[TV-Filmtipp] City of God

Infos zu Internet, Telefon, Handy, TV und Literatur in Brasilien

Beitragvon Bagi » Di 10. Jan 2006, 03:39

Hans hat geschrieben:... Kenne genügend Brasilianer, die im Süden Brasilien leben und NICHT die Bohne einer Ahnung haben,...


Jauuuuu Hans, tagsüber sitzen sie auf ihrem Traktor und bestellen das Feld und Abends wird mit dem Konditor aus Österreich über Schmier und Schutzgeld diskutiert. :lol: :lol: :lol:
Bis dann
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Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Beitragvon supergringo » Di 10. Jan 2006, 09:25

Takeo hat geschrieben:Vielleicht wollt Ihr ja die Meinung Derer, die Brasilien sagen, und auch Brasilien meinen, nicht wirklich hören! Mir kommt es auch manchmal so vor, dass das hier gar kein richtiges Brasilforum ist, sondern ein "Rio - Salvador - Recife - Natal - Favela" Forum...
Jetzt reg Dich wieder ab, Mann, der Thread heißt "Filmtipp: Cidade de Deus". Das ist der Name einer Favela und zwar in O Rio de Janeiro, verzeiht, wenn ich auch dazu neige, die Kurzform Rio (wenn ich mich auf deutsch unterhalte) vor zu ziehen.

Wenn mir also so ein Bohnenzüchter aus dem Süden Brasiliens weissmachen will, dass der Film völlig unrealistisch und überzogen sei, kann ich mir, glaube ich, schon erlauben, ihn zurecht zu weisen.

Gerne lese ich auch nette Berichte vom beschaulichen, ganz anderen Leben außerhalb des Polygons Santos-Sao Paulo-Belo Horizonte-Vitoria-O Rio de Janeiro sowie fern ab von Belem-Manaus und der Küstenlinie des Nordostens. Erstaunlicherweise neigen die deutschsprachigen Bewohner aber scheinbar dazu, nur die Berichte aus den vorgenannten Brennpunkten in Frage zu stellen, anstelle über das Leben in ihren Regionen zu berichten.

Das mit dem Neuschwanstein hat was, ist auch ganz sicher etwas dran, aber natürlich hinkt der Vergleich beim Thema "Cidade de Deus" ... und München, Hamburg oder Berlin sind nun mal interessanter und pulsierender, als Wanne-Eickel, Nordhorn oder Schwäbisch Gmünd. Finde ich zumindest.
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Südbrasilianer

Beitragvon Hans » Di 10. Jan 2006, 10:27

Bagi hat geschrieben:
Hans hat geschrieben:... Kenne genügend Brasilianer, die im Süden Brasilien leben und NICHT die Bohne einer Ahnung haben,...


Jauuuuu Hans, tagsüber sitzen sie auf ihrem Traktor und bestellen das Feld und Abends wird mit dem Konditor aus Österreich über Schmier und Schutzgeld diskutiert. :lol: :lol: :lol:


LEIDER KENNE ICH EINIGE DIESER SÜDBRASILIANER!

NEIN auf dem Traktor sitzen sie nicht, aber ignorant sind sie und halten sich für die besseren Brasilianer und vertreten die Meinung der ABSPALTUNG vom REST, denn alles andere ist für sie nicht BRASILIEN, denn Brasilien ist NUR der SÜDEN!
Wollen nicht das GERINGSTE wissen über den "REST", außer, dass sie nichts mit dem ANDEREN Teil von Brasilien zu tun haben wollen.

Tja, ähnliche politische Ansichten kennt man ja aus anderen Teilen der Welt, aber in Brasilien wird es nicht so weit kommen, dazu ist die politische Grundlage zu schwach.......Gott sei dank!!


Es wird wohl so sein, dass nicht alle Südbrasilianer so sind, aber man schreibt hier über Erfahrungen und stellt KEINE allgemeingültige Wesenszug eines Südbrasilianers auf, WAS ich auch nicht getan habe.
Muß man dies hier im Forum wahrscheinlich immer dazuschreiben, sonst wird es wohl immer mißverstanden ......(oder ist es bewußt mißverstanden worden?)

