Ah Mikelo,
es ist so traurig und doch hab ich so gelacht, als ich deinen Beitrag gelesen hab.....
Ja, ja, umziehen ist etwas, daß man sich in Brasilien GANZ GENAU überlegen oder prinzipiell einfach vermeiden sollte.
Hab grade die Erfahrung gemacht und ich sag nur "NIE WIEDER!"
Nur eins war klasse, unser alter Vermieter hat sich einen Dreck um alles geschert und somit brauchten wir nicht mal irgendeine Vertragsstrafe zahlen, weil wir vor Ablauf ausgezogen sind, oder uns um die anteilige IPTU streiten (er zahlt sie nämlich eh nicht), das gleiche mit Condominio und evtl. Reparaturen nach Auszug.
Also RAUS kamen wir leicht... aber REIN in die neue Wohnung... was ein Stück harter 8und vor allem teurer) Arbeit!
Zuerst einmal "Wie finde ich eine neue Bleibe in Brasilien?"
Wir haben in Sao Paulo gewohnt und wollten nach Piracicaba. Zuerst einmal mußten wir also viele Tage opfern, um in Pira von einer Imobiliaria zur nächsten zu rennen und uns Häuser und Apartments anzusehen.
An Angeboten mangelt es glücklichereise nicht, aber wenn man Vorstellungen bezgl. Lage, Infrastruktur und vor allem Preis hat, fallen dann doch schon viele weg.
Gut, aber etwas passendes kann man schon finden.
Man darf sich nur nicht der Illusion hingeben, daß es damit getan wäre....
Für alle, die Neulinge in diesem Thema sind: Erneut trifft man in Brasilien auf einen Bürokratiedschungel, wenn man eine Wohnung mieten will.
1) Jemand, der eine Art "Schufa-Eintrag" auf seiner CPF hat, kann schon mal NICHT als Mieter in Frage kommen.
Mein Mann hat da unberechtigterweise einen Eintrag und so wurden wir von der ersten Imobiliaria schon gleich abgelehnt.
2) Wenn man verheiratet ist, trifft diese "schmutzige" CPF auch den Lebenspartner.... also zweiter gescheiterter Versuch, die Wohnung auf meinen Namen zu nehmen, aber anzugeben, daß wir verheiratet sind...
-> Lösung: (wie immer) lügen! Beim dritten Versuch haben wir also angegeben, daß die Wohnung nur für mich sei, wir seien ein Paar, aber nicht verheiratet und würden auch nicht zusammen wohnen

......
3) Der zukünftige Mieter muß sich durchleuchten lassen. Kopien von CPF, Passport, Protocolo, Carteira de Trabalho, Arbeitsvertrag, Lohnnachweise usw usf
Ich, z.Z. ohne Job, durfte also wieder jeitinhomäßig ein paar Sachen.... ja, FÄLSCHEN........
Merke: Auch jemand ohne Arbeit kann keine Wohnung mieten... (Alternative: unter der Brücke? Favela?)
4) Es reicht nicht, daß der zukünftige Mieter ein Einkommen hat; es muß auch noch ein Bürge her. Ein Bürge kann aber nur sein, wer auch eine saubere CPF, einen Job, gutes Gehalt und min. eine Immobilie sein eigen nennt. In userem Fall sollte er sogar 2 haben...... denn laut Gesetz kann im Fall der Fälle das Eigentum, in dem man wohnt, nicht angetastet werden.
Nun finde sich mal diese Traumperson hier in Brasilien und sei dann auch noch bereit, sein Hab und Gut auf´s Spiel zu setzen...
Und wieder (ich geb´s ja ungern zu, aber...) mußten die Unterlagen von mehreren Personen in einer vereint werden
Nun war die Vermieterin aber wohl auch schon leicht verzweifelt, jedenfalls ging alles durch, Vertrag wurde unterschrieben und der umzug stand vor der Tür.
Gleiches Problem wie bei mikelo: Woher die Leute kriegen, die beim Umzug helfen? Eine professionalle Firma engagieren sprengt jedes Budget, das fiel also schon mal aus.
In Sao Paulo auf der Straße warten die Truckis aber an bestimmten Orten, man spricht sie einfach an und verhandelt den Preis.
So haben wir auch jemanden gefunden, der unseren kleinen Haushalt für 650,- R$ von A nach B mit 2 Hilfskräften bringen würde.
8 Uhr verabredet, 9 Uhr war noch nichts von ihnen zu sehen.... 9:30 ging dann los.
Nun muß ich den armen Männern zugute halten, daß es wirklich eine Schei*arbeit ist, Möbel zu schleppen und das bei der Hitze usw.
Aber es fehlt auchjegliche Vorsicht oder Überlegung, einige Teile vielleicht abzupuffern oder einzuwickeln, oder, oder, oder...
Alles wurde mehr oder weniger in den Truck gepfeffert und los gings.
Im neuen Zuhause stehen jetzt also mehrere angeschlagenen Möbelstücke - das hab ich nur hingenommen, weil ich so glücklich war, aus Sao Paulo raus zu sein...
Nun noch der letzte Punkt:
5) "Umziehen" heißt nicht nur, diese Zeit bis zum tatsächlichen Tag des Umzugs durchzustehen. Es hört auch danach nie auf
Man bedenke all den Trouble, den man hat, wenn man u.a. Telefon, Internet und Kabelfernsehen ummelden will - das geht hier nicht so einfach.
Weiterhin kann es ja auch passieren, daß man nicht gerade in einen nagelneuen Palast zieht, sondern - wie ich - in ein älteres Gebäude, bei dem sich die Mängel so nach und nach offenbaren.
Heute ist gerade die Spüle in der Küche zu Boden gekracht und hat die ganze Küche überschwemmt.... und nun wird sich bis auf weiteres mit der Besitzerin gestritten, wer das denn nun wieder bezahlen soll?...
Also, "Gott sei Dank bin ich umgezogen!" und "Verdammt, warum bin ich bloß umgezogen?" halten sich noch die Waage... Mal sehen, wie ich mich morgen fühle.
Gute Nacht!
Anna