Carneval in Salvador

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Carneval in Salvador

Beitragvon Bernado » Mi 7. Mär 2007, 13:24

Brasilien – Salvador Bahia

Frankfurt – Kaum hatten wir unser Gepäck aufgegeben, verabschiedeten wir uns von unserem Freund, der uns zum Flughafen gefahren hat. Gleich in der Handgepäckkontrolle musste ich halt Laptop auspacken. Da der Brenner im Laptop nicht mehr lief, habe ich mir einen externen besorgt und falls mir Langweilig werden sollte, hatte ich noch eine DJ Konsole dabei. Konsole und Brenner hätte ich besser im Gepäck aufgegeben. Dieses Zeug wurde erstmal auf Sprengstoff untersucht. Eigentlich könnte man mit dem Zeug nur eine Bombenstimmung machen. ;-)
Wir sahen in der Abfertigung viele Brasilianer und wenige Deutsche. Ein paar Deutsche hatten schon im Flughafen Geld getauscht. Einen Real für 0,48 Eurocent. Ich rechnete einen Kurs von 2,1 Real/Euro aus. Der Kurs war aber schlecht. Meine Frau sollte es kaum besser ergehen. Die Travellerschecks in Euro ausgestellt ergaben einen Wechselkurs zwischen 2,45 und 2,5. Ich hatte mit der EC-Karte 2,72 Real pro Euro.

Salvador/BA - Das erste was mich erfasste war die schwüle Hitze, die Klamotten waren sofort feucht. Diese Feuchtigkeit konnte man schneiden. Das Atmen fiel ein bisschen schwerer.
Wir brauchten 2 Stunden um durch die Passkontrolle zu kommen. Der Zollbeamte musterte meinen Reisepass und sah mir mehrmals ins Gesicht. Mir platzte der Kragen und ich sagte auf Portugiesisch das Foto sei hässlich. Danach wurde er total locker und beeilte sich mit dem Abstempeln. Er lachte und meinte, er hätte mal versucht Deutsch zu lernen. Der, Die und Das fand er schwer. Ich sagte daraufhin Deutsch wäre einfach, ich würde es sprechen seit ich sprechen könnte. Damit war das Eis gebrochen. Die größte Überraschung war, dass meine Amiga am Flughafen war. Der Reiseleiter hatte kaum eine Chance, die Wiedersehensfreude war zu groß.

Imbassai - Die erste Woche haben wir wie fast alle Pauschaltouristen verbracht. In der Hängematte liegen, mal sich an eine Barracka setzen und sich bedienen lassen.
In der ersten Nacht bin ich gleich losgezogen, ich hatte kein Geld und keine Kippen aber die Minibar vorher gut geplündert. Ich wollte den Duft in mir aufsaugen und an das Meer heran.
Auf dem Weg traf ich ein paar Hippies, die existieren tatsächlich noch. Die Typen wollten mir erzählen, sie wären die Lokalmafia (zu viel CDD gesehen). Die wollten mir noch was Gras andrehen, was ich aber dankend ablehnte. Ich habe mich zu denen gesetzt weil ich nur die Sprache hören wollte.

Aufgrund der vielen Wehwehchen die wir haben, hatten wir eine gut ausgestattete Apotheke dabei. Die auch einer unserer brasilianischen Bekannten zugute kam.
In Imbassai hatte ich eine denkwürdige Begegnung, ich traf auf eine Frau, deren Vater hatte ebenfalls vor 30 Jahren in Brasilien gearbeitet. Sie war auch das erste Mal seit 30 Jahren wieder in Brasilien. Der Spruch, ein Teil von mir ist in Brasilien geblieben, passt. Es sind unsere Herzen die hier geblieben sind und die Erinnerung daran haben wir nach Deutschland mitgenommen.