Hans
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Beitragvon supergringo » Di 10. Jan 2006, 12:10

Takeo hat geschrieben:Alle mitwirkenden Laiendarsteller können heute von Ihren Erfahrungen am Filmprojekt profitieren.
Ich wollte dazu erst nichts schreiben, weil ich es nicht genau wusste ... ich glaube, das damit zusammenhängende Projekt "Nos do Cinema" ist zumindest eingestampft worden ...

Zufällig bin ich durch einen von der Wupper auf diesen Artikel gestoßen:
http://www.welt.de/data/2006/01/10/829258.html

Leben nach den Partys
Für den Film "City of God" wurde Alexandre Rodrigues in den Slums von Rio entdeckt. Er reiste um die Welt und genoß Luxus. Jetzt lebt er wieder in Armut


von Christoph Wöhrle

Alexandre Rodrigues stockt mitten im Satz. "Nicht weiter", zischt er und drückt seinen Begleiter gegen eine Mauer. Wie Ratten aus ihren Löchern huschen vor ihm ein Dutzend schweißnasse Köpfe in die sengende Hitze. Polizisten, ganz in grau, mit kugelsicheren Westen und Maschinengewehren. Lautlos hasten sie die Hauptstraße des Armenviertels hinauf. Sekunden später fallen Schüsse, in denen sich Schreie verlieren.


"So leben wir in Vidigal", sagt Rodrigues mißmutig. Eigentlich sollte es ein gemütlicher Bummel durch sein Viertel werden. Am Straßenrand garen Maiskolben auf einem Rost. Passanten schauen dem 22jährigen Schauspieler mit offenen Mündern hinterher, zeigen ihre gelben Zähne. Rodrigues ist hier der prominenteste Bewohner. Von der Straße weggeholt für den Film "City of God", der 2003 ein Welterfolg wurde. Auch der Papst war gecastet worden: Als er 1980 die Favela bei seinem Besuch in Rio de Janeiro beehrte, betrachteten ihn die Menschen als einen von ihnen. Seither wohnt Johannes Paul II. als Bild oder Spruchband in jedem der Abertausend unverputzten Häusern, steht sein Name neben den Reviermarken der Drogenbanden an die Wände gesprüht entlang der verästelten Schleichpfade und Treppchenlabyrinthe. Alexandre Rodrigues aber ist leibhaftig dageblieben, und das ist den Bewohnern unheimlich.


"Warum fährst du Fahrrad? Du bist ein Weltstar!" rufen auch amerikanische Urlauber hinter Rodrigues her, wenn er die Copacabana entlangflitzt. "Weil ich kein Geld für den Bus habe." Schallendes Lachen - niemand kann sich vorstellen, daß ein Schauspieler arm ist. Doch das Setting aus dem Film, in dem er die Starbesetzung war, nimmt in seinem eigenen Leben die Hauptrolle ein. Wie ein Fötus an der Nabelschnur scheint Rodrigues an der Favela zu hängen. Und wie in seiner Rolle des Buscapé in "City of God" will er nur heraus aus diesem Elend und schafft es nicht - bis heute.


Rodrigues ruft seine Mutter an. "Ist es da oben ruhig, können wir hochsteigen?" Sie antwortet vorsichtig: "Besser, ich hole euch." Die Familie wohnt auf einem der Hügel, an denen die kleinen Häuschen emporschwappen wie die Gezeiten. Dort tobt der Krieg zwischen Drogendealern und Polizei am heftigsten. Neulich wurde in der Nachbarschaft ein Junge erschossen, der bei McDonald's im Reichenviertel Leblon arbeitete. Als er abends, geschafft vom Burgerbraten heimlief, hielten Polizisten seinen eingegipsten Arm für eine Waffe und drückten ab, den Körper schleiften sie weg. Die Mutter öffnete am Morgen darauf nichtsahnend die Tür und sah, wie die Hühner die Gehirnreste ihres Sohnes wegpickten.


