Deutsche Presse oftmals daneben.

Alles über Brasilien aus der internationalen Presse (Beiträge bitte max. anreissen, unbedingt die Quelle verlinken sowie ein eigenes kurzes Statement abgeben).

Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon Colono » Do 29. Mai 2014, 18:01

Admin hat geschrieben: Es geschieht auf der Straße, in Hotels und mit Zustimmung aller Beteiligten. Und da jeder seinen Vorteil hat, passiert nix.


Ah, da fällt mir noch was ein zu.

Vor kurzen haben sie bei uns im Nachbarmunicipio einen Deputado deshalb kaltgestellt. =D>

http://ndonline.com.br/joinville/noticias/11018-nelson-goetten-e-preso-por-denuncia-de-pedofilia-em-santa-catarina.html

Also der Wille wäre schon da. Könnte man vielleicht in Deutschland mal als Beilspiel :mrgreen: erwähnen.

Nachtrag: In Brasilien wird pädofil rechtlich gesehen als Förderung der Prostitution minderjähriger bezeichnet. Also, das würde so manchen anderswo angewandt Kopf und Kragen kosten.
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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon Admin » Do 29. Mai 2014, 22:15

Naja, da kommen wir nicht zusammen. Du hast dich Eingangs beschwert, dass die deutsche Presse so schlecht berichtet. Aber sie hat recht damit. Die brasilianische Gesellschaft ist nun einmal so. Es werden viele Kinder mit Wissen vieler ausgebeutet. Da hilft mir auch ein verhafteter Bulle nicht weiter. Der wollte vermutlich die Gewinne nicht teilen oder so.

Es gibt genug schöne Dokus über Brasilien, an Pfingsten laufen gleich hintereinander in der ARD. Die wahren Probleme im Land werden darin vermutlich leicht angekratzt. Die Probleme, die schon seit Jahren existieren, bleiben aber bestehen. Vor, während und nach der WM. Die Missstände sind durch die WM nun halt ins Licht der Welt gerückt, es wird stärker hingeguckt. Ein temporäres Phänomen, danach übernehmen dpa und Co. die fast immer identischen Meldungen von Mord und Totschlag nicht mehr.

Also in einem Land,wo Mütter ihre 10-jährigen Töchter für umgerechnet 3 Euro an jeden beliebigen geilen Bock vermieten, man im Stadion von einer Kloschüssel erschlagen werden kann, von Polizisten zu Tode geschleift wird weil man sich hat dummerweise anschießen lassen, Kinder beim Schlafen im Bett durch verirrte Kugeln sterben, oder man zusehen darf, wie die eigene Freundin am helllichten Tag in einem Van mehrfach vergewaltigt und die nicht näher bekannte Nachbarin aufgrund eines Facebook-Gerüchts vom Stadtteil-Mob qualvoll zu Tode geprügelt oder eine Frau in einem Geschäft für Kinderbekleidung in einem Stadtzentrum vor den Augen aller exekutiert wird, darf man wohl auch mal ein bisschen kritischer mit der Gesellschaft umgehen.

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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon Admin » Do 29. Mai 2014, 23:11

Bin gerade auf Facebook in der Timeline eines "Freundes" zufällig auf ein in Brasilien aufgenommenes Gewaltvideo gestossen, wo eine Frau eine andere verprügelt. 50.000 mal geteilt, tausende Kommentare (ebenfalls aus Brasilien) .. die meisten á la "hahahaha", "die hats verdient", "ist die doof sich erwischen zu lassen" - ein Typ ist wohl fremdgegangen ...

Selbstjustiz ist ja in Brasilien mittlerweile Normalität. Straftaten werden gar nicht oder kaum verfolgt, die Gefängnisse sind eh überfüllt. Die Gesellschaft guckt zu, wie Leute verprügelt uns abgeschlachtet werden - hat halt einen großen Unterhaltungswert!
Ich komme mir hier manchmal vor wie im tiefsten Mittelalter. Das Land macht mir mittlerweile richtig Angst!!!! Und ich frage mich, wie ich meine Tochter vor all diesem Dreck da vor meiner Haustür - und durchs Internet und Fernsehen kommt es auch hier rein - beschützen kann.

