heute noch um ihn, wie diese das neulich meiner Frau mitteilte.

Wenn Du möchtest schicke ich Dir sein Bild (dessen Aufnahme er nicht ablehnte) und weitere sachdienliche Angaben zu seiner Person. Offenbar bist Du im Googeln besser als ich.

Ganz nebenbei bemerkt, mitunter fragten mich schon naseweise Brasilianer, was ich denn so während der schlimmen Zeit getrieben hätte? "Eu ainda fui liquido no saco de meu pai", foi essa a minha resposta.
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Re: Brasilien und seine Freunde ???

Beitragvon Brazil53 » Fr 9. Mär 2012, 16:17

Mal zum Thema zurück.
Ich bin kein Freund von Brasilien, Deutschland oder einem anderen Land.
Ich habe eine Freundin in Rio, also muss ich mich mit der Stadt anfreunden.
Würde sie in Grönland leben, wäre ich ein Freund von Upernavik und würde dort mit der Kamera auf Streifzug gehen.
Ich fühle mich dort wohl, wo mich meine Liebe hinführt.
Wenn man einen Partner in einer anderen unbekannten Umgebung hat, gehört es einfach dazu, soviel als möglich von seinem Umfeld kennen zu lernen.
Erst wenn ich die Umstände begreife in der meine Partnerin lebt, kann ich verstehen wie sie handelt, was sie möchte und warum alles so ist, wie es ist.
Kein Land, keine Stadt, kein soziales Umfeld hat nur Sonnenseiten und je mehr man seine neue Umgebung kennenlernt, je größer werden auch die Schattenseiten.
Wer seine rosarote Brille nicht schnell genug absetzt wird früher oder später gnadenlos Scheitern.
Ein wahrer Freund, sagt einem manchmal die Wahrheit, daran zerbricht eine Freundschaft nicht.
Auch wenn ich jetzt ein Freund von Brasilien bin, muss ich nicht zwangsläufig mit allem zufrieden sein was ich sehe und erlebe.

Und lieben tue ich so wie so nur meine Freundin.
Ich glaube nur Tatsachen, die ich selbst verdreht habe
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Re: Brasilien und seine Freunde ???

Beitragvon karlnapp » Fr 9. Mär 2012, 16:44

Brazi53 hat geschrieben:Würde sie in Grönland leben, wäre ich ein Freund von Upernavik und würde dort mit der Kamera auf Streifzug gehen.

Da haben wir den Knackpunkt!

Da plante doch tatsächlich so ein Zeitgenosse eine Reise nach Grönland, um seine dortige Freundin zu besuchen.
"Vergiss deine warmen Sachen nicht", rieten ihm alle seine Freunde.
Der Zeitgenosse kam in Grönland an und es herrschte dort, aufgrund irgendwelcher Wetterabnormalitäten, herrliches Sonnenwetter mit Temperaturen so um die 20° über Null.
Da bereute er zutiefst seine T-Shirts nicht eingepackt zu haben!

Bei seiner Rückkehr ließ er alle Mitbürger unaufgefordert wissen, dass es in Grönland gar nicht kalt sei und er, während seines Uraubs dort, am allermeisten seine modischen T-Shirts vermisste.
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Re: Brasilien und seine Freunde ???

Beitragvon karlnapp » Fr 9. Mär 2012, 22:41

Brazil53 hat geschrieben:Ich habe eine Freundin in Rio, also muss ich mich mit der Stadt anfreunden.

Vor allem jedoch mit dem "Freundeskreis" der Freundin in der Stadt!
Nicht umsonst heißt es: "Zeig mir Deine Freunde und ich sag Dir wer Du bist!"
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