Rodrigues' Mutter Rosangela ist eingetroffen und herzt ihn. Wieder Glück gehabt. Sie haben viele Bekannte durch "balas perdidas", verirrte Kugeln, verloren. Die Hundertschaften von Gesetzeshütern, die gerade wieder über das Viertel pflügen, haben in Vidigal einen miserablen Ruf. Oft stecken sie gar mit den "traficantes", den Drogenhändlern, unter einer Decke, und erschossen werden Unschuldige. Blutzoll, bezahlt von den vom Leben ohnehin nicht Verwöhnten. Rosangela berichtet auf dem Heimweg, wie leicht das Leben früher war, als sie hier noch im Minirock auf der Straße Samba tanzte. "Heute wird ein hübsches Ding, kaum ist es zwölf, hinter die Bude gezogen und kriegt dann einen dicken Bauch." Sie tönt mit einem dunklen Raucherbaß, der in jedem Hörspiel Verwendung fände. Der Weg führt längs eines brackigen Flusses, dann geht es eine gewundene Treppe endlos hinauf. Kabelsalat säumt die Hauswände und webt sich wie Spinnennetze durch die Gäßchen. Rosangela liest leere Coladosen auf. Für ein Kilo bekommt sie zwei Euro.

"Ich will, daß meine Mutter nicht mehr arbeiten muß", sagt Rodrigues. Sie hat sich als Putzfrau lange Jahre für ihn und seine drei Schwestern den Rücken krummgeschuftet. In seinem kleinen Haus wuchert Schimmel über die Wände. Früher wohnte die Familie in einer Favela außerhalb Rios, und Rosangela mußte vier Stunden täglich Bus fahren, um bei feinen Herrschaften sauberzumachen. Das war etwa zu der Zeit, als ihr Sohn mit fünf sein Show-Talent entdeckte und die Familie mit Louis Armstrong-Imitationen belustigte. Zum Lachen war ihnen dennoch nicht immer zumute, wenn es mal wieder nur für einen Teller Reis und Bohnen für alle reichte. Oder wenn der Vater, wie so oft im Suff, die Hand gegen die Mutter erhob. Er verließ die Familie. "Besser war das. Sonst hätte ich ihn irgendwann umgebracht", sagt Rodrigues.


Dann kam der Umzug nach Vidigal in das Haus mit den drei kleinen Zimmern. Alexandre ist ein Teenie, doch schneller als seine ersten Bartstoppeln wächst die Gewalt im Viertel. Das Koksgeschäft kommt in Gang, und die Dealerbanden teilen jeden Häuserblock unter sich auf. Alexandre Rodrigues liegt abends im Bett und zählt die Schüsse als Einschlafspiel. Am nächsten Tag in der Schule vergleicht er mit seinem besten Freund, wer weiter kam. "Die meisten sind in dieser Zeit abgerutscht, aber ich hatte ja Mama", erzählt Rodrigues. Rosangela bringt ihren Sohn eisern jeden Tag in die Schule, holt ihn nachmittags wieder ab. Auch wenn das gar nicht cool ankommt bei den Klassenkameraden. Sie warnt ihn: "Wenn ich irgendwann eine Waffe bei dir finde, knalle ich dich eigenhändig damit ab!" Abgeknallt will er nicht werden, also spielt er mit, obwohl er keine Perspektive für sich sieht. Schließlich schmeißt er aber doch die Schule und versucht, sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten.


Plötzlich kommt die Zeit, die alles verändert: 2001 gehört Rodrigues zu den auserwählten Laien, die "Cidade de Deus" authentischer machen sollen, den Film, der die Geschichte der gleichnamigen Favela erzählt. "Endlich zählte ich etwas auf der Welt." Rodrigues bekommt täglich intensiven Schauspielunterricht, sein Potential wird erkannt. Er weint, als sie ihm sagen, daß er Buscapé spielen soll, der davon träumt, Fotograf zu werden und durch dessen Augen der Plot erzählt wird.