Um also zum Thema zurückzukommen: es wird weiterhin viel zu gut berichtet, die deutsche Presse ist viel zu harmlos mit ihrer Darstellung. Brasilien ist viel gefährlicher. Schliesslich ist die Chance, hier eines gewaltsamen Todes zu sterben mittlerweile ungefähr so hoch wie im Afghanistan, Irak oder Syrien. Ich glaube nur in El Salvador, Guatemala, Mexiko und Venezuela beisst man statistisch gesehen noch schneller ins Gras ... und das sollte jeder wissen, der sich ein Ticket nach Rio kauft!
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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon Alexsander » Do 29. Mai 2014, 23:51

Die Presse kümmert sich hauptsächlich um die Auflage, das ist Ihr Daseinszweck. Es geht nicht darum Wahrheiten zu verbreiten oder Probleme zu lösen. Genauso sucht sich der WM- oder Brasilienurlauber auch nur die "schönen" Wahrheiten und macht sich dann auf den Weg.

Bei uns Residents verändert sich die Sicht der Dinge halt mit der Zeit. Vieles sieht man nach Jahren doch viel kritischer wie am Anfang und man bekommt natürlich auch im Laufe der Zeit viel zu sehen. Habe selbst leider schon unfreiwillig einige Schiessereien miterlebt, unzählige Verkehrsopfer gesehen usw. usw. Zivilcourage ist leider auch keine typische Eigenschaft der Brasilianer. Sonst würde so manches Verbrechen nicht stattfinden !!

Leider wirkt die WM wohl noch als Turbo für diese Fehlentwicklungen. Die Deutsche Presse ist da ja zudem schon gezwungen alles unter dem Teppich zu halten.
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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon Trem Mineiro » Fr 30. Mai 2014, 00:44

zagaroma hat geschrieben:Also "Presse im Ausland" ist nicht richtig, andere Länder machen positive Werbung für Brasilien und freuen sich drauf. Es ist nur Deutschland, das wieder mal abkanzelt.


Also ich kann mich da nur der Meinung des Admins anschließen.
Die deutsche Presse ist ja nicht mit 20 Korrespondenten in Brasilien vertreten sonder kopiert letztendlich das, was man so in der Brasilianischen Presse ließt oder im Fernsehen geboten bekommt.
Und das Bild ist so schlecht, dass man an sich die Nachrichten-Zeiten verlängern müsste damit zum Schluß nach den Katastrophen- Chaos- Kriminal- und Korruptionsmeldungen noch ein paar Minuten für allgemeine (positive Themen) übrig bleiben würden. Aber die werden dann auch noch von schlechten Wirtschafts- und Finanzdaten verdrängt.

Wenn in D dann das Brasilienbild so negativ geworden ist, dann sicher nicht, weil man mit gezielten Übertreibungen dieses Bild erzeugt sondern weil Brasilien immer schon diese Probleme hatten, diese aber regelmäßig unter den Teppich gekehrt wurden und nun in Brasilien selber massiv angeprangert werden.

Brasilien ist nun mal kein tropisches Deutschland sondern ein Schwellenland, in vielen Bereichen noch 3. Welt und in den besseren Großstadtzonen und Touristen-Ecken scheinbar 1. Welt. Wenn man dort aber ein wenig am Lack kratzt, kommt sehr schnell ein sehr hässliches Bild ans Tageslicht, siehe die Demos und Feuer letztens an der Copacabana.

Die Residents hier, die in betroffenen Zonen wohnen, wissen das und verhalten sich entsprechend und haben aufgehört darüber viel zu lamentieren (außer natürlich hier im Forum). Die Touristen, die auf den Touristenpfaden bleiben, werden in der Regel wenig von dieser kritischen sozialen Situation in Brasilien merken. Ob das zu WM so bleibt, glaube ich nicht, weil Demonstranten und Touristen halt in der Nähe der Stadien aufeinandertreffen werden und das auch die hundsmiserable Infrastruktur zum Zusammenbruch bringen kann. Kann so sein, muss aber nicht.

Ich bin auch der Ansicht, das das Brasilienbild in der Welt, zu mindestens aber in D viel zu positiv ist. An der Realität muss da sicher gearbeitet werden, wobei ich das Titelbild im Spiegel mit "Tod und Spiele" als übertrieben fand, der Beitrag selber war schon realistisch und brachte nur bekannte Tatsachen konzentriert an Licht. Und in Wirklichkeit ist es noch schlimmer, klar nicht überall.

Colono ist ja das beste Beispiel dafür, dass in seiner Region friedlich und ruhig zugeht und es auch kaum soziale Probleme gibt, selbst die Politiker dort sollen ehrlicher sein (keine Ironie). Das Colono aber ob dieses paradiesischen Zustandes keine Nachrichten sieht oder selbst die Kenntnisnahme von Zeitungsmeldungen verweigert. Und weit braucht er nicht zu schauen, die Situation bei Morden und Kriminalität in Porto Alegre unterscheidet sich nicht groß von anderen kriminellen Großstädten in Brasilien.