Meine Amiga schrieb in der Email, dass sie um 10 Uhr eintrudeln würde. Später rief sie an, es würde so um halb fünf werden. Es war die Rede davon, dass sie mit einer Cousine kommen würde. Es waren 2 Cousinen und ihr Verlobter. Der Tag war eigentlich so gut wie gelaufen, zum Strand gehen konnten wir vergessen, weil sie noch die Zelte aufbauten.
Wir haben Sie in unserer Pousada eingeladen, die für brasilianische Verhältnisse sehr luxeriös ist. Die Getränke flossen und wir haben viel gelacht. Und wir übergaben unsere Geschenke. Ich hatte Geschenke nach Vorlieben gekauft.

Einen Tag später war es abends heftig am regnen. Ich war ziemlich besorgt, ob die Zelte diesen Regen aushalten sollten. Ich überredete meine Frau, die Leute bei uns in der Bude schlafen zu lassen. Die Dona hatte nix dagegen und sie machte einen mehr als fairen Preis. Meine Sorge war nicht unbegründet, eins der Zelte hatte nicht standgehalten und die Brühe stand drinnen. Wir haben die Leute noch zum Essen eingeladen. Danach ging es auf die Bude, ich legte noch etwas Technosound auf, selbstgemachte Musik und EyeQ. Die waren total hin und weg. Die eine Cousine meinte, ich müsste Brasilianer sein, ich hätte diese Alegria. Wie ein bisschen Sonne einen Menschen verändern kann. Dieselbe beklagte sich später über Magenbeschwerden, mein Portugiesisch war mau aber mir wurde schnell klar, dass es sich um Sodbrennen handelt. Kein Problem, ich hatte Maloxan dabei, was innerhalb von Minuten hilft. Nach ein paar Minuten strahlte sie wieder. Irgendwie konnte ich kaum glauben, dass sie schon 22 war. Sie sah aus wie 15 maximal 16 Jahre.
Gott sei dank, sind die meisten Brasilianerinnen sehr schlank. So konnten sich die 2 Mädels ein Bett teilen. UNGLAUBLICH! Jede beanspruchte nur 35 cm der Breite.
Meine Frau und ich sind früh aufgewacht. Ich war immer noch am staunen, wie die 2 Mädchen dort lagen. Von der einen schauten die Füße aus der Decke heraus und die Zehen wackelten. Ich fand die ganze Szene irgendwie süß.
Von meiner Amiga wusste ich, dass sie auf heißen Kakao steht. Kakao hatte ich vor Tagen gekauft, ich habe meine Probleme mit Kaffee und der brasilianische Kaffee wird eh was stärker gemacht. Meine Frau und ich hatten schon gefrühstückt als die Brasilianer aufwachten und ich begrüßte sie alle mit einem fröhlichen: “Bom dia meus amigos.“
Ich sagte zur meiner Amiga, dass ich heißen Kakao für sie machen würde, ging es aber los. Ihre Cousine meinte meine Amiga würde heißen Kakao lieben. Als ob ich das vergessen könnte. ;-)
Diesen Tag sollte es losgehen nach Salvador. Da meine Frau und ich unsicher waren ob wir zum Geburtstag eingeladen werden, fragte ich meine Amiga. Die Cousine, der ich am Abend geholfen hatte, sagte na klar sollen wir kommen, wir wären coole Leute. (frei übersetzt, „Vocês sao legal pessoas.“)
Ein Stein fiel uns vom Herzen, denn die Geburtstagsgeschenke hatten wir noch nicht eingepackt.

Also auf mit dem Bus nach Salvador.

