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 Betreff des Beitrags: Den Rhythmus in den Beinen - Carnaval in Olinda
BeitragVerfasst: 15 Feb 2007 06:56 
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Registriert: 30 Nov 2004 08:10
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Den Rhythmus in den Beinen
VON NINA VOIGT, 14.02.07, 15:29h
Besucher aus aller Welt feiern dort mit, wo sich der brasilianische Karneval noch seinen ursprünglichen Charme bewahrt hat.
Wer nicht aufpasst, ist innerhalb weniger Sekunden klatschnass. An fast jeder Ecke stehen mit riesigen Wasserpistolen bewaffnete Spaßvögel, die in die Menge zielen - und besonders gerne einzelne Opfer gezielt aufs Korn nehmen. Bei mindestens 30 Grad im Schatten ist jeder Spritzer Wasser eine angenehme Erfrischung für die feierfreudigen Menschenmassen, die sich in den steilen Gassen der Cidade Alta tummeln, der Altstadt von Olinda.

Das Küstenstädtchen im Nordosten Brasiliens liegt am Hang. Von ganz oben bietet sich an Karnevalstagen der beste Blick auf das Narrentreiben in den engen, bunt geschmückten Straßen, an deren Fuß das Meer in der Sonne glitzert. Zwischen pastellfarbenen Kolonialkirchen und Herrenhäusern aus dem 16. Jahrhundert posieren, plaudern, tanzen und trinken hier Tausende gut gelaunte Frauen und Männer in kurzen Hosen, bunten Perücken und farbenprächtigen Eigenkreationen aus wenig Stoff und vielen Federn, Pailletten oder Kunstblumen. Kostüm heißt auf Brasilianisch „Fantasia“, und entsprechend frei fühlen sich die Brasilianer in der Wahl ihrer Verkleidungen: Es sind auch jede Menge brasilianische Rotkäppchen, Cowboys und Piraten unterwegs.

Es ist nicht nur die historische Kulisse des Kolonialstädtchens - seit 1982 Weltkulturerbe der Unesco -, die dem närrischen Treiben ein besonderes Flair verleiht. Am Straßenkarneval von Olinda nimmt die ganze Stadt teil: In mehr als 500 offiziell gemeldeten Gruppierungen, den „Blocos“, ziehen die Bewohner unablässig in Karawanen die Altstadtstraßen hinauf und hinunter. Ein brodelndes Volksfest, das locker zehn Tage dauern kann. Da gibt es Karnevalsvereine in aufwendiger Kostümierung, da mischen sich afrobrasilianische Traditionen wie Afoxé und Maracatú, deren Tänze und Lieder Candomblé-Göttern gewidmet sind, mit Einflüssen der indigenen Kulturen Brasiliens, dargestellt von Flöte spielenden „Caboclinhos“ mit Pfeil und Bogen. In einer Gasse defiliert eine Tanzschule, gefolgt von einem Tross aus Blasorchestern und Musikkapellen, während um die Ecke ein Zusammenschluss von Nachbarn in selbstbedruckten T-Shirts fröhlich hinter einer Trommelgruppe herläuft. Markenzeichen und Höhepunkt an vielen Karnevalstagen in Olinda sind die Paraden der „bonecos gigantes“: mehr als drei Meter hohe Puppen mit riesigen Pappmaché-Köpfen, die von starken Männern aus dem Ort geschultert werden und Politiker, Prominente und Figuren aus der lokalen Folklore darstellen. Absperrungen gibt es keine, das Publikum ist die ganze Zeit mittendrin im Geschehen. Trotz des Rauschs aus Farben und Klängen scheinen sich alle hier zu kennen und jederzeit Muße für ein kurzes Schwätzchen mit Bekannten am Zugrand zu haben. Oder an einem der vielen Stände einen „Caipifruta“ aus dem Plastikbecher zu schlürfen: Variationen des Cachaça-Cocktails Caipirinha mit Erdbeeren, Trauben oder Maracuja. Jung und Alt trifft sich zum ausgelassenen Tanzen und Feiern vor den über die Stadt verteilten Bühnen, wo eine Musik im Vordergrund steht: Der Frevo, eine Art tropische Polka, getanzt in der Hocke mit akrobatischen Sprüngen und Verrenkungen, ist der bekannteste Rhythmus des Bundesstaats Pernambuco. Frevo steht für den Karneval der Region wie die Samba für Rio de Janeiro.

Während die Karnevalshochburg am Zuckerhut allerdings vor allem für Aufzüge der Sambaschulen im so genannten Sambodromo bekannt ist, die zwar spektakulär, aber auch sehr exklusiv sind, schätzen viele Brasilianer den authentischen Straßenkarneval im Nordosten des Landes. Olindas Karneval hat sich seinen ursprünglichen Charme bewahrt, auch wenn das Narrenfest dort längst kein Geheimtipp mehr ist und im Verlauf der tollen Tage rund eine Million Menschen das Küstenstädtchen besuchen. Die Einwohner feiern gemeinsam mit Brasilianern aus anderen Teilen des Landes und Touristen aus aller Welt, jeder darf mitmachen. „Es ist ein fröhlicher, sehr volksnaher Karneval, denn anders als in Rio oder Salvador muss hier niemand bezahlen, um dabei zu sein“, sagt die 28-jährige Sâmia, die mit Schwester und Freunden aus dem etwa 800 Kilometer entfernten Fortaleza angereist ist. Unermüdliche wie sie fahren abends, wenn es in Olinda etwas ruhiger wird und die Straßenhändler sich hinter ihren Ständen schlafen legen, rüber nach Recife - zum Weiterfeiern.



http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1171275740644




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Gruss brasilmen Thomas
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