Deutsch-Brasilianisches Rentenabkommen

Fragen zur Gesetzeslage in Brasilien, Einwanderungs-, Einfuhr- und Zollbestimmungen sowie Steuerfragen

Deutsch-Brasilianisches Rentenabkommen

Beitragvon Paraiba » Sa 29. Mär 2014, 23:29

Hallo,
ich bin frisch bei euch angemeldet und habe auch direkt schon eine Frage. Seit 2013 ist ein Deutsch-Brasilianische Sozialversicherungsabkommen in Kraft. Eine meiner Freundinnen ist Brasilianerin und lebt schon seit mehr als 20 Jahren in Deutschland. Im Rahmen der Kontoklärung hat die deutsche Rentenversicherung nach Schul- und Studienzeiten in Brasilien gefragt. Jetzt wollen sie auch ihre CPF. Sie hat während der letzten ca 10 -12 Jahre freiwillige Rentenbeiträge in Brasilien geleistet und immer auf eine zweite kleine Rente in Brasilien gehofft, da ihre Rentenansprüche in Deutschland nicht sehr hoch sind. Wisst ihr, ob man die Auskunft über die CPF verweigern kann? Für sie wäre es sicher vorteilhafter 2 Renten zu bekommen, als das alles in einen Topf geworfen wird. Zeitüberschneidungen sind nämlich bei der Rentenberechnung laut der offiziellen Broschüre nicht möglich.
Wir trauen uns nicht, bei der Rentenversicherung direkt nachzufragen.
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Re: Deutsch-Brasilianisches Rentenabkommen

Beitragvon guelk » Di 1. Apr 2014, 03:22

Natürlich kann sie die Angabe der CPF unterlassen, dann werden brasilianische INSS Zahlungen nicht mitgerechnet. Sie kann auch einfach nur um eine Berechnung bitten, ohne die BR Zeiten.
In DE ist es üblich die Schulzeit mitzunehmen, anders als in BR, darum die Frage nach dem Nachweis.

Das mit der Rente in BR ist aber eher sehr bescheiden, die Ansprüche sind auf ca. R$ 4200 gedeckelt und das wird eh selten erreicht. Wenn sie die ganze Zeit über Mindestbeitrag hatte, dann läuft das auf ein salário mínimo raus. Ist die Frage, welchen Unterschied es wirklich in DE macht, sollte man echt mal nachrechnen. Sie sollte einfach mal in BR nachfragen was sie bekommen würde, so wie in DE.

Vermutlich wäre es sowieso (wie in DE auch) besser gewesen, das Geld irgendwie anzulegen...
Ja, ich bin Rio gegenüber positiv eingestellt.
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Re: Deutsch-Brasilianisches Rentenabkommen

Beitragvon Paraiba » Di 1. Apr 2014, 05:46

Danke für deine Einschätzung Guelk.
Meine Freundin hat das Rentenalter noch nicht erreicht. Sie musste nur aktuell in Ihrem Rentenverlauf Lücken klären und dabei kam plötzlich die Frage nach brasilianischen Schul- und Studienzeiten.
Ihr ist klar, dass die Zahlungen in Brasilien nicht mehr als ein Salario bringen werden. Da sie in Deutschland jedoch nur wenig verdient wird auch die deutsche Rente gering ausfallen und jeder Euro oder Real mehr ist da willkommen.
In der Infobroschüre über das Rentenabkommen steht, dass Zeiten nicht doppelt angerechnet werden können. Das ist bei ihr die Gefahr. Während ihrer freiwilligen Zahlungen in Brasilien war sie ja gleichzeitig in Deutschland als Pflegehelferin beschäftigt.
In ihrem Fall könnte dieses Rentenabkommen also nachteilig sein und sie sollte versuchen, soweit möglich, beide Systeme getrennt zu halten und die CPF nicht herauszugeben. Mal sehn, ob das möglich ist.
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Re: Deutsch-Brasilianisches Rentenabkommen

Beitragvon cabof » Di 1. Apr 2014, 06:25

Hallo Paraiba -

Du kommst nicht Drumherum bei Deinem Rentenamt persönlich vorstellig zu werden, Adresse unter Google und Terminvereinbarung per Internet. Die reissen Dir nicht den Kopf ab - in Köln war die Beratung sehr kompetent,
mein Fall war aber etwas anders gelagert.

Ja, die CPF mußte mein Freund zwingend angeben.

2 Sachen sind noch in Klärung: ist die Rente in DE steuerpflichtig oder nicht? Antwort offen. Er muß zudem dem
Rentenamt ALLE Brasil. Einkünfte bekanntgeben, wie auch immer - Antwort offen.