Salvador – Wir stiegen in dem Stadtteil aus in dem meine Amiga wohnt. Keine 5 Minuten von der Bushaltestelle. Wir wurden sehr herzlich von ihrer Mutter empfangen, wir wurden umarmt und empfingen unsere Beijos. Wir hatten für die Mutter und die Tante eine Flasche Rotwein mitgebracht. Ich hatte eine seltene Sorte ergattert, und ich sagte zur Mutter, dass man von dem Wein höchstens ein Glas am Tag trinken sollte, weil er sehr stark wäre.
Die Mutter hat ein typisches bahianisches Nudelgericht gemacht. Nudeln mit Hähnchen und obendrauf waren gebackene Bananen. Das war superlecker.
Abends sind wir zum Pelorinho gefahren. Als wir aus dem Parkhaus rauskamen befanden wir uns mitten in einem Live-Konzert. Die spielten alte Lieder, die ich aus der Kinderzeit kannte. Ich tanzte wie es mir unsere Empregada Maria gezeigt hatte. Ein paar Freunde meiner Amiga befanden sich ebenfalls dort. Ich bekam auf Englisch gesagt ich hätte den Rhythmus von Bahia. Wir haben dann eine Kleinigkeit gegessen während Olodum an uns vorbeizog. Ich hatte da meinen Bekannten gesteckt, dass meine Frau die Pousada bezahlt hat. Meine Frau wurde auf den CD-Verkäufer aufmerksam. Der Verlobte meiner Amiga zog los und kam Augenzwinkernd zurück, er hätte den Verkäufer nicht mehr erwischt. So ein Lügner. :-D
Ich hatte meine Amiga übers Internet gebeten, doch ein Hotel klarzumachen, damit wir einen Schlafplatz haben. Was das für ein Hotel war, sollte ihr später klar werden. Um meine Bekannte in Schutz zu nehmen, ich hatte drum gebeten, dass das Hotel sicher und billig ist. Ich hätte vielleicht noch die Sauberkeit erwähnen sollen. :-D An der Rezeption wurde meine Amiga angemacht, sie könnte nicht mit in das Zimmer. Was hat die Frau an der Rezeption wohl gedacht???
Die Laken waren schon ein bisschen ekelhaft. Mir kam die Inneneinrichtung schon ein bisschen Puffmäßig vor. Meiner Amiga dämmerte es langsam. Mir immer noch nicht, aber meine Frau meinte was von Casa das Putas. Meine Amiga errötete und sagte ein Puff wäre das nicht. Sie ging zum Telefon und rief an der Rezeption an. Minuten später erschien eine Putzfrau mit total verärgerter Miene. Die putzte erstmal das Bad und zog das Bett ab. Ich drückte ihr ein paar Real in die Hand und später erschien sie mit einem Lächeln und blütenweißen Bettlaken, dass der weiße Riese neidisch werden könnte.
An demselben Abend wollte die Mutter meiner Amiga ihr an den Hals springen, in was für ein Hotel sie uns untergebracht hätte. Meine Frau und ich genossen währendessen den zusätzlichen Kanal im Fernsehen und machten danach unser eigenes Programm vor Spiegel.
Am nächsten Tag schafften wir es nur Geld umzutauschen, wer uns noch mal Reiseschecks für Brasilien empfehlt, dem springe ich an den Hals. Also ich hatte den besten Kurs mit EC-Karte bzw. Maestro. Mit den Reiseschecks war der beste Kurs 2,5 Real/Euro und Shopping in Barra hatte wegen dem Carneval geschlossen. Also mussten wir zum Flughafen.
Die Stadt war zu. Die Brasilianer bestanden darauf, die Autotüren abzuschließen. Also immer alle Knöpfe runter. Eigentlich hatte ich mehr Angst in einen Unfall verwickelt als überfallen zu werden, bei der Fahrweise der Brasilianer. Irgendwie ein Wunder, dass wir bei dem Verkehr nicht einen einzigen Unfall sahen.
Danach waren wir noch zum Essen eingeladen beim Verlobten unserer Amiga. Der Vater von ihrem Verlobten hatte uns sofort ins Herz geschlossen. Er selbst hatte Deutschland mal besucht. Eine Stadt davon war mein Geburtsort. Ich werde nach meiner Rückkehr einige Postkarten schicken.
Ich genoss das Essen, vor allem die Bohnen. Ich hatte so eine Sehnsucht danach. Er bot mir noch von dem panierten Geflügel an, ich lehnte dankend ab und sagte, Geflügel hätten wir in Deutschland, aber die Bohnen gäbe es nur hier in Brasilien.
Die Biere machten mir zu schaffen, ich hatte mir 3 Biere mit dem Verlobten geteilt und ich hatte das Gefühl, die enthalten 2 Blaumacher. War wohl die Hitze.
Wir fuhren zurück zu dem Hotel, man, hatte ich einen sitzen. Im Hotel kam uns ein junger Mann entgegen mit hasserfülltem Blick für mich. Hinter ihm kam ein Mann mit Bierbauch um 50, dem das Treffen peinlich war. Schon klar, was die 2 gemacht haben. Verdammte Sextouristen.
Meine Frau und ich versuchten im Hotel zur Ruhe zu kommen. Was aber bei den anregenden Tönen aus einem anderen Hotelzimmer sehr schwer fiel. Wir grinsten uns an und schalteten den Fernseher lauter. Die Nachrichten flimmerten grade drüber. Ich trank noch 2 Skol. Irgendwie konnte ich nicht pennen. Unseren Bekannten ist es nicht anders ergangen.