Ausgehend, dass es in Brasilien halt nicht so doll ist, dessen braucht sich Brasilien nicht zu schämen, innerhalb der Bric-Staaten haben wir mit China, Indien, Russland und Südafrika die gleichen Verhältnisse, da ist mir Brasileins schon lieber und mit Angola und Mozambique wollen wir es erst gar nicht vergleichen.
Zu denken gibt mir nur, das Brasilien die 6-größte Wirtschaftsmacht ist und europäisch geprägt, da sollte man im Inland die Sachen schon in den Griff bekommen, stattdessen hat man heute im Fernsehen die neusten gepanzerten tarnfarbengestrichenen Truppentransporter vorgestellt, mit denen das Militär die Sicherheit in den Spielstätten sichern soll. Sieht dann ein bisschen wie die Ost-Ukraine aus. Wehe wenn dass dann die deutsche Presse schreibt.

Ist alles bedauerlich, aber irgendwie sind es die Brasilianer auch selber schuld.

Gruß
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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon Colono » Fr 30. Mai 2014, 14:34

Trem Mineiro hat geschrieben:Die deutsche Presse ist ja nicht mit 20 Korrespondenten in Brasilien vertreten sonder kopiert letztendlich das, was man so in der Brasilianischen Presse ließt oder im Fernsehen geboten bekommt.

Bravo Trem,

da hast du´s haargenau getroffen. Viele unserer Schreiberlinge versorgen sich mit Informationen oft nur über die Sozial-Networks. Da werden teilweise nur ins Internet gestellte Videos angeschaut. Oft verstehen sie die Gíria nicht genau.
Um brasilianische Zeitungen korrekt zu lesen, reicht es oft bei vielen noch nicht. Man verlässt sich da zu sehr auf den Google-Übersetzer bzw. hat seine traditionellen Klischees.

Ich selber schaue nun seit zwölf Jahren täglich Nachrichten im Fernsehen und lese Zeitung, man stumpft da schon irgendwie etwas ab. Da hat unser Trem manchmal recht.
Wenn mal was in die Luft geht oder es eine Schiesserei gibt, dann ist das fast jedesmal in RIO. Interessiert mich ehrlich gesagt heut zu Tage nicht mehr besonders. Ich fahr da genau so wenig hin wie nach Berlin. Zumindest gehts alle Jahre wieder in den Nordosten. Man lebt hier in Santa Catarina relativ in Ruhe gelassen und meiner Meinung nach etwas besser als in der "I.Welt". Einen Christo Retendor haben wir auch. Aber für unsere Brasilienreisenden scheint halt traditionell RIO der Mittelpunkt der Begierde zu sein. Ich war da auch schon mal. Nun gut, man ist ja auf der Welt um zu lernen.


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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon Itacare » Fr 30. Mai 2014, 21:19

Dank auch Dir, Colono. Natürlich hast Du nicht recht. Genau so wenig wie trem. Oder doch? Oder beide?
Letztlich, auf Europa übertragen, reden wir einerseits vom Nordkap und andererseits von Sizilien. Was soll man dazu noch sagen?
Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.
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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon cabof » Fr 30. Mai 2014, 21:55

Leute, Residents und Insider - Brasilien steht derzeit im Focus der Weltpresse und die Nachrichten sind eben so... Hand auf`s Herz -
lasst uns mal in der brasil. Presse der letzten 30 Jahre blättern, irgendeine Seite aufschlagen, es sind die gleichen Geschichten wie
heute - nur stand Brasilien nicht im Focus. Ich garantiere... nach der WM werden die BR Berichte in der Versenkung verschwinden - die
Kacke geht in BR weiter, verschlimmert sich vielleicht noch, sofern eine Steigerung möglich ist und die Welt nimmt keine Notiz davon.
Wird wieder zu Olympia aufleben - aber vielleicht ist dann eine neue Regierung an der Macht und ändert was - aber eher nicht. [-X
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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon Colono » Fr 30. Mai 2014, 23:08

Heute hat ein Brasilienversteher der angeblich die brasilianische Polizei erforscht und in Hamburg wohnt der "Die ZEIT" die brasilianische Polizei erklärt.

Die Zeit: Dennis Pauschinger. Er hat mehrere Jahre in São Paolo gelebt und für eine gemeinnützige Initiative gearbeitet, jetzt erforscht er von Hamburg aus die Polizei Brasiliens.