Der Film wird ein globaler Kassenschlager. Die Brasilianer wollen die Armut sehen. Den bitteren Alltag, der sich Normalbürgern entzieht. Die Welt ist geschockt von der gezeigten Gewalt auf Rios Straßen und begeistert von der souveränen Regie. Der Film gewinnt etliche internationale Preise und wird für vier Oscars nominiert. Für Rodrigues beginnt ein Leben voller selbstvergessener Partys. Das Festival in Cannes - das erste Mal ist er weg aus Rio - wird für ihn zum Eintauchen in eine wundersame Welt. Roter Teppich, Blitzlichtgewitter, Tränen und Standing ovations nach dem Film, Champagnerduschen. Alles bezahlt von den Mäzenen der Branche.


Doch wenn er nur einmal die Augen schließt, ist er schon zurück in Vidigal, der Favela. "Willkommen in deiner dreckigen Baracke!" spöttelt Mutter Rosangela. Ihr Sohn schluchzt, als er den Regen als Rinnsal von der Decke fließen sieht, verwünscht sein Heim und sehnt sich nach den Fünf-Sterne-Häusern und schlaglochfreien Straßen zurück. Jetzt will er sich freischwimmen und bloß nicht mehr von Mutter zum Müllrausbringen schicken lassen. Auf nach São Paulo, diesen Moloch von einer Stadt. Sich im Filmgeschäft durchbeißen, etwas werden. Alles war so wunderbar geplant: ein kleines Appartement in einem Hochhaus, erste Kontakte, ein Job bei einer Produktionsfirma. Doch dann liegt er in seinem Bett unter dem ruckelnden Ventilator und erkennt durchs Fenster, daß Wolken den Himmel verdecken, an denen Betonriesen kratzen. Gegen dieses Grau in Grau hat er sein Meer-Panorama eingetauscht. Rodrigues bekommt Fieber und kann nicht arbeiten, bis er begreift: Diese Krankheit heißt "saudade" - schlimmstes Heimweh. "Mein Ausriß in die große weite Welt war nach zwei Tagen vorbei."

Wie wohltuend ihm seine Baracke plötzlich ist. Seit dieser Heimkehr hat er es immerhin geschafft, die Familie mit seiner Schauspielerei zu versorgen. Hat in drei Lang- und mehreren Kurzfilmen mitgespielt. Und in einer Telenovela des Fernsehgiganten "Globo", was sich finanziell noch am meisten lohnte. "Aber leider werde ich uns nicht so schnell aus der Favela rausbringen." Ein größeres Haus hat er immerhin bekommen auf dem gegenüberliegenden Hügel, der auch zu Vidigal gehört. Das Geld bekam Rodrigues von Fernando Meirelles, dem Regisseur von "City of God", dessen John Le Carré-Verfilmung "Der ewige Gärtner" am Donnerstag in die Kinos kommt. Meirelles hatte sich überzeugen lassen, daß er seinem Star noch etwas schuldig war. 7000 Real hatte Rodrigues für seinen Part in dem Film bekommen - umgerechnet 2500 Euro. Das weltweite Einspielergebnis hatte bei einer halben Milliarde Dollar gelegen.


Letztes Jahr wurde Rodrigues vom nationalen olympischen Komitee ausgewählt, das Feuer mit zu tragen, als es durch Rio zog. Außerdem macht er seinen Schulabschluß nach. Von Rückschlägen darf er sich nicht aufhalten lassen: Neulich stürzte er mit dem Fahrrad und brach sich einen Schneidezahn ab. Er selbst hatte nicht das Geld für die Behandlung, doch der Bruder seiner Managerin ist Zahnarzt und half ihm. "Ein Schauspieler muß doch lächeln können."


Rodrigues weiß, daß er ein anderes Leben führen will. Und deshalb fällt ihm das Pendeln zwischen den Welten leichter, dem armen und dem reichen Rio, das wie von einer Axt gespalten ist. Er blickt beim Renovieren vom First seines neuen Hauses aus wie von einem Thron über das Ziegelmeer der Dächer, zwischen denen unausgesetzt Kinderplärren hallt. Unten klatscht die Gischt aus türkisblauer See gegen die Klippen. Vielleicht kann er wirklich nirgendwo anders leben.

