Brasilien zieht den deutschen Karren aus dem Dreck.

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Re: Brasilien zieht den deutschen Karren aus dem Dreck.

Beitragvon Trem Mineiro » Di 21. Jan 2014, 18:46

Berlincopa hat geschrieben: Die hohen Preise kämen so also indirekt doch wieder Brasilien zugute, es wäre eine Umverteilung von den Reichen, die sich diese Preise leisten können hin zum Staat, der das Geld verschwendet oder ggf. sinnvoll verwendet.


In der Theorie ist das richtig.
In der Praxis sieht das natürlich anders aus. Um das Werk an den Standort zu bekommen hat Araquari natürlich einen Haufen Vorleistungen bringen müssen, z.B. um Joinville und andere Orte auszustechen. Das ist wie mit der Wurst nach dem Schinken werfen, oft stellt sich aber heraus, dass die späteren Gewinne längst nicht so hoch sind um andere Nachteile auszugleichen.

Beispiel: Immobilien. Die Preise für Häuser haben sich innerhalb von Monaten verdreifacht, die von Grundstücken verzehnfacht. Klar, dass sich hie Honoratioren der Stadt, die ja als erste von der Ansicht von BMW erfahren haben, sich rechtzeitig mit Land eingedeckt habe.
Die lokale Bevölkerung leidet da ehr drunter, die zukünftigen Arbeiter werden einen guten Teil des Lohnes für teure Mieten ausgeben. Verdienen tun immer die Anderen.

Um Auto-Werke nach Brasilien zu bekommen, hatte Dilma vorher die Steuer auf Importautos um ca. 30 % erhöht. Wer also ein Werk baut, dass 60% der Wertschöpfung im Lande erbringt, wird von dieser Importstrafe ausgenommen und zwar sofort. BMW zahlt also auch jetzt schon für die Importe keine Steuern, darum auch das versprechen, schnell in Produktion zu gehen. Die auch zukünftig zu importierenden Modele bleiben von der Steuer befreit. Da verdienen wieder Andere.

Und klar, um den Bau nach Brasilien zu bekommen, wurde sicher für die Einfuhr der Fabrik (das meiste an Ausrüstung kommt wohl aus Europa oder China) Steuerberatung vereinbart. Ich hab das ganze ja bei Thyssen und einem anderen Stahlwerk in Minas mit begleitet. Da muss man verhandelt. Und wenn man die Verhandlungspartner gut betreut klappt das auch. Diesmal verdienen da auch andere.

Und klar, so eine Fabrik kostet ja, trotz aller Geschenke trotzdem Geld und die Fabrik macht die ersten 10 Jahre theoretisch in der Bilanz Verluste. Da werden also keine Steuern bezahlt. Für Staat und Gemeinde sieht es da schlecht aus, aber was sind schon 10 Jahre, wenn dann die große Steuerflut in Aussicht steht.
Tja, bei Mercedes in Juiz de Fora und bei Thyssen in Sepetiba warten die auch noch und werden auch nicht lange warten müssen. Und inzwischen verdienen die anderen.

Da in Araquari in der ersten Phase erst mal ein Montagewerk entsteht, werden ja auch die Komponenten einfuhrsteuerfrei eingeführt und dort zusammengebaut. Da ja BMW das im internen Handel macht, hat man eine wunderbare Möglichkeit, den Gewinn zu manipulieren und dort zu versteuern es grade passt, zur Not auch in Brasilien. Aber das macht BMW natürlich nicht. Das machen nur andere.

Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Das ist Marktwirtschaft. Und VW, Fiat, Toyota und wie sie alle so heißen, haben ihre Investition genauso optimiert. In Brasilien kann man gut verhandeln, man muss nur die anderen mit verdienen lassen. Gilt ja nicht nur für Brasilien.

Aber in Araquari haben sicher einige ihren Schnitt gemacht, und die Arbeiter (wobei die Arbeitslosigkeit n SC wohl bei oder unter 4 % liegt) haben jetzt noch mehr Arbeit. Wahrscheinlich kommen noch ein paar mehr aus dem NO oder aus Bolivien etc.
Und klar, irgendwie profitiert auch der Staat davon und wird diese Steuern sinnvoll ausgeben, oder jedenfalls einen Teil, andere müssen ja auch mitverdienen.

Aber man soll über so ein Projekt nicht rumnörgeln, so funktioniert Kapitalismus und ohne so ein Werk wäre es noch schlimmer. Und Kolonien werden immer beschissen, ist Naturgesetz.

Gruß
Trem Mineiro

Dies ist an sich ein positiver Artikel, weil man ja sieht, wie viel Leute an so einer Sache verdienen (Jubel – Freude), sogar BMW, die können das nur nicht so sagen, weil die Bilanzen es ja anders darstellen.
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