"Vorteil" hier - er bekommt in BR mehr deutsche Rente (ca 100 Euros) als hier, weil KV und PV wegfallen - der "Vorteil"
wird aber wieder aufgefressen durch die hohen Bankkosten/schlechter Wechselkurs in Brasilien.

Viel Glück und berichte mal.
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Re: Deutsch-Brasilianisches Rentenabkommen

Beitragvon ptrludwig » Fr 4. Apr 2014, 18:45

Der deutschen Rentenversicherung geht es in erster Linie nicht um die Beiträge welche in Brasilien gezahlt wurden, sondern um die Zeiten welche zurück gelegt wurden, denn die werden dann in Deutschland mitgerechnet. Würde heißen 20 Jahre Brasilien und 20 Jahre in Deutschland, wären 40 Jahre die angerechnet werden. Die deutsche und auch brasilianische Rentenversicherungen zahlen allerdings nur die Rente für die Beiträge gezahlt wurden.
Könnte es jetzt vielleicht sogar so sein das beide 40 Jahre anrechnen? Denn auch die brasilianische RV müsste doch für die eingezahlten Beiträge eine Rente zahlen.
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Re: Deutsch-Brasilianisches Rentenabkommen

Beitragvon cabof » Sa 5. Apr 2014, 07:30

guckst Du hier: E-Mail: apsai.florianopolis@previdencia.gov.br
Internet www.previdenciasocial.gov.br

In meinem Fall, haben die sogar geantwortet.

Leute, das Feld "Rente" ist dermaßen komplex und kompliziert, zumal wenn es sich um DE/BR Angelegenheiten
handelt, da kommt man nicht umhin prof. Hilfe - sprich Rentenamt - in Anspruch zu nehmen.

Bei meinem Fall war es easy, es ging nur um die Überweisung der DE Witwenrente nach Brasilien, und es sind
immer noch 2 Fragen offen... Steuer in DE und Angabe der Einkommen in BR... er wird in wenigen Jahren auch
eine Brasil. Rente beziehen, dann wird der Fall wieder akut... aber das soll nicht mehr meine Sorge sein.
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Re: Deutsch-Brasilianisches Rentenabkommen

Beitragvon Paraiba » Sa 5. Apr 2014, 08:07

Danke für alle Ratschläge. ich hatte Glück, gestern fand in Düsseldorf ein Vortrag genau zu meinem Thema statt. Da bin ich natürlich hingefahren. Es ging dort speziell um das vor einem Jahr in Kraft getretene Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und Brasilien.
Hier kann man die deutschsprachige Broschüre downloaden:
http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Nordbayern/de/Inhalt/2_Rente_Reha/01_Rente/01_Grundwissen/05_Ausland_und_Rente/Verbindungsstellen/04_Brasilien/Brasilien.html
Es gibt die Broschüre auch übersetzt, ich habe sie auf dem Rechner gespeichert und kann sie bei Bedarf verschicken. Leider weiß ich nicht mehr, wo ich sie gedownloaded habe.
Der Vortrag war interessant und es gab die Möglichkeit, den Referenten einzeln zu befragen. Ich habe "meine" Fragen angebracht.
Fazit / Kurzfassung: Für meine Freundin bringt dieses Abkommen nur Vorteile. Um eine bestimmte Anzahl von Rentenmonaten voll zu bekommen, z.B. 5 Jahre um in Deutschland überhaupt einen Rentenansprich zu haben, zählen brasil. Versicherungszeiten mit. Das gilt auch, wenn man die Rente nach 45 Jahren beantragen möchte.
Ausgezahlt wird aber nur die Rente, die im jeweiligen Land erwirtschaftet worden ist. Man bekommt also bei entsprechender Beitragszahlung zwei Renten.
Kindererziehungszeiten / Arbeitslosigkeit / Ausbildingszeiten ohne Beitragszahlung werden nur in Deutschland anerkannt.
Die Beantragung beider Renten wird jeweils in dem Land gemacht, in dem man seinen Wohnsitz hat.

Der Referent hat natürlich noch etliches über entsandte Arbeitnehmer sowie über Alterrente / Krankenversicherung wenn man z.B im Alter in Brasilien lebt... erklärt. Das kann ich hier jetzt nicht alles wiedergeben.

Er hat dazu aufgefordert, die Rentenversicherung zu kontakten und rechtzeitig nachzufragen. Dort gibt es Beratung und in Berlin ist eine speziell geschulte Abteilung. Nicht jeder Sachbearbeiter kennt sich mit all diesen speziellen Fragen aus.
Wir sind jetzt auf jeden Fall ein ganzes Stück weiter.
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