Contergan-Opfer in Brasilien

Alles über Brasilien aus der internationalen Presse (Beiträge bitte max. anreissen, unbedingt die Quelle verlinken sowie ein eigenes kurzes Statement abgeben).

Contergan-Opfer in Brasilien

Beitragvon mikelo » So 11. Nov 2007, 00:06

nachdem ich mir vor kurzem den film "contergan" am pc angeschaut hatte--ziemlich schockiert darueber war--habe ich heute folgendes gelesen:
in brasilien gibt es immer noch conterganopfer . ich dachte eigentlich, das ganze waere geschichte und somit laengst in der versenkung verschwunden, da das ganze aufgeklaert wurde, die ursachen bekannt waren. dem ist aber leider nicht so.

http://www.focus.de/gesundheit/arzt_medikamente/thalidomid_aid_138734.html


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Re: Contergan-Opfer in Brasilien

Beitragvon Boli » Di 13. Nov 2007, 23:18

In Brasilien wird immer noch Contergan hergestellt und gar nicht so schwierig zu bekommen :shock:
Vermeintlich Glück ist sich Dinge zu kaufen die man nicht braucht, von einem Geld das man nicht hat, um Leute zu beeindrucken die man nicht mag
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Re: Contergan-Opfer in Brasilien

Beitragvon Seb-BH » Di 13. Nov 2007, 23:28

Nein, weil es halt immernoch ein sehr wirksames Medikament ist. (Meine Freundin ist Ärztin und hat mir's erklärt)

Vor allem gegen TB eigesetzt. Mit den bekannten Nebenwirkungen.
Aber das Problem ist denke ich weniger das Contagan, sondern der unprofessionelle Einsatz.

Bittere Pillen..
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Re: Contergan-Opfer in Brasilien

Beitragvon caboclo » Di 13. Nov 2007, 23:33

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Re: Contergan-Opfer in Brasilien

Beitragvon caboclo » Di 13. Nov 2007, 23:44

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Re: Contergan-Opfer in Brasilien

Beitragvon seitenwandkletterer » Mi 14. Nov 2007, 13:02

caboclo hat geschrieben:thalidomid wäre ja völlig harmlos, wenn man es enantiomer-rein herstellen könnte.... nè SWK?


OK auf die schnelle: Thalidomid (der Wirkstoff in Contergan) exisitiert in zwei verschiedenen Formen (genannt Enantiomere), die sich wie Bild und Spiegelbild verhalten. Eines der beiden Enantiomere hat den gewünschten Effekt und das andere verursacht bei ungeborenen Kindern die Missbildungen.

Thalidomid kann stereospezifisch (Caboclo nennt es enantiomer-rein) hergestellt werden, d.h. man würde entweder das Bild oder das Spiegelbild isolieren und verkaufen können. Das Problem ist jedoch, dass uns unser eigener Körper eine Falle stellt und aus dem einem Enantiomer das andere und umgekehrt macht. Das heisst, es stellt sich eine Mischung ein, so dass immer sowohl die Form, die die Wirkung eines Beruhigungsmittels hat, als auch die andere, die die fruchtschädigende Wirkung hat, vorhanden sind. Daher ist für eine enantiomerenreine Herstellung in diesem Fall das Geld zum Fenster hinausgeworfen.

Das interessante ist, dass die fruchtschädigende Wirkung von Contergan darauf zurückzuführen ist, dass die Neubildung von Blutgefässen verhindert wird. Neben dieser Wirkung existieren noch weitere klinische Befunde, die noch nicht aufgeklärt sind, z.B. ist Contergan Entzündungshemmend und Tumorhemmend. Daher ist Contergan z.B. für die Behandlung von Lepra seit 1998 von der FDA (Zulassungsbehörde in den USA) unter strengen Auflagen zugelassen.

Thalidomid (oder auch Contergan) wurde in Brasilien auch gegen Lepra erprobt und dabei kam es erneut durch unverantwortliche Gabe zu den bekannten Missbildungen (siehe Wikipedia, wo es für Laien recht gut erklärt ist.)

