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170 000 Besucher lassen sich in Coburg vom Rhythmus des Samba mitreißen / Sambistas „ertrommeln“ Weltrekord
Lebensfreude pur: Sogar der Boden vibriert
COBURG – Eine Stimmung wie in Rio de Janeiro herrschte am Wochenende in Coburg beim 15. Internationalen Samba-Festival. Über 2500 Sambistas, Tänzerinnen und Musiker aus zehn europäischen Ländern und Brasilien waren zu Gast und verbreiteten Lebensfreude pur unter den rund 170 000 Besuchern. Dass dabei am Samstag auch noch ein Weltrekord „ertrommelt“ wurde, ließ die Stimmung zeitweise völlig überkochen.
„Leute, bitte auf mich schauen. Schaut mich bitte an!“ Beschwörend redet Gilson de Assis auf die Menge vor ihm ein: 3000 Sambistas mit ihren Percussion-Instrumenten. Sie eint ein Ziel: Weltmeister zu werden, als größte „Samba-Bateria“, die es je gegeben hat, auf dem Coburger Schlossplatz zusammenzuspielen. Doch bis es soweit ist, hat der Brasilianer, der das Spektakel dirigiert, ein hartes Stück Probenarbeit vor sich. Aus Anlass des 950. Geburtstags Coburgs und des Jubiläums „15 Jahre Samba-Festival“ hat er einen Samba-Reggae komponiert, den die Sambistas an diesem Samstag spielen. „Bababababa eins zwei“ gibt Gilson de Assis auf der Bühne des Rhythmus für die Marschtrommeln vor.
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Probenchaos
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Immer neue Sambistas schieben sich derweil auf den Platz, kämpfen sich durch die Zuschauermassen, die den Rekordversuch mitverfolgen. Nach einer halben Stunde Probenchaos gibt Gilson de Assis den Einsatz für das Stück. Und das Wunder geschieht: Shaker, Tamborim, Pandeiros, Repiniques, Snare-Drums, Surdos, Agogos finden sich in den Rhythmus – gellen, scheppern, dröhnen, wummern ohrenbetäubend, der Boden vibriert, die Zuschauer wiegen sich im Takt, tanzen begeistert mit, bis Gilson de Assis ein Zeichen gibt. Ein letztes Mal schwillt das Trommeln an, dann bricht tosender Jubel aus. Auf dem Platz seien mehr Sambistas, als man habe zählen können, verkündet Notar Dr. Jürgen Müller, auf jeden Fall 2858 – Weltrekord. Tatsächlich waren es wohl über 3500 Trommler, schätzt Sambaco-Pressesprecherin Simone Leicht. Gereicht hätte für den Rekord schon eine Handvoll Musiker, denn so ein Unterfangen gab es bisher noch nie.
Was garantiert bei den Coburger Samba-Umzügen den höchsten Aufmerksamkeitswert beim Publikum? Riesige rot-gelbe Fahnen, wie sie die Gruppe „Ramba Samba“ schwenkte? Schon mal nicht schlecht. Prachtvolle mit Federn und Pailletten geschmückte Kostüme in knalligen Farben, wie sie zum Beispiel „A Bunda“ aus Göteborg und die „Escola de Samba Primera“ aus Erlangen zu bieten hatten? Auch gut. Durchtrainierte junge Männer, die Capoeira tanzen wie bei „Ritmo Caliente“ aus Schweinfurt? Noch besser.
Aber am besten funktioniert immer noch eines: viel nackte Haut, möglichst dunkelhäutige Schönheiten in knappsten Paillettenbikinis, die mit ansteckendem Lächeln aufreizend die Hüften kreisen lassen. Ein Anblick, der gestern bei den beiden Umzügen der rund 80 Samba-Gruppen durch die Coburger Innenstadt nicht nur die Fotografen in Verzückung versetzte. Nur der Brasilianer Paulo Lopes und seine Capoeiristas, die schon bei ihrem fulminanten Auftritt am Samstagabend auf dem Marktplatz den Frauen im Publikum spitze Entzückensschreie entlockt hatte, konnten da mithalten: Auch beim Umzug jubelten ihnen Tausende von Zuschauern, die die Straßen säumten, zu. Wobei die Begeisterung möglicherweise nicht nur den akrobatischen Einlagen der Truppe galt, sondern auch den nackten, muskulösen Oberkörpern der jungen Männer . . .
Von soviel Textilfreiheit konnten andere nur träumen. Zum Beispiel ein als exotischer Vogel kostümiertes Mitglied von „Vincivi“, das in seinem dichten schwarzen Federumhang, der Kopf und Körper bedeckte, unter der stechenden Sonne nicht schlecht geschwitzt haben mochte. Oder die drei Tänzerinnen von „A Bunda“ in ihren schwarz-weißen Anzügen und weiß geschminkten Gesichtern. Dankbar ließen sie sich von einer Passantin ein wenig Luft zufächeln, ehe sie weiter akrobatische Kunststückchen zeigten.
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Auf Stelzen
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Samba auf Stelzen? Dass das geht, bewies ein Stelzengänger, der sich zwischen den Gruppen hindurch manövrierte. Die eine oder andere hilfreiche Hand, die ihm aus dem Publikum entgegengestreckt wurde, ergriff er aber doch dankbar und erntete damit viele Lacher.
Allerdings: Abgesehen von diesen Höhepunkten wirkten der Beifall und die Begeisterung im Vergleich zu den Vorjahren etwas gedämpfter. Auch in den Straßen und Gassen, wo sonst während der Umzüge kaum ein Durchkommen war, konnten die sich Besucher meist ohne größeres Gedränge hindurchschieben. War es eine gewisse Feier-Müdigkeit nach vier Wochen Fußball-Weltmeisterschaft und drei Tagen Samba? Am Wetter lag es nicht, denn das spielte nach den Regeneinlagen an den beiden Tagen zuvor großartig mit. Ebensowenig an den Sambistas, die die Zuschauer immer wieder zum Mitklatschen animierten. Aber auch wenn die Stimmung gelegentlich abflaute – spätestens bei der nächsten Bikinischönheit war die Aufmerksamkeit wieder da. bg
Nach einem harten Stück Probenarbeit war es geschafft: Rund 3000 Menschen, die größte „Samba-Bateria“, die es je gegeben hat, musizieren miteinander auf dem Coburger Schlossplatz
Mindestens 2500 Sambistas, insgesamt mehr als 80 Samba-Gruppen aus Brasilien und aus zehn europäischen Ländern, versetzen nicht nur die Fotografen in Begeisterung
Gruss brasilmen Thomas
http://www.brasilmen.de
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