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Rio de Janeiro: Christus-Statue wird 75
Rio de Janeiro, 9.10.06 (Kipa) Der 38 Meter hohe Christus mit den ausgebreiteten Armen ist wohl die grösste Art-Deco-Skulptur der Welt und wird alljährlich von mehr als einer Million Menschen aufgesucht. Rios Wahrzeichen "Christo Redentor" wird am Donnerstag 75 Jahre alt.
Mit Ausstellungen, Filmen und Gedenkgottesdiensten wird in Brasilien das Jubiläum der Erlöserstatue ausgiebig gewürdigt. In der Kapelle am Fusse des "Christo Redentor" wird jeden Sonntag eine Messe in portugiesischer und englischer Sprache abgehalten – für die lokale Stammgemeinde und für die Touristen.
Die Schönheit der Landschaft gemahne an die Schöpfung, sagt Pfarrer Valdir Lima, der die Messen in der Kapelle liest: "Hier oben ist es beinahe unmöglich, ein Atheist zu sein." Am ersten Freitag jeden Monats predigt ein Bischof der Erzdiözese, live übertragen von "Radio Catedral".
Realisierung einer alten Idee
Der Bau eines religiösen Denkmals ist als Idee unter Rios Katholiken seit Jahrhunderten verbreitet. 1921 begannen sie mit dem Spendensammeln. Unter den Tausenden Freiwilligen, die von Haus zu Haus zogen, war auch der junge Pfadfinder und spätere Chef des Weltfussballverbands Fifa, Joao Havelange.
Wettbewerb mit Künstler und Architekten
Ursprünglich sollte Christus in einer Hand die Weltkugel, mit der anderen ein Kreuz tragen. Doch den Katholiken der Stadt und dem damaligen Erzbischof Sebastiao Leme da Silveira Cintra gefiel das nicht. Sie wollten ihren Erlöser mit einer schon aus grosser Entfernung erkennbaren christlichen Geste: mit offenen Armen gegenüber der Stadt und der Welt.
Monument der Superlative
Und so kam es auch. Heitor da Silva Costa gewann den Wettbewerb. Gemeinsam mit dem aus Polen stammenden französischen Bildhauer Paul Landowski schuf er die monumentale Statue. Die Errichtung eines 1.145 Tonnen schweren Denkmals aus Stahlbeton war eine enorme technische Herausforderung, ebenso die Verkleidung mit leicht formbarem Seifenstein. Kopf und Hände liess Costa in Frankreich aus Gips gestalten, nach Rio transportieren und dort in Beton kopieren. Allein der 3,75 Meter hohe Kopf hat ein Gewicht von 30 Tonnen. Die Spannweite der ausgebreiteten Arme beträgt 30 Meter.
Die Bevölkerung fürchtete gar, dass der nur mit Holzbalken abgestützte riesige Kopf vom 710 Meter hohen Corcovado herabrollen und unten in den Stadtteilen eine Tragödie anrichten könnte. Doch glücklicherweise ereignete sich nichts dergleichen.
Päpste unter den Besuchern
1931 wurde die Statue eingeweiht. 1965 besuchte Papst Paul VI. das berühmte Monument. Im Juli 1980, mitten in der Diktaturzeit, stieg Johannes Paul II. zum Unwillen der Generäle zunächst durch das steile Gassenlabyrinth des von Räumung bedrohten Slums Vidigal. Er sprach allen Mut zu, im Kampf für Gerechtigkeit nicht nachzulassen. Danach erklomm er die 220 Treppenstufen zum "Christo Redentor", breitete die Arme aus und segnete die Stadt.
Beliebter Ort für Proteste und Rekorde
Das weltbekannte Monument immer wieder für spektakuläre Aktionen benützt. So entrollten Greenpeace-Alpinisten von einem Christus-Arm ein grosses Transparent gegen das Artensterben. Im Jahr 1999 sprang ein österreichischer Bungee-Jumper vom rechten Arm des Denkmals ab.
In einer internationalen Statistik über neue, vom Menschen geschaffene "Weltwunder" rangiert die Statue hinter der griechischen Akropolis und dem Tempel von Angkor Wat in Kambodscha auf dem fünften Platz – noch vor dem Pariser Eiffelturm und Chinas Grosser Mauer.
Nachbildungen gibt es vielerorts – jene am Kap Fatucama in Osttimor ist 27 Meter hoch. In der Stadt Puerto Plata in der Dominikanischen Republik wurde auf dem Pico Isabel de Torres auf dem 793 Meter hohen Hausberg ebenfalls eine Nachbildung erbaut.
Einen weiteren Erlöser nach dem Vorbild in Rio wollen Katholiken als Friedenssymbol auf Borneo errichten.
(kipa/b/mdü/gs)
Gruss brasilmen Thomas
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