Meines Wissens nach gibt es unzählige klinische Tests, in denen Thalidomid u.a. auf tumorhemmende Wirkung untersucht wird (siehe PubMed-Datenbank, Suchbegriff thalidomide AND "clinical trial" für neueste Literatur). Und daher sollten man versuchen diesen meiner Meinung nach hochpotenten Wirkstoff von seiner neuen Seite zu Betrachten. Klar, man kann das vergangene nicht mit ALT-Backspace wieder rückgängig machen, aber viele Wissenschaftler und Ärzte (... leider nicht alle) haben sehr viel aus dem Contergan-Skandal gelernt und gehen mit höchster Verantwortung mit dem Wirkstoff um.

Wenn jedoch der verantwortliche Apotheker in der Farmácia an der Ecke in "Ignorantolândia no interior do Brasil" rezeptpflichtige Medikamente ohne Rezept verkauft, wer hat denn dann Mist gebaut? Der Hersteller, der Arzt, der Apotheker?

Und wenn dann wegen fehlenender Alphabetisierung der Zettel mit den Nebenwirkungen nicht gelesen werden kann. Wer hat den schwarzen Peter?

Und wenn auf dem Zettel genau deswegen eine durchgestrichene Schwangere abgebildet ist und das ganz so interpretiert wird, dass es sich um Verhütungsmittel handelt. Wer ist der Idiot?

Ihr seht, ganz so einfach ist es nicht....

Seb-BH hat geschrieben:Aber das Problem ist denke ich weniger das Contagan,

Und Seb-BH liegt mit seiner Vermutung richtig.



...SWK!

... der weiter an der Bildungsfront kämpfen wird, aber sich zuweilen wie Don Quichote bei den Windmühlen vorkommt.
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Das Wundermittel

Beitragvon Bequimao » Fr 11. Apr 2008, 15:54

Hallo,

Im letzten Spiegel (Nr. 15 vom 07.04.) ist ein Bericht über brasilianische Thalidomid-Opfer und ihre Organisation. Im Spiegel-Online findet ihr ein Interview Die Rückkehr von Contergan mit Maria Leide, der Lepra-Beauftragten am brasilianischen Gesundheitsministerium.

Vor fast 50 Jahren wurde Contergan in Deutschland verboten, weil es Tausende Kindern zu Krüppel machte. In Brasilien gilt der gefährliche Wirkstoff Thalidomid dagegen noch immer als Wundermittel. Maria Leide, ...

Viele Grüße,
Bequimão
Bequimão ist Manuel Beckmann, brasilianischer Revolutionär in Maranhão (?? - 1685).
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Re: Contergan-Opfer in Brasilien

Beitragvon Takeo » Sa 12. Apr 2008, 00:32

Auszug aus dem vorgenannten Interview auf Spiegel Online mit Maria Leide, Lepra-Beauftragte des brasilianischen Gesundheitsministeriums:

Leide: Talidomida gilt als sehr effektives und günstiges Medikament. Der Wirkstoff wird vorwiegend gegen Lepra eingesetzt, vor allem im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit, wenn die Patienten bereits unter starken Symptomen leiden und im Krankenhaus behandelt werden. Das Medikament ruft sehr starke Körperreaktionen hervor. Der Körper zerstört dann nicht nur die Lepra-Bazillen, sondern zum Teil auch das Gewebe, in das sie sich eingenistet haben.

(...)

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland ist der Wirkstoff nicht ohne Grund sehr lange absolut verboten gewesen. Schwangere Frauen, die ihn in den sechziger Jahren verwendeten, haben zum Teil Kinder ohne Arme oder mit anderen körperlichen Verformungen zur Welt gebracht. Wieso schränkt man die Abgabe von Thalidomid nicht auch in Brasilien viel stärker ein?

Leide: Ich hielte das für keine gute Entscheidung. Natürlich sind solche Fälle tragisch, aber Sie dürfen nicht vergessen, dass Thalidomid vielen Lepra-Kranken hilft. Die Brasilianer stehen dem Medikament grundsätzlich positiv gegenüber.

vollständiges Interview: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mens ... 74,00.html
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