Am 05.12. kam es bei meinem Rückflug von Salvador nach Frankfurt mit Condor DE 3077 zu einer schwierigen (Notfall-)Situation. Was war geschehen? Beim Start schon hatte sich bei der Boeing 767-300 mit der Kennung D-ABUB ein komischer Geruch (hatte etwas von Urin...) bemerkbar gemacht. Nach etwa 70 Min. Flug auf Höhe von Recife entschloss sich der sehr professionelle und besonnene Pilot zu einer vorsorglichen Rückkehr nach Salvador. Vorsichtshalber hatten Pilot u. Co-Pilot die Sauerstoffmasken aufgesetzt (Aussage des Piloten). Das Kerosin wurde zu einem grossen Teil abgelassen, da die Maschine sonst zu schwer bei der Landung gewesen wäre. Dies war ein wahrhaftig surrealer Anblick.
Jetzt begann das Chaos und Drama allerdings erst wirklich...
Zurück am Aeroporto in Salvador musste erstmal das Gepäck wieder ausgecheckt werden und alle Passagiere wurden auf 4-5 verschiedene Hotels (Sofitel, Pestana, Tropicar...) verteilt. Ich und weitere ca. 30 Personen wurden dem Hotel Tropicar zugeteilt. Der Abtransport vom Flughafen wurde mit Kleinbussen (Sprinter) vorgenommen. Diese Prozedur war aber ziemlich langwierig, da anscheinend das Krisenmanagement von Condor / Thomas Cook vor Ort total versagt hat. Es war niemand von Condor bei den Passagieren, um diese zu betreuen bzw. es gab weder Getränke noch Snacks für die Wartenden!!! Den Piloten und der Crew kann deshalb aber keinerlei Vorwurf gemacht werden, da diese in und an der Maschine blieben um Tests vorzunehmen.
Meine für das Hotel Tropicar vorgesehene Gruppe musste sage und schreibe 3,5 St. auf den Abtransport warten. Der Transport dauerte in der Nacht ebenfalls nochmal ca. 45 Minuten.
Im Hotel gab es noch ein Abendessen inkl. einem(!) Freigetränk...
Getränke aus der Frigo Bar (im Zimmer) mussten bezahlt werden

Weitere Infos gab es keine mehr... Am Donnerstag gab es ein Frühstück (sehr gut, aber immer noch keinerlei Infos). Um 12:00 wurden wir endlich informiert, dass um 15:00 ein Bus alle Passagiere zum Aeroporto zurück bringt, da anscheinend die Maschine wieder zum Rückflug nach FRA freigegeben wurde. Der Rückflug sollte um 18:00 starten.
Um 14:00 gab es noch ein Gratis-Mittagessen (auch sehr gut).
Um 15:00 war jedoch weit und breit kein Bus zu sehen. Der kam erst um 15:45... Am Flughafen waren wir gegen 16:40... Das Einchecken und die Personenkontrolle erfolgte wider Erwarten relativ zügig. - Am Tag vorher, beim eigentlichen Rückflug, hatte das ärgerliche 3 Std. gedauert !!!
So jetzt wird es aber erst richtig interessant...
Der Pilot hielt am Gate eine Art 'Pressekonferrenz' für alle Passagiere. Er entschuldigte sich zuerst für die Unannehmlichkeiten vor allem auch bei der Hotelzuteilung und erklärte allen Passagieren in deutsch u. engl. die möglichen Fehlerursachen. Fazit, es gab während der Nachtstunden mehrere Checks am Flieger und den Triebwerken, die aber keinerlei Hinweis auf etwaige Defekte geben konnten. Eine vom Piloten und den Technikern evtl. für möglich gehaltene Quelle der Geruchsbelästigung könnte eine 'Überdosis' Öl an einem der Triebwerke gewesen sein, die sich dann über die Air Condition im Flugzeug verbreitet hat. Er meinte auch, dass dieser Geruch möglicherweise wieder auftreten könne, dies aber keinerlei Einfluss auf die Sicherheit habe, da sich eben dieser Geruch nach kurzer Zeit wieder verflüchtige. Falls jedoch während des Fluges wider Erwarten dennoch ein Hinweis auf techn. und sicherheitgefährdende Mängel auftreten sollte würde er (der Pilot) sich nicht scheuen ein 2.Mal nach Salvador umzukehren. Völlig korrekt und meiner Meinung nach sehr professionell. Jedenfalls war der Flieger von allen Beteiligten (Technikern + Crew) für technisch vollkommen i.O. befunden worden.