Eine Stunde vor Aufbruch machten wir uns für den Carneval fertig. Wir erwarteten unsere Bekannten in der Hotellobby. Sie erschien und meinte wir sollten sofort unser Zeug packen.
Wir durften zusammen das Apartment ihrer Tante nutzen. Es war sauber und riesig. Aber im Großen und Ganzen war es Okay. Meine Freundin hat sogar noch das Frühstück bezahlt. Was mich ein bisschen geärgert hat, war das meine Amiga jegliches Spritgeld abgelehnt hat.

Camerote – Das mich kein Samba erwartete war mir schon klar. Aber ich hörte viel Forró und manche Lieder konnte ich mitsingen, sehr zur Freude meiner Freunde. Das Tanzen klappte super, bei Pagode konnte ich mit dem Hüftschwung und den Sambaschritten punkten. Das habe ich halt nie vergessen. Danke Maria! Wir hatten das billigste Camerote genommen. Wir waren unter Einheimischen. Alle 5m ein Bodyguard, ich habe mich sicher gefühlt. Auf dem 1. Stock waren ebenfalls Sicherheitskräfte, die die Menge von oben beobachteten. Keine Chance für Langfinger und Raufbolde. Wir haben einen friedlichen Carneval erlebt. Im Fernsehen sah es ganz anders aus. Auch die Pauschaltouristen haben uns von Schlägereien erzählt und wie sich eine Masse von Helmen ganz schnell in Bewegung setzten.
Wir haben all von dem nichts mitbekommen. Auffällig war, das auf der Strasse keine Leute mit Armbanduhr zusehen waren, mit Ausnahme von mir. Meine Uhr ist ein Werbegeschenk, der ich keine Träne nachgeweint hätte. Die besitze ich aber immer noch. :-)
Wir haben gegen ein Uhr das Camerote verlassen, kurz nachdem ich noch meine kleinen positiven Beitrag ins Brasilienfreundeforum gepostet habe.
Einen Nachteil hatte das Camerote, richtiges Essen gab es nur in japanischer Form. Naja wenigstens hatten sie Pizza. Im Camerote schimpfte meine Amiga mit ihren Verlobten. Ich empfand es als nicht notwendig, weil ihr Verlobter ein ganz Lieber ist.
In dem Apartment legte sich meine Frau sofort schlafen. Die war auch ziemlich müde, ich war noch relativ fit. Meine Bekannten sind losgezogen, in dem Glauben, ich müsste bei meiner Frau bleiben und ich war in dem Glauben, die Zwei wollten alleine sein.
Unsere Freunde kehrten am morgen gegen 6 Uhr ins Apartment wieder ein. Meine Frau und ich sind dann aufgestanden. Wir frühstückten und die Brasilianer legten sich schlafen.
Wir waren zum Mittagessen eingeladen. Es gab Feijoada. Das Trockenfleisch machte mir zu schaffen. Muss wohl nach der Rückkehr direkt meine Zahnärztin aufsuchen. Ich hatte echte Probleme es zwischen meinen Zähnen wieder rauszubekommen.
Aber es war wieder lecker. Eine Nachbarin erschien, und ich erzählte, dass auf dem Rückweg meine Amiga alles getragen hätte. Und auch, dass ein Typ auf dem Rückweg auf mich zu lief. Er hatte viel Gewalt in den Gang eingelegt. Obwohl ich gut einen sitzen hatte, tänzelte ich beiseite und der Typ kam erst 5 Schritte hinter mir zum stehen. Die Nachbarin sagte ich würde wie ein Brasilianer denken, weil ich das Gefühl hatte, er wollte mich anrempeln und seine Kumpels mich ausrauben. In dieser Nacht ist ein Gringo besoffen umgefallen und ehe er sich versah, war er ausgeraubt, Kamera, Geldbörse sowie Schuhe.
Die Nachbarin verließ uns und ich sah auf dem Rücken die Schrift Policia Civil. Wenn ich mich richtig erinnere stand da noch was von Sicherheit.