Er bezeichnete die Policia Federal in einem Artikel als paramilitaerische Einheit.

Die Zeit: die Bundespolizei ist eine paramilitärische Einheit und ein Teil der Streitkräfte. Sie untersteht dem Innenministerium.


Absoluter Quatsch, ob der überhaupt eine Ahnung hat was er da von sich gibt? Er sollte eigenlich wissen dass paramilitärische Einheiten ausdrücklich von der brasilianischen Verfassung verboten sind. Nun wer solche Spezialisten als Berater hat, braucht auch keine Laien. Da sieht man mal wieder woher sich Deutschland informiert. Ab Morgen übernehmen die Millitärs San Paolo :shock:


Wikipedia: Forças paramilitares são associações civis, armadas e com estrutura semelhante à militar. Todo grupo ou associação com fins político-partidários, religiosos ou ideológicos, formado por membros armados, que usam táticas e técnicas policiais e/ou militares para a consecução de seus objetivos, pode ser classificado como paramilitar. Em determinados casos, alguns dos membros de forças paramilitares também fazem parte das forças militares regulares. No Brasil, associações paramilitares são proibidas, segundo a Constituição Federal de 1988.

Constitução 1988: rt. 288-A. Constituir, organizar, integrar, manter ou custear organização paramilitar, milícia particular, grupo ou esquadrão com a finalidade de praticar qualquer dos crimes previstos neste Código: Pena – reclusão, de 4 (quatro) a 8 (oito) anos. O artigo 288-A foi acrescido ao Código Penal pela Lei nº 12.720, de 27 de setembro
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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon Admin » Fr 30. Mai 2014, 23:57

Ich sehe @colono, du liest meine Postings gewissenhaft. Kenne natürlich den Unterschied. Bin aber beim Schreiben irgendwie von einem Polizisten ausgegangen, keine Ahnung warum. Deswegen auch von der Geschichte mit dem nichts abgeben wollen ...

Ich hier in der Provinz lebe ja auch ruhig. Würde aber nicht unbedingt unterschreiben, dass man besser als in Deutschland lebt. Schlecht ist es natürlich nicht und allemal besser als in den Metropolen. Aber genug Gewalt gibt es hier auch, erst die jetzige Generation wird hier die tatsächlich Veränderung bringen (99,9% Schulbesuch, etc.) ...

Das die Presse viel Müll schreibt, ist klar. Sage ich seit Jahren. Habe in den letzten 8 Jahren gut und gerne 5.000 Artikel, Reportagen, Interviews über Brasilien veröffentlicht und kenne auch viele Korrespondenten persönlich. (Sind derzeit deutlich mehr als 20 im Land). Es gibt aber auch viele, die nur mal kurz hier waren oder zu bestimmten Events ins Land kommen. Keine gute Grundlage für intensive Berichte, da kann man auch wie gehabt aus der deutschen Redaktion auf die Folha oder O Globo zurückgreifen, wie es SPON beispielsweise oft macht.

Aber zurück zum Thema: die Sensationsgier der Medien wird immer größer und in unsere multimedialen Welt wird der Augenzeuge von früher fast überflüssig. Überwachungskameras, Verkehrskameras, Smartphones, Helmkameras - bei vielen Sachen können die Medien gleich Bild- und Tonmaterial liefern. Und das Grauen viel deutlicher zeigen. Das beunruhigt mich. Die Ethik und die Pietät geht verloren. Da wird ja kaum mal was geblurrt. Und selbst wenn man zu spät kommt, ein Foto von der Leiche gibts allemal noch.

Am vergangenen Wochenende hat mir ein Reporter vom RICTV (gehört zu Record) verraten, dass sie jetzt auch hier in der Provinz "Moto-Link" anschaffen. Also Motorräder als Übertragungswagen. Antenne ausfahren, Kamera und Mikrofon werden per Funk angebunden und schon kann die Liveschalte losgehen. Ein mit Technik vollgepackter Van wie man das so kennt ist nicht mehr möglich. Dann dürfen wird uns schon jetzt auf Bilder vom den letztem Zuckungen eines Opfers freuen. Auch das beunruhigt mich.

Und wenn es zu jedem Vorfall ein Video gibt, zählt irgendwann nur noch das sichtbare und vordergründige. Und das ist meines Erachtens die größte Gefahr.

@colono: Der Christo Retendor heisst übrigens Cristo Redentor! =P~
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