Artikel erschienen am Di, 10. Januar 2006
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Beitragvon supergringo » Di 10. Jan 2006, 12:17

supergringo hat geschrieben:Meirelles hatte sich überzeugen lassen, daß er seinem Star noch etwas schuldig war. 7000 Real hatte Rodrigues für seinen Part in dem Film bekommen - umgerechnet 2500 Euro. Das weltweite Einspielergebnis hatte bei einer halben Milliarde Dollar gelegen.
Der Absatz sei noch mal unterstrichen ... Und die Grundlage vom Drehbuch kam natürlich von einem Favelado namens Paulo Lins und natürlich nicht von Mereiles oder anderen aus der Oberschicht, mein guter Takeo!
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Beitragvon Careca » Di 10. Jan 2006, 13:31

supergringo hat geschrieben:
Takeo hat geschrieben:Alle mitwirkenden Laiendarsteller können heute von Ihren Erfahrungen am Filmprojekt profitieren.
Ich wollte dazu erst nichts schreiben, weil ich es nicht genau wusste ... ich glaube, das damit zusammenhängende Projekt "Nos do Cinema" ist zumindest eingestampft worden ...

Zufällig bin ich durch einen von der Wupper auf diesen Artikel gestoßen:
http://www.welt.de/data/2006/01/10/829258.html

Leben nach den Partys
Für den Film "City of God" wurde Alexandre Rodrigues in den Slums von Rio entdeckt. Er reiste um die Welt und genoß Luxus. Jetzt lebt er wieder in Armut



Mal so als Randbemerkung:
Vielleicht sollte man sich auch noch mal folgende Filmreihenfolge zu Gemüte führen:
Zuerst
"PIXOTE - A LEI DO MAIS FRACO" (Gewinnder der Goldenen Palme in Cannes, 1981)
und dann
"QUEM MATOU PIXOTE" (1996)

Es ist immer das gleiche traurige Lied.

Solche traumhaften Happy Ends, wie Takeo es suggerieren wollte, gibt es leider meistzeit nur im Film ... :(

Takeo hat geschrieben:... Viele von Euch kommen mir genauso vor wie die Japaner, die "Deutschland" sagen, aber München oder dieses bescheuerte Schloss Schwanstein vom schwulen Bayernkönig meinen!

Träum weiter in deinen Klischees ...
Abraços
Careca

"No risc, no fun!
MfG Microsoft"
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Beitragvon thomas » Di 10. Jan 2006, 15:18

"to give these boys money... would only lead them back to cocaine addiction", F. Mereilles über die Laienschauspieler in CDD.
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Beitragvon Lemi » Di 10. Jan 2006, 21:13

Bevor man eine Diskussion über diesen Film anfängt. müssen erstmal 2 grundlegende Fragen geklärt sein:

1 - Hast du den Film im Originalton gesehen ?

2 - Hast du die Dialoge im Originalton zu 100% verstanden ?

Meines Erachtens ist eine Diskussion des Films nur sinnvoll, falls man diese 2 Fragen mit einem klaren JA beantworten kann.

Ich schreibe das, weil ich den Film sowohl in deutsch als auch in portugiesisch gesehen habe und feststellte, dass die Übersetzung ins Deutsche absolut daneben ist. Wahrscheinlich auch deswegen, weil viele Dinge im deutschen Sprachgebrauch nicht bekannt oder unüblich sind. In Deutsch wirken die Dialoge harmloser und flacher als im Original.

Auch den portugiesischen Originalton musste ich mir mehrmals anhören, um ihn komplett zu verstehen. Damit meine ich nicht 2 oder 3 mal, sonder mindestens 10 mal. Erst dann - und wirklich erst dann - war mir klar, was die Jungs alles so verzapft hatten.

2 Dinge wurden mir klar:

1. Die Dialoge sind äusserst realistisch. Ein Favela-Gänger erkennt viele Gespräche wieder. Es scheint ein arteigener Slang zu sein.

