auszug aus reisebericht, 19.2.05
...du glaubst ja nicht wo ich die ganze zeit gesteckt habe. ursprünglich hatte ich ja ein zimmer gebucht in mar grande, auf der insel itaparica vor salvador, um dort die karnevalszeit zu verbringen. aber eigentlich wollte ich gar nicht dahin. kenne ja da kein schwein. und wie es der zufall so wollte, fragte mich vier tage vor der abreise ein freund, ob ich nicht mit ihm verreisen wolle. ich überlegte nicht lange. wir mieteten einen minibus und fuhren am 31.1. gegen zwei uhr mittags los.
erster halt in serrinha, im tiefsten interior von bahia. dort haben wir bei einer tankstelle mit zimmervermietung übernachtet und sind am nächsten tag nach einem schönen frühstück und ausgiebigem kartenstudium (ist so eine manie von mir, ich muss immer wissen wo ich bin...) weitergefahren. und je tiefer wir ins landesinnere fuhren, desto faszinierender wurde die landschaft. unendliche weite, baumhohe kakteen, mandacarus. magere büffel stehen nachdenklich und reglos im schatten eines baums und ziegen knabbern an trockenem gestrüpp oder an einer fürs vieh angebauten kakteenart. hunderte von geier lassen sich vom warmen wind hoch oben am ewig blauen himmel tragen und stürzen wie steine herunter, wenn sie aas entdecken. eine verendete kuh oder ein verdurstetes pferd. zierliche geissen mit geknebelten füssen hinken an uns vorbei, esel an kleine wägelchen gespannt, hoch bepackt mit grünzeug, trippeln auf den staubigen sandstrassen dahin. ab und zu begegnen uns vaqueiros mit dunkel verwitterten gesichtern unter den lederhüten, die sie schwungvoll zum gruss abnehmen. sie treiben eine büffelherde von irgendwo nach irgendwo. nirgends ein haus, stundenlang. keine telefondrähte, keine schilder wohin die strassen führen, nur das unter der gluthitze flimmernde unendliche land bis zum horizont, wo man die violetten umrisse der grande serra erahnt. am abend nach einem umwerfenden spektakel von sonnenuntergang in der steppe, kommen wir verschwitzt und verstaubt in einem kleinen ort namens caldas do jorro an.
hier sprudeln überall die berühmten heissen quellen aus dem boden. petrobras hatte ende der 1940er jahre bei der suche nach öl und gas diese quellen entdeckt. fast jeder ort hat, die aus teilweise 1860m tiefe und bis zu 48grad heissen quellen gefasst und öffentlich zugänglich gemacht.
wir steigen in einem hübschen, kleinen hotel aus den 50er jahren, ab. direkt gegenüber dem wasserfall. koffer auspacken, badkleid montieren, und ab unters heisse wasser. was für eine lust das ist! das heisse wasser trommelt auf die gequälten schultern und rücken, dann umdrehen und auf die beine, die füsse. wenns zu heiss wird geht man etwas weg, setzt sich auf eines der vielen mäuerchen und lässt sich vom warmen wind trocknen, hält einen kleinen schwatz mit bekannten, trinkt ein kühles bierchen... não tem nada melhor...
wenn du auf der karte von brasilien schaust, findest du diese ortschaft, ca. 300km nordwestlich von salvador, fast an der grenze zum bundesstaat sergipe. der nächstgrössere ort ist tucano.
http://www.caldasdojorro.com.br