Nachmittags kehrten wir fix und fertig wieder in der Pousada ein. Die Nacht und 2 Stunden Busfahrt steckten in unseren Knochen. Wir hatten noch ein paar Tage Zeit, bis zu ihren Geburtstag. Genügend Zeit um noch Geschenkpapier zu besorgen und uns zu erholen.
Der Geburtstag rückte immer näher und ich bat meine Freundin uns noch eine zusätzliche Nacht im Apartment zu gewähren. Was sie auch machte. Da ich ein bisschen Rücksicht auf meine Frau nehmen muss, war ein weiterer Ruhetag willkommen. Meine Frau konnte das auch gebrauchen.

Salvador – Wir nahmen erstmal ein Sammeltaxi. Je früher wir da sind, umso besser. Auf der Fahrt nach Salvador wurde das Taxi so dermaßen gefüllt, dass es mir unangenehm wurde. Einige Leute standen in dem Taxi. Die Fahrt dauerte auch dann nicht mehr lange, weil uns die Policia Civil anhielt. Es verging eine Viertelstunde und vor uns hielten schon einige Busse. Es war keine offizielle Bushaltestelle. Ich kann nur spekulieren, dass die Fahrer von den Busgesellschaften diese Situation schon kannten. Ein Sammeltaxi und dahinter ein Streifenwagen bedeutet weitere Kundschaft. Neben mir saß eine hübsche Mulattin und auf der anderen Seite meine Frau. Die Mulattin lächelte mich schüchtern an, als ich sie mit einem „Bom Dia“ begrüßte. Ihr Freund oder Ehemann war aber auch ein hübscher. Er hatte eine sehr dunkle Haut und hellblaue lachende Augen. Die Brasilianer(innen) finde ich allgemeinen sehr hübsch. Ich erinnere mich, dass ich eine Schwarze mit hellblauen Augen gesehen hatte, ich fand es schon sehr anziehend und exotisch.
Wir kamen an dem Busbahnhof an, meine Amiga wollte uns bei der Bushaltestelle im Busbahnhof abpassen. Am Busbahnhof war unsere Amiga nicht zu sehen, wir waren auch 40 Minuten früher dran. Also warteten wir eine halbe Stunde. Ich wollte in der Zwischenzeit eine Telefonkarte 20 Einheiten mit einem 50er Schein erwerben. Die Verkäuferin schüttelte nur mit dem Kopf. Erst später sah ich die Tarife. 2,95 Real für eine Karte mit 20 Einheiten(? Unidos). Ich rief von einem öffentlichen Telefon meine Bekannte an, war aber nicht in der Lage zu erklären, wo wir uns befanden. Ich bat eine Brasilianerin ihr doch zu erklären, wo wir uns befinden. Meine Frau befand zu diesem Zeitpunkt in einem Restaurante. Die hilfsbereite Frau wurde etwas misstrauisch als meine Amiga erschien. Meine Amiga ist halt sehr dunkelhäutig. Ich umarmte meine Amiga und die Frau war immer noch misstrauisch. Ich sagte, „tudo bem!“
Danach fuhren wir zum Shopping, ich brauchte unbedingt neue Klamotten. Ich fand ein günstiges T-Shirt und eine Boxershorts. Im Restaurant übergab ich das Cameroteshirt meiner Frau, es sollte eine Überraschung werden. Danach fuhren zum Mercado Modelo. Vor dem Laden fand eine Capoeiro – Vorstellung statt. Ich packte meine Filmkamera aus und filmte ein bisschen. Das sollte noch Ärger geben. Es tauchte ein Typ auf und forderte mich auf das Filmen einzustellen. Was ich eigentlich schon getan hatte. Er wollte noch richtig viel Geld von mir. 10 Real mindestens. Der hatte wohl einen Vollschuss. Ich schüttete was Kleingeld in die Tamburine rein und er deutete auf den 10 Realschein. Ich zeigte ihm meinen leeren Geldbeutel. Er gab sich noch mit den restlichen Kleingeld zufrieden. Ich war die ganzen 10 Centavos Münzen los. Ich habe mir eine Leinenhose andrehen lassen. Das bekam der Tambourineman mit und war sich tierisch draußen am aufregen. Danach nahmen wir den Elevador und fuhren in die Oberstadt. Es dauerte keine 3 Minuten und wir wurden wieder angeschwätzt ob wir nicht irgendwelche Halsketten kaufen wollten. Bin ich etwa ein Hippie? Holzketten, Muschelketten, den Müll braucht doch keiner, ausser den Pauschaltouristen. Das ging am Pelorinho weiter, dieses Brothergelabber ging mir so am !&@*$#! vorbei. Ich bin einfach weitergegangen und der Typ regte sich immer mehr auf. Ele nao quer falar comigo, rief er lauter. Ingles, alemao, francais fragte er mich und ich antwortete Polski. Ich würdigte ihn keines Blickes. Und er wurde immer lauter. Umso schlimmer wurde es als meine Amiga sagte: „Vamos“. Er schaute sie verdutzt an, fragte Bahiana? Wir schlenderten in eine andere Richtung und der Typ schimpfte wie ein Rohrspatz. Er rief mir noch ein Fuck You hinterher. Ich wollte mich schon umdrehen und ihm ein freundliches Fuck you too zurückrufen. Aber ich glaube danach wäre die Situation eskaliert. Ich sagte zu meiner Amiga, que lingua lixo. Was für eine dreckige Zunge ;-)