Da sich bei diesem Flug auch eine grössere Reisegruppe aus der Slovakei (ca. 160 Personen) an Bord befand, wurden von deren Reiseleiter alle Informationen in 4-5 Blöcken entsprechend übersetzt.
Nach diesen Informationen gingen wir endlich wieder an Bord und alle oder zumindest viele waren guter Laune. Mittlerweile war es 18:45.
Der Flieger begann zum Start zu rollen und der bereits mehrfach erwähnte Geruch war wieder wahrzunehmen. Jetzt fingen ein paar aus der slowakischen Reisegruppe fast panisch und agressiv an zu protestieren und wollten die Maschine verlassen. Der Pilot stoppte den Roll vorgang und begab sich in den hinteren Bereich der Boeing 767 um mit den Leuten zu reden. Er bat sie ruhig zu bleiben und wieder ihre Plätze einzunehmen und er wies nochmals darauf hin, dass obwohl der Geruch wahrzunehmen ist keinerlei Sicherheitbedenken bestehen. Irgendwie schien es aber dann im Laufe dieser verbalen Auseinandersetung sogar zu Beleidigungen dem Piloten gegenüber gekommen zu sein. Für mich persönlich war die Stimmung eines Teils der Slowaken gegenüber dem Piloten und der Crew ziemlich agressiv. Der slowakische Reiseleiter versuchte immer wieder seine Leute zu beschwichtigen und bat seine Leute um Vernunft. Vergeblich!
Der Condor Pilot entschloss sich nun dazu wieder zurück ans Gate zu rollen und machte entsprechend eine Durchsage, dass alle, die den Rückflug nicht antreten wollen nun die Maschine verlassen können.
Danach muss es noch einmal gewaltig von Seiten der Slowaken gekracht haben, da kurz darauf eine weitere Ansage aus dem Cockpit kam, dass nun alle slowakischen Passagiere (darunter waren auch ein paar Kinder) nun das Flugzeug verlassen müssen und nicht mit zurück nach FRA fliegen können.
Falls die slowakische Reisegruppe nicht komplett das Flugzeug verlässt wurde der Einsatz der bras. Polizei angekündigt. Dies war dann aber Gottseidank nicht nötig, da alle das Flugzeug verlassen hatten.
Alle anderen Passagiere durften an Bord bleiben. Es gab zustimmenden Beifall von den verbliebenen Passagieren (ca. 120-130) für das besonnene Verhalten des Flugkapitäns.
Letztendlich ging es dann um 21:10 endlich los. Der Geruch war natürlich wieder zu bemerken, aber er verschwand auch nach kurzer Zeit gleich wieder.
Dieser Vorfall war wieder ein Beispiel dafür wie ein paar Hitzköpfe Angst, Panik und Verärgerung schüren können. Ich will aber extra auch darauf hinweisen, dass sicherlich nicht alle Slowaken der Meinung waren, dass der Flug ein Sicherheitsrisiko birgt. Für diese Besonnenen tut mir das ganze ser leid.
Bemerkenswert ist, dass ich beim Hinflug FRA-Salvador am 24.11. mit genau der gleichen Maschine D-ABUB geflogen bin und dieser Geruch damals ebenfalls kurz vor und nach dem Start in FRA aufgetreten ist. Bei diesem Flug war ich wie jetzt auch beimRückflug im Hinterteil der Maschine.
Die Leute von Condor / Thomas Cook sollten sich schleunigst um dieses Problem kümmern, denn sonst trägt dies zu grosser Verunsicherung der Kundschaft bei. Schon beim Hinflug am 24. 11. ging die Maschine erst mit knapp über 3 St. Verspätung aus Frankfurt raus. Vielleicht war damals schon dieser Geruch für diese Verspätung verantwortlich. Zumindest gab es aber in Frankfurt Getränke und Snacks für die (verärgert) Wartenden.
Nochmal möchte ich mich beim Piloten und bei der Crew für deren absolut professionelles Verhalten bedanken.
Aber beim Management bei Condor / Thomas Cook ist einiges oberfaul...setzen Note 6!!! ... Es war für mich auch nicht das erste Mal, dass ein gewisser Diletantismus von Condor für gravierende Verspätungen verantwortlich war.
Für mich ist es wichtig, mir die Wut und die Verärgerung von der Seele zu schreiben. Eine entsprechende Beschwerde (vor allem für die miesen Zustände nach der Rückkehr nach Salvador) werde ich nächste Woche an Condor / Thomas Cook senden.