Den kleinen Unterschied zwischen Brasil und Alemannien

Aktuelle Tendenzen und Prognosen der brasilianischen Regierungspolitik und Wirtschaftsentwicklung / Daten und Fakten aus der mehr als 500-jährigen Geschichte Brasiliens

Den kleinen Unterschied zwischen Brasil und Alemannien

Beitragvon Gast » Fr 24. Dez 2004, 20:36

bekommt man hier so beiläufig mit, weil sich keiner aufregt sondern MACHT !!!!
Gestern in Sao Paulo, Rio und einigen anderen Großstädten schlossen die Shoppings nicht wie gewohnt sondern die Belegschaft fast aller lojas arbeitete durch, ja richtig von gestern morgen bis heute nachmittag. Warum ? Ganz klar und einfach - es war notwendig, da die Konsumenten die Läden derart, auch in der Nacht frequentierten, dass es Sinn machte.
Da wurde nicht groß diskutiert, da wurde improvisiert, da gab es DJ`s in manchen Läden, Kanapees in den anderen, auch Shaker wurden schnell engagiert um die werte Kundschaft zu unterhalten.
Was das mit Teutonnien zu tun hat - ja, das frage ich mich auch. Nur beim Denkansatz hätten die Mitarbeiter schon die Arme verschränkt oder ihren Gewerkschaftssekretär angerufen, der sicherlich mittels einstweiliger Verfügung dieserlei Aktivitäten im Keim erstickt hätte.
Darum ist Deutschland heute auch da wo es sich befindet - und wenn Brasilien so weiter macht dann überrunden die die Deutschen auch noch !
Das ist meine kleine, aber wahre , Weihnachtsgeschichte - in diesem Sinne, liebe Brasilienliebhaber, wir wünschen Euch was - Fatima, Aline, Rayanne und Thieß aus Natal - wo ließe es sich weihnachtlicher weihnachten als in Weihnachten. :lol:
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Beitragvon Bagi » Sa 25. Dez 2004, 14:28

Um diesem Ansturm der Konsumenten der Mittel- und Oberschicht in der Vorweihnachtszeit standzuhalten, werden für diesen Zeitraum Billigstlohnkräfte eingestellt, die selbst nach Mitternacht für 3R$/h arbeiten müssen. Von anfallenden Mehrkosten für die Geschäfte kann man kaum reden. Schlecht für die "modernen Sklaven", gut für den Konsumenten und Geschäftsbesitzer.

Aber so ist das Leben in Brasilien. Wer hat der hat … das ist der große Unterschied.
Bis dann
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Es wird wie immer ausgenutzt!

Beitragvon Hans » Sa 25. Dez 2004, 14:43

Waren die Impregados so lange im Geschäft, weil sie den Kunden "gutes" tun wollten, oder war es die Angst um den "guten" Job, die vielen Verkaufsmitarbeiter dazu veranlaßte, die Familien mit den Kindern, die sich die Väter und Mütter daheim wünschten an diesem speziellen Fest der Familie, allein zu lassen??
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Meu Deus -

Beitragvon Gast » Sa 25. Dez 2004, 18:56

Was ich doch nur sagen wollte, ich sach es nochmal jetzt ganz einfach : " Was Deutschlands Wirtschaft und Menschen fehlt ist jegliche Flexibilität !"
In Brasilien , USA und vielen anderen Staaten ist der Bürger flexibler was die Arbeit angeht. Ist die Arbeit nicht bei mir um die Ecke zu bekommen, ja dann muß ich vielleicht mal von Hannover nach Heidelberg ziehen oder nach Cuxhaven - da fangen die Leute in Alemannien aber an zu weinen. Nein, das geht doch nicht, meine ganzen Kumpels und die Familie, blabla - das meine ich mit fehlender Flexibilität, und da haben uns andere Völker, u.a. auch die Brasis einiges voraus. Bin ich nun verstanden worden oder nicht oder was oder ist doch auch egal - macht lieber noch ein Bier auf und geniesst das Leben. 8)
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Beitragvon Bagi » Sa 25. Dez 2004, 19:25

Ja Thieß, was die deutsche Wirtschaft betrifft hast Du schon Recht.
Aber was die Flexibilität der Brasilianer betrifft, mache ich ganz andere Erfahrungen.
Der temporären Billigkraft im Supermarkt geht es schlicht und einfach darum ein paar Reais zu verdienen und nicht um Umsatzsteigerung, Zufriedenstellung der Kunden, etc.
Der Fachkraft aus der Mittel- und Oberschicht würde es nie im Traum einfallen, wegen Arbeitslosigkeit einen Wohnsitzwechsel vorzunehmen. Welch ein Drama bei uns in der Firma, wenn mal ein Brasi auf Geschäftsreise muss. Einen Trip in die USA oder Deutschland machen die lieber mit der Familie im Urlaub. Selbst zwei oder drei Tage nach Brasilia sind schon eine Tragödie.

Brasilianer und flexibel bei der Arbeit? Fehlanzeige!!


