Chacara in Brasilien

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Chacara in Brasilien

Beitragvon Jacare » Mi 25. Jan 2006, 23:59

Hallo !

Frage an jene die Brasilien leben. Bewirtschaftet einer unter
euch eine Chacara bzw. Fazenda für den Lebensunterhalt
in Brasilien ? Wie sind eure Erfahrungen ? Danke für eure
Antworten.

Gruss
Jacare
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Beitragvon Severino » Mi 12. Apr 2006, 17:21

Oi Jacare
Einer meiner Bekannten hat eine Fazenda mit ca. 70 Milchkühen. Er sagt, dass ihm das noch nicht reicht um seinen Lebensstandard halten zu können. Daher pendelt er immer hin und her um hier noch Geld zu verdienen.
Ich denke jedoch, wenn er das Geld für die Flugtickets einsparen und einen einfacheren Lebenstil annehmen wollte, dann ginge das schon. Aber er will eben eigentlich nicht mehr selbst arbeiten...

Ein anderer Bekannter hat eine Fischzucht mit Angelbetrieb aufgebaut. Im ersten Monat hat er knapp 200 R$ verdient. (und das eigentlich nur mit dem Essen und den Getränken der angelnden Gäste)

Nochmal einer wollte ein Hotel bei Rio eröffnen. Dieser ist jedoch nicht mit seiner Brasilianerin verheiratet sondern nur befreundet. Zwar schon mehrere Jahre, aber die hat ihn voll ausgenommen (und er will es einfach nicht glauben).
Das Bauprojekt wurde begonnen, es floss reichlich Geld und sie hat dann vor Ort alles gemanagt. Unter anderem hat sie dafür gesorgt, dass aufgrund von irgendwelchen bodentechnischen Gutachten der Bau gestoppt wurde. Und wie sich nun jeder denken kann wurde nur ein Bruchteil von dem geschickten Geld tatsächlich für "cimento" verwendet. Auf den Abrechnungen kostete der 50 kg Sack stolze 58 R$. Auch die ausgezahlten Löhne für die Bauarbeiter lagen weit über dem Üblichen Rahmen.
Sie hat übrigens von dem Geld Regenwald gekauft und ist nun im Holzhandel. (das will er aber auch nicht glauben). Zweimal im Jahr sieht man sich noch und hat dann eine wunderschöne Zeit....aber eine gdp ist sie nicht....
paz e amor
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Beitragvon Takeo » Mi 12. Apr 2006, 17:26

Zwischen einer Chacara (grösseres Grundstück) und einer Fazenda ist schon ein ziemlicher Unterschied.

So als Faustregel gilt: ab 500 ha kann man von der Fazenda überleben, ab 1000 ha leben und ab 5000 ha gut leben...

... ich glaub' da gibt's ehrlich besere Geschäfte sein Geld anzulegen oder was aufzubauen!
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Beitragvon Severino » Mi 12. Apr 2006, 17:42

oi takeo
Das hast DU sehr gut geschrieben.

Der Kollege mit der fazenda ist aber der einzige, dem ich eine Chance ausrechne zum Überleben. (Es sind übrigens über 6000 ha die er gekauft hat). DA er aber nicht selbst arbeiten will braucht er eben mehr Kühe. Getreu dem Motto: Eine Kuh macht Muh. Viele Kühe machen Mühe. Und somit hast Du renditemässig absolut recht.

Der Fischkollege hat schlichtwegs vergessen, dass die meisten Brasilianer sich das gar nicht leisten können. Dazu kam auch noch eine Infektion, die ihm einen ganzen Tümpel ausgemerzt hat....

Der Nick des Hotelier ist übrigens "Rico", da muss er sich ja auch nicht wundern....
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Beitragvon patecuco » Mi 12. Apr 2006, 23:14

sowas macht man nicht zum Geld verdienen, sondern als Hobby bzw. um irgendwo sein Pferd unterzustellen. Das investierte Geld kannste besser investieren und vom Ertrag leben, dann haste auch weniger Probleme.
Mein sogro hatte fazendas und nur Probleme damit, mit einzelnen Arbeitern sogar bis nach dem Verkauf, die haben ihn auf nicht gezahlten Lohn verklagt, aber während der ganzen Jahre nur abgezockt und nichts geschafft.

PS: Brasil taugt gut zum leben, aber nicht zum arbeiten.
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Beitragvon Takeo » Mi 12. Apr 2006, 23:20

patecuco hat geschrieben:Mein sogro hatte fazendas und nur Probleme damit, mit einzelnen Arbeitern sogar bis nach dem Verkauf, die haben ihn auf nicht gezahlten Lohn verklagt, aber während der ganzen Jahre nur abgezockt und nichts geschafft.


hmm... an anderer Stelle kann dann Dein Sogro aber von "Grossgrundbesitzern", "Landbaronen", "Ausnutzung von Landarbeitern" etc. 'rumschwafeln hören...
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Sitio

Beitragvon Jacare » Mi 26. Apr 2006, 17:14

Also sein Obst und Gemüse selbst anzubauen um es dann 1. direkt
auf dem Markt zu verkaufen und 2. zum Eigenverzehr zu verwenden
soll sich nicht lohnen ? Kann mir das nicht vorstellen. Ich habe ja
nicht vor eine Monokultur-Sitio aufzuziehen, die dann abhängig
vom diktierten Marktpreis. Also eine Erfahrung ist mir bekannt von
einem Besitzer der sein Sitio mit 80 ha (nur Zuckerrohr) für ein Apfel
und Ei verkloppen musste, weil sein Jahresverdienst von 7000 Real
deutlich zu niedrig war um sein Sitio halten zu können. :cry:
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Beitragvon patecuco » Mi 26. Apr 2006, 20:50

Takeo hat geschrieben:hmm... an anderer Stelle kann dann Dein Sogro aber von "Grossgrundbesitzern", "Landbaronen", "Ausnutzung von Landarbeitern" etc. 'rumschwafeln hören...


Oi,

wenn Du das nochmal so schreibst, dass ich es verstehe, schreibe ich auch einen Kommentar dazu.
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Beitragvon Takeo » Mi 26. Apr 2006, 21:44

... dass es eben nicht ins Bild passt, dass der Fazendeiro von den Landarbeitern ausgenutzt wird (obwohl das ziemlich eher die Regel ist!) als umgekehrt... man schwafelt lieber in weit entfernten Kontinenten von Grossgrundbesitzern, Ausnutzung von Landarbeitern, Sklavenarbeit etc...
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Re: Sitio

Beitragvon Takeo » Mi 26. Apr 2006, 21:53

Jacare hat geschrieben:Also sein Obst und Gemüse selbst anzubauen um es dann 1. direkt
auf dem Markt zu verkaufen und 2. zum Eigenverzehr zu verwenden
soll sich nicht lohnen ?


Naja, ein paar Obstbäume in den Garten zu stellen, und eine horta zu bewirtschaften, aus dem man sich dan vor dem Abendessen Salat und Petersilie pflückt ist ja weiter nicht ungewöhnlich... aber schon eine Ernte zum Markt zu bringen (bzw mit den umliegenden Supermärkten Preise, Fristen und Konditionen auszuhandeln) erfordert einen Aufwand, der sich nicht lohnt... es sei denn, man ist Japaner und findet es normal 12 - 16 Stunden am Tag im Garten 'rumzurackern und in der verbleibenden Zeit mit der Charette zum Markt zu fahren und stundenlang Obst und Gemüse anzupreisen... (ich kann mich allerdings auch täuschen!)
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