Das Stadtbild São Paulos wird gesäubert

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Das Stadtbild São Paulos wird gesäubert

Beitragvon brasilmen » Mo 12. Feb 2007, 06:49

Das Stadtbild São Paulos wird gesäubert
Drastische Massnahmen gegen Aussenwerbung

Der Bürgermeister der brasilianischen Metropole São Paulo hat der optischen Verunreinigung seiner Stadt den Kampf angesagt. Werbung im öffentlichen Raum ist drastisch eingeschränkt worden.




O. I. São Paulo, im Februar

Statt riesiger Werbebotschaften gähnen weisse Flächen von den Wänden der Hochhäuser der grössten Stadt Lateinamerikas. Beleuchtete Stellwände entlang der Schnellstrassen São Paulos tragen keine Plakatbotschaften mehr, sondern sind grau übermalt. An den Autobussen sind die Reklamebilder verschwunden; die Betreiber, der Zusatzeinnahmen beraubt, werden die Fahrpreise erhöhen müssen. Seit dem 1. Januar wird mit Strafen von umgerechnet bis zu 6000 Franken belegt, wer die neuen Vorschriften für Aussenwerbung nicht einhält. Und diese Vorschriften sind so rigoros, dass Werbung im öffentlichen Raum praktisch verschwunden ist.

Riesige Einnahmen verloren
Die Zehnmillionenstadt hat quasi über Nacht ihr Erscheinungsbild verändert. Zuvor war nicht nur praktisch jede freie Hauswand mit Werbebotschaften zugepflastert, sondern beschriftete Banner zwischen Strassenlaternen und Bäumen schufen zusätzliche Werbeflächen. Ein Wildwuchs, den der liberale Bürgermeister Gilberto Kassab als «visuelle Verunreinigung» anprangerte und mit einem Befreiungsschlag beseitigte. Vereinzelte Plakatwände stehen zwar noch, weil deren Besitzer gerichtlichen Einspruch eingelegt haben. Doch die Werbeindustrie gibt sich kaum der Illusion hin, die populäre Massnahme Kassabs aushebeln zu können; sie hat sich grollend der Anordnung gefügt.

Luiz Gustavo, Senior Art Director der Werbeagentur Centoeseis in São Paulo, legt ein rund hundertseitiges Konzept für die Nutzung der Aussenwände des neuen Shoppingcenters Santa Cruz auf den Tisch. Es ist jetzt Makulatur. Das Konzept sah die Vermietung Dutzender von Tafeln vor und hätte dem Betreiber monatlich rund 250 000 Franken eingetragen. Die neuen Vorschriften erlaubten nur noch viel kleinere Plakate, erklärt Gustavo, so dass sich dafür kaum jemand interessiere. Er schätzt die kumulierten Verluste der Grafik- und Werbeindustrie auf 130 Millionen Franken pro Monat. São Paulo sei das grösste Druckzentrum Lateinamerikas, niemand mehr investiere in die teuren Maschinen zur Herstellung der Riesenplakate. Die Werbeindustrie hege keinen Zweifel, dass sich die Kampagne gegen die optische Verunreinigung von São Paulo aus auf ganz Brasilien ausweiten werde.

Ausweichen auf andere Werbekonzepte
Ganz der Tausendsassa, lässt der Art Director Gustavo den Kopf nicht hängen, sondern freut sich darauf, neue Werbekonzepte ersinnen zu können, zum Beispiel Böschungen mit in den Rasen gefrästen oder in Blumenform abgefassten Botschaften. Die Werbesumme werde einfach auf andere Kanäle verteilt. Allerdings sind manche Vorkehren getroffen worden, um diese Verlagerung nicht zu simpel zu machen. Werbeschleppen ziehende Flugzeuge sollen den Beschränkungen ebenso unterliegen wie Sandwichtafeln tragende Personen, auch Handzettel dürfen nicht mehr wahllos verteilt werden. Die Politiker sind mit gutem Beispiel vorangegangen und haben schon im letztjährigen Wahlkampf die Gegend mit ihren Konterfeis sparsamer verklebt. Bürgermeister Kassab muss sich allerdings auch Proteste gefallen lassen. Als ihm dieser Tage ein Schriftenmaler seine existenziellen Sorgen vortragen wollte, reagierte Kassab äusserst rabiat und musste von Gehilfen zurückgehalten werden. Die Szene schaffte es in alle Fernsehkanäle und auf die Titelseite der «Folha de São Paulo» - negative Reklame für den hemdsärmligen Prefeito.

Die Stadtverwaltung verfolgt mit den neuen Vorschriften auch fiskalische Zwecke. Schon bis anhin waren für Aussenwerbung Gebühren fällig, doch kaum jemand hielt sich daran. Fortan soll den öffentlichen Raum nur noch eingeschränkt nutzen können, wer dafür bezahlt und die Einschränkungen akzeptiert. Riesenplakate wie jenes mit einer mit Reizen nicht geizenden Nixe an einer Kurve sollen nicht mehr erlaubt sein - zu viele Karambolagen hatten sich dort ereignet.
Gruss brasilmen Thomas
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