Meine Amiga musste das Auto um fünf Uhr wieder abgeben. Sie fuhr uns zum Apartment und wir machten uns abends auf in das Nachtleben von dem Stadtteil. Manche Sachen brennen sich doch in das Gedächtnis ein und man kommt sich so ohnmächtig vor. Obwohl Salvador einiges für Straßenkinder tut, sah ich jetzt zum ersten Mal die Armut mit eigenen Augen. Da war ein total abgemagerter Junge nur mit Plastikmüllsäcken bekleidet. Er erbettelte erfolgreich ein paar Real, wenn er es nicht geschafft hätte, ich hätte ihm was zu essen gekauft. Dieser Junge wurde verjagt wie ein lästiges Tier. Kein Wunder, dass diese Kinder aggressiv sind, sie kennen es nicht anders.
Am nächsten Abend waren wir verabredet zur Geburtstagsparty. Es gab kleine Häppchen. Als Geschenk hatte ich unter anderem Gummis gekauft *Zwinker an SG*. Ich erklärte, ich hätte die Gummis gekauft weil meine Amiga mir so viele Beijos schicken würde. Das Lächeln einer Brasilianerin gefror zu einer Maske. Andere waren etwas sprach- und ratlos. Der wird wohl nicht Kondome gekauft haben. Nachdem meine Amiga die Dose Haribo ausgepackt hatte, gab es ein nicht mehr zu stoppendes Gelächter. Die Frau deren Lächeln zu einer Maske gefror konnte sich nicht mehr halten, sie lachte am lautesten. In der Dose waren Kussmünder, die gab es mal im Norma und nannten sich Kesse Lippen. Ich war froh, dass mein Scherz doch so gut ankam.
Das wurde eines der Themen des Abends, wie halt Big Brother, erschreckendes Ungeziefer und die Geburt eines Kalbes. Die Feier war kurz aber heftig und lautstark. Es wurde richtig laut gesungen. Einmal hatte ich ihr einmal Stofffingerpuppen geschickt und meinte zu ihr, es wären deutsche Kondome, weil es hier so kalt wäre. ;-)

Unsere Freundin hatte noch eine Ladung Geschenke für uns. Meine Frau bekam 2 CDs und ich bekam eine DVD und ein Foto von uns allen.