Mein Bier (das 4.) ist übrigens schon auf :lol: :beer:
Bis dann
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Da lieber Bagi

Beitragvon Gast » Sa 25. Dez 2004, 21:28

hast Du wohl auch Recht, zumindest was Sao Paulo betrifft. Ich habe hier im Nordosten durch die Firma in der meine Frau beschäftigt ist (PETROBRAS) andere Erfahrungen, viele von hier arbeiten in Rio, Salvador oder offshore - die Familie bleibt hier und wird gegebenfalls später nachgeholt, haben wir selbst exerziert. Ansonsten werde ich mich jetzt aufmachen, Dich beim Trinken einzuholen. :lol:
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Beitragvon vasco » Mo 27. Dez 2004, 11:50

Hallo Thieß,

ich glaube wir kennen zwei verschiedene Deutschländer. Ich kenne Leute unter 30, die aus Streß schon einen Magendurchbruch hatten, andere mit Bandscheibenvorfällen und Piepsen im Ohr (mir fällt gerade nicht ein, wie die Krankheit heißt, aber sie entsteht zu 99 % aus Streß). Ich würde sagen mehr wie hier zum Teil in der freien Wirtschaft gearbeitet wird, geht kaum noch.
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Beitragvon Careca » Mo 27. Dez 2004, 12:49

vasco hat geschrieben:Piepsen im Ohr

Tinitus.
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Re: Meu Deus -

Beitragvon Careca » Mo 27. Dez 2004, 14:47

*Auf Verlangen gelöscht, da Rechte Dritter betroffen*
Zuletzt geändert von Careca am Sa 10. Nov 2007, 13:57, insgesamt 1-mal geändert.
Abraços
Careca

"No risc, no fun!
MfG Microsoft"
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Beitragvon Floriano » Mo 27. Dez 2004, 15:47

Ich kenne einige der beschriebenen Seiten.

Als Angestellter "zwang" uns niemand zur 75-Stunden-und-mehr Woche, aber dennoch war sie die Regel, nicht die Ausnahme. Wir verdienten viel Geld und es wurde viel von uns erwartet. Wenn Du nach zwölf Stunden in der Firma zu hören bekommst, dass diese oder jene Präsentation am nächsten Tag um 10:00 fertig sein muss, dann sagt der Boss natürlich nicht, dass das in der Nacht zu geschehen hat, aber wenn es bereits 19:00 Uhr ist und die Präsentation roundabout 5 Stunden in Anspruch nimmt, dann bleibt einem nicht viel Spielraum. Überstundenvergütung? Fehlanzeige. Ein Dankeschön? Natürlich auch nicht. Wir haben es häufig gerne getan, die Bezahlung stimmte ja auch - aber niemand hielt das länger als ein paar Jahre aus, manchmal nicht der Kollege, häufiger nicht die Familie. Freundeskreise zerbrachen nach und nach, wenn mal ein Bier gezischt wurde, dann im Kreise der Kollegen - natürlich mit dem Gesprächsthema "aktuelles Projekt/Problem/Lösungsansatz/...".
Da ich noch immer viele Kontakte in die Branche habe, kann ich verfolgen, dass es nicht besser wird, sondern härter - und da mittlerweile entsprechend viele qualifizierte Kräfte am Markt verfügbar sind, wird die Arbeit nun auch für weniger Geld gemacht (mit dem gleichen Druck, den gleichen Überstunden, den gleichen Verträgen mit 21 Tagen Urlaub, der irgendwann in der Zukunft vielleicht mal genommen werden kann - oder am Ende des Arbeitsverhältnisses ausbezahlt wird, sofern er nicht verfällt).

Als Unternehmer in Deutschland habe ich nicht weniger gearbeitet, aber einige Angestellte waren der Meinung, dass nach exakt 8 Stunden Arbeitszeit Schluss sein muss, schliesslich wartete der Kinobesuch, die Bar, die Freundin. Mit Zuckerbrot und Peitsche liess sich etwas Flexibilität (nicht Sklaventum) aufbauen - es ging besser und besser. Je mehr Verantwortung sie übernahmen, desto mehr identifizierten sie sich mit der Arbeit, desto stolzer wurden sie darauf.

Als Unternehmer in Brasilien ist es schwieriger, Arbeitskräfte dazu zu mobilisieren, dass sie sich für das Unternehmen einsetzen, dass sie mal länger arbeiten, dass Neuerungen nicht nur mehr Arbeit bringen, sondern auch mehr Kundschaft, in der Folge auch mehr Einkommen. Die Arbeitnehmerrechte hier sind gross - und wer gehen will, der geht - soll der Chef doch zusehen wo er bleibt. Im Gegenzug endet der Versuch, eine/n Angestellte/n zu entlassen, stets vor'm Arbeitsgericht und verursacht nicht unerhebliche Kosten. In dieser Hinsicht folgt Deutschland immer mehr Brasilien.

Die Löhne hier sind niedriger als in Deutschland, die Motivation der (meisten) Mitarbeiter ist es auch - die Lohnnebenkosten jedoch unterscheiden sich nicht wesentlich. Wer guten Service bieten will, der zahlt mehr als den Mindestlohn - und hofft, dass die Mitarbeiter sich auch nach ein paar Wochen noch daran erinnern.

Dieses ist übrigens kein Gejammer, es ist einfach die Realität (wer erinnert sich noch an Neto's Bericht über "schlaue" Arbeitskräfte?) und es liegt an jedem Einzelnen, wie er sich damit arrangiert. Meine Zeit hier in Brasilien ist noch recht kurz, so dass ich zur Beschreibung der Zustände hier auch auf Schilderungen von Bekannten zurückgreifen muss - ich sie aber nach meinen drei Monaten hier auch bestätigen kann.

Im Resultat ist der höhere Service wohl nur für den Kunden von Vorteil (und zwar nur so lange, wie er Kunde ist), für Unternehmer und Angestellte ist es ungleich schwieriger.

Florian
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