2. Trotz extrem harten Realitätsbezug ist und bleibt der Film ein Kunstwerk. Die Story ist sicherlich frei erfunden - meiner Meinung nach sehr gewaltkonzentriert für nur 2 Stunden Film - und hinterlässt deshalb den Eindruck, dass es in Favelas ständig kracht. Genau dies ist aber ein Trugschluss, dem so ziemlich alle unbedarften Zuschauer unterliegen. Hier könnte man also Kritik an den Filmemachern ansetzen ...................... was ich aber nicht tun werde, weil ein Film, der das wahre Leben in der Favela zeigt, eventuell zu "langweilig" wäre. Es ist nun mal, so dass 95% der Favelabewohner ehrliche Arbeiter sind und eigentlich nichts von Kriminalität wissen wollen.
Man sieht sich,
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Beitragvon Bagi » Di 10. Jan 2006, 21:43

Lemi hat geschrieben:2 - Hast du die Dialoge im Originalton zu 100% verstanden ?


Punkt 2 kann selbst von den (meisten) brasilianischen Kinobesucher nicht bejaht werden :lol:
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Beitragvon Takeo » Di 10. Jan 2006, 23:19

Lemi hat geschrieben:Bevor man eine Diskussion über diesen Film anfängt. müssen erstmal 2 grundlegende Fragen geklärt sein:

1 - Hast du den Film im Originalton gesehen ?

2 - Hast du die Dialoge im Originalton zu 100% verstanden ?


1.) Sim!

2.) Bom, 100% talvez não mas uns 94% com certeza! E o resto deu pra aprender!


@ Careca

wieso Klischees? Als ich noch in München leben musste, konnte man im Sommer nicht normal über die Strasse laufen ohne über knipsende Japaner zu stolpern, die alle noch vor'm Kiosk standen und sich Ansichtskarten von Schloss Neuschwanstein (o.ä.) kauften... das ist mir in meiner niederrheinischen Heimat NIE passiert! Genauso wie in meiner brasilianischen Heimat fast NIE Deutsche anzutreffen sind... ja ja ich weiss, hier gibt's keine Copacabana, aber eins kann ich Euch bestimmt versichern: Die Frauen in meinem Bundestaat sind die allerschönsten aus ganz Brasilien - und das müssen sogar die Gaúchos kleinlaut zugeben! Na, ist doch auch was!!!

@ Supergringo

gute Stories kommen immer aus der Realität (und schlechte aus Hollywood!) - aber zumindest hat Meirelles das Thema doch ziemlich gut bearbeitiet oder??? Hat er Rodrigues nicht genug bezahlt? Hmm, hätte er den Film lieber mit ... Brad Pitt drehen sollen??? Ich weiss nicht, aber der Bericht von Chritoph Wörle ist wieder typisch Deutsch: irgendwer muss natürlich wieder ein sozialkritisches Thema an Land ziehen - obwohl ich Christoph Wörle nicht widersprechen möchte, aber es ist nunmal typisch Deutsch: auf die These MUSS eine Antithese folgen... Hat Wöhrles Bericht denn jetzt Rodrigues wenigstens über die Runden geholfen??? Oder musste Rodrigues vielleicht feststellen, dass ein einmaliger Filmerfolg kein Garant für die ewige Glitzerwelt ist - dass man für die Glitzerwelt hart arbeiten muss, um auch oben zu bleiben - hat er sich viellecht verkalkuliert und geglaubt er sei jetzt ein Superstar??? Weiss er den nicht, dass er zumindest jetzt eine bessere Ausgangsbasis hat wie Tausend Andere, die nie in einem Film mitgewirkt haben?

@ Oberlehrer:

Jauuuuu Hans, tagsüber sitzen sie auf ihrem Traktor und bestellen das Feld und Abends wird mit dem Konditor aus Österreich über Schmier und Schutzgeld diskutiert...

... hmm ... wirklich komische Vorstellungen die Du da von Dir gibst!!! Wo soll's denn im nächsten Urlaub hingehen? Copacabana, oder doch lieber Guarujá???
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