Meine Amiga rief am letzten Abend in der Pousada an, sie wollte wissen wann ich am Flughafen eintreffe. Mich würde es nicht wundern wenn ich ihr begegnen würde.
Also uns ist bis heute nichts Ernsthaftes passiert, wir sind auch nicht beklaut worden. Ich habe die Brasilianer erlebt, wie ich sie in Erinnerung habe, freundlich, herzlich und zärtlich. An fast allen Orten bin ich freundlich und nett behandelt worden, außer am Pelerinho. Die Brasilianer liebten meine Art und meine Scherze. Und überall wurde mir nachgesagt, ich hätte das Lächeln eines Brasilianers und wäre nicht so verschlossen wie die anderen Deutschen.
Vielleicht schlägt doch das Herz eines Brasilianers in meiner Brust.
Zuletzt geändert von Bernado am Do 8. Mär 2007, 00:47, insgesamt 5-mal geändert.
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Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Nachtrag

Beitragvon Bernado » Mi 7. Mär 2007, 13:28

Am Flughafen empfing uns die ganze Familie, nicht nur unsere Freundin. Die haben uns geholfen den richtigen Schalter und das richtige Gate zu finden. Scherzhaft gesagt, die wollten sehen ob wir das Land auch wirklich verlassen. ;-)

In Wahrheit haben wir supernette Leute kennengelernt und hatten den Vorteil auch mal hinter die Kulissen zu schauen, was nicht jeder Pauschaltourist schafft. Es war so eine herrliche Zeit und wir freuen uns schon auf das nächste Mal Abenteuer Brasilien.
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Beitragvon supergringo » Mi 7. Mär 2007, 15:36

Ein wirklich schöner und ehrlicher Reisebericht. Vielen Dank dafür!
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Beitragvon Bernado » Mi 7. Mär 2007, 18:55

supergringo hat geschrieben:Ein wirklich schöner und ehrlicher Reisebericht. Vielen Dank dafür!
Deine machen auch sehr viel Spass zu lesen. Die Anregung mit Gummis stammt von Dir ;-)
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Beitragvon Claudio » Do 8. Mär 2007, 00:12

Bernadinho der Tanzbär :lol: :lol: :lol: schöne Geschichte
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Hi

Beitragvon Zwitscherer » Do 8. Mär 2007, 00:29

Auch von mir ein Dankeschön für den Bericht . Da kriegt man echt Lust wieder rüber zu düsen :wink:

P.S. als Tanzbär etwa so ? :lol:
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Zuletzt geändert von Zwitscherer am Do 8. Mär 2007, 00:31, insgesamt 1-mal geändert.
Ciao Zwi
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Beitragvon thomas » Do 8. Mär 2007, 00:30

gutes label. ein kenner.
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Beitragvon Bernado » Do 8. Mär 2007, 00:49

Claudio hat geschrieben:Bernadinho der Tanzbär :lol: :lol: :lol: schöne Geschichte

Ich muss Dir widersprechen, eine Geschichte ist es nicht. Aber hoffentlich ein witziger Reisebericht, bei dem das Lesen Spass macht. :-)
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Beitragvon Claudio » Do 8. Mär 2007, 01:55

Bernado hat geschrieben:
Claudio hat geschrieben:Bernadinho der Tanzbär :lol: :lol: :lol: schöne Geschichte

Ich muss Dir widersprechen, eine Geschichte ist es nicht. Aber hoffentlich ein witziger Reisebericht, bei dem das Lesen Spass macht. :-)


so war das nicht gemeint. wer sagt dass eine geschichte nicht wahr sein kann

Bernado hat geschrieben:Aber hoffentlich ein witziger Reisebericht, bei dem das Lesen Spass macht. :-)


genau so meinte ich es.
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